Zauberhafte Riesinnen
Die Riesinnen„Man muss einen Ort nicht lieben, um ihn nicht loszuwerden; wohin man gehört, entscheidet man schließlich nicht selbst. Man steuert seine Wurzeln nicht, sie suchen sich selbst ihr Stück Erde, und man muss ...
„Man muss einen Ort nicht lieben, um ihn nicht loszuwerden; wohin man gehört, entscheidet man schließlich nicht selbst. Man steuert seine Wurzeln nicht, sie suchen sich selbst ihr Stück Erde, und man muss dann damit leben.“ (S. 339)
Drei Generationen, drei Frauen und ein Ort, der alles festhält.
Wittenmoos im Schwarzwald, zwischen Stille und dichten Bäumen, wächst Liese auf. Sie lernt früh, dass das Leben kein Wunschkonzert und stark sein keine Option, sondern notwendig ist. Man fragt nicht viel, man funktioniert und tut, was getan werden muss. Für sich und für die Tochter.
Cora dagegen will ausbrechen, sie will mehr vom Leben als Stille, Pflicht und immer gleiche Tage.
Coras Tochter Eva schließlich geht ihren eigenen Weg. Neue Chancen, neues Leben und doch ist da immer dieses leise Ziehen zurück… Zu einem Ort und Menschen, die sie nie ganz verstanden hat.
Zwischen ihnen liegen Lücken, unausgesprochene Wahrheiten und die große Frage nach denen, über die niemand spricht.
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„Manche Dinge bringen dich nur um, wenn du sie lässt.“ (S. 307)
Ganz nach diesem Motto agieren die drei „Riesinnen“ in diesem wirklich eindringlich verfassten Roman. Im Kern geht es um Liese, Cora und Eva – die Riessbergerinnen, die besonders sind. Besonders groß und besonders rothaarig und damit allein machen sie die restlichen Dorfbewohner skeptisch und abweisend.
Liese, die einfach weitermacht. Cora, die ausbrechen will. Eva, die verstehen möchte. Alle drei passen nicht in diese konservative Dorfgemeinschaft und genau dieses Gefühl zieht sich leise, aber konstant durch die ganze Geschichte.
Ich mochte die drei Frauen sehr gern. Sie sind vielschichtig, nicht glatt, nicht perfekt und genau deswegen so nahbar, das hat Hannah Häffner wirklich gut hinbekommen.
Dazu dieser wunderbare Schwarzwald (wo ich übrigens dieses Jahr zum dritten Mal in Urlaub hinfahre). Er ist nicht nur einfach Kulisse. Er lebt und atmet, trägt die ganze Stimmung mit und spiegelt irgendwie genau wieder, was in den Figuren passiert.
„Hier kommen Gewitter von allen Seiten und schlagen mit ihrer Wucht die Luft aus den Lungen, werfen dich gegen Wände, schütteln dich. Hier hat man Respekt vor ihnen.“ (S. 5)
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Ein Buch über das, was bleibt, über das, was fehlt und über die Spuren, die Familien in uns hinterlassen. Von mir eine ganz klare Empfehlung!