Zaghafte Gefühle des Erwachsenwerdens
Dieser kleine Roman entführt die Leser in den Sommer der frühen 70er-Jahre an der ligurischen Küste und erzählt von Gigio, der mit zwölf Jahren zum ersten Mal verliebt ist. Gemeinsam mit Astel, der Tochter ...
Dieser kleine Roman entführt die Leser in den Sommer der frühen 70er-Jahre an der ligurischen Küste und erzählt von Gigio, der mit zwölf Jahren zum ersten Mal verliebt ist. Gemeinsam mit Astel, der Tochter einer äthiopischen Familie, entdeckt er nicht nur Musik und Sprache, sondern auch die ersten zaghaften Gefühle des Erwachsenwerdens. Diese leisen, kleinen Momente machen den Einstieg besonders ehrlich. Ich fand die Erkundung seiner eigenen Haare, die sich in eine Lockenpacht entwickelte richtig süss.
Doch die anfängliche Leichtigkeit hält nicht lange an, denn als Astels Vater ermordet wird und der Verdacht auf ihre Mutter fällt, gerät alles ins Wanken. Gigios Vater übernimmt die Verteidigung und plötzlich ist die unbeschwerte leichte Sommerzeit von Konflikten und Unsicherheit durchzogen.
Der Erzählstil ist zunächst ungewohnt, aber sehr Niveauvoll geprägt. Er entfaltet schnell seinen eigenen Reiz und passt gut zu rückblickenden Perspektiven. Besonders eindrucksvoll sind die fein gezeichneten Familienkonstellationen und die dichte, fast greifbare Atmosphäre. Insgesamt ein ruhiger, aber intensiver Roman, der noch lange nachhallt und definitiv lesenswert ist.