Cover-Bild Schwarzer September
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Zsolnay, Paul
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 288
  • Ersterscheinung: 17.02.2026
  • ISBN: 9783552075757
Sandro Veronesi

Schwarzer September

Roman
Karin Krieger (Übersetzer)

Der neue, große Roman des Strega-Preisträgers Sandro Veronesi: Über Italien in den 1970ern und einen Sommer, der alles verändert

Fiumetto an der ligurischen Küste im Sommer 1972: Sind es anfangs der Kampf um die Schachweltmeisterschaft zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski und die kommenden Olympischen Spiele von München, die den zwölfjährigen Gigio interessieren, so ändert sich das schlagartig, als die dreizehnjährige Astel mit ihrer aus Äthiopien stammenden Mutter die benachbarte Strandkabine bezieht. Das Übersetzen von Songtexten bringt die belesene Astel und den pubertierenden Gigio zusammen; die Musik von David Bowie und Cat Stevens, der Geruch von Strand und Vinyl durchziehen das ganze Buch.
Doch dann wird Astels Vater ermordet. Gigios Vater, ein Rechtsanwalt, soll die Verteidigung der verdächtigten Ehefrau übernehmen. Und in München verübt die Terrorgruppe »Schwarzer September« einen Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2026

Der plötzliche Verlust der Unbeschwertheit

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In "Schwarzer September" erzählt Sandro Veronesi von einem einschneidenden Moment, der eine Kindheit abrupt beendet. Der Roman liest sich schnell und mit einer gewissen Dynamik, obwohl der Autor zunächst ...

In "Schwarzer September" erzählt Sandro Veronesi von einem einschneidenden Moment, der eine Kindheit abrupt beendet. Der Roman liest sich schnell und mit einer gewissen Dynamik, obwohl der Autor zunächst viel Raum der Beschreibung der Kindheit des Protagonisten widmet. Diese frühe Lebensphase wirkt geprägt von Beständigkeit: endlose Sommertage, Freude, Freundschaften und die vertraute Geborgenheit der Heimat. Alles scheint von einer ruhigen, beinahe trägen Langlebigkeit erfüllt zu sein.
Gerade diese ausführliche Schilderung der Kindheit macht deutlich, wie stabil und selbstverständlich diese Welt für den jungen Protagonisten erscheint. Die Tage folgen einem scheinbar sicheren Rhythmus, und die Welt wirkt geordnet und verlässlich.
Umso stärker trifft der Bruch, der darauf folgt. Das eigentliche katastrophale Ereignis nimmt im Roman vergleichsweise wenig Raum ein, doch seine Wirkung ist umso intensiver. Trauer und Verzweiflung treffen den Protagonisten plötzlich und mit großer Wucht. Gleichzeitig beginnt auch die größere, weltliche Ordnung zu bröckeln – als würde nicht nur ein persönlicher Schutzraum, sondern ein ganzes Weltbild erschüttert.
Sandro Veronesi gelingt es eindrucksvoll zu zeigen, wie fragil die naive Sicherheit der Kindheit ist. Schwarzer September macht spürbar, wie schnell die scheinbare Stabilität der frühen Jahre verschwinden kann und wie abrupt der Übergang von kindlicher Unbeschwertheit zu einer ersten, schmerzhaften Konfrontation mit der Realität erfolgt.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Der Sonnenduft

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Es ist der Sommer 1972 mit Schachweltmeisterschaft und Olympischen Spielen. Für diese Themen interessiert sich der zwölfjährige Gigio, der den Sommer mit seiner Familie in Fiumetto an der ligurischen Küste ...

Es ist der Sommer 1972 mit Schachweltmeisterschaft und Olympischen Spielen. Für diese Themen interessiert sich der zwölfjährige Gigio, der den Sommer mit seiner Familie in Fiumetto an der ligurischen Küste verbringt, Und er interessiert sich für die Strandnachbarn, vor allem für die dreizehnjährige Astel, deren Mutter aus Äthiopien stammt. Gigio und Astel verbringen viel Zeit zusammen, in der sie unter anderem Songtexte übersetzen. Als Astels Vater ermordet wird, während in München die Terrorgruppe „Schwarzer September“ einen Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft verübt, soll Gigios Vater die Verteidigung der verdächtigten Ehefrau übernehmen.
Ein Strand am blauen Meer; drei Jugendliche erholen sich schlafend im Sand. Soweit zum Cover, das einen die drückende Hitze eines Sommers spüren lässt. Und zu spüren gibt es in diesem Buch sehr viel. Der Titel allein regt schon zum Nachdenken an, denn er hat nicht nur eine einzige Bedeutung. Der Roman selbst besteht aus zwei Teilen und einem Epilog, im Anhang sind erwähnte Bücher und Lieder aufgelistet.
Ich-Erzähler Gigio blickt nach 50 Jahren auf jenen Sommer zurück, der – nicht nur – sein Leben verändert hat. Die Geschichte ist in verschachtelten Sätzen, aber mit so viel Schwung erzählt, dass es einen geradezu wie in einem Sog in die Geschehnisse 1972 hineinzieht; temporeich wie ein Giro d´Italia. Es erscheint einem auch vollkommen plausibel, dass der Erzähler diese Geschichte auch wirklich persönlich erlebt hat. Und das nicht nur, weil er die Leser ab und zu direkt anspricht. Veronesi spielt mit Wörtern, er gibt so bildhaft wieder, dass Geräusche oder Gerüche direkt während des Lesens entstehen, denen man sich nicht entziehen kann. Die gesamte Atmosphäre und die Charaktere sind sehr authentisch gezeichnet.
Veronesi erzählt langsam, und es dauert, bis sich die Geschichte ihrem Höhepunkt zuwendet. Dennoch wird das Buch an keiner Stelle langweilig, denn all die kleinen Erlebnisse, alle Details, die uns Gigio vermittelt, prägen sich ein und sind überaus wichtig, um auch das Ende zu verstehen. Erst wenn man die Hintergründe und Eigenheiten der Personen kennt, kann man verstehen, wie sie letztendliche reagieren und warum sie das tun.
Wer sich für Sport begeistert, wird viele Namen und Ereignisse wiedererkennen; wer die Musik jener Zeit mag, liegt mit dieser Geschichte ebenso richtig; wer sogar selbst einen Sommer jener Zeit an einem italienischen Strand verbringen durfte, wird sich zurückversetzt fühlen in seine eigene Kindheit und Jugend.
Als Erwachsener arbeitet der Protagonist als Übersetzer. Doch schon als Zwölfjähriger stellt er fest, wie schwierig es sein kann, manche Wörter in eine andere Sprache zu übertragen. Manches lässt sich sogar überhaupt nicht mit einem Wort wiedergeben. Und er hat auch recht damit, dass man einiges – vor allem wenn es aus dem Herzen kommt – spontan nur in der Muttersprache sagen kann, egal wie gut man die andere Sprache zu beherrschen meint.
Die Übersetzung dieser wortgewaltigen Geschichte war sicher eine Herausforderung. Und bestimmt ging hier auch einiges beim Übersetzen verloren. Ein Lesen des italienischen Originaltextes lohnt sich hier auf alle Fälle. Aber auch in der vorliegenden deutschen Fassung bleibt das Buch für mich ein absoluter literarischer Höhepunkt des Jahres. Schwarzer September stellt für mich daher ein Fünf-Sterne-Plus-Werk dar.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Sommer. Erste Liebe. Katastrophe.

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Sommer 1972 – da werden eigene Erinnerungen wach, die sich gar nicht so sehr von denjenigen des zwölfjährigen Gigio unterscheiden. Ein warmer Sommer, Ferien, Unbeschwertheit, die erste Liebe, Chaos im ...


Sommer 1972 – da werden eigene Erinnerungen wach, die sich gar nicht so sehr von denjenigen des zwölfjährigen Gigio unterscheiden. Ein warmer Sommer, Ferien, Unbeschwertheit, die erste Liebe, Chaos im Kopf und in der Seele. Das Erwachsenwerden ist halt universell und lässt den jungen Italiener ebenso wie unsereinen in die Pubertät purzeln. Da gilt es nicht nur das plötzlich außer Kontrolle geratene Haar zu zähmen und dem Friseur ein Schnippchen zu schlagen, um an die anstößigen Hefte unter der Theke zu gelangen. Da erwachen Gefühle, unbekannte, wunderschöne, schmerzliche, begleitet von der Musik von David Bowie und Cat Stevens. Herrlich, wie Sandro Veronesi die Stimmung des Sommers und die Gefühlslage des in die ein Jahr ältere Astel verliebten Jungen einfängt, auch wenn er dabei gelegentlich Längen in Kauf nimmt und sich im Erzählen zu verlieren scheint. Eine gewisse Spannung auf das Kommende bleibt, denn der Protagonist macht schon frühzeitig klar, dass er davon erzählen will, was ihm „so früh, so unerwartet, so überstürzt, so brutal und so unwiderruflich geschah“. Den älteren Leser:innen ist vielleicht die Schach-Weltmeisterschaft mit legendärer Partie nicht mehr präsent, dafür aber umso mehr das entsetzliche Olympia-Attentat der Terrorgruppe „Schwarzer September“. Auch in Gigios Leben bricht eine brutale Tat ein, dieser Sommer verändert sein Leben in jeder Hinsicht. Das Cover wirkt nur auf den ersten Blick idyllisch und unbeschwert. Doch die Idylle und Gigios kindliche Unbeschwertheit weichen einem harten Erwachen. Sandro Veronesi versteht sie, die Kunst des Erzählens, und dabei „hört“ man ihm gerne zu.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

coming of age

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Ligurien im Sommer 1972.
Ein Coming-of-Age-Roman der so beginnt, wie man es sich für den 12jährigen Gigio wünscht. Er lernt ein tolles Mädchen kennen. Verbringt viel Zeit mit ihr am Strand und mit der ...

Ligurien im Sommer 1972.
Ein Coming-of-Age-Roman der so beginnt, wie man es sich für den 12jährigen Gigio wünscht. Er lernt ein tolles Mädchen kennen. Verbringt viel Zeit mit ihr am Strand und mit der Musik der damaligen Zeit. Erste Gefühle von Zuneigung kribbeln in ihnen.

Dann geschieht ein Mord und da Gigios Vater Rechtsanwalt ist und das Opfer der Vater des Mädchens kommt eine beklemmende und düstere Note in die Geschichte. Und dann sind da auch die Dinge, die im Rest der Welt geschehen. Wie der Anschlag bei den Olympischen Spielen in München.

Die Geschichte ist vielschichtig und einfühlsam erzählt. Der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Man kann gut nachfühlen, wie es den jungen Leuten geht und welche Fragen plötzlich in ihr Leben knallen.

Der Autor ist einer, der leise Töne bevorzugt und der auf Genauigkeit bei der Erzählung wert legt. Daher ist das Buch eher ruhig und nachdenklich. Ich habe es gerne gelesen.

Veröffentlicht am 04.03.2026

Die Idylle währt nicht lange

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Auch wenn mir Sandro Veronesi vor diesem Roman nicht bekannt war, muss man aber sicher erwähnen, dass er sich in Italien bereits einen Namen als Schriftsteller erarbeitet hat.
In diesem Roman umreisst ...

Auch wenn mir Sandro Veronesi vor diesem Roman nicht bekannt war, muss man aber sicher erwähnen, dass er sich in Italien bereits einen Namen als Schriftsteller erarbeitet hat.
In diesem Roman umreisst er die Geschichte um den 12 Jährigen Gigio, der mit seiner Familie am Badeort Fiumetto Urlaub macht. Es ist das Jahr 1972, und Zeit für die erste Liebe, die Gigio in Form von Astel erleben darf. Doch als ihr Vater ermordet wird, ist natürlich nichts mehr so wie es vor diesem schrecklichen Ereignis war.
Dieses Buch wurde sehr einfühlsam erzählt, allerdings aus einer rückwärts gewandten Perspektive von Gigio. Natürlich findet sich auch der Bezug zum Titel wieder, der zwar nichts mit der Handlung um den Mord usw zutun hat, aber die Welt 1972 nachhaltig erschütterte.
Ich werde den Autor definitiv im Auge behalten, da mir seine Erzählweise sehr gut gefallen hat.

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