Cover-Bild Das Mädchen mit dem Heiermann
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18,00
inkl. MwSt
  • Verlag: ROWOHLT Taschenbuch
  • Themenbereich: Biografien, Literatur, Literaturwissenschaft - Biografien und Sachliteratur
  • Genre: Sachbücher / Politik, Gesellschaft & Wirtschaft
  • Seitenzahl: 224
  • Ersterscheinung: 16.07.2024
  • ISBN: 9783499015403
Tanja Bogusz

Das Mädchen mit dem Heiermann

Großwerden auf St. Pauli

Eine Großmutter, die Damenringkämpferin auf dem Kiez ist. Eine Mutter, die im  Hotel Luxor als Barfrau arbeitet. Damit könnte der Weg der kleinen Tanja – des Mädchens mit dem Heiermann – vorgezeichnet sein. Doch ihre Lebensgeschichte bewegt sich jenseits der üblichen St.-Pauli-Klischees. Lebendig, poetisch und mit großer Intensität erzählt Tanja Bogusz vom Aufwachsen auf dem Kiez, von ihrer Oma Klasina und ihrer Mutter Barbara, von Aufstieg und Stigma, Zusammenhalt und Flexibilität, Pragmatismus und unstillbarer Neugier, die sie schließlich in die Wissenschaft führten. Eine inspirierende und anrührende Lektüre!

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.03.2026

Hat mich persönlich sehr berührt

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Mein Vater wuchs in Altona auf, dem Stadtteil direkt an St. Pauli grenzend. Das war sein Viertel, hier bewegte er sich bereits als kleiner Butsche alleine, fuhr mit seinem Fahrrad am Hafen entlang und ...

Mein Vater wuchs in Altona auf, dem Stadtteil direkt an St. Pauli grenzend. Das war sein Viertel, hier bewegte er sich bereits als kleiner Butsche alleine, fuhr mit seinem Fahrrad am Hafen entlang und niemand passte auf, dass er nicht in die Elbe fiel. Heute undenkbar. Hineingefallen ist er nicht, doch hat er vieles mit sich selbst ausmachen müssen. Es gab nur ihn und seine Mutter, der Vater verließ die Familie früh und wollte vom Sohn nix wissen. Meine Oma war eine kleine, schmale Frau, die Humor hatte und viel rauchte. Von sich erzählte sie wenig, auch dem Sohn nicht, Gefühle oder Ängste waren kein Thema. Ich war ihr Lindchen, schlief manchmal auf ihrem Sofa und durfte naschen und fernsehen bis in den Morgen hinein, alle Cartoons, die das Programm hergab. Das gabs zu Hause nicht, das war ihre Love Language.

Ich hab viel an meine Oma denken müssen, während ich Tanja Boguszˋ autobiografisches Buch las, hab sie in allen drei Frauenfiguren ein Stück wieder erkannt. Da ist Großmutter Klasina, einst eine berühmte Damenringkämpferin auf dem Kiez, deren Tochter Barbara, die sich nach einer schweren Kindheit ein selbstbestimmtes Leben als Barfrau aufbaut, und die Enkelin, die Erzählerin selbst, die auf St. Pauli aufwächst. Schon früh lernt Tanja, sich in einem rauen Milieu zu behaupten, das von Verwahrlosung und prekären Lebensverhältnissen geprägt ist. Lernt sich in einer Welt zurechtzufinden, in der Männer zwar regieren, sich jedoch nicht (für sie) verantwortlich fühlen. Und sich mehr zuzutrauen, mehr zu nehmen, als die Gesellschaft ihr zugestehen will.

Mit Empathie, klarem Blick und sprachlicher Leichtigkeit beschreibt Bogusz ihre Erfahrungen zwischen Kiezkindheit und Akademikerinnenleben, diesen notwendigen Befreiungsschlag, denn sie spürt, dass sie die Trennung der beiden Welten, in die sie sich als Kind geflüchtet hat, auflösen, die Sprachlosigkeit und die Scham überwinden muss. Dabei zeigt sie, wie Herkunft und Klasse das Leben enorm prägen, aber nicht bestimmen müssen. Ihre Geschichte ist ein leidenschaftliches Plädoyer für Chancengleichheit, Bildung und weibliche Selbstermächtigung, das Mut macht und inspiriert.

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