Lesehighlight!
Der FährmannNachdem ich von Regina Denks erstem Buch „Die Schwarzgeherin“ so begeistert war, konnte ich es kaum erwarten, ihr neues Werk zu lesen.
In „Der Fährmann“ begleite ich diesmal ein Trio. Die Wirtstochter ...
Nachdem ich von Regina Denks erstem Buch „Die Schwarzgeherin“ so begeistert war, konnte ich es kaum erwarten, ihr neues Werk zu lesen.
In „Der Fährmann“ begleite ich diesmal ein Trio. Die Wirtstochter Annemarie, die Bauerntochter Elisabeth und den titelgebenden Fährmann Hannes. Die Drei verbindet eine tiefe Freundschaft seit Kindertagen an und doch schafft es das Leben, ihre Wege – zumindest vorübergehend – zu trennen. Hannes, dessen Herz Elisabeth gehört, darf als Fährmann keine Familie haben. So ist es zumindest seit Generationen. Elisabeth, die Hannes ebenfalls von Herzen liebt, ist dem Steiner Bauern versprochen und muss sich in eine lieblose Ehe fügen. Annemarie, die ebenfalls tiefe Gefühle für Hannes hegt, bleibt auf der Strecke und ist doch Teil dieser „ménage à quatre“.
Und dann ist da noch der 1. Weltkrieg, der vor den Grenzen Österreichs und Deutschlands steht…
„Alle sprachen sie vom Krieg, draußen in der Welt, der bald kommen würde. Alle schauten sie in die Ferne. Niemanden interessierten die Kriege, die überall längst ausgetragen wurden, im Kleinen, hinter verschlossenen Türen, oft nur von zwei Menschen, die sich nichts mehr zu sagen hatten, die nur noch kämpfen konnten gegeneinander, selbst wenn es ein aussichtsloser Kampf war, den immer derselbe gewann, immer derselbe verlor.“ (S. 199)
Mit ihm werden die Kämpfe noch mehr, stehen Veränderungen an für alle. „Aber auch in der Elisabeth, ja, in allen Frauen um ihn herum spürte er eine Veränderung. Sie wuchsen, […], nahmen Platz ein, weil niemand mehr da war, der ihn für sich beanspruchte, allein, und mit keinem teilen konnte. Niemand mehr da war, der sie begrenzte und ihre Kraft verhinderte, bevor sie entstehen konnte.“ (S. 234)
Und neben all diesen Schauplätzen plätschert er munter dahin, der Fluss, der so viel Leben bringt und doch auch so viel Kummer birgt…
🌊
Auch dieses Mal hat es Regina Denk wieder geschafft, mich an die Seiten zu fesseln. Eingebettet in wunderschöne Landschaftsbeschreibungen ist eine Geschichte über Freundschaft und Verrat, Beschützen und Zerstören, Leben und Überleben und über die Liebe. Die alles umfassende, die freundschaftliche, die zerstörerische, die selbstlose Liebe.
Ich habe wieder so mitgefühlt mit den Charakteren und war nicht nur einmal fassungslos, ja bestürzt über die Ereignisse und Wendungen, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Die unglaubliche Stärke, die Regina Denk den Frauenfiguren auf den Leib schreibt, hat mich wirklich beeindruckt. Ich habe mir mehr als einmal die Frage gestellt, ob ich den Lebensumständen, die damals in diesem abgelegenen Teil der Welt gang und gäbe waren, so standgehalten hätte, wie es Annemie und Lisi getan haben. Zum Glück hat die Autorin den beiden den Hannes an die Seite gestellt, der das Herz am rechten Fleck hat und der auch für mich ein Lichtblick in den doch recht düsteren Zeiten war.
🌊
„Der Fährmann“ war wieder ein Lesehighlight für mich und wer „Die Schwarzgeherin“ mochte, ist bei diesem Roman sehr gut aufgehoben. Eine Empfehlung auch für Fans von starken Frauenfiguren im Wandel der Zeit.