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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2025

Das gedankliche Überschreiten des realen.

Der etwa vierzigjährige Mann
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Hartmut Lange ist Spezialist für Erzählungen und auch dieses Buch besteht aus 3 Erzählungen.
Wie immer schreibt der inzwischen 87jährige Schriftsteller sehr sorgfältig und genau und von enormer Dichte.

Zur ...

Hartmut Lange ist Spezialist für Erzählungen und auch dieses Buch besteht aus 3 Erzählungen.
Wie immer schreibt der inzwischen 87jährige Schriftsteller sehr sorgfältig und genau und von enormer Dichte.

Zur Titelgeschichte:
Ein Mann von etwa vierzig Jahren steht an der Elbe, in Gedanken versunken, als er plötzlich eine Zeitreise antritt. Zunächst 2000 Jahre zurück. Dort ist er im Kolosseum, trifft später Seneca. Dann geht es Richtung Renaissance, die Zeit der Medici. Botticellis Kunst fasziniert ihn.
Dann das ausgehende 18 Jahrhundert in Weimar. Schließlich Versailles. Aber all das wird von Gewalt und Schrecken begleitet. Am Ende steht der schrecklichste Ort.
Doch der etwa vierzigjährige Mann sucht nach Kunst, nicht nach der Wirklichkeit.

Es folgt eine längere, sehr originelle Geschichte in Form eines Dramas und noch eine kürzere, sehr fein gemachte Story, in der ein philosophisches Gespräch geführt wird. Doch die Titelgeschichte hatte mich am meisten erreicht, da das gedankliche Überschreiten des realen faszinierend ist.

Veröffentlicht am 25.03.2025

Brooklyn Crime Novel

Der Fall Brooklyn
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Jonathan Lethem ist ein amerikanischer Autor, den ich schon lange lese und der schon öfter über Brooklyn geschrieben hat. In seinem neuen Buch fasst er in zahlreichen Kürzestgeschichten kaleidoskopmäßig ...

Jonathan Lethem ist ein amerikanischer Autor, den ich schon lange lese und der schon öfter über Brooklyn geschrieben hat. In seinem neuen Buch fasst er in zahlreichen Kürzestgeschichten kaleidoskopmäßig viele kleine Fragmente zu einem großen Ganzen zusammen und zeigt ein Gesellschaftsbild Brooklyns ab den 1960ziger Jahren bis in die Achtziger und wenige Male darüber hinaus.
Eine Reihe ungewöhnlicher Figuren bevölkert Lethems Buch und da er selbst in Brooklyn aufwuchs ist auch ein Stück von ihm selbst dabei.

Veröffentlicht am 23.03.2025

Drawing Hands

Wackelkontakt
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Wolf Haas ist bekannt für seine Ironie und Originalität seiner Bücher und das gilt für Wackelkontakt im ganz besonderen.
Das Buch hat Leichtigkeit und eine anspruchsvolle Konstruktion gleichzeitig. Es ...

Wolf Haas ist bekannt für seine Ironie und Originalität seiner Bücher und das gilt für Wackelkontakt im ganz besonderen.
Das Buch hat Leichtigkeit und eine anspruchsvolle Konstruktion gleichzeitig. Es ist sehr gut lesbar und überrascht den Leser vielfach.

Es gibt zwei gleichwertige Hauptfiguren, die im Plot des Romans eng miteinander verbunden sind.
Franz Escher ist Trauerredner und begeisterter Puzzler sowie Leser von Mafia-Bücher.
In einem seiner Bücher kommt jemand vor, der im Zeugenschutz ist, da er gegen die Mafia aussagte.
Dieser Mann wiederum liest ein Buch, in dem ein Franz Escher wegen einem Wackelkontakt auf einen Elektriker wartet.
Der Roman hat zwei Teile, betitelt ON und OFF.
Beide Handlungsebenen werden stark miteinander verquickt und nähern sich immer näher aneinander an. Die Spannung steigt.
Die Romankonstruktion erinnert an M.C.Eschers bekanntes Werk Drawing hands, indem zwei Hände sich gegenseitig zeichnen. Ein solcher ausgeklügelter, raffinierter Plot ist selten.
Ein grandioses Lesevergnügen.

Veröffentlicht am 22.03.2025

Clash of cultures

Hundert Wörter für Schnee
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Hundert Wörter für Schnee ist kein konventioneller historischer Roman, obwohl Franzobel Ereignisse 1893 bei einer Expedition nach Grönland erzählt. Er benutzt einen modernen Erzählstil und findet schnell ...

Hundert Wörter für Schnee ist kein konventioneller historischer Roman, obwohl Franzobel Ereignisse 1893 bei einer Expedition nach Grönland erzählt. Er benutzt einen modernen Erzählstil und findet schnell einen Ton für den Roman, der auch einiges mit dem Figuren zu tun hat. Hauptfigur ist Robert E. Peary, ein Egozentriker, der zusammen mit seiner Frau Josephine eine Reise nach Grönland macht und dort die Inughuit trifft. Da ist Minik eine zentrale Figur, der ab seiner Geburt gezeigt wird und später Peary auf die Rückreise in die USA begleitet. Für beide Seiten wird es ein Clash of cultures und Franzobel arbeitet das sehr feinfühlig und mit einer Portion Ironie heraus.
Minik wird nachdem er Grönland als Junge verlassen musste, sich stets als Heimatloser fühlen.

Peary ist kein Sympathieträger, aber doch so eine interessante Figur, dass er den Roman tragen kann.

Franzobel findet viele Details, die er in die Handlung einbringt. Dennoch hat man als Leser nie das Gefühl, dass es überfrachtet wird. Das Buch macht wirklich Spaß!

Veröffentlicht am 20.03.2025

Bauernleben

Aus gleichem Holz
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Vom gleichen Holz ist ein poetischer Text über das traditionelle Bauernleben.
Die Autorin beschreibt, was sie kennt. Sie entstammt einer Bauernfamilie.
Obwohl es eine junge Autorin ist, wird der Text stellenweise ...

Vom gleichen Holz ist ein poetischer Text über das traditionelle Bauernleben.
Die Autorin beschreibt, was sie kennt. Sie entstammt einer Bauernfamilie.
Obwohl es eine junge Autorin ist, wird der Text stellenweise konservativ, zum Beispiel darin, dass allen Mitgliedern der Bauernfamilie ihre Rollen zugewiesen werden und dass das Unausweichliche daran zu wenig in Frage gestellt wird.
Das zeigt sich auch daran, dass die Figuren keine Namen haben, Außer Opa, Omama, Schwager etc. Das ist doch ziemlich unpersönlich.

Nur die halb große Kleine ist da in ihrer Eigenwilligkeit anders. Sie belebt den Text.
Und als sie größer wird und selbst ein Kind bekommt, zählen die Werte der Familie. Die Passagen zwischen ihr und dem kleinen Sohn gehören zu den schönsten im Buch.

Der Text hat sprachliche Qualität, ohne dabei darauf zu verzichten, das Landleben ein Stück weit unnötig zu verherrlichen. Sie zeigt aber auch deutlich das Verschwinden des Bauernhofs mit allem, was das Leben ausmachte, da der Hof unwirtschaftlich wurde. Da ist die Autorin realistisch und konsequent.