Cover-Bild Für Anna. Eine Belichtung
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: edition AZUR
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 180
  • Ersterscheinung: 24.03.2025
  • ISBN: 9783942375757
Simone Scharbert, Voland & Quist

Für Anna. Eine Belichtung

Anna Atkins, geboren 1799 im englischen Tonbridge, gestorben 1871 in Halstead, gilt heute als eine der ersten Fotografinnen. Mit ihrer unermüdlichen Arbeit leistete sie einen wichtigen Beitrag zur Wissenschaft des viktorianischen Zeitalters — und wurde doch kaum wahrgenommen. Zu einer Zeit, in der Erinnerung, Dokumentation und Bebilderung fast ausschließlich der Malerei und Illustration vorbehalten waren, widmete sie sich einem einfachen manuellen Verfahren, das mit Hilfe von bloßem Licht und UV-empfindlich beschichtetem Papier neue Möglichkeiten der Abbildung schuf. Die so entstandenen Cyanotypien gelten heute als Vorläufer der späteren Fotografie.
In ihrem dritten Prosatext nach "du, alice" (2019) und "Rosa in Grau" (2022) verfolgt Simone Scharbert ihr Projekt des Sichtbarmachens weiblicher Biografien weiter. Sie erzählt, wie Anna Atkins gegen viele Widerstände ihre fotografischen und wissenschaftliche Arbeiten vorantrieb, im Gepäck all die Verluste ihres Lebens, Fragen der Erinnerung und der Belichtung. Leise eingestreut sind kleine Einblicke in botanische sowie koloniale Geschichte des viktorianischen Zeitalters.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.12.2025

Prosaisches Denkmal für eine in Vergessenheit geratene Frau

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Die Engländerin Anna Atkins, geboren im ausgehenden 18. Jahrhundert, hat sich zu ihren Lebzeiten der Cyanotypie verschrieben – ein Vorläufer der Fotografie, bei dem Objekte sich Blaupausen gleich mithilfe ...

Die Engländerin Anna Atkins, geboren im ausgehenden 18. Jahrhundert, hat sich zu ihren Lebzeiten der Cyanotypie verschrieben – ein Vorläufer der Fotografie, bei dem Objekte sich Blaupausen gleich mithilfe spezieller Chemikalien und Licht selbst abbilden. Leider ist Anna Atkins in Vergessenheit geraten. Die Autorin Simone Scharbert arbeitet mit ihrem Buch „Für Anna – Eine Belichtung“ gegen das Vergessen einer klugen und für ihre Zeit erstaunlich emanzipierten Frau an.

Ich hatte das große Glück, Simone Scharbert und ihr am 24. März 2025 bei Voland & Quist erschienenes Buch über die 1871 verstorbene Anna Atkins im Rahmen eines Cyanotypie-Workshops auf der Leipziger Buchmesse 2025 kennenzulernen.

Simone Scharbert brachte den Teilnehmerinnen viel Wissenswertes über die Cyanotypie bei und wir durften uns selbst ausprobieren. In den Pausen, in denen unsere Kunstwerke, die gepresste Blumen und Gräser abbildeten, trockneten, las Simone Scharbert aus ihrem aktuellen Buch. Mit weicher, zarter Stimme und liebevoller Prosa gab sie Einblicke in das Leben von Anna Atkins, die sehr wissenschaftsaffin war.

Ich freute mich auf die Geschichte dieser außergewöhnlichen Frau. Das Buch beginnt im Jahr 1806. Die siebenjährige Anna bittet ihren Vater, sich an ihre verstorbene Mutter zu erinnern. Dieser frühe Verlust wird nicht der einzige bleiben, den Anna bewältigen muss. Immer wieder kehrt der Tod ins Hause Atkins ein. Ihr Vater unterdessen ermutigt Anna trotz aller Trauer dazu, ihren Weg zu gehen. Im Sammeln und Katalogisieren alles Botanischen geht Anna vollkommen auf. Sie wird 1839 auf Bitten ihres Vaters gar in die Botanical Society aufgenommen. Dennoch werden sich später nicht viele an sie erinnern …

Umso schöner, dass Simone Scharbert Anna Atkins mit „Für Anna – Eine Belichtung“ ein Denkmal gesetzt hat. Die Cyanotypie auf dem wunderschönen Cover stammt übrigens von der Autorin selbst.

Dem Buch ist eine äußerst gründliche Recherche anzumerken. Im Glossar stellt die Autorin Gelehrte vor, die Anna bewundert und mit denen sie teilweise zusammengearbeitet hat. Auch die drängenden Themen der damaligen Zeit, wie beispielsweise die Kolonialisierung und die Sklaverei, werden erläuternd aufgegriffen.

Mit viel Gefühl und fast schon zärtlich erzählt Simone Scharbert von Anna, in einer einzigartigen Mischung aus bildgewaltigen Darstellungen und poetischen Worten, so leicht wie Schmetterlingsflügelschlagen. Doch ein ganzes Buch in diesem Stil zu lesen, erwies sich für mich mit der Zeit als ermüdend. Ich hatte angenommen, bei „Für Anna – Eine Belichtung“ handele es sich um eine Biografie, romanartig erzählt. Doch die Erzählung ist als Prosatext verfasst. Simone Scharbert legt dabei viel Wert auf Satzfragmente.

Deshalb kann ich letztlich nur drei Sterne vergeben, denn mit dem durchgehend prosaischem, künstlerischen Schreibstil bin ich leider nicht warm geworden. Wer aber Freude an derlei Texten hat, für den wird „Für Anna – Eine Belichtung“ genau das Richtige sein.

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