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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.01.2021

Noch ist es nicht zu spät, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen.

Das Eis schmilzt
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Arved Fuchs reist seit vielen Jahren in Regionen, die für die meisten Menschen unerreichbar sind. Die Bilder und Beschreibungen dieser Reisen haben schon immer fasziniert und entsprechend schön sind sie ...

Arved Fuchs reist seit vielen Jahren in Regionen, die für die meisten Menschen unerreichbar sind. Die Bilder und Beschreibungen dieser Reisen haben schon immer fasziniert und entsprechend schön sind sie auch in diesem Buch, gleichzeitig aber auch unsagbar deprimierend. Der Autor beschreibt in leisen, eindringlichen Tönen den Wandel der Natur durch die durch Menschen verursachte Umweltzerstörung. Er lässt uns teilhaben an ersten abenteuerlichen Exkursionen, als er in menschenleere Regionen vorstieß, und absurden Begegnungen mit Kreuzfahrtschiffen 40 Jahre später an denselben Orten. Neben erschreckenden Beispielen für Fehlverhalten in ganz unterschiedlichen Bereichen zeigt Arved Fuchs aber auch bemerkenswerte Beispiele für einen anderen, verantwortungsvollen Umgang mit unserem Planeten.

Das Buch ist auf 250 Seiten in 16 Kapitel unterteilt, in sehr leicht verständlicher Sprache geschrieben und reich bebildert. Der erste Teil kann eher als Bestandsaufnahme und Problematisierung bezeichnet werden, der zweite Teil zeigt Lösungswege und anhand einiger ausgewählter Beispiele auch gelungene, ermutigende Umsetzungen.

Anders als viele andere Publikationen zu diesem sehr ernsten Thema macht Arved Fuchs Mut. Wenn wir jetzt handeln, dann ist es noch nicht zu spät. Es gibt genügend Ansätze in ganz unterschiedlichen Bereichen, die bereits funktionieren. Und anders als in den letzten Jahrzehnten gibt es seit „Fridays for Future“ eine breite Bewegung, die sich dem Klimawandel entgegenstellen will und umfangreiche Maßnahmen einfordert.

Arved Fuchs liefert mit diesem Buch einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion und vielleicht wird sein eher leiser, nichtsdestotrotz eindringlicher Appell gerade deshalb gehört.

Das Buch bekommt eine klare Leseempfehlung von mir!

Veröffentlicht am 03.01.2021

Viel mehr als (nur) ein Kochbuch

Uri Buri - meine Küche
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Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass Uri Buri bzw. Uri Jeremias ein mir völlig unbekannter Name war, bevor ich dieses Buch erstmals gesehen habe. Und auch dann hat mich das Cover nicht sonderlich ...

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass Uri Buri bzw. Uri Jeremias ein mir völlig unbekannter Name war, bevor ich dieses Buch erstmals gesehen habe. Und auch dann hat mich das Cover nicht sonderlich angesprochen. Ein weiteres Fischkochbuch eben, das ich eher desinteressiert aufgeschlagen habe. Doch dann hat mich bereits das kurze, aber sehr eindrückliche Vorwort von Uri Buri gepackt. Dieser Mann hat eine Lebensphilosophie, die sein ganzes Handeln bestimmt. Was er macht, das macht er richtig und umfassend. Folgerichtig ist "Uri Buri - Meine Küche" viel mehr als ein Kochbuch.

Eine sehr ausführliche Einleitung beschreibt das Leben und das Team Uri Buris. Wunderschöne Fotos ergänzen diesen Text. Erst dann folgt ein noch ausführlicherer Teil, in dem es ausschließlich um Fisch geht: Einkauf, Verarbeitung und die verschiedenen Zubereitungsarten. Und erst dann folgt der in einem normalen Kochbuch zu erwartende Rezeptteil. Überwiegend handelt es sich dabei natürlich um Fischrezepte, es gibt aber auch einige Salate, Desserts und Beilagen.
Überrascht hat mich die Einfachheit dieser Rezepte. Wenige Zutaten, eine sehr präzise Zubereitungsanleitung und zum Abschluss Anmerkungen, die Anregungen beinhalten, manchmal aber auch einfach nur sehr unterhaltsam sind. Zu jedem dieser Rezepte gibt es ein Foto, das passend zu Uri Buri ohne Schnickschnack einfach nur ein sehr appetitlich aussehendes Gericht darstellt.

Dieses Buch ist für mich viel mehr als ein Kochbuch und ich kann nicht sagen, welcher Teil mir am besten gefallen hat. Ein absolutes Highlight in diesem Genre!

Veröffentlicht am 27.12.2020

Gescheiterter Rettungsversuch einer Ehe

Unter uns das Meer
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Das Ehepaar Partlow lebt mit den noch recht kleinen Kindern in einer amerikanischen Vorstadt. Während Michael beruflich erfolgreich, aber unzufrieden ist, leidet Juliet unter Depressionen und hat ihre ...

Das Ehepaar Partlow lebt mit den noch recht kleinen Kindern in einer amerikanischen Vorstadt. Während Michael beruflich erfolgreich, aber unzufrieden ist, leidet Juliet unter Depressionen und hat ihre Dissertation immer wieder verschoben. Nicht nur deshalb kriselt es in der Ehe. Als Michael eine gemeinsame einjährige Weltreise auf einem Segelboot vorschlägt, um sich wieder anzunähern, reagiert Juliet zunächst mit Ablehnung. Michaels Segelerfahrungen sind eher rudimentär, Juliet hat überhaupt keinen Bezug zum Segeln. Trotzdem kaufen die beiden ein Boot und lassen sich auf das gewagte Abenteuer ein.

Bereits zu Beginn ist der unglückliche Ausgang dieser Reise bekannt, doch man weiß nicht genau, was eigentlich passiert ist. Die Autorin erzählt abwechselnd aus Juliets und Michaels Blickwinkel. Dabei lässt sie Michael in Form von Logbucheinträgen während der Reise zu Wort kommen. Er nutzt dieses Buch auch als eine Art Tagebuch, in dem er sich sowohl über aktuelle Erlebnisse, Gefühle und Gedanken als auch über die Vergangenheit und Gegenwart mit Juliet auslässt. Juliets Sichtweise wird anfangs nach Ende der Reise in Rückblenden beschrieben. Ergänzt und vertieft wird das Bild durch den Blickwinkel der siebenjährigen Tochter, die die Reise und die neue Verfügbarkeit des Vaters genießt. Der Sohn ist noch zu klein, um als aktiv beschreibende Person das Bild abzurunden.

Diese Art des Erzählens war durchaus faszinierend, wenn auch nicht immer ganz einfach zu lesen. Im Laufe des Romans entstand wie bei einem Puzzle ein vollständiges Bild, das zumindest bei mir nicht unbedingt meinen Erwartungen entsprach. Auch die Charakterzeichnungen waren gelungen. Aus anfänglich eher groben Umrissen entstanden gegen Ende sehr detaillierte und glaubwürdige Persönlichkeiten. Dabei haben sich meine Sympathien nach und nach verschoben. Je mehr ich über Michael und Juliet erfahren habe, desto weniger konnte ich bestimmte Handlungsweisen und Überzeugungen nachvollziehen oder teilen.

Das Ende lässt mich ein bisschen ratlos zurück. Einerseits hat die Autorin durch ihre Erzählweise eine Spannung aufgebaut, die es stellenweise auch mit einem Thriller aufnehmen könnte. Andererseits wird dann soviel in die Geschichte gepackt, dass es einfach zu viel des Guten ist. Hinzu kommt, dass mir als Nicht-Seglerin einige Stellen dann doch zu langatmig waren. Dafür kann die Autorin aber nichts.

Insgesamt kann ich das gut geschriebene Buch deshalb mit leichten Einschränkungen empfehlen.

  • Cover
Veröffentlicht am 13.12.2020

Zu hohe Erwartungen werden (meist) enttäuscht

Mord in Highgate
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Anthony Horowitz spielt in seinem Roman selbst eine Hauptrolle – diese Idee ist originell.

Im zweiten Fall des Duos Horowitz - Hawthorne wird ein prominenter Scheidungsanwalt ermordet aufgefunden. Auf ...

Anthony Horowitz spielt in seinem Roman selbst eine Hauptrolle – diese Idee ist originell.

Im zweiten Fall des Duos Horowitz - Hawthorne wird ein prominenter Scheidungsanwalt ermordet aufgefunden. Auf den ersten Blick scheint der Fall eindeutig, eine ebenso prominente Künstlerin hat ihn zuvor in einem Restaurant bedroht. Horowitz, der als Drehbuchautor mit einer Verfilmung komplett ausgelastet ist, hat einer dreiteiligen True Crime-Serie mit dem ebenso genialen wie undurchschaubaren ehemaligen Detective Hawthorne zugestimmt. Er muss jetzt widerwillig zwischen Filmset und Ermittlungsorten hin und her eilen. Als ihm dann noch die absolut unsympathischen und unkorrekt handelnden ermittelnden Polizisten Steine in den Weg legen, ist sein Ehrgeiz geweckt, den Fall vor allen anderen zu lösen. Und der stellt sich als komplexer heraus als erwartet.

Die Parallelen zu Sherlock Holmes, Doctor Watson und Lestrade sind so gewollt und eindeutig, dass sie unmöglich übersehen werden können. Trotzdem bleiben die Charaktere für mich hier ein bisschen zu blass. Horowitz ist der Autor mit vielen erfolgreichen Büchern, der auch als Drehbuchautor arbeitet. Faktisch korrekt, aber als Person nicht wirklich greifbar. Und Hawthorne bleibt nebulös. Clever, belesen, charakterlich eher schwierig. Die Besetzung der Rolle von Lestrade mit einer weiblichen, geistig etwas beschränkten Polizistin mit einem brutalen, skrupellosen Assistenten empfinde ich als ein bisschen fragwürdig. Die anderen, in diesem Fall auftretenden Personen zeichnen sich auch nicht unbedingt durch ein korrektes Verhalten aus. Insofern gibt es hier durchaus Parallelen zu der Sherlock Holmes Vorlage, aber Horowitz überzeichnet, ohne wirkliche Sympathien zu wecken.

Für mich war es tatsächlich das erste Buch dieses Autoren, obwohl mir der Name seit vielen Jahren als Jugendbuchautor und später als Autor der Sherlock Holmes Romane bekannt ist. Vielleicht bin ich genau aus diesem Grund ein bisschen enttäuscht. Der Schreibstil ist wirklich gut lesbar und vermutlich wäre es genau das richtige Buch, um es an einem verregneten Wochenende oder im Urlaub entspannt in einem Rutsch zu lesen. Tatsächlich habe ich viel zu lange gebraucht, weil es mich nicht wirklich fesseln konnte. Ich denke, meine Erwartungen waren einfach viel zu hoch und konnten nur enttäuscht werden.

Mein Fazit: Wirklich gut zu lesen, tolles Cover, nicht ganz so überzeugende Charakterzeichnungen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.10.2020

Herrliche Satire auf den Kunstbetrieb

Ein Mann der Kunst
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Herrlich überzeichnet, dabei aber auch sprachlich überzeugend erzählt Kristof Magnusson von einem exzentrischen Maler, der sein eigenes Museum bekommen soll. Dazu ist aber die Zustimmung aller Mitglieder ...

Herrlich überzeichnet, dabei aber auch sprachlich überzeugend erzählt Kristof Magnusson von einem exzentrischen Maler, der sein eigenes Museum bekommen soll. Dazu ist aber die Zustimmung aller Mitglieder des Fördervereins erforderlich. Der eitle Kurator des Museums will die jährliche Reise des Vereins dazu nutzen, auch die Zweifler zu überzeugen.

Der Kunstbetrieb wird pointiert karikiert, Eitelkeiten und Machtkämpfe sind sicher etwas überspitzt dargestellt, aber doch so nah an der Realität, dass sie glaubwürdig sind. Kristof Magnusson hält dem Bildungsbürgertum mit diesem gesellschaftskritischen Roman den Spiegel vor.

Man muss kein Kunstliebhaber sein, um dieses Buch zu mögen. Eine gewisse Nähe zum Kulturbetrieb sollte trotzdem vorhanden sein, um die wunderbar entwickelten Details wirklich schätzen zu können.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere