✎ Peter Forrest - Kap Hoorn: Sturm und Leidenschaft
Ich habe „Kap Hoorn - Sturm und Leidenschaft“ von Peter Forrest schon vor langer Zeit zugeschickt bekommen, vermutlich direkt bei Erscheinen. Da mich der Klappentext damals nicht besonders ansprach, wanderte ...
Ich habe „Kap Hoorn - Sturm und Leidenschaft“ von Peter Forrest schon vor langer Zeit zugeschickt bekommen, vermutlich direkt bei Erscheinen. Da mich der Klappentext damals nicht besonders ansprach, wanderte das Buch ungelesen auf meinen SuB und hatte dort nie echte Priorität. Erst durch eine Leseaktion habe ich es wieder in die Hand genommen und mir gedacht: Ein Kapitel kann ich ihm wenigstens geben. Am Ende habe ich es tatsächlich durchgelesen - doch wirklich mitgenommen hat es mich nicht.
Die Sprache war für mich von Anfang an schwer zugänglich. Schon der Klappentext wirkte verschachtelt und umständlich, zudem wird der Leser konsequent gesiezt. Das schafft eine förmliche Distanz, die mich eher an ältere Reiseliteratur erinnerte als an einen Roman, der Emotionen wecken soll. Ich empfand diesen Stil zu gestelzt mit zu wenig Nähe. Das hat sich beim eigentlichen Text leider bestätigt. Lange Schachtelsätze und detailverliebte Beschreibungen haben das Geschehen immer wieder ausgebremst. Manche Formulierungen wirkten dabei so antiquiert, dass ich mich fragte, wer heute noch so spricht.
„Bis zum festlichen Dinner blieb noch etwas Zeit zur Erholung.
Er nutzte sie zur ausgiebigen Körperpflege und besonders auffälliger textiler Ausstattung.“ (S. 25)
„Hastig umgab er sich mit sommerlicher Kleidung, […]“ (S. 30)
Die Figuren haben es mir zusätzlich schwer gemacht. Der namenlose Passagier, der im Mittelpunkt der Handlung steht, blieb mir unsympathisch und undurchsichtig. Seine Gefühle für die Passagierin wirkten für mich nicht nachvollziehbar, eher obsessiv als romantisch. An manchen Stellen ging sein Verhalten deutlich in Richtung Stalking, was eher Unbehagen als Spannung auslöste. Gerade weil die Passagierin nicht einmal frei ist, erschienen mir seine Annäherungen aufdringlich und fehl am Platz. Empathie konnte ich dafür nicht aufbringen. Die Hauptfigur schaffte es einfach nicht, bei mir Bindung oder Mitgefühl auszulösen.
Was mich ebenfalls irritiert hat, war die Diskrepanz zwischen Ankündigung und Inhalt. Im Klappentext wird versprochen, dass das Buch Einblicke in Land und Leute sowie Naturereignisse rund um Kap Hoorn geben soll. In der Realität begegneten mir jedoch hauptsächlich lange Passagen über gesellschaftliche Gepflogenheiten und Preise bei den Ausflügen. Die erhoffte Atmosphäre von Abenteuer und gewaltiger Natur habe ich kaum gespürt.
Mein Eindruck ist, dass Peter Forrest hier vielleicht eigene Erfahrungen oder Erinnerungen verarbeitet hat. Wäre das Buch klarer als autobiografisch gekennzeichnet gewesen, hätte man es vermutlich mit anderen Erwartungen gelesen und vielleicht auch anders bewertet. So blieb es für mich ein distanziertes Werk, das mich trotz Durchhaltevermögen nicht berühren konnte.
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