Kochbuch mit Herz, Seele und Suchtfaktor
Gibt’s eigentlich ein Gesetz dagegen, dass Kochbücher süchtig machen? Falls ja, dann müsste „Boustany“ sofort auf den Index gesetzt werden. Dieses Teil liegt auf meinem Küchentisch wie eine Dauer-Einladung ...
Gibt’s eigentlich ein Gesetz dagegen, dass Kochbücher süchtig machen? Falls ja, dann müsste „Boustany“ sofort auf den Index gesetzt werden. Dieses Teil liegt auf meinem Küchentisch wie eine Dauer-Einladung nach Palästina – und zwar in die vegetarisch-vegane Genuss-Lounge. Kaum aufgeschlagen, schon riecht man gedanklich nach Kreuzkümmel, Zitrone und frisch gerösteten Kichererbsen. Und ganz ehrlich: Wenn ein Kochbuch es schafft, dass ich freiwillig ein Glas Tahin aus dem Schrank hole, ohne dass mich jemand dazu zwingt, dann ist das schon die halbe Miete.
Sami Tamimi bringt in seinen Rezepten eine solche Wärme rüber, dass man fast meint, er sitzt persönlich am Herd und ruft: „Mach mehr Knoblauch rein, Bruder, vertrau mir!“ Und ja, ich hab’s getan. Ergebnis? Mein Freundeskreis denkt seitdem, ich wäre ein heimlicher Mezze-König. Ob Linsen-Fatteh, das am nächsten Tag noch besser schmeckt, oder Auberginen mit Zitronen-Kick – das hier ist kein Standard-Kochbuch, das ist ein Festival der Geschmacksknospen.
Natürlich habe ich schon so einige Hochglanz-Kochbücher durchprobiert, die mehr zum Blättern als zum Kochen taugen. „Boustany“ ist das Gegenteil: fleckig, weil ständig in Gebrauch, mit Kichererbsenresten zwischen den Seiten und Olivenöl-Fingerabdrücken als Erinnerungsstücke. Und wisst ihr was? Genau so soll’s sein.
Fazit: Dieses Buch ist nicht nur eine Sammlung von Rezepten, sondern eine Einladung, sich einmal quer durch die palästinensische Seele zu futtern. Und das ganz ohne Fleisch. Wer also meint, vegetarisch sei langweilig, sollte sich warm anziehen – „Boustany“ bläst dir diese Ausrede direkt vom Teller.