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Veröffentlicht am 15.08.2026

Ein bewegtes Leben in Briefen

Die Briefeschreiberin
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In diesem Roman lernen wir die Amerikanerin Sybil van Antwerp über ihre Briefe kennen. Die ältere Frau korrespondiert mit ihren Kindern, Freunden, Autoren, deren Bücher sie liest und vielen anderen in ...

In diesem Roman lernen wir die Amerikanerin Sybil van Antwerp über ihre Briefe kennen. Die ältere Frau korrespondiert mit ihren Kindern, Freunden, Autoren, deren Bücher sie liest und vielen anderen in erster Linie schriftlich. Notfalls per E-Mail, aber bevorzugt über Briefe, weil sie der Meinung ist, dass damit etwas von der Person zurückbleibt, das für andere später eine Bedeutung haben könnte. 

Sie hebt auch alle Briefe auf, die sie (zurück-)bekommt. Sybil ist ein eher analoger Mensch und beschäftigt sich mit vermeintlich unwichtigen Problemchen. Als deutlich jüngere Leserin fiel es mir gerade in der ersten Hälfte des Buches teilweise schwer, ihre Ansichten nachzuvollziehen. Ich schüttelte unwillkürlich öfter einmal den Kopf oder verdrehte die Augen. 

Erst nach und nach erfährt man, was gerade und was früher in Sybils Leben vorgeht und vorging. Man merkt, dass sie nicht immer so war und auch sie selbst reflektiert mehr über sich und andere und arbeitet Teile ihres Lebens auf. Sie wurde, wie sie ist, durch tragische Umstände und das macht doch einiges verständlich. 

Dieses Buch ist kein “Pageturner”. Aber der Roman entwickelt eine eigene Dynamik, abhängig von den Ereignissen, die Sybil erlebt und mehr oder weniger ausführlich in ihren Briefen diskutiert. Sie ist definitiv eine ungewöhnliche Protagonistin. Man denkt sich zu Beginn “Was wird in ihrem Leben zwischen Gartentreffs und Tratsch mit den Nachbarn schon groß passieren?”, aber Virginia Evans hat eine doch spezielle und teilweise interessante Biografie geschaffen. 

Ein Hinweis: Am Ende des Buches befindet sich ein Personenverzeichnis, das ich aber eher für zwischendurch empfehlen würde, da man sich dadurch ansonsten das eine oder andere Ereignis vorwegnehmen könnte.

Veröffentlicht am 19.07.2026

Wie nahe am Abgrund kannst du sein?

Die Klippe – Jede Lüge könnte deine letzte sein
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Dieser Thriller begleitet die Hauptfigur Marcus Andersson über einen Zeitraum von circa 1,5 Jahren. Marcus ist ein eher ruhiger Typ in den Dreißigern, arbeitet bei der Post und lebt in Stockholm. Doch ...

Dieser Thriller begleitet die Hauptfigur Marcus Andersson über einen Zeitraum von circa 1,5 Jahren. Marcus ist ein eher ruhiger Typ in den Dreißigern, arbeitet bei der Post und lebt in Stockholm. Doch es lief nicht immer so beschaulich für ihn.

Marcus ist auch Autor, hat seit seinem Durchbruch aber keinen vergleichbaren Bestseller mehr geschrieben. Da erhält er eine Nachricht eines Autorenkollegen. Dieser bietet ihm beim gemeinsamen Mittagessen einen Deal an, der nicht nur ihrer beider Leben auf den Kopf stellen wird.

“Die Klippe” ist kein klassisch-blutiger Thriller, vielmehr läuft das meiste auf der psychischen Ebene ab. Marcus verstrickt sich immer tiefer in ein Konstrukt aus Lügen und Halbwahrheiten, das er, teils aus Eigeninteresse, teils fremdbestimmt, immer weiter spinnt. Man sieht zu, wie seine Entscheidungen ihn von einem Problem zum nächsten führen und fragt sich, wann er denn nun dem Ganzen ein Ende setzt. Er tut es nicht und zwingt sich damit selbst (oder wird gezwungen) zu immer drastischeren Handlungen.

Ulf Kvensler lässt in diesem Buch aber nicht nur Marcus leiden. Wenn man sich darauf einlässt, leidet man auch als Leser. Als Leser, der sich immer wieder fragt “Wie hätte ich hier reagiert? Ist Marcus’ Entscheidung nachvollziehbar? Gerechtfertigt?” Natürlich spielt das Schicksal Marcus schon extrem übel mit, aber man kann sich dennoch überlegen, ob man nicht auch selbst in eine ähnliche Situation kommen könnte.

Kann man mit einer Person, die sich in die Enge getrieben fühlt und die dadurch Dinge tut, die sie normalerweise nie machen würde, Mitleid haben? Von dieser Frage und dem eigenen Moralkompass hängt in diesem Fall auch ab, wie befriedigend (oder gerade nicht) man als Leser das Ende des Buches empfindet.

Veröffentlicht am 11.07.2026

Eine ebenso hartnäckige wie nicht einfache Ermittlerin

Waldnacht
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Ich war neugierig, hier ein “#1”-Buch zu lesen. “Waldnacht” ist der Start einer Serie. Kommissarin Sakka Pienni, aus Nordschweden nach Stockholm gezogen, ist eine eher typische nordische Krimiheldin. Wir ...

Ich war neugierig, hier ein “#1”-Buch zu lesen. “Waldnacht” ist der Start einer Serie. Kommissarin Sakka Pienni, aus Nordschweden nach Stockholm gezogen, ist eine eher typische nordische Krimiheldin. Wir erfahren ein wenig zu ihrer Abstammung und dass sie persönlich auch einige Dinge mit sich herumträgt. Natürlich ist sie eine begabte Ermittlerin, ansonsten könnte sie ihren Alltag wohl gar nicht so erfolgreich meistern.

Wer darüber hinwegsehen kann, dass Pienni als Figur zwar nicht übermenschlich, aber speziell veranlagt ist, bekommt einen spannenden, flott lesbaren Krimi serviert. Autorin Lina Bengtsdotter (bekannt durch die Charlie-Lager-Reihe) spielt hier gerne mit Gegensätzen. Die Betuchteren gegen jene, die es nicht sind, die, die es sich “richten können” gegenüber jenen, die das nicht können (oder es nicht tun).

Am Ende verwebt sie ihre Fäden gekonnt in ein Finale. Es bleiben keine wesentlichen Fragen offen, wenngleich ich mir noch etwas mehr Details zu den Taten aus Tätersicht gewünscht hätte.

Veröffentlicht am 12.06.2026

Spannender Krimi mit aktuellen Themen

Sturm über Christiansø
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Lennart Ipsen, der deutsch-dänische Kripoleiter auf Bornholm, ermittelt wieder. Gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen Britta und Tao sowie einem Spurensicherer, einer Gerichtsmedizinerin, einem pensionierten ...

Lennart Ipsen, der deutsch-dänische Kripoleiter auf Bornholm, ermittelt wieder. Gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen Britta und Tao sowie einem Spurensicherer, einer Gerichtsmedizinerin, einem pensionierten Apotheker und den Kollegen der Küstenwache, die als Wassertaxi dienen, löst er dieses Mal einen Fall rund um eine populäre junge Umweltschützerin. 

Anna Steenberg, gebürtig von Christiansø, wird vermisst. Auf ihrem Boot finden sich verdächtige Spuren und sowohl ihr Freund als auch ihre Familie, die Aktivistengruppe, die sie leitet, als auch deren Gegner scheinen nicht ganz ehrlich zu den Ermittlern zu sein. Gab es Machtkämpfe oder fand ein Eifersuchtsdrama seinen unrühmlichen Höhepunkt? 

Packend und unterhaltsam schildert der Autor die Vorgehensweise des kleinen Teams, die aufgrund der kleinen Inseln und der häufigen Fahrten übers Meer des Öfteren mit der Natur und ihren Launen zu kämpfen haben. 

Nebenbei erfährt man auch einiges über die Zukunft der Energieerzeugung und die Vorreiterrolle des Eilands. Auch die Pharmabranche ist sozusagen in den Fall involviert. Und als wären diese heißen, geopolitischen Themen noch nicht genug, soll Lennart auch noch eine Segelprüfung absolvieren, gemeinsam mit seiner Tochter - die scheinbar wesentlich mehr Zeit fürs Lernen aufwenden kann als der vielbeschäftigte Ermittler. 

“Sturm über Christiansø” ist der vierte Band der Reihe des durch die Kluftinger-Krimis (gemeinsam mit Volker Klüpfel) bekannt gewordenen Allgäuer Autors. Man kann aber auch alle Bände einzeln lesen und versteht bis auf wenige Details in den Anspielungen alles trotzdem sehr gut.

Veröffentlicht am 06.06.2026

Rau wie die See, packend wie die Realität

Lieblingsleichen
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Diese 315 Seiten vergingen wie im Flug. “Lieblingsleichen” ist Band 4 der Knudsen/La Lotse-Reihe von Kester Schlenz und Jan Jepsen. Die beiden (Wahl-)Hamburger schicken ihre LKA-Ermittler Thies Knudsen ...

Diese 315 Seiten vergingen wie im Flug. “Lieblingsleichen” ist Band 4 der Knudsen/La Lotse-Reihe von Kester Schlenz und Jan Jepsen. Die beiden (Wahl-)Hamburger schicken ihre LKA-Ermittler Thies Knudsen und Dörte Eichhorn gegen das Verbrechen in der Hansestadt auf die Straßen. 

Bei der Leiche eines Obdachlosen wird ein Zettel gefunden, der ihnen zwar Hinweise auf Täter und Motiv liefert, aber gleichzeitig auch eine Ankündigung beinhaltet. Wird es weitere Opfer geben? Die große Jagd beginnt, immer wieder von genau der richtigen Dosis an Nebenhandlung unterbrochen. Die Spannung bleibt hoch, keiner der Erzählstränge wird zu lange zelebriert, ehe ein Wechsel kommt. 

Die Autoren thematisieren hier einerseits radikale Rechte, Fremdenfeindlichkeit und ähnliches Gedankengut. Andererseits stellen sie auch eine sehr soziale Ader zur Schau und weisen auf ein anderes, ihnen wichtiges Thema hin: Bedürftige und Obdachlose. Penner, wie  Knudsen sagen würde. 

Die Figuren im Buch sind fiktiv, aber ihre Schicksale und die Reaktion anderer auf ihre Anwesenheit, ja ihre Existenz, sind es nicht. Wenn nach der Lektüre auch nur eine Person bei der nächsten Begegnung ihre Haltung und Vorurteile gegenüber Menschen, die auf der Straße leben (müssen), hinterfragt, ist schon etwas gewonnen. 

Es gibt natürlich Dinge und Hinweise in diesem Krimi, die auf frühere Ereignisse in der Reihe verweisen, aber nicht so stark, dass man hier nicht gut unterhalten werden würde. Es gibt nicht zu viele Hauptcharaktere und sobald man alle etwas besser kennt, kommt man eigentlich gut mit allen aus. 

Trotz viel Regens und schlechten Wetters im Krimi kommt Hamburg an sich auch nicht so übel weg. Wer noch nicht an den im Buch beschriebenen, realen Schauplätzen gewesen ist, bekommt trotz des ernsten und beklemmenden Themas Lust, einmal (wieder) die Stadt im Norden zu besuchen. Falls sich das nicht ausgeht, genieße ich dann zumindest hoffentlich den nächsten Band der Reihe.