Der plötzliche Verlust der Unbeschwertheit
Schwarzer SeptemberIn "Schwarzer September" erzählt Sandro Veronesi von einem einschneidenden Moment, der eine Kindheit abrupt beendet. Der Roman liest sich schnell und mit einer gewissen Dynamik, obwohl der Autor zunächst ...
In "Schwarzer September" erzählt Sandro Veronesi von einem einschneidenden Moment, der eine Kindheit abrupt beendet. Der Roman liest sich schnell und mit einer gewissen Dynamik, obwohl der Autor zunächst viel Raum der Beschreibung der Kindheit des Protagonisten widmet. Diese frühe Lebensphase wirkt geprägt von Beständigkeit: endlose Sommertage, Freude, Freundschaften und die vertraute Geborgenheit der Heimat. Alles scheint von einer ruhigen, beinahe trägen Langlebigkeit erfüllt zu sein.
Gerade diese ausführliche Schilderung der Kindheit macht deutlich, wie stabil und selbstverständlich diese Welt für den jungen Protagonisten erscheint. Die Tage folgen einem scheinbar sicheren Rhythmus, und die Welt wirkt geordnet und verlässlich.
Umso stärker trifft der Bruch, der darauf folgt. Das eigentliche katastrophale Ereignis nimmt im Roman vergleichsweise wenig Raum ein, doch seine Wirkung ist umso intensiver. Trauer und Verzweiflung treffen den Protagonisten plötzlich und mit großer Wucht. Gleichzeitig beginnt auch die größere, weltliche Ordnung zu bröckeln – als würde nicht nur ein persönlicher Schutzraum, sondern ein ganzes Weltbild erschüttert.
Sandro Veronesi gelingt es eindrucksvoll zu zeigen, wie fragil die naive Sicherheit der Kindheit ist. Schwarzer September macht spürbar, wie schnell die scheinbare Stabilität der frühen Jahre verschwinden kann und wie abrupt der Übergang von kindlicher Unbeschwertheit zu einer ersten, schmerzhaften Konfrontation mit der Realität erfolgt.