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Veröffentlicht am 15.03.2026

Lesehighlight!

Der Fährmann
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Nachdem ich von Regina Denks erstem Buch „Die Schwarzgeherin“ so begeistert war, konnte ich es kaum erwarten, ihr neues Werk zu lesen.

In „Der Fährmann“ begleite ich diesmal ein Trio. Die Wirtstochter ...

Nachdem ich von Regina Denks erstem Buch „Die Schwarzgeherin“ so begeistert war, konnte ich es kaum erwarten, ihr neues Werk zu lesen.

In „Der Fährmann“ begleite ich diesmal ein Trio. Die Wirtstochter Annemarie, die Bauerntochter Elisabeth und den titelgebenden Fährmann Hannes. Die Drei verbindet eine tiefe Freundschaft seit Kindertagen an und doch schafft es das Leben, ihre Wege – zumindest vorübergehend – zu trennen. Hannes, dessen Herz Elisabeth gehört, darf als Fährmann keine Familie haben. So ist es zumindest seit Generationen. Elisabeth, die Hannes ebenfalls von Herzen liebt, ist dem Steiner Bauern versprochen und muss sich in eine lieblose Ehe fügen. Annemarie, die ebenfalls tiefe Gefühle für Hannes hegt, bleibt auf der Strecke und ist doch Teil dieser „ménage à quatre“.

Und dann ist da noch der 1. Weltkrieg, der vor den Grenzen Österreichs und Deutschlands steht…

„Alle sprachen sie vom Krieg, draußen in der Welt, der bald kommen würde. Alle schauten sie in die Ferne. Niemanden interessierten die Kriege, die überall längst ausgetragen wurden, im Kleinen, hinter verschlossenen Türen, oft nur von zwei Menschen, die sich nichts mehr zu sagen hatten, die nur noch kämpfen konnten gegeneinander, selbst wenn es ein aussichtsloser Kampf war, den immer derselbe gewann, immer derselbe verlor.“ (S. 199)

Mit ihm werden die Kämpfe noch mehr, stehen Veränderungen an für alle. „Aber auch in der Elisabeth, ja, in allen Frauen um ihn herum spürte er eine Veränderung. Sie wuchsen, […], nahmen Platz ein, weil niemand mehr da war, der ihn für sich beanspruchte, allein, und mit keinem teilen konnte. Niemand mehr da war, der sie begrenzte und ihre Kraft verhinderte, bevor sie entstehen konnte.“ (S. 234)

Und neben all diesen Schauplätzen plätschert er munter dahin, der Fluss, der so viel Leben bringt und doch auch so viel Kummer birgt…
🌊
Auch dieses Mal hat es Regina Denk wieder geschafft, mich an die Seiten zu fesseln. Eingebettet in wunderschöne Landschaftsbeschreibungen ist eine Geschichte über Freundschaft und Verrat, Beschützen und Zerstören, Leben und Überleben und über die Liebe. Die alles umfassende, die freundschaftliche, die zerstörerische, die selbstlose Liebe.

Ich habe wieder so mitgefühlt mit den Charakteren und war nicht nur einmal fassungslos, ja bestürzt über die Ereignisse und Wendungen, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Die unglaubliche Stärke, die Regina Denk den Frauenfiguren auf den Leib schreibt, hat mich wirklich beeindruckt. Ich habe mir mehr als einmal die Frage gestellt, ob ich den Lebensumständen, die damals in diesem abgelegenen Teil der Welt gang und gäbe waren, so standgehalten hätte, wie es Annemie und Lisi getan haben. Zum Glück hat die Autorin den beiden den Hannes an die Seite gestellt, der das Herz am rechten Fleck hat und der auch für mich ein Lichtblick in den doch recht düsteren Zeiten war.
🌊
„Der Fährmann“ war wieder ein Lesehighlight für mich und wer „Die Schwarzgeherin“ mochte, ist bei diesem Roman sehr gut aufgehoben. Eine Empfehlung auch für Fans von starken Frauenfiguren im Wandel der Zeit.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Neubeginn in Island

Moosland
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„Erst wenn alle Wörter vergessen sind, enden auch die Bilder. Dann gibt es kein Gestern und kein Morgen mehr, nur den Boden unter ihren Füßen.“ (S. 58)

1949 kommt die junge Elsa nach Island. Sie folgt ...

„Erst wenn alle Wörter vergessen sind, enden auch die Bilder. Dann gibt es kein Gestern und kein Morgen mehr, nur den Boden unter ihren Füßen.“ (S. 58)

1949 kommt die junge Elsa nach Island. Sie folgt einem Aufruf der isländischen Bauernpartei, die junge Frauen zur Mitarbeit – und eventuellen Verheiratung – für ihre Höfe sucht. Für Elsa scheint es eine Flucht vor ihrer Vergangenheit zu sein, die sie auch verstummen ließ. Auf dem abgelegenen Bauernhof bei der vierköpfigen Familie gelingt ihr dennoch die Verständigung und nach und nach, Stück für Stück, findet sie sich ein in ihrem neuen Leben, in der rauen Landschaft und in den schwierigen Bedingungen. Wird es ihr gelingen, nach vorne zu sehen?
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Island steht ja schon sehr lange auf meiner Liste der Sehnsuchtsorte, zu denen ich unbedingt einmal reisen möchte. Katrin Zipse hat diesen Wunsch mit ihren wunderschönen, atmosphärischen Beschreibungen der Natur nur noch verstärkt. Eingebettet in die faszinierende Landschaft Islands hat sie die Geschichte einer zutiefst einsamen Frau gezeichnet, die versucht, nach einem Schicksalsschlag Abstand zu ihrem alten Leben und wieder Boden unter die Füße zu bekommen

Anfangs fällt ihr das nicht leicht, muss sie doch recht schnell erkennen, dass eine örtliche Flucht doch keinen Schutz vor den inneren Dämonen bietet.

„Noch immer fühlt sie sich, als wäre sie in die Landschaft gestanzt, ohne jeden Bezug zu ihr. Alles bleibt ihr fremd.“ (S. 53)

Katrin Zipse beschreibt ganz behutsam, wie sich Elsa immer mehr öffnet, ankommt und die Veränderungen zulassen kann. Leise und zaghaft entfaltet sich Elsas Zuneigung für Land und Leute und das macht das Buch für mich so authentisch. „Moosland“ ist kein reißerischer Roman. Er kommt zart und unaufgeregt daher und entfaltet durch die unfassbar schönen Beschreibungen von Natur, Naturgewalten und der Umgebung eine - für mich - traumhafte Atmosphäre.
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Ich kann dieses stille und eindringliche Buch von Herzen empfehlen. Wer durch eine Geschichte mit Herz dem Alltag entfliehen möchte und dabei gedanklich die isländische Landschaft in sich aufsaugen möchte, ist bei diesem Buch gut aufgehoben. Große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 05.03.2026

Das Leben passiert, während man andere Pläne macht!

Salto
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„… und ich denke, ich wäre gern der Algorithmus, denn dann wüsste ich, wie es bei mir weitergeht.“ (S. 32)

Was macht man, wenn plötzlich das Leben, das man sich immer vorgestellt hat, nicht mehr funktioniert? ...

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„… und ich denke, ich wäre gern der Algorithmus, denn dann wüsste ich, wie es bei mir weitergeht.“ (S. 32)

Was macht man, wenn plötzlich das Leben, das man sich immer vorgestellt hat, nicht mehr funktioniert? Wenn Pläne scheitern und man gezwungen ist, einen ganz anderen Weg einzuschlagen?

Marko steht eigentlich kurz davor, ins Erwachsenenleben zu starten. Einser-Abi in der Tasche, der Plan ist ein Medizinstudium, am besten in München bei seiner Freundin Claire. Klingt erstmal ziemlich geradlinig. Blöd nur, dass auf seine Bewerbungen ausschließlich Absagen kommen. Damit hat er definitiv nicht gerechnet.

Am Ende landet er für sein Studium in Budapest. Eine Stadt, die er nicht kennt, weit weg von seinem Vater und seiner Freundin Claire. Plötzlich fühlt sich alles neu und irgendwie auch ziemlich fremd an. Und während Marko versucht, in diesem neuen Leben anzukommen, merkt er nach und nach, dass Dinge im echten Leben selten so laufen wie geplant.

„Gedanken sind ja wie Wolken. Steht jedenfalls so im Kalender. Man kann sie nicht ignorieren, man muss sie denken. Schiebt man sie weg, kehren sie zurück und manchmal sind sie dann grau. Oder schwarz. Manchmal verregnen sie einem den Tag. Manchmal blitzen sie so grell, dass man nichts anderes mehr sehen und denken kann. Und dann wünscht man sich, man hätte sie gedacht, als sie noch klein und zutraulich waren.“ (S. 90)
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„Salto“ erzählt vom Erwachsenwerden, von Zukunftsangst, Orientierungslosigkeit und diesem seltsamen Gefühl, wenn man merkt, dass der eigene Plan vielleicht doch nicht der richtige war. Es geht um das Loslassen von Träumen, damit etwas Neues entstehen kann und um die Auseinandersetzung mit Widrigkeiten.

Besonders toll fand ich, wie unaufgeregt Kurt Prödel diese Geschichte erzählt. Die Sprache ist schnörkellos, aber voller kluger Beobachtungen. Und die Figuren, allen voran Marko, sein Vater und Claire, sind mir schnell ans Herz gewachsen.
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Auf den 265 Seiten passiert einiges, ohne dass sich der Roman jemals überladen anfühlt. Der Schreibstil ist so flüssig, dass ich nullkommanix durchs Buch war.

Für mich ist „Salto“ ein authentischer Coming-Of-Age-Roman, der gleichzeitig leicht zu lesen und dabei ziemlich berührend ist. Ich freu mich, dass Kurt Prödels erster Roman „Klapper“ noch ungelesen hier liegt und ich mich drauf freuen kann 😊

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Lese-Highlight in wunderschöner Kulisse

Furye
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Dieses Buch hat mich wirklich erwischt. Auf eine leise, melancholische und gleichzeitig unglaublich intensive Art. Ich habe mich Seite für Seite tiefer in diese Geschichte fallen lassen und konnte sie ...

Dieses Buch hat mich wirklich erwischt. Auf eine leise, melancholische und gleichzeitig unglaublich intensive Art. Ich habe mich Seite für Seite tiefer in diese Geschichte fallen lassen und konnte sie kaum aus der Hand legen.
💙
„Ich versuche, meine Gedanken zu ordnen. Mich zusammenzusetzen aus Fetzen und Bruchstücken. Mich zusammenzukleben wie ein in tausend Teile zersplittertes Gefäß.“ (S. 9)

Im Mittelpunkt Alex, die nach 20 Jahren in ihre alte Heimatstadt zurückkehrt. Inzwischen ist sie 38, erfolgreich im Job, Single, kinderlos und nach außen scheint alles perfekt. Aber innerlich fühlt sie sich leer und einsam. Und genau dieses Spannungsfeld fand ich so berührend.
Parallel reisen wir mit ihr zurück in ihre Jugend. Damals war sie mit ihren Freundinnen Tess und Meg unzertrennlich. Die drei gaben sich neue Namen, benannten sich nach den Furien aus der griechischen Mythologie: Alekto - die Unaufhörliche, Megaira - die Widerwillige und Tisiphone - die Vergelterin. Und dann ist da noch Romain, Alecs große Liebe von früher. Als sie ihm nach all den Jahren wieder begegnet, wird klar, dass manche Gefühle einfach nie verschwinden.
💙
Der Roman entfaltet sich langsam, aber wen er einmal gepackt hat, den lässt er so schnell nicht mehr los. Es geht um erste Liebe, soziale Unterschiede, schwierige Familienverhältnisse und darum, irgendwie erwachsen zu werden, ohne sich dabei selbst zu verlieren.
Besonders mochte ich die ruhige, poetische, manchmal aber auch sehr direkte Sprache. Ja, sie ist stellenweise derb, aber für mich passte das total zur Geschichte.

Alle Charaktere haben ihr Päckchen zu tragen, allen voran Alec. Und auch Romain hat mit Depressionen und einer schwierigen Vater-Sohn-Beziehung zu kämpfen. Kein Schönreden, kein Kitsch. Einfach ehrlich. Dieses Buch tut weh, aber auf die gute Art.
Es geht um Trauer, Schmerz und Gewalt. Aber auch um Hoffnung und das man sich selbst irgendwann wiederfinden kann.

Ich war emotional komplett drin, habe mitgelitten, mitgefühlt und noch lange nach dem Lesen über die Geschichte nachgedacht. Für mich ein intensiver Coming-of-Age-Roman, der zart und wütend zugleich ist, melancholisch, poetisch und absolut ehrlich.

Ein Highlight für mich und daher gibt es eine ganz klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 04.02.2026

Verwobene Lebensgeschichten in Island

Überlebensstrategien
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„Das Leben zerfleischt einen und sieht einem dabei mitleidig in die Augen.“ (S. 66)

Im Roman der isländischen Autorin begleiten wir vier Hauptcharaktere durch ihre Leben.

Da ist die Jugendliche Hanna, ...

„Das Leben zerfleischt einen und sieht einem dabei mitleidig in die Augen.“ (S. 66)

Im Roman der isländischen Autorin begleiten wir vier Hauptcharaktere durch ihre Leben.

Da ist die Jugendliche Hanna, deren Eltern in Trennung leben und die sich freiwillig für ein Sozialprojekt meldet. Dabei begegnet sie dem jungen Aron Snær, dessen Mutter in die Psychiatrie eingewiesen wird. Borghildur, deren Partner überraschend ums Leben kam, sammelt den Jungen zufällig auf und kümmert sich um ihn. Von Árni hat Aron ein Fahrrad geschenkt bekommen, weil er selbst nicht mehr fahren kann.

Anfangs scheinen ihre Leben parallel zu verlaufen, doch Stück für Stück nimmer jeder am Leben des anderen teil und entwickelt seine ureigene Überlebensstrategie. Oder wie Hanna es treffend beschreibt: „Jedes Mal, wenn andere ihr widersprüchliches Wesen verrieten, wurde ich ein bisschen erwachsener. Unter ihrer verlogenen Oberfläche gedieh mein Verstand. Es geht mir nicht darum, mich zum Moralapostel über die anderen zu erheben. Das war einfach nur meine Überlebensstrategie.“ (S. 23)
🐟
Mit dem Buch habe ich mich ein wenig schwer getan. Die Charaktere sind wirklich allesamt sehr sympathisch und trotzdem bin ich ihnen nicht nahegekommen. Die jeweiligen Geschichten der Protagonist
innen haben viel Potential und die Verknüpfung zwischen den Handlungssträngen ist relativ gelungen. Trotzdem habe ich immer wieder den Faden verloren und bin abgeschweift mit meinen Gedanken, konnte mich nicht so darauf einlassen. Vielleicht war aber gerade auch nicht die richtige Zeit für das Buch.

Wer Geschichten mit Realitätsbezug und gut verwobenen Handlungssträngen mag, wird hier allerdings trotzdem auf seine Kosten kommen.

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