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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.05.2026

Zwischen Geistern und Geheimnissen

Weavingshaw
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Mit dem Fantasyroman „Weavingshaw“ erschafft Heba Al-Wasity eine düstere, fast gothicartige Atmosphäre voller Geheimnisse, Intrigen und dem Gefühl von Verbotenem. Besonders das Setting hat mich begeistert ...

Mit dem Fantasyroman „Weavingshaw“ erschafft Heba Al-Wasity eine düstere, fast gothicartige Atmosphäre voller Geheimnisse, Intrigen und dem Gefühl von Verbotenem. Besonders das Setting hat mich begeistert – der Roman lebt vor allem von seinem einzigartigen Vibe. Diese einzigartige Stimmung ist mir besonders im Kopf geblieben. Originell fand ich auch die Fähigkeit der Protagonistin, Geister zu sehen, und den Verlust dieser Gabe. Die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren, vor allem der Deal-Aspekt und die leichte Enemy-to-Lovers-Stimmung, hat mich sehr angesprochen, ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen. Anfangs entwickelt sich die Geschichte eher langsam, gewinnt ab der Mitte aber deutlich an Tiefe und Spannung. Ein gelungener Auftakt, der mich neugierig auf Teil 2 macht und hoffen lässt, dass dessen düstere Atmosphäre noch lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

64 Arten, unzählige Geschichten

Das Jahr der Schmetterlinge
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Der Roman „Das Jahr der Schmetterlinge“ ist ein leises, eindringliches Buch, das Naturerlebnis und Wissensvermittlung auf besondere Weise verbindet. Lea Korsgaard erschafft ein wunderschönes Setting, das ...

Der Roman „Das Jahr der Schmetterlinge“ ist ein leises, eindringliches Buch, das Naturerlebnis und Wissensvermittlung auf besondere Weise verbindet. Lea Korsgaard erschafft ein wunderschönes Setting, das so lebendig beschrieben ist, dass man sich fühlt, als wäre man selbst vor Ort in Dänemark. Ihre Sprache ist feinfühlig und fast melodisch, wodurch die faktenreiche Passagen und das enorme Wissen leicht und zugänglich wirken. Auf 336 Seiten gelingt ihr ein beeindruckender Spagat zwischen Sachbuch und literarischem Erzählen. Man lernt nicht nur die 64 in Dänemark vorkommenden Schmetterlingsarten kennen, sondern taucht auch in Themen wie Anthropologie, Religion und Folklore ein. Gleichzeitig folgt man der persönlichen Entwicklung der Autorin und gewinnt mit ihr Erkenntnisse über ihre Bewegründe und Innenleben. Ein kluges, berührendes Buch, das Wissen, Atmosphäre, Natur und Menschlichkeit meisterhaft vereint.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Der plötzliche Verlust der Unbeschwertheit

Schwarzer September
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In "Schwarzer September" erzählt Sandro Veronesi von einem einschneidenden Moment, der eine Kindheit abrupt beendet. Der Roman liest sich schnell und mit einer gewissen Dynamik, obwohl der Autor zunächst ...

In "Schwarzer September" erzählt Sandro Veronesi von einem einschneidenden Moment, der eine Kindheit abrupt beendet. Der Roman liest sich schnell und mit einer gewissen Dynamik, obwohl der Autor zunächst viel Raum der Beschreibung der Kindheit des Protagonisten widmet. Diese frühe Lebensphase wirkt geprägt von Beständigkeit: endlose Sommertage, Freude, Freundschaften und die vertraute Geborgenheit der Heimat. Alles scheint von einer ruhigen, beinahe trägen Langlebigkeit erfüllt zu sein.
Gerade diese ausführliche Schilderung der Kindheit macht deutlich, wie stabil und selbstverständlich diese Welt für den jungen Protagonisten erscheint. Die Tage folgen einem scheinbar sicheren Rhythmus, und die Welt wirkt geordnet und verlässlich.
Umso stärker trifft der Bruch, der darauf folgt. Das eigentliche katastrophale Ereignis nimmt im Roman vergleichsweise wenig Raum ein, doch seine Wirkung ist umso intensiver. Trauer und Verzweiflung treffen den Protagonisten plötzlich und mit großer Wucht. Gleichzeitig beginnt auch die größere, weltliche Ordnung zu bröckeln – als würde nicht nur ein persönlicher Schutzraum, sondern ein ganzes Weltbild erschüttert.
Sandro Veronesi gelingt es eindrucksvoll zu zeigen, wie fragil die naive Sicherheit der Kindheit ist. Schwarzer September macht spürbar, wie schnell die scheinbare Stabilität der frühen Jahre verschwinden kann und wie abrupt der Übergang von kindlicher Unbeschwertheit zu einer ersten, schmerzhaften Konfrontation mit der Realität erfolgt.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Atmosphärischer Kleinstadt-Thriller

Kala
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Mit Kala gelingt Colin Walsh ein ebenso atmosphärischer wie unkonventioneller Thriller, der weniger auf schnelle Schocks als auf eine stetig wachsende Spannung setzt. Schauplatz ist die irische Kleinstadt ...

Mit Kala gelingt Colin Walsh ein ebenso atmosphärischer wie unkonventioneller Thriller, der weniger auf schnelle Schocks als auf eine stetig wachsende Spannung setzt. Schauplatz ist die irische Kleinstadt Kinlough – ein Setting, das von Beginn an eine dichte, beinahe greifbare Atmosphäre erzeugt. Die scheinbar ruhige Kleinstadt bildet den perfekten Hintergrund für die unterschwellige Unruhe, die sich durch den gesamten Roman zieht.
Besonders reizvoll ist die Erzählweise: Die Geschichte entfaltet sich aus der Perspektive mehrerer Figuren, deren Erinnerungen, Einschätzungen und Wahrnehmungen sich nicht immer decken. Gerade diese subjektiven Blickwinkel machen den Roman so spannend, denn als Leserin oder Leser ist man ständig damit beschäftigt, die einzelnen Puzzleteile zusammenzufügen und zu hinterfragen, was tatsächlich passiert ist.
Zusätzlich verstärkt wird dieser Effekt durch die zwei Zeitebenen, zwischen denen der Roman wechselt. Vergangenheit und Gegenwart greifen immer wieder ineinander, ohne sofort alle Antworten preiszugeben. Stattdessen nähert man sich der Wahrheit Schritt für Schritt an – und genau das macht den Reiz des Buches aus. Die Auflösung eines lange zurückliegenden Rätsels entwickelt sich langsam, aber kontinuierlich, und hält die Spannung bis zum Schluss aufrecht.
Kala ist damit ein sehr unterhaltsamer und zugleich ungewöhnlicher Thriller, der nicht nur von seinem Geheimnis lebt, sondern vor allem von Atmosphäre, Perspektivwechseln und der langsamen Annäherung an die Wahrheit.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Eine Welt ohne Antworten

Ich, die ich Männer nicht kannte
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"Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman" ist zu Recht zu einem modernen Klassiker geworden. Die Autorin schafft es auf beeindruckende Weise, die bedrückende Atmosphäre der Ungewissheit ...

"Ich, die ich Männer nicht kannte von Jacqueline Harpman" ist zu Recht zu einem modernen Klassiker geworden. Die Autorin schafft es auf beeindruckende Weise, die bedrückende Atmosphäre der Ungewissheit auf die Leserinnen und Leser zu übertragen. Alles wirkt zugleich beengend und grenzenlos: Die Figuren sind in einer Situation gefangen, deren Sinn sie nicht verstehen, während sich um sie herum eine scheinbar endlose Welt auftut, die ebenso rätselhaft bleibt.
Besonders die namenlose Protagonistin hebt sich deutlich von den anderen gefangenen Frauen ab. Obwohl alle zunächst auf ihre elementarsten Bedürfnisse reduziert sind, besitzt sie eine ganz eigene Art zu denken und die Welt zu betrachten. Ihre Perspektive ist frei von gesellschaftlichen Konventionen, Etikette und erlernten sozialen Gepflogenheiten. Gerade dadurch stellt der Roman immer wieder Fragen, die auch die Lesenden nicht loslassen: Welche Bedeutung haben diese Regeln eigentlich? Und was bleibt vom Menschsein übrig, wenn sie verschwinden?
Der nüchterne, fast beobachtende Ton der Erzählerin verstärkt die Wirkung der Geschichte. Man folgt ihren Gedanken und Entdeckungen mit wachsender Spannung und hofft bis zuletzt auf Antworten, auf eine Erklärung oder wenigstens auf eine neue Erkenntnis über die rätselhafte Situation der Frauen. Gleichzeitig deutet die Protagonistin früh an, dass es keinen Ausweg und keine Auflösung geben wird.
Gerade diese Offenheit macht die große Stärke des Romans aus. "Ich, die ich Männer nicht kannte" lässt einen mit quälenden Fragen zurück – und genau deshalb bleibt das Buch noch lange nach der letzten Seite im Gedächtnis.

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