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Veröffentlicht am 30.03.2020

✎ Charlotte Link - Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester

Sechs Jahre
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Dies ist mein viertes Buch von Charlotte Link - und wahrscheinlich mein letztes. Ich war von ihren Krimis schon nicht so ganz überzeugt, aber da dies aus dem wahren Leben ist, habe ich ihm zumindest eine ...

Dies ist mein viertes Buch von Charlotte Link - und wahrscheinlich mein letztes. Ich war von ihren Krimis schon nicht so ganz überzeugt, aber da dies aus dem wahren Leben ist, habe ich ihm zumindest eine Chance gegeben.

Auch ich habe einen über alles geliebten Menschen verloren. Gott sei Dank musste dieser nicht so lange leiden, dennoch hat dies bei mir Spuren hinterlassen, die bis heute zu sehen sind ...

Der Bericht über das Leiden ihrer Schwester ist sehr stark. Sehr stark schwankend. Polarisierend. Ich bin hin- und hergerissen, was ich von dem Ganzen halten soll.

Natürlich finde ich es mega schrecklich, was die Schwester der Autorin in 6 Jahren alles durchmachen musste. Aber ist dieser Bericht wirklich das, was sich Franziska darunter vorgestellt hat, als sie meinte, Charlotte Link solle ein Buch darüber schreiben?

Ein Urteil über die Gefühle, die die Autorin ihrer Schwester gegenüber hegt, kann und möchte ich mir nicht erlauben. Jeder ist anders. Dennoch fand ich im Nachhinein einiges ein bisschen sehr stark ausgeprägt. Anderes hingegen fast nicht vorhanden.

Im Übrigen fand ich "Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester" bisher am ausdrucksstärksten. Weil sie einfach frei von der Leber geschrieben hat. Das mag nicht jedem zusagen, mich jedoch hat es stellenweise tief berührt - vor allem am Schluss.

Wer dieses Werk lesen möchte, dem sollte klar sein, dass dies kein Mutmach-Buch ist. Es ist wirklich mit Vorsicht zu genießen - vor allem von denjenigen, die selbst Schweres durchmachen mussten.

©2020

Veröffentlicht am 18.03.2020

✎ Eva Mozes Kor & Lisa Rojany Buccieri - Ich habe den Todesengel überlebt

Ich habe den Todesengel überlebt
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Seit Ewigkeiten stand dieses Buch auf meiner Wunschliste. Jetzt, nachdem ich es gelesen habe, denke ich mir: "Hättest du dir auch sparen können."

Ich habe bereits etliche Bücher zum Thema 'Holocaust' ...

Seit Ewigkeiten stand dieses Buch auf meiner Wunschliste. Jetzt, nachdem ich es gelesen habe, denke ich mir: "Hättest du dir auch sparen können."

Ich habe bereits etliche Bücher zum Thema 'Holocaust' gelesen, jedoch noch nie eins, in welchem es um die Experimente von Dr. Mengele geht. Der (Unter-)Titel suggeriert, dass man genau darüber etwas mehr erfährt, aber explizit hiervon bekommt man gar nicht so viel beschrieben.

Man sollte bedenken, dass man hier die Schilderungen aus Sicht eines Kindes mitverfolgt. Die Sprache ist dem angepasst und daher sehr einfach.

Dennoch hätte ich mir mehr Details gewünscht. Nicht aus Sensationsgier, sondern weil mich dieses Thema wirklich interessiert. Leider habe ich keine Familie (mehr), die in dieser Zeit gelebt hat und mir davon berichten könnte. Daher bin ich auf Zeitzeugenberichte angewiesen.

Als Einstieg in das Thema ist diese Lektüre sicher geeignet. Wer sich jedoch bereits (intensiv) damit beschäftigt hat, den werden die Schilderungen von Eva Mozes Kor nicht mehr wirklich abholen.

Positiv zu erwähnen sei hier jedoch, dass im Anschluss ein Glossar ist, in welchem wirklich sehr viele Begriffe aus dieser Zeit erklärt werden.

©2020

Veröffentlicht am 09.03.2020

✎ Katja Frixe - Der zauberhafte Wunschbuchladen 1 Der zauberhafte Wunschbuchladen

Der zauberhafte Wunschbuchladen 1
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Als ich das Buch anfing zu lesen und irgendwann zu der Stelle kam, an der 'Frau Eule' beschrieben wird, musste ich erstmal lachen. Meine Tochter hat ein Kuscheltier - eine Eule - und diese nennen wir 'Frau ...

Als ich das Buch anfing zu lesen und irgendwann zu der Stelle kam, an der 'Frau Eule' beschrieben wird, musste ich erstmal lachen. Meine Tochter hat ein Kuscheltier - eine Eule - und diese nennen wir 'Frau Eule'. Also hatte ich die ganze Zeit bei diesem Namen das Kuscheltier meiner Tochter vor Augen - bis zur besagten Beschreibung. Danach musste ich mir doch eingestehen, dass der Buchladen von einem Menschen geleitet wird.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mit mehr Magie gerechnet habe. Ja, es gibt den reimenden Kater, der jedoch nicht nur in Reimen spricht. Ja, es gibt den sprechenden Spiegel. Ja, es gibt Clara, die die beiden versteht - nebst Frau Eule. Und auch sonst ist ein wenig Magie im Buchladen im Spiel. Aber im Großen und Ganzen ist sie - zumindest im ersten Band - noch ziemlich nebensächlich.
Sie wird hin und wieder eingebaut, jedoch nicht ausgeschmückt. Ich denke, dies kommt in den nächsten Bänden, fand ich hier dennoch enttäuschend.

Zudem finde ich, dass ganz schön viele Themen angeschnitten wurden. Einige fanden einen Abschluss, zu vieles ist aber noch offen, sodass man (mindestens) noch den 2. Band lesen muss, um ausreichend Antworten zu bekommen. Das finde ich bei Kinderbüchern immer nicht so gelungen.

Was mir richtig, richtig gut gefallen hat, sind die Illustrationen. Es werden keine Klischees bedient, sondern die Figuren sehen sehr interessant aus. Einziger Wermutstropfen ist, dass sie überwiegend in schwarz-weiß gehalten sind. Nur ab und zu wird ein schönes Blau verwendet. Bunt hätten sie mir noch mehr zugesagt.

Ich bin noch ein wenig hin- und hergerissen, ob ich zum zweiten Teil greifen soll. Toll finde ich auf alle Fälle, dass bereits 6 Bände erschienen sind - so kann man schnell weiterlesen, wenn man total begeistert ist. Da es mir hingegen nicht magisch genug war, muss ich das Ganze erstmal ein paar Tage sacken lassen. Vielleicht gebe ich dem 2. Teil noch eine Chance, mich von der Reihe zu überzeugen.

©2020

Veröffentlicht am 05.03.2020

✎ Claire Kendal - Die zweite Schwester

Die zweite Schwester
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Anfangs tat ich mich echt schwer, in der Geschichte anzukommen, obwohl sie bereits mysteriös begann. Für mich nahm sie nur spärlich Fahrt auf. Dafür wurde es zum Schluss hin wirklich gut und es gab eine ...

Anfangs tat ich mich echt schwer, in der Geschichte anzukommen, obwohl sie bereits mysteriös begann. Für mich nahm sie nur spärlich Fahrt auf. Dafür wurde es zum Schluss hin wirklich gut und es gab eine Wendung, mit der ich so nicht gerechnet hätte.

Claire Kendals Schreibstil lässt das Geschehen einfach verfolgen. Nicht sonderlich kompliziert, aber eben an manchen Stellen auch nicht gut ausgearbeitet: Viele falsche Fährten, die man sofort durchschaut; Menschen, die keinerlei Sinn haben.

Die Charakterisierung hingegen fand ich gut gelungen. Gerade Ella (und ihre Schwester) kamen durch die Ich-Erzählweise sehr lebendig rüber. Aber auch die anderen Personenbeschreibungen ließen einige Bilder in meinem Kopf entstehen.

Wer den schwierigen Start schafft, der wird mit einem überraschenden und emotionalen Ende belohnt. Ich gebe eine bedingte Leseempfehlung.

©2020

Zitat:

»Gefühle können mit der Zeit tiefer werden, Ella. Und deine werden meine schon noch einholen.« (S. 319)

Veröffentlicht am 04.03.2020

✎ Irmgard Keun - Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften

Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften
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Nach dem Lesen des Klappentextes und des Titels hatte ich, ehrlich gesagt, etwas ganz anderes erwartet. Meiner Meinung nach trifft beides - aber vor allem der Titel - nicht wirklich zu. Er ist ein wenig ...

Nach dem Lesen des Klappentextes und des Titels hatte ich, ehrlich gesagt, etwas ganz anderes erwartet. Meiner Meinung nach trifft beides - aber vor allem der Titel - nicht wirklich zu. Er ist ein wenig irreführend.

Der Klappentext suggeriert eine triste, traurige, ja schwere Geschichte. Dies ist hier keinesfalls gegeben. Sie ist humorvoll, frisch und man schüttelt immer wieder erstaunt den Kopf - mit einem Lächeln auf den Lippen.

Zuerst war ich sehr erstaunt, dass die Geschichte von einem zehnjährigen Mädchen erzählt wird. Von Anfang bis Ende. Aber dies gibt dem Geschehen einen tollen Charakter. Ich habe schon vieles über die Zeit während des 1. Weltkrieges gelesen, jedoch kaum etwas über die Zeit danach. Mit dem kleinen Wirbelwind geht man auf eine abenteuerliche Reise.

Gleichzeitig gerät man indes immer wieder ins Grübeln. Es tauchen Situationen auf, die man heutzutage gar nicht mehr nachvollziehen kann, weil wir so privilegiert aufwachsen.

Und dann kommt noch die Portion Naivität hinzu, die so ein Backfisch einfach hat. Allein die Tatsache ließ mich so einige Male schmunzeln.

Ein Klassiker, der es zurecht verdient hat, nochmals verlegt zu werden.

©2020