Hat mich im Innersten berührt
Paul Harding, der für seinen Debüt-Roman „Tinkers“ 2010 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, hat sich für seinen dritten Roman „Sein Garten Eden“ (im Original „This Other Eden“, was mir noch besser ...
Paul Harding, der für seinen Debüt-Roman „Tinkers“ 2010 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, hat sich für seinen dritten Roman „Sein Garten Eden“ (im Original „This Other Eden“, was mir noch besser gefällt) einer historischen Begebenheit als Vorlage bedient.
Auf Malaga Island, im Roman Apple Island, einer winzig kleinen Insel vor der Küste Maines, siedeln sich um 1800 herum erstmals Menschen an. Benjamin Honey, ein ehemaliger Sklave, und seine Frau Patience, eine Irin, erreichen die karge Insel 1793 und bauen unter schwierigsten Bedingungen eine Apfelplantage und sich ein gemeinsames Leben ohne Anfeindungen auf. Ihr eigenes Paradies, wenngleich ein hartes, entbehrungsreiches. Andere Sonderlinge und Außenseiter fühlen sich von diesem Schutzraum angezogen und so wächst die kleine, eigenwillige Gemeinschaft und lebt friedlich zusammen, bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein Missionar auf sie aufmerksam wird. Matthew Diamond hat die besten Absichten. Er sieht Möglichkeiten und Talente bei den Kindern und möchte diese fördern, ohne auch nur zu ahnen, welche Konsequenzen sein Handeln für diese haben könnte und wird. Es kommt, wie es kommen muss, wenn der Mensch seine Finger im Spiel hat. Diamonds Interesse zieht die Aufmerksamkeit des Staates auf sich, der schnell beschließt, dass diese Gemeinschaft von Gestrandeten am Rand der Gesellschaft keine Daseinsberechtigung hat und zerschlagen gehört.
Paul Harding erzählt diesen doch recht harten, fast biblischen Stoff mit unheimlich viel Empathie und Feingefühl. Wir Lesenden sind gewarnt, wir wissen von Anfang an worauf wir uns einlassen, ahnen unser gebrochenes Herz bereits nach dem Vorwort. Durch den klugen Aufbau, die verschiedenen Erzählperspektiven und die Vielschichtigkeit der Figuren gelingt es Harding, diese unheimlich nah an uns heran zu bringen, uns eine eine echte Verbindung zu diesen Menschen aufzubauen zu lassen – nur um uns im zweiten Teil die Seiten wechseln und mit der kühlen, geschäftsmäßigen Distanz der Behörden auf sie blicken zu lassen. Das ist im höchsten Maße irritierend und bewegend und ein starker Kniff, der mich im Innersten berührt hat.
Ins Deutsche übersetzt von Silvia Morawetz.