Für mich DIE literarische Entdeckung 2025!
Himmel & ErdeJames McBride, Sohn eines Afroamerikaners und einer polnischen Jüdin, die in den 1940er-Jahren nach Amerika emigriert ist, ist für mich DIE literarische Entdeckung des Jahres. McBrides Wurzeln sind die ...
James McBride, Sohn eines Afroamerikaners und einer polnischen Jüdin, die in den 1940er-Jahren nach Amerika emigriert ist, ist für mich DIE literarische Entdeckung des Jahres. McBrides Wurzeln sind die Basis seines Schreibens, jedes seiner Worte atmet die Verbundenheit mit diesen beiden Kulturen, seine Liebe zu den Menschen und den Werten, die ihn prägten.
In „Himmel & Erde“ führt der Autor uns auf den Chicken Hill, ein kümmerliches Viertel in Pottstown, Pennsylvania. 1972 wird hier bei Grabungen ein Skelett gefunden, dessen Identität Rätsel aufgibt. Aufschluss erhoffen die Polizisten sich von einem auffälligen Anhänger, der in die 1930er-Jahre weist, eine Zeit, als jüdische Einwanderer und Afroamerikaner den Hill bevölkerten, misstrauisch beäugt von der christlichen Mehrheit, die mauert und sich weigert, mit den Fremden Geschäfte zu machen. Auch das frisch verheiratete Ehepaar Ludlow baut sich eine bescheidene Existenz auf. Moshe leitet ein Theater, während seine junge Frau Chona den „Heaven & Earth Grocery Store“ von ihrem Vater übernommen und mit ihrer guten Seele gefüllt hat. Hier gibt es ein offenes Ohr für jeden, hier werden Sorgen und Geheimnisse geteilt, Hoffnungen geboren, und hier geschieht ein großes Unrecht, das die Verbundenheit der Chicken Hiller auf die Probe stellt.
James McBride öffnet mit diesem Roman eine ganze Welt vor unseren Augen, überlässt uns einem bunten Haufen leuchtender Figuren, die sich einem ins Herz bohren und dort bleiben. Bis dahin ist ein klitzekleines bisschen Durchhaltevermögen gefragt, denn McBride gibt jeder Figur ausreichend Raum für Tiefe und dem Plot Zeit, sich stringent und logisch zu entwickeln. Kaum aktueller und notwendiger könnte dieser Roman über die Grenzen der Nächstenliebe sein – und über diejenigen, die mutig darüber hinweggehen. Ein wunderbares, tröstliches, traurig und dann glücklichmachendes Buch, das ich wirklich jedem in die Hand drücken möchte.
Übersetzt von Werner Löcher-Lawrence.