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Veröffentlicht am 22.08.2023

Leben in Israel

Es sei denn, es geschieht ein Wunder
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Die 19jährige Linda hat ein romantisches, idealisiertes Bild von Israel und beschließt nach dem Abi dahin auszuwandern.
Geschickt zeigt die Autorin Elke Ottensmann zwei Perspektiven. Die eine zeigt die ...

Die 19jährige Linda hat ein romantisches, idealisiertes Bild von Israel und beschließt nach dem Abi dahin auszuwandern.
Geschickt zeigt die Autorin Elke Ottensmann zwei Perspektiven. Die eine zeigt die leicht naive Linda mit ihren Erlebnissen in Israel, die andere zeigt ihre besorgte Mutter Martina in Deutschland.

Wie versprochen bekommt der Leser gute Eindrücke und Details vom Leben in Israel.
Lindas Blick auf Israel bekommt erste Risse, als sie in der Nähe eines Attentats war. Dann lernt sie in Ramallah einen jungen Muslim kennen und verliebt sich. Das ändert alle ihre Pläne.

Fazit: Man kann von einem unterhaltsamen und interessanten Roman sprechen!

Veröffentlicht am 21.08.2023

Das dynamische Duo

Prophet
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Prophet ist der Debütroman von einem Autorinnen-Duo. Sin Blaché und Helen MacDonald. Für beide ist es der erste Roman. Aber Helen MacDonald hat schon Sachbücher geschrieben, zum Beispiel H wie Habicht. ...

Prophet ist der Debütroman von einem Autorinnen-Duo. Sin Blaché und Helen MacDonald. Für beide ist es der erste Roman. Aber Helen MacDonald hat schon Sachbücher geschrieben, zum Beispiel H wie Habicht. Das war ein sprachlich überragendes Buch. Ich hatte gehofft, mehr von dieser Sprachkraft würde sich auch in Prophet finden, aber der ist eher thrillermäßig normal geschrieben. Wobei Tempo und eine gewisse sprachliche Musikalität kann man dem Text zugestehen.
Es geht in Richtung Agententhriller mit phantastischen Einschlägen. Das Buch lebt mehr von seinen gegensätzlichen Hauptfiguren als von der merkwürdigen Story. Die Dialoge zwischen den Protagonisten Adam Rubinstein und Sunil Rao funktionieren durch eine gewisse Lakonie.
Es gibt eine Anziehungskraft zwischen ihnen.
Sie sind sehr unterschiedliche Charaktere. Adam Rubinstein ist zurückhalten, das manifestierte Nichts. Jedenfalls macht er so den Eindruck.
Sunil Rao hingegen ist impulsiv. Er ist kein richtig ausgebildeter Agent, aber vielfach begabt. Daher ergänzen sich die beiden gut.

Prophet ist nicht der schlechteste Thriller und nicht der beste. Wohl aber einer der ungewöhnlichsten.
Ihn als mittelmäßig zu bezeichnen, würde einige gute textliche Qualitäten nicht berücksichtigen. Daher sage ich, es ist ein mehr als ein passables Buch.

Veröffentlicht am 21.08.2023

Bericht einer Überlebenden

Gebranntes Kind sucht das Feuer
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Es ist der Bericht einer Überlebenden, erstmals 1986 erschienen.

In einem klaren, kühlen Ton erzählt Cordelia Edvardson vom Aufwachsen als dreivierteljüdin in Deutschland, schließlich die Deportation ...

Es ist der Bericht einer Überlebenden, erstmals 1986 erschienen.

In einem klaren, kühlen Ton erzählt Cordelia Edvardson vom Aufwachsen als dreivierteljüdin in Deutschland, schließlich die Deportation als 14jährige, Auschwitz und die Zeit danach.
Im Vergleich zu Texten von Primo Levi oder Imre Kertesz gibt es anteilsmäßig relativ wenige Lagerbeschreibungen, obwohl die enthaltenen wirkungsvoll genug sind.

Es geht anfangs viel um das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter. Die Mutter war Elizabeth Langgässer, eine bekannte Schriftstellerin, Katholikin und Halbjüdin. Sie war schwach und konnte die Tochter nicht retten. Sie sahen sich nach Cordelias Befreiung nur noch ein einziges Mal wieder.

Der Text ist überraschend literarisch, so gibt es gerade am Anfang wiederholt Wechsel der Zeiten. Der Text bleibt kompromisslos.

Das Buch schließt mit einem Nachwort von Daniel Kehlmann, das sehr lesenswert und interessant ist.

Veröffentlicht am 21.08.2023

Floris Gier nach Leben

Sauhund
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Sauhund, ein Debütroman, leicht provokant, vielleicht zu gewollt.
Es wird von einem eigenwilligen jungen Mann in München erzählt, der sein schwulsein auslebt. Flori ist vielschichtig, er giert nach Leben, ...

Sauhund, ein Debütroman, leicht provokant, vielleicht zu gewollt.
Es wird von einem eigenwilligen jungen Mann in München erzählt, der sein schwulsein auslebt. Flori ist vielschichtig, er giert nach Leben, dabei ist er manchmal auch egoistisch.

Obwohl der Autor Lion Christ noch jung ist, legt er die Handlung ins Jahr 1983.
Das ist der Clou am Buch und eine gelungene Idee, denn das war eine ganz besondere Zeit, aber auch eine Zeit als AIDS begann und die Gesellschaft beherrschte.
In den Dialogen gibt es jede Menge Dialekt. Damit kann man sich als norddeutscher Leser schwertun, obwohl der Dialekt auch Lebensart und manchmal Humor transportiert.
Der Roman ist gut geschrieben und ausdrucksstark. Man kommt dicht an die Figur des Flori ran und viele Passagen sind eindringlich.

Veröffentlicht am 19.08.2023

Stimmungen

Nichts in den Pflanzen
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Ein ungewöhnlicher zeitgenössischer Roman, der vor allen von Stimmungen lebt.
Die Protagonisten sind Teil der Filmbranche. das bestimmt einen Teil der Dialoge mit, die die Oberflächlichkeit zeigen.
Anfangs ...

Ein ungewöhnlicher zeitgenössischer Roman, der vor allen von Stimmungen lebt.
Die Protagonisten sind Teil der Filmbranche. das bestimmt einen Teil der Dialoge mit, die die Oberflächlichkeit zeigen.
Anfangs finde ich die Hauptfigut Leila schwer fassbar. Sie hat einerseita einen kalten, präzisen Blick auf die Gesellschaft, ist ansonsten sehr auf ihre Beziehung zu Leon fixiert, wobei es auch noch einen anderen gibt. Zudem neigt sie dazu, sich und andere falsch einzuschätzen.
Mit der Drehbuchautorin Aichi steht sie irgendwo zwischen Freunschaft und Konkurrenz.

Sie verbirgt ihre Emotionen und hat offensichtlich einen inneren Mangel, den sie durch Wut und latente Aggressivität auffüllt. Das ist keine gute Mischung für eine egoistische Frau, die sich etwas vormacht.

Nora Haddada hat auf subtile Art ein Porträt einer Frau mit gestörter Gefühlslage geschaffen.