Ein Familienroman, der leise nachhallt
Manche Bücher kommen nicht laut polternd durch die Tür, sie stehen plötzlich im Raum und schauen einen einfach an. Genau so fühlt sich Räume zum Verschwinden an. Kein schneller Familienroman für nebenbei, ...
Manche Bücher kommen nicht laut polternd durch die Tür, sie stehen plötzlich im Raum und schauen einen einfach an. Genau so fühlt sich Räume zum Verschwinden an. Kein schneller Familienroman für nebenbei, sondern ein literarisches Mosaik, das sich Stück für Stück zusammensetzt und dabei ordentlich im Kopf nachhallt.
Stuart Nadler erzählt von Sonja, Fania, Moses und Arnold, verteilt über Zeiten, Orte und Lebensbrüche. London, Montreal, Prag, England, dazu Wien als verlorener Ursprung. Klingt erstmal nach schwerem Stoff und ja, das ist es auch. Aber nicht im Sinne von zäh, sondern eher wie ein altes Fotoalbum, bei dem man plötzlich merkt, dass zwischen den Bildern viel mehr steht als auf den ersten Blick sichtbar ist.
Besonders stark ist diese leise Wucht. Da wird nicht alles erklärt, nicht jedes Gefühl groß ausgeleuchtet. Vieles bleibt zwischen den Zeilen, in Blicken, Erinnerungen und Schweigen. Genau das macht es so passend für die Geschichte einer Familie, die von Krieg, Schuld, Exil und Trauma geprägt ist. Manchmal möchte man beim Lesen kurz sagen: Mensch, redet doch endlich miteinander. Aber dann merkt man, dass manche Wunden eben nicht einfach brav auf Kommando erzählen.
Der Roman verlangt Aufmerksamkeit. Wer Action, klare Antworten und Tempo sucht, wird hier vermutlich ungeduldig mit dem Fuß wippen. Wer aber literarische Familiengeschichten mag, die sich Zeit nehmen und ihre Figuren nicht glattbügeln, bekommt ein tiefes, trauriges und wunderschön erzähltes Buch.
Räume zum Verschwinden ist kein Wohlfühlroman, aber einer mit Herz, Schatten und Nachhall. Ein Buch, das nicht verschwindet, nur weil man es zuklappt.