Cover-Bild Das geplünderte Nest
24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Jung u. Jung
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 176
  • Ersterscheinung: 16.09.2025
  • ISBN: 9783990274279
Robert Prosser

Das geplünderte Nest

Roman
Zwischen Libanon und Tirol: Aus einer Reportage über die Graffitiszene in Beirut wird eine Reise in die dunkle Vergangenheit der eigenen Familie. Ein Roman von stiller Wucht!
Größer könnte der Kontrast nicht sein: Gerade noch in Beirut, kehrt der Mann, der hier erzählt, in das Bergdorf in Tirol zurück, aus dem er stammt. Die Wintersaison ist vorbei, alles ist wie ausgestorben, in Ruhe will er an seiner Reportage über die Kunstszene im Libanon arbeiten. Doch Rami, ein Sprayer, den er auf seiner Reise getroffen hat, ruft in ihm Erinnerungen wach, die bis in seine Kindheit zurückreichen: an Lenz, einen einarmigen Maler aus Berlin, der 1944 in das Dorf kam, um zu bleiben. Damals stellte er keine Fragen, jetzt will er es genauer wissen: Und er erfährt von einem Lager für Zwangsarbeiter im Dorf, einem Versteck von Deserteuren in den Bergen und den Verstrickungen seines Großvaters Ludwig, einem der Lagerwärter. Hat Ludwig etwas mit dem Verschwinden eines ukrainischen Gefangenen zu tun, der mit der Schwester seines besten Freundes ein Verhältnis hatte?

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.10.2025

Schatten der Vergangenheit

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Erst vor kurzem ist der Ich-Erzähler aus Beirut in seine Heimat nach Alpach in Tirol zurückgekehrt. Im Gepäck hat er zahlreiche Eindrücke des vom Bürgerkrieg geschüttelten Landes, von Toten und Verwundeten, ...

Erst vor kurzem ist der Ich-Erzähler aus Beirut in seine Heimat nach Alpach in Tirol zurückgekehrt. Im Gepäck hat er zahlreiche Eindrücke des vom Bürgerkrieg geschüttelten Landes, von Toten und Verwundeten, verfeindeten Clans und als krassen Gegensatz dazu rauschend Partys, bevor die nächsten Granaten einschlagen sowie einer aktiven Graffiti-Szene. Bei der Bearbeitung des Fotomaterials in seinem, vom Großvater Ludwig geerbten, Haus, erinnert er sich an seine eigene Jugend, in der er selbst als Sprayer unterwegs gewesen ist, und an Hugo Lenz, jenen einarmigen Berliner Maler, der 1944, also lange vor seiner Geburt, nach Alpach gekommen ist und dem man nachsagte, ein Spion zu sein. Später hat Lenz ihn unter seine Fittiche genommen hat, um ihm alles über die Malerei beizubringen. Dazu haben die beiden ausgedehnt Spaziergänge unternommen, bei denen auch Gerüchte über die Rolle Ludwigs in der NS-Zeit zur Sprache gekommen sind.

Als der Ich-Erzähler wenig später den Historiker Martin Reischer kennenlernt, der über Partisanen in Tirol schreibt, muss er sich wohl oder übel mit der Vergangenheit seines Großvaters, der Aufseher im nahe gelegenen Kriegsgefangenenlager gewesen sein soll. Hat er mit dem Verschwinden des ukrainischen Gefangenen Artem zu tun?

Meine Meinung:

Autor Robert Prasser schickt in diesem interessanten Roman einen Enkel (den Ich-Erzähler) auf die Spuren seines Großvaters und dessen Rolle im Zweiten Weltkrieg. Wie häufig, wurde in den Familien nicht über die NS-Zeit gesprochen. Sei es, dass man von der Verfolgung betroffen oder daran beteiligt war.

Mir hat der Roman recht gut gefallen. Leider greift Robert Prasser zur modernen Unsitte, keine Redezeichen bei der direkten Rede zu verwenden.

Spannend zu lesen ist, wie der Ich-Erzähler langsam, in die Vergangenheit des Großvaters eintaucht, um Gerüchte Halbwahrheiten und Tatsachen zu erfahren, die Auswirkungen bis in seine aktuelle Gegenwart haben.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser interessanten Spurensuche, die so oder so ähnlich häufig vorkommt, 4 Sterne.