Ein bewegtes Leben in Briefen
Die BriefeschreiberinIn diesem Roman lernen wir die Amerikanerin Sybil van Antwerp über ihre Briefe kennen. Die ältere Frau korrespondiert mit ihren Kindern, Freunden, Autoren, deren Bücher sie liest und vielen anderen in ...
In diesem Roman lernen wir die Amerikanerin Sybil van Antwerp über ihre Briefe kennen. Die ältere Frau korrespondiert mit ihren Kindern, Freunden, Autoren, deren Bücher sie liest und vielen anderen in erster Linie schriftlich. Notfalls per E-Mail, aber bevorzugt über Briefe, weil sie der Meinung ist, dass damit etwas von der Person zurückbleibt, das für andere später eine Bedeutung haben könnte.
Sie hebt auch alle Briefe auf, die sie (zurück-)bekommt. Sybil ist ein eher analoger Mensch und beschäftigt sich mit vermeintlich unwichtigen Problemchen. Als deutlich jüngere Leserin fiel es mir gerade in der ersten Hälfte des Buches teilweise schwer, ihre Ansichten nachzuvollziehen. Ich schüttelte unwillkürlich öfter einmal den Kopf oder verdrehte die Augen.
Erst nach und nach erfährt man, was gerade und was früher in Sybils Leben vorgeht und vorging. Man merkt, dass sie nicht immer so war und auch sie selbst reflektiert mehr über sich und andere und arbeitet Teile ihres Lebens auf. Sie wurde, wie sie ist, durch tragische Umstände und das macht doch einiges verständlich.
Dieses Buch ist kein “Pageturner”. Aber der Roman entwickelt eine eigene Dynamik, abhängig von den Ereignissen, die Sybil erlebt und mehr oder weniger ausführlich in ihren Briefen diskutiert. Sie ist definitiv eine ungewöhnliche Protagonistin. Man denkt sich zu Beginn “Was wird in ihrem Leben zwischen Gartentreffs und Tratsch mit den Nachbarn schon groß passieren?”, aber Virginia Evans hat eine doch spezielle und teilweise interessante Biografie geschaffen.
Ein Hinweis: Am Ende des Buches befindet sich ein Personenverzeichnis, das ich aber eher für zwischendurch empfehlen würde, da man sich dadurch ansonsten das eine oder andere Ereignis vorwegnehmen könnte.