Erzählungen mit unvorhersehbaren Wendungen
Es ist zumeist das Unvorhergesehene, das die Figuren in Ulrike Schäfers Erzählband „Schmaler Grat“ aus der Bahn wirft.
Dabei wirken die Erzählungen auf den ersten Blick wie aus dem Alltag gegriffen. ...
Es ist zumeist das Unvorhergesehene, das die Figuren in Ulrike Schäfers Erzählband „Schmaler Grat“ aus der Bahn wirft.
Dabei wirken die Erzählungen auf den ersten Blick wie aus dem Alltag gegriffen. Da joggt jemand, arbeitet in der Buchhandlung, da kommt Besuch. Und jedes Mal kippt irgendwann die Geschichte: Der Besuch nistet sich ein, man wird ihn nicht mehr los. Die Buchhandlung wird von einem verzweifelten Mann überfallen, die Joggerin fühlt sich verfolgt. Und jedes Mal kommt es zu Reaktionen, die man mit Fug und Recht als irrational bezeichnen kann.
Am eindrücklichsten und irritierendsten zugleich gelingt Ulrike Schäfer dies in ihrer Erzählung „Gesichter„, die man auch als Groteske bezeichnen könnte. Dass die Cheerleader die Tribünenbesucher verprügeln, während ihre Gesichter stets lächeln, bleibt in der Deutung parabelhaft offen.
Der Erzählstil der zumeist eher kurzen Erzählungen ist dabei durchweg nüchtern und eher beobachtend. Nur selten, wie etwa in der letzten Geschichte des Erzählbands, kommt ein psychologisierender Ton hinzu – in diesem Fall mit der Frage, wie wir mit unseren Erinnerungen umgehen, ob wir unsere Freunde aus der Kindheit so in Erinnerung behalten wollen, wie wir sie als Kind wahrgenommen haben, oder ob wir den Sprung in die Gegenwart wagen.
15 Erzählungen sind in „Schmaler Grat“ versammelt, die mit ihren unvorhersehbaren Wendungen den Leser in den Bann ziehen.