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Veröffentlicht am 27.10.2018

Konnte mich leider nicht so richtig überzeugen

Wo du bist, fängt der Himmel an
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Auf dieses Buch bin ich in erster Linie aufgrund des sehr schönen und ansprechenden Covers aufmerksam geworden. Ich habe mich relativ unvoreingenommen und ohne grosse Vorabinformationen auf das Buch eingelassen.

Die ...

Auf dieses Buch bin ich in erster Linie aufgrund des sehr schönen und ansprechenden Covers aufmerksam geworden. Ich habe mich relativ unvoreingenommen und ohne grosse Vorabinformationen auf das Buch eingelassen.

Die Story: Im Buch werden zwei Themen behandelt. Der Hauptfokus liegt auf der Liebesgeschichte, die sich zwischen Luise und ihrem Lehrer entwickelt, den sie durch die Theater-AG kennenlernt. Die Idee einer verbotenen Lehrer-Schüler-Beziehung ist leider alles andere als neu und es gelingt Schiffer leider auch nicht wirklich, das Thema originell umzusetzen. Hinzu kommt, dass Luise kurz vor ihrem Abschluss steht, bereits volljährig ist und Konstantin ohnehin nur knapp 10 Jahre älter ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich in seinem Alter befinde, aber aus meiner Perspektive ist der Altersunterschied jetzt nicht so gross, dass ich irgendwie schockiert wäre. Aber ich gebe zu, dass das aus der Perspektive einer 18-jährigen vermutlich etwas anders aussieht.
Die Schwierigkeiten, die sich aus dieser (anfänglich) verbotenen Beziehung ergeben werden leider nur sehr oberflächlich angeschnitten und sind kurze Zeit später wieder schnell beseitigt, so dass ich zu keinem Zeitpunkt richtig mitgefiebert habe, ob die beiden ein Happy End kriegen.
Obwohl das Buch sehr dünn ist, gibt die Autorin aber immerhin dem Entwickeln der Gefühle etwas mehr Zeit, so dass zumindest das glaubhaft rüberkommt. Ansonsten bleibt die ganze Beziehung relativ unspektakulär.

Das zweite Thema, das im Buch behandelt wird, ist Luises Schwester Gesa, die vor einigen Jahren auf unerklärliche Weise verschwunden ist. Leider fand ich die Kombination dieser beiden Themen sehr unglücklich gewählt und beides wollte für mich nicht so richtig zusammenpassen. Dafür, dass es sich bei der verschwundenen Schwester um ein sehr beklemmendes Thema handelt, wird mir das Ganze leider zu oberflächlich abgehandelt. Man merkt zwar, dass Luise und ihre Eltern nach wie vor unter dem Verschwinden leiden und vor allem die Ungewissheit, was mit Gesa passiert sein könnte, ein ständiger Begleiter ist, aber das war's dann irgendwie auch schon. Auf mich wirkte diese "Nebenhandlung" nicht ganz durchdacht und stimmig zum Rest des Buches - da hätte man sicher mehr daraus machen können.

Die Charaktere: Der Fokus des Buches liegt vor allem auf den beiden Hauptcharakteren Luise und Konstantin. Das zeigt sich unter anderem auch darin, dass zwischen den Kapiteln immer wieder Zeitsprünge stattfinden, so dass sich die Handlung zum Grossteil tatsächlich nur auf Szenen beschränkt, in denen die beiden Zeit miteinander verbringen. Hier und da finden auch mal einige Nebencharaktere, wie etwa Luises Eltern oder ihre beste Freundin Bea, eine kurze Erwähnung, aber auch nur dann, wenn sie für Luises Storyverlauf irgendwie zweckdienlich sind. Insgesamt bleiben die Nebencharaktere sehr blass und ohne Tiefgang. Man könnte also sagen, dass die Charaktere rund um Luise in dieser Geschichte als blosse Statisten dienen, die beliebig hätten ausgetauscht werden können.

Der Schreibstil: Der Schreibstil ist sehr simpel gehalten und es gibt viel direkte Rede und kurze, abgehackte Sätze. Ich habe mir die ganze Zeit gedacht, dass der Schreibstil einem Schulaufsatz-Niveau entspricht, bis ich ganz am Schluss gelesen habe, dass die Autorin erst 17 Jahre alt ist und damit vermutlich tatsächlich noch zur Schule geht. Man könnte also sagen, dass ihr Schreibstil altersentsprechend ist. Trotzdem ist mir die Ausdrucksform für ein Buch zu einfach gehalten, gerade wenn ich ihn mit anderen Autorinnen wie z.B. Laura Kneidl vergleiche, die auch schon früh mit dem Schreiben angefangen hat, aber stets einer wunderschöne, bildhafte Sprache verwendet hat. Aktuell befindet sich Schiffers Schreibstil auf Fanfiction-Niveau. Da bleibt noch viel Luft nach oben, aber sie hat ja auch noch genügend Zeit, sich weiterzuentwickeln.

Fazit:
Mit einer verbotenen Lehrer-Schüler-Beziehung hat die erst 17-jährige Autorin Nina Schiffer das Rad sicher nicht neu erfunden. Einzelne Ansätze wären ganz gut, aber leider ist die Umsetzung eher unspektakulär und dröge ausgefallen. Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten und entspricht dem Niveau, das man von einer so jungen Autorin erwartet. Das Buch ist sehr kurz, liest sich schnell weg und tut keinem weh. Trotzdem kann ich der Geschichte nur 2.5 Sterne vergeben, weil mir das alles insgesamt zu wenig Tiefgang hatte und das Konzept auf mich nicht ganz durchdacht wirkte.

Veröffentlicht am 22.10.2018

Eine vielversprechende Idee, deren Potenzial leider nicht ausgenutzt wird

Renegades - Gefährlicher Freund
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Spätestens seit dem Erfolg der Marvel Comicverfilmungen an den Kinokassen ist unlängst bekannt: Superhelden sind derzeit der Renner. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sich dieser Hype verbreitet ...

Spätestens seit dem Erfolg der Marvel Comicverfilmungen an den Kinokassen ist unlängst bekannt: Superhelden sind derzeit der Renner. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sich dieser Hype verbreitet und weitere Comicadaptionen wie Pilze aus dem Boden schiessen: Sei es als weitere Filme, Serien oder wie hier, als Bücher. Egal wo man hinsieht, es gibt kaum ein Medium, die nicht auf den Superhelden-Hype-Zug aufgesprungen sind. Ich selbst bin ebenfalls ein grosser Fan der meisten Marvel-Verfilmungen, besonders was die Avengers angeht. Einzig die X-Men Filme konnten mich bislang leider gar nicht von sich überzeugen, deshalb war es ein interessantes Experiment, wie Renegades wohl bei mir ankommen würde, denn die Grundidee ähnelt schon sehr der, der X-Men Filme (bzw. den Comics), da es im Buch sogenannte "Wunderkinder" gibt, die entweder seit ihrer Geburt oder einem tragischen Ereignis in ihrem Leben, Superkräfte entwickelt haben.

Die Geschichte rund um die 17-jährige Nova spielt in einer Stadt, in der Superhelden - sogenannte Renegades - gegen Schurken kämpfen, die sich in verschiedene Gangs unterteilen lassen. Die Anarchisten (denen Nova angehört), fallen in den Augen der Renegades ebenfalls in die Kategorie der Bösen. Wenn man einen genaueren Blick auf die verschiedenen Gruppierungen wirft, sieht man jedoch, dass sich nicht alles in Gut und Böse unterteilen lässt, da sowohl die Renegades, als auch die Anarchisten in der Vergangenheit Taten begangen haben, die sich nicht eindeutig einer Seite zuteilen lassen, so dass sich beide wohl eher in einer Grauzone befinden.

Die Hintergrundgeschichte von Nova erfährt man bereits im Prolog des Buches und sie entspricht ganz klischeehaft einem tragischen Schicksal, wie es schon viele Superhelden vor ihr erlebt haben: Sie hat als kleines Kind zugesehen, wie ihre Eltern und ihre Säuglings-Schwester auf brutale Weise ermordet wurden. Dieses traumatische Ereignis hat den Grundstein für ihren weiteren Weg gelegt, denn damals hatten die Renegades versprochen, ihre Eltern zu beschützen. Doch in jener schicksalhaften Nacht ist keiner dieser angeblichen Superhelden aufgetaucht, so dass Nova seit jeher einen Hass gegen die Renegades hegt und sich durch ihren Onkel Ace (dem damaligen Anführer) den Anarchisten angeschlossen hat, mit dem Ziel, die Herrschaft der Renegades ein für alle Mal zu beenden.

Nach dem Prolog startet die Handlung direkt mit einem versuchten Attentat, das die Anarchisten auf die Renegades ausüben wollen, um den obersten Rat der Superhelden zu ermorden. Nova fällt dabei die Aufgabe zu, den Captain zu töten, macht jedoch im letzten Augenblick einen Rückzieher und wird durch einen ominösen "Wächter" unterbrochen, der zwar das Emblem der Renegades trägt, doch von dem noch nie jemand gehört hat.
Nach diesem missglückten Mordversuch, beschliessen die Anarchisten, Nova heimlich bei den Renegades einzuschleusen, die glücklicherweise gerade auf der Suche nach neuen Rekruten sind. Und da Nova bei den Anarchisten bisher nur als geheimnisvolle "Nachtmahr" bekannt war und keiner ihre wahre Identität kennt, gelingt es ihr unter dem neuen Pseudonym "Insomnia" und gefälschten Papieren tatsächlich, Teil der Renegades zu werden und kann so nach und nach an die Geheimnisse der Superhelden-Organisation gelangen.

Bis dahin klang die Geschichte eigentlich sehr vielversprechend, doch im Laufe der Handlung kamen immer mehr Kritikpunkte auf, die meine anfängliche Begeisterung stark geschmälert hatten. Im Folgenden möchte ich die wichtigsten positiven und negativen Aspekte zusammenfassen:


Was mir gefallen hat:
Die Superkräfte: Gleich zu Beginn des Buches ist eine Übersicht aller wichtigen Charaktere samt Namen und einer kurzen Erklärung ihrer Kräfte enthalten. Auffallend dabei waren die ausgefallenen Ideen, die die Autorin da hatten und die Charaktere damit in meinen Augen deutlich interessanter, als die X-Men gemacht haben. So kann sich beispielsweise eine Superheldin in einen Schwarm Schmetterlinge verwandeln oder eine andere kann ein Schwarm Bienen, Wespen und Hornissen steuern und für ihre Zwecke einsetzen. Diese Kreativität fand ich bemerkenswert.

Die Hintergrundgeschichten der Superhelden: In einem Teil des Buches erfährt man mehr über einige von Novas Teamkollegen bei den Renegades und deren Hintergrundgeschichte. Obwohl auch hier jeder einzelne der Charaktere jeweils eine klischeehafte tragische Vergangenheit aufweist, fand ich es faszinierend, die Zusammenhänge ihrer Hintergrundgeschichte und ihren jetzigen Superkräften zu erfahren und zu sehen, welche Gedanken sich die Autorin um ihre Charaktere gemacht hat.

Diversity: Auch das muss positiv hervorgehoben werden, obwohl es zum Glück immer mehr Bücher gibt, die Diversity in ihre Geschichten miteinfliessen lassen. Was ich hier aber besonders positiv hervorheben muss, ist die Art und Weise wie es Meyer in ihrem Buch gelungen ist. Anders als viele ihrer AutorInnen-Kollegen macht sie nämlich nicht einen riesen Wirbel darum, dass die Protagonistin beispielsweise eine halbe Philippina ist oder die (Adoptiv-)Eltern von Adrian zwei glücklich verheiratete homosexuelle Männer sind, sondern sie lässt diese Informationen einfach nebenbei in die Handlung miteinfliessen, als ob es das Normalste der Welt wäre - denn Guess what: Es IST das normalste Welt. Davon können sich viele andere AutorInnen noch eine Scheibe abschneiden. (I'm looking at you, Cassandra Clare!)

Was mir nicht gefallen hat:
Die Länge des Buches: Hierzu kann ich eigentlich gar nicht so viel schreiben, ausser: Das Buch ist mit 640 Seiten einfach VIEL zu lang und hätte locker um 200 Seiten gekürzt werden können, ohne dass relevante Ereignisse hätten weggelassen werden müssen. Dieser Kritikpunkt ist mir auch schon beim letzten Band von Meyers anderer Reihe, den Lunar Chronicles, aufgefallen. Leider hat die Autorin die Tendenz entwickelt ihre Bücher unnötig aufzublähen und die Handlung wird dadurch manchmal zäh wie Kaugummi. Ich habe irgendwann angefangen, einige Sätze einfach nur noch zu überfliegen und konnte der Story trotzdem noch problemlos folgen. Ich hoffe das nächste Buch fällt etwas kompakter aus, denn mehr Seiten bedeuten nicht unbedingt, dass ein Buch besser ist.

Die Wiederholungen: Dieser Kritikpunkt geht mit dem ersten einher, denn wenn ich jedes Mal einen Cent gekriegt hätte, wenn Nova den Tod ihrer Eltern oder ihres Onkels erwähnt und wie sehr sie die Renegades dafür hasst, dass sie damals nicht zur Rettung ihrer Eltern herbeigeeilt sind, dann könnte ich mir davon sicher nun den zweiten Teil kaufen ;D. Auch Adrian hat die Tendenz sich ständig zu wiederholen, indem er immer wieder den Tod seiner Mutter erwähnen muss und dass er deshalb auf der Suche nach "Nachtmahr" ist, da diese womöglich Informationen über jene verhängnisvolle Nacht besitzt. We get it!! Ihr habt beide traumatische Ereignisse erlebt und euch deshalb in eine bestimmte Richtung entwickelt, aber das muss man nicht in jedem Kapitel wiederholen. Vermutlich wäre das Buch nur allein durch das Weglassen dieser Wiederholungen schon 100 Seiten kürzer gewesen.

Der fehlende Spannungsbogen: Schon mein Deutschlehrer aus meiner Schulzeit hat uns damals eingebläut, dass zu einer guten Geschichte ein Spannungsbogen gehört, der sich immer mehr aufbaut und zum Schluss hin in einem Höhepunkt enden soll. Meiner Erfahrung nach, trifft das definitiv nicht nur auf Schulaufsätze, sondern auch auf gute Bücher zu. Leider fehlt es "Renegades" an einem solchen Spannungsbogen und die Handlung plätschert die meiste Zeit dahin. Man erfährt zwar ab und zu ein paar neue Infos, aber so richtig in die Gänge kommt die Geschichte leider zu keinem Zeitpunkt. Im Schlussteil habe ich einige Abschnitte nur noch quergelesen, weil ich allmählich die Geduld verloren habe und bis zuletzt gehofft habe, dass die Autorin wenigstens mit einem fulminanten Schluss aufwartet - aber falsch gedacht. Leider bleibt auch der Schluss relativ unspektakulär. Dadurch ist es der Autorin leider nicht gelungen, dass mich das Buch an irgendeiner Stelle richtig packen konnte. Es hat sich beim Lesen so angefühlt, als hätte Meyer wirklich jeden Schritt und jeden Dialog, den Nova gemacht oder geführt hat, ausgeschrieben. Und genau das bläht das Buch unnötig auf und macht es stellenweise zäh.

Die "geheimnisvollen" Identitäten: Der Leser erfährt bereits zu Beginn, wer sich hinter "Nachtmahr" und dem "Wächter" befindet - und selbst wenn es nicht explizit im Buch beschrieben gewesen wäre, müsste man kein Sherlock Holmes sein, um herauszufinden, dass es sich um Nova und Adrian handelt. Obwohl dies mehr als offensichtlich ist (und es im weiteren Verlauf so viele weitere Hinweise gäbe, die den Charakteren die Augen öffnen sollte) sieht die Autorin das Spielchen um diese geheimnisvollen Identitäten während des gesamten Buches knallhart durch. Weder Nova, noch Adrian, noch sonst irgendein Charakter, hat nur den geringsten Verdacht, wer sich hinter den beiden Pseudonymen verstecken könnte. Das mag ja zu Beginn der Story noch Sinn machen, aber während der gesamten Dauer war das für mich schlicht und ergreifend unglaubwürdig, es sei denn, Nova und Adrian (und alle Nebencharaktere) sind tatsächlich so dumm und blind, diese ganzen Hinweise zu übersehen oder zu ignorieren. Hinzu kommt, dass dieses Pseudo-"Irreführung" für mich als Leser nur ein müdes Gähnen entlocken konnte, denn man weiss ja von Anfang an, wer sich hinter Nachtmahr und dem Wächter verbirgt, deshalb hat sich für mich der Sinn hinter dieser Täuschung nicht ganz erschlossen.

Der irreführende Klappentext: Der letzte Punkt ist nur ein Detail und hat die Bewertung des Buches nicht direkt beeinflusst, trotzdem will ich ihn nicht unerwähnt lassen. Im offiziellen Klappentext wird eine potentielle Liebesgeschichte zwischen Nova und Adrian sehr stark hervorgehoben und so dargestellt, als hätte diese auch einen massgeblichen Einfluss auf die Handlung - also etwa in der Art einer modernen Romeo und Julia Adaption. Diese Annahme ist aber komplett falsch, denn das Buch enthält praktisch gar keine Romantik und es kommt - wenn überhaupt - nur zu einer subtilen Annäherung der beiden Protagonisten. Der Klappentext schürt also falsche Hoffnungen und wer eine Romantasy erwartet, der sei an dieser Stelle vorgewarnt, denn das ist absolut nicht der Fall.

Fazit:
Bei Renegades handelt es sich um einen Superhelden-Roman, der durch die aussergewöhnlichen Superkräfte und die interessanten, vielschichten Charaktere sehr viel Potenzial bergen würde. Leider schafft es die Autorin nicht, diese Möglichkeiten voll auszunützen, die sie durch das vielversprechende Setting geschaffen hat. Das Buch wirkt stellenweise sehr zäh und unnötig aufgebläht und es fehlt der Geschichte leider an einem packenden Spannungsbogen. Trotzdem legt dieser Reihenauftakt ein paar interessante Grundsteine, die hoffentlich in Teil 2 besser für den Handlungsverlauf genutzt werden. Für Fans von Comicadaptionen, insbesondere der X-Men-Reihe, kann ich das Buch weiterempfehlen, man sollte seine Erwartungen jedoch nicht zu hoch schrauben. Von mir gibt es deshalb für diesen Reihenauftakt 3 Sterne. Für Teil 2 bleibt also noch Luft nach oben.

Veröffentlicht am 19.10.2018

Eine Story, die vor allem durch die starke, weibliche Protagonistin punktet

Das Mädchen aus Feuer und Sturm
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Auf dieses Buch habe ich mich schon monatelang gefreut, nachdem ich den Hype auf Goodreads mitgekriegt hatte. Das deutsche Cover ist im Vergleich zum englischen Original deutlich "mädchenhafter" ausgefallen, ...

Auf dieses Buch habe ich mich schon monatelang gefreut, nachdem ich den Hype auf Goodreads mitgekriegt hatte. Das deutsche Cover ist im Vergleich zum englischen Original deutlich "mädchenhafter" ausgefallen, was eigentlich ein bisschen der Botschaft des Buches widerspricht. Wenn man das Buch dann in den Händen hält, ist es aber sehr schön anzusehen.

Das Buch beginnt sehr vielversprechend und konnte mich bereits ab dem Zeitpunkt, an dem Mariko und ihre Begleiter überfallen und - bis auf Mariko - getötet werden bereits packen. Statt sich hilflos und verletzt ihrem Schicksal hinzugeben, beschliesst Mariko für diesen Überfall Rache zu nehmen. Dieses Nahtoderlebnis entfacht in ihr eine unglaubliche Stärke und Kraft, der sie auf ihrem weiteren Weg stetig begleitet. Um sich von ihrem alten Ich zu verabschieden, entschliesst sich Mariko als Junge zu verkleiden und, ohne zu Zögern, säbelt sie sich dafür ihre lange Haarpracht ab.
Und? Klingelt es da bei wem? Bei mir war es nämlich so, denn die Handlung erinnert bis dahin sehr an den Disneyfilm "Mulan" - nicht nur, weil er im asiatschen Raum spielt und ein POC als starke Protagonistin aufweist, sondern weil auch Mulan sich im Film als junger Mann verkleidet (und anstelle ihres Vaters in den Krieg zieht). Ich weiss nicht, ob diese Ähnlichkeit von der Autorin gewollt war und es sich tatsächlich um ein Retelling von "Mulan" handelt, aber da ich den Film als Kind geliebt habe, hat die Autorin damit noch mehr Pluspunkte bei mir eingehandelt.

Die Handlung geht dann etwas anders als im Film weiter und Mariko schafft es sehr bald, die vermeintlichen Übeltäter ausfindig zu machen: Der Schwarze Clan. Dabei handelt es sich um eine Gruppierung von jungen Männern, die in Marikos Augen allesamt Diebe und Mörder sind. Und sie überzeugt davon, dass sie auch für den Überfall verantwortlich sind. Als Junge verkleidet, gelingt es ihr, sich in die Reihen des Schwarzen Clans zu schleichen. Dabei lernt sie einen der jungen Männer näher kennen und es kommt wie es kommen muss: Aus Hass entwickelt sich allmählich Liebe. Und genau durch diesen Umstand gerät ihr ursprünglicher Plan, Rache am Schwarzen Clan zu üben, immer mehr ins Wanken. Zusätzlich wird die Sache auch noch dadurch verkompliziert, dass Mariko nach und nach Dinge über ihren Zwillingsbruder und ihren Vater erfährt, die sie so niemals geahnt hätte. Und sie gerät immer mehr in Zweifel, ob sie sich nicht doch geirrt hatte, als sie den Schwarzen Clan als ihren Feind angesehen hat.

Obwohl ich das Buch am Anfang nicht aus der Hand legen konnte, ging dieses Gefühl im Mittelteil etwas verloren. Die Story weist darin ein paar Längen auf, die meiner Meinung nach etwas gekürzt hätten werden können.
Wie oben erwähnt, bin ich ein grosser Fan von Büchern mit einer starken, weiblichen Protagonistin, doch in diesem Fall ging das etwas verloren, als die obligatorische Liebesgeschichte eingebaut werden musste. Die Romantik nimmt zwar nicht den Grossteil der Geschichte ein, doch auf mich wirkte das Ganze sehr plötzlich und dadurch auch etwas konstruiert, obwohl ich die beiden Liebenden als potentielles Pärchen sehr niedlich fand. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden hätte aber etwas glaubhafter gewirkt, wenn sich die Autorin dafür etwas mehr Zeit genommen hätte.

Der Schreibstil lässt sich zum grossen Teil flüssig lesen, aber ich hatte stellenweise Mühe, die asiatischen Fremdwörter zu verstehen, die immer wieder verwendet wurden. Ich habe leider erst am Schluss gesehen, dass am Ende des Buches ein Glossar mit allen Begriffserklärungen vorhanden wäre. Das hätte das Lesen vermutlich um einiges erleichtert.
Was mich zudem manchmal gestört hat, waren die Konversationen zwischen Mariko und Ōkami. Ich nehme an, dass die Autorin damit Romantik erzeugen wollte, doch auf mich wirkten die Aussagen, die die beiden ausgetauscht haben, manchmal wie Glückskekssprüche und dadurch sehr konstruiert. Da sind mir weniger pseudo-poetische Gespräche lieber, denn sie wirken zwar nicht so romantisch, dafür aber deutlich glaubhafter. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass zwei so junge Menschen tatsächlich so miteinander sprechen, selbst wenn das Buch in einer anderen Zeit spielt.

Der Schlussteil hatte es dann noch einmal in sich und endet in einem actiongeladenen Ende, der mich sehr neugierig auf Teil 2 gemacht hat. Trotzdem bleiben noch viele Fragen ungeklärt und ich hoffe, dass diese im weiteren Verlauf noch beantwortet werden.

Fazit:
Eine Geschichte über eine starke, asiatische Protagonistin, die durch einen Überfall zu unerwarteter Stärke gelangt. Das Buch beginnt sehr packend, weist im Mittelteil einige Längen auf, endet dann aber wieder in einem actiongeladenen, spannenden Schluss, so dass man den zweiten Band kaum abwarten kann. Für Fans des Disneyfilms "Mulan" kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen. Aufgrund einiger Schwächen kriegt "Das Mädchen aus Feuer und Sturm" von mir 4 Sterne und ich freue mich bereits auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 14.10.2018

Ein actiongeladener Fantasyroman mit einer starken Protagonistin

ASH PRINCESS
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Auf dieses Buch habe ich lange gewartet und ich bin froh, sagen zu dürfen, dass sich das Warten gelohnt hat. Man wird als Leser von Anfang an direkt in die Geschichte hineingeworfen und erfährt durch die ...

Auf dieses Buch habe ich lange gewartet und ich bin froh, sagen zu dürfen, dass sich das Warten gelohnt hat. Man wird als Leser von Anfang an direkt in die Geschichte hineingeworfen und erfährt durch die Augen der Protagonistin Theo, wie es dazu gekommen ist, dass sie nun seit über zehn Jahren als Sklavin der sogenannten "Kalovaxianer" gehalten wird - und das obwohl sie eigentlich selbst Königin eines anderen Volkes wäre, den "Astreanern". Die beiden Völker sind seit jeher verfeindet und vor einem Jahrzehnt ist es dem grausamen Kaiser der Kalovaxianer gelungen, das Reich der Astreaner zu erobern, sie zu besiegen und seine Feinde unter seinem brutalen Regime für sich als Sklaven arbeiten zu lassen.

Der Schreibstil ist so flüssig und packend, dass ich mich sofort in der Fantasywelt zurechtgefunden habe, die Laura Sebastian geschaffen hat. Es ist ihr gelungen, dass ich von Anfang an eine Bindung zu der Protagonistin aufbauen und mit ihr mitfühlen konnte. Obwohl sich Theo seit Jahren in Gefangenschaft befindet, ist sie nach wie vor eine starke junge Frau, die sich selbst durch regelmässige Peitschenhiebe oder dem Spott, bei öffentlichen Anlässen eine Krone aus Asche tragen zu müssen (durch die sich der Kaiser über Theos Herkunft als Tochter der Feuerkönigin lustig macht), nicht unterkriegen lässt. Ihre Situation scheint aussichtslos zu sein und dennoch lassen sie ihre Rachegelüste Tag für Tag überleben, es eines Tages dem Kaiser und allen anderen Kalovaxianern heimzuzuzahlen, die sie und ihr Volk unterdrückt und gefoltert haben.

Anfangs scheint Theos Vorhaben noch aussichtlos zu sein, doch nach einer furchtbaren Tat, zu der sie vom Kaiser gedrängt wird, werden einige Rebellen auf den Plan gerufen, die ihr zur Seite stehen. Mit Hilfe ihrer Freunde schmiedet die Ascheprinzessin einen Plan, wie sie es dem Kaiser ein für alle Mal heimzahlen kann. Der Plan beinhaltet jedoch einige Gefahren und Tücken, die das Risiko bergen, dass weder Theo, noch die anderen Rebellen, das Vorhaben überleben werden. Doch Theo ist bereit, dieses Risiko auf sich zu nehmen. Für sich selbst und für ihr Volk.

Was mir neben der packenden Handlung, die mit vielen überraschenden Wendungen und Actionszenen versehen ist, besonders gefallen hat, ist die Stärke der weiblichen Protagonistin. Obwohl sie mit Blaise, einem Rebellen aus ihrem Volk und mit Soren, dem Sohn des Kaisers, zwei Männer an ihrer Seite als Unterstützung hat, schafft sie es dennoch, sich immer wieder ganz eigenständig durch verschiedene gefährliche Situationen zu manövrieren. Sie muss die Schmach und die Folter des Kaisers auf ihren Schultern tragen, ohne dass ihr ein Mann dies abnimmt. Das will sie auch gar nicht, denn angesichts dessen, was ihr Volk alles ertragen muss, trägt sie das Leid so mit ihnen. Und das ist ein ganz grosser Pluspunkt, durch den sich Theo meinen Respekt als Leserin verdient hat.

Das Buch beinhaltet neben Theo noch viele weitere, vielschichtige Charaktere, die vielleicht am Anfang noch unscheinbar und klischeehaft wirken, aber sich am Ende als viel tiefgründiger entpuppen, als sie am Anfang den Anschein gemacht haben. Auch hier hat die Autorin sich immer wieder überraschende Entwicklungen überlegt, die ich so nicht habe kommen sehen. Allen voran betrifft das Theos beste Freundin Cress, die eine Wandlung durchmacht, die ich so nicht erwartet hätte.

Ein kleiner Kritikpunkt muss am Ende aber dennoch erwähnt werden: Leider greift die Autorin in ihrem Buch auf ein „altbewährtes“ Liebesdreieck zurück, das man schon von so vielen anderen Young Adult (Fantasy) Büchern kennt. Dieses Liebesdreieck oder generell die Romantik nimmt im Buch zwar (zum Glück!) viel weniger Raum ein, als ich es befürchtet hatte, aber dennoch habe ich gegen Liebesdreiecke inzwischen eine solche Abneigung entwickelt, dass mir die Geschichte besser gefallen hätte, wenn die Autorin darauf verzichtet hätte. Die Story hätte auch ohne Liebesdreieck wunderbar funktioniert.

Fazit:
Ein packender, actiongeladener Fantasyroman mit einem fantastischen Worldbuilding und einer starker Protagonistin, der mich von Anfang an in seinen Bann reissen konnte. Die Autorin schafft es mit einem flüssigen Schreibstil und vielen überraschenden Wendungen, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen will. Nur das klischeehafte Liebesdreieck hätte man meiner Meinung nach getrost weglassen können, ohne dass es der Geschichte einen Abbruch getan hätte.
Dieser spannende Reihenauftakt kriegt von mir 4.5 Sterne und ich kann es kaum erwarten, den zweiten Band zu lesen.

Veröffentlicht am 06.10.2018

Eine berührende Geschichte

Was das Herz nie vergisst
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Auf das Buch bin ich in erster Linie aufgrund des wunderschönen Covers aufmerksam geworden, das aber rückblickend auf mich ein bisschen zu bunt und fröhlich wirkt und meiner Meinung nach deshalb nicht ...

Auf das Buch bin ich in erster Linie aufgrund des wunderschönen Covers aufmerksam geworden, das aber rückblickend auf mich ein bisschen zu bunt und fröhlich wirkt und meiner Meinung nach deshalb nicht ganz so passend für die bedrückende Geschichte ist, die sich dahinter verbirgt.

Worum es in dem Buch geht, wird bereits sehr treffend im Klappentext beschrieben, der gleichzeitig auch als Einstieg in die Geschichte dient. Und genau ab dem Zeitpunkt, als Sabina nach 38 Jahren erfährt, dass sie adoptiert ist, hat mich die Story richtig gepackt. Die Autorin schafft es sehr eindrücklich und bewegend zu schildern, welche Auswirkungen diese Enthüllung auf Sabina hat. Man erfährt nicht nur, was im Gefühlsleben der Protagonistin vor sich geht, sondern auch, welche Folgen das Ganze auf zwischenmenschlicher Ebene hat. Nachdem Sabina die Nachricht verdaut hat, muss sie sich damit auseinandersetzen, dass ihre Eltern sie ihr Leben lang angelogen haben. Und darin verbirgt sich verständlicherweise sehr viel Konfliktpotential, das seinen Höhepunkt erreicht, als Sabina den beiden erklärt, dass sie ihre biologischen Eltern suchen möchten. Das wiederum ist Auslöser dafür, dass Sabinas Mutter und Vater sich mit den Konsequenzen ihrer damaligen Entscheidung konfrontieren müssen, was alles andere als leicht für alle ist, denn das Thema "Zwangsadoptionen" schwebt wie ein Damoklesschwert über die gesamte Geschichte.
Was mir besonders gefallen hat ist die Art und Weise, wie die Autorin die Auswirkungen beschreibt, denn sie schafft es, das Thema mit der nötigen Sensibilität zu behandeln, ohne diese Enthüllung auf übertrieben dramatische Weise auszuschlachten. Die gesamte Geschichte wirkt dadurch sehr authentisch und glaubhaft - und das hat mir besonders gut gefallen.

Das Buch ist in zwei Handlungsstränge unterteilt. Zum einen gibt es die Gegenwart, die sich mit Sabinas Umgang mit der Situation befasst und zum anderen gibt es die Zeitebene vor 38 Jahren, die aus der Sicht von Sabinas biologischer Mutter geschildert wird. Ich fand diese Vorgehensweise ganz wunderbar, denn nach und nach erfährt der Leser, wie es damals überhaupt zu der Adoption gekommen ist, bis die beiden Handlungsstränge schliesslich zusammengeführt und in der Gegenwart verschmelzt werden.

Der Schreibstil lässt sich sehr flüssig und angenehm lesen und die Seiten sind sprichwörtlich dahingeflogen. Ich hatte aber ein bisschen den Eindruck, dass die Handlung sehr schnell vorangetrieben und alles ein bisschen zu sehr auf ein Happy End getrimmt wurde. Es war fast so, als hätten sich alle Beteiligten sehr schnell mit dieser neuen Situation abgefunden und sich darauf einstellen können. Ob das in der Realität auch alles so harmonisch verlaufen würde, wage ich zu bezweifeln.

Fazit:
Ein bewegendes Buch über eine schwangere Frau, die nach 38 Jahren erfährt, dass sie adoptiert wurde und sich nun den Folgen dieser Enthüllungen stellen muss, die viele Fragen zu ihrer eigenen Identität aufwirft. Die Autorin geht sehr sensibel mit dem Thema "Zwangsadoption" um und schafft es, das Thema authentisch umzusetzen, ohne dabei reisserisch zu sein. Der Handlungsbogen wirkt gut durchdacht und wird durch das Verschmelzen zweier Handlungsstränge schön abgerundet - wobei der Schlussteil in meinen Augen schon ein bisschen zu schön ist, um wahr zu sein. Aus diesem Grund gibt es von mir 4 Sterne für dieses berührende Buch.