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Veröffentlicht am 10.04.2026

Ende der Unschuld

Schwarzer September
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Sandro Veronesi hat mit "Schwarzer September" ein emotionales Porträt eines Sommers geschrieben, welches zugleich das Ende der Kindheit und Unschuld des Protagonisten Gigio beschreibt.

Der zwölfjährige ...

Sandro Veronesi hat mit "Schwarzer September" ein emotionales Porträt eines Sommers geschrieben, welches zugleich das Ende der Kindheit und Unschuld des Protagonisten Gigio beschreibt.

Der zwölfjährige Gigio verbringt den Sommer des Jahres 1972 wie in jedem Jahr mit seiner Mutter und der siebenjährigen Schwester in einem Badeort an der toskanischen Küste. Sein Vater ist Rechtsanwalt und kommt immer an den Wochenenden zu Frau und Kindern. Am Strand lernt Gigio die etwas ältere Astel kennen und verliebt sich in sie. Gemeinsam verbringen sie die Sommertage mit Musikhören und für Gigio wird Astel die erste große Liebe werden. Die politischen Ereignisse im September 1972 (Terroranschlag auf die israelische Olympiamannschaft in München) und ein einschneidendes Ereignis im Leben der beiden Teenager markieren nicht nur das Ende des Sommers sondern auch das Ende der Unschuld sowohl in Gigio Leben als auch für Astel.

Schwarzer September ist ein Buch über die Schönheit des Sommers am Meer, der ersten Liebe aber auch über das Zusammenbrechen von Gewissheiten. Die Hauptfigur ist am Ende ein anderer geworden. Ein Buch, dass mich durch die ruhige Schreibweise des Autors überzeugt hat.

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Super Ratgeber für naturnahes Gärtnern

Mein wilder, bunter Garten – Einfach naturnah gärtnern
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Silvia Hardt hat mit ihrem Sachbuch Mein wilder, bunter Garten – Einfach naturnah gärtnern ein gut lesbares, mit vielen praktischen Tipps ein Grundlagenwerk zum naturnahen Gärtnern vorgelegt.

Ich kannte ...

Silvia Hardt hat mit ihrem Sachbuch Mein wilder, bunter Garten – Einfach naturnah gärtnern ein gut lesbares, mit vielen praktischen Tipps ein Grundlagenwerk zum naturnahen Gärtnern vorgelegt.

Ich kannte Silvia Hardt bereits von ihrem Instagram-Account "Kleine Baummanufaktur", wo sie mich immer wieder mit ihren naturnahen und zugleich dekorativen Ideen zur Gartengestaltung begeistert.

Ihr Buch nun bietet Praxiswissen zur Gestaltung insektenfreundlicher Naturgärten, inklusive Beetplänen und DIY-Anleitungen. Man merkt, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt, denn sie betreibt eine Baumschule. In ihrem Buch ist alles ist gut verständlich beschrieben und reich bebildert. Ein großer Teil widmet sich der Frage, wie man gezielt Lebensräume für Nützlinge schafft und welche Pflanzen welche Insekten anziehen.

Dieses schöne Buch hat einen festen Platz in meinem Bücherregal bekommen und wird mit Sicherheit immer mal wieder hervorgeholt.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Tiefgründig und humorvoll

Liefern
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Der israelische Autor Tomer Gardi hat mit seinem neuen Buch, das den schlichten Titel "Liefern" trägt, einen globalen Roman geschrieben und lässt die Lesenden damit hinter die Kulissen eines ausbeuterischen ...

Der israelische Autor Tomer Gardi hat mit seinem neuen Buch, das den schlichten Titel "Liefern" trägt, einen globalen Roman geschrieben und lässt die Lesenden damit hinter die Kulissen eines ausbeuterischen Systems blicken.

Wer sich noch nie Gedanken über die Essenslieferanten mit ihren großen eckigen Rucksäcken auf dem Rücken gemacht hat - hatte ich bisher auch nicht - dem lege ich Liefern sehr ans Herz. Die prekären Verhältnisse, in denen sich das Arbeiten in verschiedenen Ländern, für unterschiedliche Lieferdienste abspielt, kann man sich mit etwas Phantasie noch selber zusammen reimen. Welche menschlichen Schicksale sich dahinter verbergen erzählt dagegen Tomer Gardi auf berührende Weise. Wie Schlaglichter erscheinen seine Geschichten, die in den Metropolen der Welt angesiedelt sind. Kurierfahrer sind Menschen mit Privatleben, mit zum Teil qualifizierten Ausbildungen oder aber mit der Sehnsucht nach einem besseren Leben.
Das Buch ist an keiner Stelle langweilig oder rührselig. Im Gegenteil: oft humorvoll besteht Tomers Kunst darin, die globale Vernetzung der Menschen in kleinen letztendlich zusammenhängenden Geschichten aufzuzeigen. Sein Verdienst ist es nicht nur, eine sehr angebrachte Kritik gegenüber einem unwürdigen System zu üben, sondern auch Menschen sichtbar zu machen, die in unserem Alltag einfach da sind und zu gern übersehen werden.

Liefern: ein wichtiges Buch, von dem in diesem Jahr noch viel zu hören sein wird.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Lieblingsbuch

Tage des Lichts
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Megan Hunter hat mit "Tage des Lichts" eine so wunderbar poetisch und melancholische Geschichte geschrieben, sodass dieses Buch schon jetzt zu meinem Jahreshighlight geworden ist. Bestimmt werde ich es ...

Megan Hunter hat mit "Tage des Lichts" eine so wunderbar poetisch und melancholische Geschichte geschrieben, sodass dieses Buch schon jetzt zu meinem Jahreshighlight geworden ist. Bestimmt werde ich es mit einigem Abstand erneut lesen.
Hauptfigur ist Ivy, die in einem künstlerisch geprägten Elternhaus auf dem Land im England der 1930er Jahre aufwächst. Ivy verlebt unbeschwerte Tage, gedanklich damit beschäftigt, was sie aus ihrem Leben machen soll. Das sorglose Leben nimmt am Ostersonntag des Jahres 1938 ein schicksalhaftes Ende. Ihr geliebter Bruder Joseph kehrt vom Baden in einem Fluss nicht zurück. Ivy wird sogar Augenzeugin des Verschwindens. Fortan belasteten die Geschehnisse vom Ostersonntag ihr Leben. Und ein weiterer Lebensfaden begleitet Ivy bis zum Schluss: die Liebe und das Verlagen zu einer anderen Frau. Durch gesellschaftliche Zwänge verursacht, kann diese Liebe über viele Jahre nicht ausgelebt werden.Ivy bleibt eine Suchende bis zum Schluss.

Auf überaus feinfühlige Weise gibt Megan Hunter Ivys Geschichte und ihre Gedanken wieder. Ich hatte das Gefühl, ihr bis in die Verästelungen ihrer Seele folgen zu dürfen. Aus meiner Sicht ist es eine große Kunst, eine Geschichte so zu gestalten.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Gut geschrieben, aber dennoch ein wenig enttäuschend

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Alena Schröders Buch "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" ist die 3. Geschichte aus einer Jahrhundert umspannenden Reihe von Generationen- und Familenromanen. Wieder stehen Kunst und Familie, ...

Alena Schröders Buch "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" ist die 3. Geschichte aus einer Jahrhundert umspannenden Reihe von Generationen- und Familenromanen. Wieder stehen Kunst und Familie, Herkunft und Identität im Mittelpunkt, erzählt aus weiblicher Perspektive.

Der 1. Handlungsstrang führt in die Nachkriegszeit der Barlachstadt Güstrow, in der die Waise Marlen bei der Malerin Wilma aufwächst und ihre eigenen künstlerischen Fähigkeiten unter Wilmas Obhut entwickelt.

Der 2. Handlungsstrang spielt 2023 in Berlin. Hier lernen wir Hannah Borowski kennen, die gerade in einer Lebenskrise steckt. Ihre beste Freundin ist aus der gemeinsamen WG ausgezogen und - viel einschneidender - ihr leiblicher Vater meldet sich und möchte nach drei Jahrzehnten Kontakt aufnehmen. Hannah ist unsicher, ob sie den Mann kennenlernen möchte.

Verbindendes Element der Erzählungen ist ein in Öl auf Leinwand gemaltes Bild, dass die 14jährige Waise Marlen findet und das für sie zum Fluchtpunkt in ihrem Leben wird. Denn dieses Bild wird über die Jahrzehnte immer wieder heimlich von ihr bearbeitet und steht somit für den Entwurf von etwas Eigenem. Marlen fühlt sich der Malerin Wilma verpflichtet, da diese sie nach dem Krieg aufgenommen hatte. Wilma verliert nach und nach ihr Augenlicht und nutzt Marlens Fähigkeiten, gibt deren Bilder als ihre Werke aus.

Das Ölbild spielt im Leben von Hannah in Berlin keine Rolle. Lediglich in wenigen Sätzen wird angedeutet, dass Hannah sich vor vielen Jahren mit einer Freundin auf die Suche nach dem Bild gemacht hatte. Hannah inzwischen hat in Berlin mit der Frage zu tun, ob sie den Kontakt zu ihrem Vater und seiner Frau sowie Hannahs Halbbrüdern vertiefen möchte. Die innere Zerrissenheit ist gut nachvollziehbar beschrieben und die Lösung am Ende ist sehr gut konstruiert.
Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und vor allen Dingen auch bis zum Ende, da ich die ganze Zeit darauf gewartet habe, dass die Handlungsebenen zusammengeführt werden. Das ist aus meiner Sicht nicht geschehen, daher hat sich bei mir ein Gefühl der Enttäuschung eingestellt. Daher habe ich mit drei Sterne bewertet. Handwerklich und sprachlich hat Alena Schröder wieder ein gut lesbares Buch vorgestellt. Für das inhaltliche Verständnis hätte es vermutlich geholfen, die Inhalte der anderen Bücher zu kennen.

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