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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.09.2017

Leicht gestreckte Ermittlungen und viel Privates

Die sieben Farben des Blutes
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Dieser Berlin-Thriller ist grundsätzlich gut strukturiert und auch mit der richtigen Prise Spannung und kranker Gedanken eines Täters versehen. Etwas Straffung, ein paar Seiten weniger und auch etwas weniger ...

Dieser Berlin-Thriller ist grundsätzlich gut strukturiert und auch mit der richtigen Prise Spannung und kranker Gedanken eines Täters versehen. Etwas Straffung, ein paar Seiten weniger und auch etwas weniger Privatangelegenheiten der Hauptperson hätten dem Buch aber sehr gut getan.

Im Lauf der Geschichte klärt sich dann, warum Helena Faber, Staatsanwältin und Mörder-Jägerin, so sehr im Mittelpunkt steht und auch ihr Familien- und Alltagsleben genau seziert wird. Auch speziell an diesem Buch: Ein Großteil der Lösung passiert schon weit vor Ende der 480 Seiten, dennoch passiert auch danach noch vieles und es gibt fast ein Happy End.

Das Ende muss man auch noch gezielt hervorheben, da es den Leser eigentlich etwas erstaunt und verwirrt zurücklässt und in dieser Form eigentlich nicht nötig gewesen wäre, selbst wenn eine Fortsetzung geplant wäre. Hier scheint es, also ob mit Gewalt noch etwas Unvermitteltes ins Buch gebracht werden sollte, als hätten die vorhergehenden Seiten nicht genug Spannung und Leid für Fabers Familie mit sich gebracht.

Wer sich von blutigen Szenen nicht abschrecken lässt, an klassischen Ermittlungen und Mörder-Jagd so seine Freude hat und auch über manch schwer nachvollziehbare Handlungen von Faber hinwegsehen kann, wird mit diesem Thriller aber gut unterhalten. Auch wenn zwischendrin klar wird, wer der Täter ist, sind doch nicht alle Zusammenhänge gleich sichtbar und eine Grundspannung bleibt erhalten.

Veröffentlicht am 03.09.2017

Ines‘ turbulentes Leben, Teil 2

Seeblick kostet extra
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Zum zweiten Mal schickt Christiane Kördel ihre rothaarige Ines Fox auf eine kriminalistische Reise entlang des Bodensees. Nach „Seezeichen 13“ wird Konstanz wieder zum Nabel des Verbrechens und zum Mittelpunkt ...

Zum zweiten Mal schickt Christiane Kördel ihre rothaarige Ines Fox auf eine kriminalistische Reise entlang des Bodensees. Nach „Seezeichen 13“ wird Konstanz wieder zum Nabel des Verbrechens und zum Mittelpunkt des Interesses eines richtigen Bösewichts.

Roger Merian, Schweizer und erfolgreicher Geschäftsführer, ist einmal mehr hinter der Webdesignerin Fox und ihrem Freund Marc Frieder her. Merian streitet alles ab, Fox ist dennoch davon überzeugt, dass er nicht nur seine Schergen auf sie angesetzt hat, sondern auch für nicht natürliche Tode und unerklärliche Vorkommnisse in Konstanz verantwortlich ist.

Dank perfiden Drohungen, fast verhängnisvollen Ermittlungen in Eigenregie und ihren ganz speziellen „Echtträumen“ ist Ines Fox zwar eigentlich schon voll ausgelastet, dennoch findet sich wieder Zeit für jede Menge Liebesverwirrung. Auf ihrer Mission, Merian hinter Gitter zu bekommen, dehnt Ines gerne mal die Grenzen der Gesetze zu ihren Gunsten aus, zudem hat sie neben ihrem Freund auch noch den leitenden Ermittler Arthur von Leisfall (meist) auf ihrer Seite.

Doch so eindeutig die Lage zwischenzeitlich schient, Ines kann sich ihrer Sache nicht immer sicher sein. Sie wird – dank Roger Merian? – für seltsame Ereignisse verantwortlich gemacht und die Konstanzer wollen sie nicht mehr in der Stadt haben. Gibt Ines nach? Zieht sie weg und die nächsten Fälle spielen dann in einer anderen deutschen Stadt? Wer leichte, witzige Sommer(krimi)unterhaltung mag, sollte das auf jeden Fall selbst herausfinden.

Das Buch lässt sich leicht und schnell lesen, bietet
kurze und längere Abschnitte und eine Hauptfigur, die sich einer genauen „Einordnung“ immer wieder entziehen kann. Sobald man denkt, gut, sie ist schon recht vernünftig und clever, kommt Ines wieder mit einer Sache um die Ecke, die da so gar nicht dazuzupassen scheint. Und auch umgekehrt kann sie vom „Verliebtes-Mädchen-Modus“ blitzschnell in eine Art rothaarige Miss Marple umschalten. Mit ihr wird es definitiv nicht langweilig.

Übrigens: Die beiden Bücher lassen sich unabhängig voneinander nachvollziehen, die Erklärungen und Andeutungen in „Seeblick kostet extra“ lassen sich aber natürlich besser verstehen, wenn man den Vorgänger kennt.

Veröffentlicht am 18.08.2017

Moderater Krimi aber eine wunderbare Region

In tiefen Schluchten
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Dieser Sommerkrimi rund um alte südfranzösische Traditionen und die Geschichte um das Land, die Bewohner und die Höhlen der Cevennen ist sehr stimmig und gut recherchiert. Die Figuren und ihre Handlungen ...

Dieser Sommerkrimi rund um alte südfranzösische Traditionen und die Geschichte um das Land, die Bewohner und die Höhlen der Cevennen ist sehr stimmig und gut recherchiert. Die Figuren und ihre Handlungen sind großteils glaubhaft und nachvollziehbar. Seht stimmig sind auch die vielen Landschaftsbeschreibungen und Freizeitaktivitäten (die erwähnten Restaurants gibt es wirklich).

In der Geschichte rund um die Deutsche Tori, die mit ihrem Mann nach Belleville zog und ihre Freude Nico und Eva kommt aufgrund der erwähnten Beschreibungen leider die Krimispannung zwischendurch etwas zu kurz. Wer da auf einen stetigen Spannungsbogen hofft, wird enttäuscht. Stattdessen „schwappt“ der Krimi immer mal wieder in den Vordergrund, zieht sich dann aber fast so weit zurück, dass man diese Teile der Handlung fast vergisst.

Die Hauptfigur, ihr Alltag, ihre Sorgen, nehmen viel Raum ein. Mit viel Gefühl beschreibt die Autorin Toris Situation, zeigt ihre Beziehungen zu den Bewohnern des Dorfes und gibt mehr und weniger wichtigem Dorftratsch viel Raum. Manche Szenen, die zuerst eher belanglos wirken können, haben aber später dennoch viel Einfluss auf die Geschichte. Und obwohl schlussendlich ein altes Geheimnis gewissermaßen enthüllt werden kann, bleibt das Ende des Buches offen. Es fühlt sich nicht ganz fertig an, was auf eine Fortsetzung hindeuten könnte.

Durch dieses Buch lernt der Leser viel über die Gegend, die Menschen und die Orte in Südfrankreich und um Lust auf Urlaub in dieser Region zu wecken, ist es ideal. Wer gerne wandern geht, wird sich dort sehr wohl fühlen. Ein knallharter Krimi ist die Geschichte natürlich nicht. Mit den richtigen Erwartungen gelesen, unterhält „In tiefen Schluchten“ aber sehr gut.

Veröffentlicht am 18.08.2017

Eine beklemmende, nicht allzu weit entfernte Zukunft

Die Lieferantin
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Ein „Was wäre, wenn….“ der besonderen Art bietet dieser Thriller von Zoё Beck. Für ein packendes Buch genau das richtige, hoffe ich dennoch nicht, dass die Entwicklungen so vorangehen wie hier.

Was wäre, ...

Ein „Was wäre, wenn….“ der besonderen Art bietet dieser Thriller von Zoё Beck. Für ein packendes Buch genau das richtige, hoffe ich dennoch nicht, dass die Entwicklungen so vorangehen wie hier.

Was wäre, wenn Großbritannien letztendlich aus der EU ausgetreten ist, sich dann den Baustellen im Inland widmet und dabei ein verschärftes Drogengesetz beschlossen werden soll, das Konsumenten wie Suchgiftgegner auf die Straßen treibt und die halbe Unterwelt Londons auf den Plan ruft? Letztere befürchten massive Verdiensteinbußen und wissen sich nur auf „ihre Art“ zu wehren. Dazu gesellen sich Nationalisten, die den harten Regierungskurs nicht hart genug finden und alles „nicht-britische“ loswerden wollen, notfalls ebenso mit Gewalt.

Zwischen die Fronten geraten dabei naturgemäß auch Unschuldige. Und solche, die es gerne von sich glauben wollen. Wie Ellie, die mit ihrem unkonventionellen Drogen-Onlineshop auch die höchsten Kreise Londons beliefert. Eine perfekte Ausgangsbasis für eine Art britischen Mafia-Krimi, wobei aufgrund der Spannung sogar der so wunderbare schwarze Humor eigentlich zu kurz kommt.

Mehr sei nicht verraten, ich kann jedem Fan der Spannungsliteratur raten, sich selbst von der eigenartig beklemmend-faszinierenden, aufgewiegelten „After-Brexit-Stimmung“ gefangennehmen zu lassen. Und als man gegen Ende schon dem erwarteten Knalleffekt entgegenfiebert und dann doch (fast) alles anders kommt, schwingt die Autorin ebenso überraschend die „Moralkeule“. Hochmut kommt vor dem Fall - eindrucksvoll zeichnet Beck das Bild eines Menschen, der immer stärker seine Prinzipien verrät, schändliche Taten mit abstrusen Theorien rechtfertigt und schließlich die unausweichliche Bruchlandung begeht. Alles Fiktion? Hoffentlich.

Veröffentlicht am 31.07.2017

Kurzweiliger Krimi mit überaus aktueller (Kirchen-)Kritik

Verzehrende Flammen
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Selbst ein Mann der Kirche, kann Reiner Strunk seinen „Pater Braun“, nämlich Pfarrer Helmut Beermann, überaus authentisch wirken lassen. Bereits zum dritten Mal wird er – natürlich ganz unfreiwillig – ...

Selbst ein Mann der Kirche, kann Reiner Strunk seinen „Pater Braun“, nämlich Pfarrer Helmut Beermann, überaus authentisch wirken lassen. Bereits zum dritten Mal wird er – natürlich ganz unfreiwillig – in einer polizeiliche Ermittlung hineingezogen und ist Hauptkommissar Parler dabei eine große Hilfe.
Auch wenn Beermann schon einmal das eine oder andere Gespräch mit Zeugen oder Verdächtigen führt, ist er für die Polizei vielmehr dank seines Bibelwissens wichtig. Es ereignen sich unerklärbare
Brandanschläge in Kirchen der Umgebung und auch in Beermanns eigener. Der oder die Täter schrecken auch nicht vor Kollateralschäden zurück. Trotz oder gerade wegen seiner Befangenheit und Verwicklung in die Umstände bleibt der Pfarrer hartnäckig und versucht in sehr launigen Gesprächen mit Kollegen, seiner Frau Bettina oder Parler, die Zusammenhänge aufzudecken.

Da Kirchen die Schauplätze sind und auch ein paar der Verdächtigen etwas religiös-fanatisch erscheinen, ergeben sich auch immer wieder Gelegenheiten für die Protagonisten, über die Kirche als Institution zu philosophieren. Wie zeitgemäß sind gewissen Methoden, wie weit darf und soll „Kirche“ gehen? Und was genau ist „Radikalisierung?“ Auf sehr erfrischend ehrliche und analytische Weise geht hier der Autor mit Kirche, Glaube und vielem, das dazugehört, ins Gericht. Er ist weder übertrieben kritisch noch schmeichelnd, sondern stößt die „nur“ Gedanken des Lesers an. Die Auseinandersetzung mit Themen, die lange Zeit einfach ignoriert wurden, beginnt langsam und das bringen auch die Charaktere in diesem Krimi zum Ausdruck.

„Verzehrende Flammen“ ist ein kurzweiliger, am Ende etwas schnell aufgelöster Krimi, der inhaltlich in vielen Facetten am Puls der Zeit ist und mit vielen interessanten, „echten“ Protagonisten sowie dem richtigen Maß an Humor punkten kann.