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Veröffentlicht am 09.01.2021

Mikrokosmos der Randständigen

Malé
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Mit „Malé“ hat Roman Ehrlich einen dystopischen Roman geschrieben, der die Welt der Aussteiger, Abenteurer und Glückssucher in den Blick nimmt.

Eigentlich passiert nichts in dieser Stadt. Malé, die Hauptstadt ...

Mit „Malé“ hat Roman Ehrlich einen dystopischen Roman geschrieben, der die Welt der Aussteiger, Abenteurer und Glückssucher in den Blick nimmt.

Eigentlich passiert nichts in dieser Stadt. Malé, die Hauptstadt der Malediven, ist dem Untergang geweiht. Die Bemühungen, die Insel vor dem steigenden Meeresspiegel zu schützen, sind gescheitert. Es leben nicht mehr viele Menschen auf dieser im Meer versinkenden Insel.

Nach einem Umsturz haben „die Eigentlichen“ die Macht übernommen. Sie residieren in einem früheren Kreuzfahrtschiff und auf sie und ihre gelegentlichen Lieferungen sind die Bewohner angewiesen. Die Inselbewohner treffen sich dagegen in der Kneipe „Hühnersultan“. Und hier kommt es zu herrlich irrwitzigen Dialogen – etwa darüber, was Kunst vermag. Das waren Buchstellen, um deretwillen ich „Malé“ schätzen gelernt habe.

Ansonsten habe ich mich bei „Malé“ immer wieder gefragt, warum ich noch weiterlese. Zu chaotisch sind die Personenverhältnisse, zu verworren und undurchschaubar die Handlung (so man überhaupt von einer Handlung sprechen kann), zu sperrig die Sprache.

Als sperrig erweist sich vor allem der Satzbau. Ehrlich liebt die Schachtelsätze. Beispiel gefällig? Ein Satz aus dem Buch will ich zitieren:

Selbst in den Augenblicken,
in denen die Sonne hinter den schwer dahintreibenden Wolken verschwindet,
das Leuchten der schmutzigen Scheiben weggedimmt wird,
steht Frances Ford in einem lichten, hellblauen Rechteck,
im verwaisten Frühstücksraum des Royal Ramaan Residence Hotels,
in der sogenannten Daisy Street,
in einem Viertel,
das die neuen Bewohner der Stadt als Stearson Patch bezeichnen,
benannt wahrscheinlich im Andenken an einen der frühen Pioniere,
die sich hier nach dem völligen Zusammenbruch der Inselrepublik als Erste angesiedelt haben
und denen die bereits bestehenden Namen der Orte nichts bedeuten
oder einfach zum ständigen Aussprechen zu kompliziert waren.

Manchmal sind solche Satzknäuel ja schön, z.B. wenn es ihnen gelingt, eine Stimmung einzufangen. Manchmal sind sie aber – wie hier – einfach nur nervig.

Genauso erging es mir auch mit manchen Handlungssträngen des Romans. Da wird am Anfang von einem Gefesselten gesprochen, da gibt es eine verschwundene Frau, nach der der Vater sucht – weil er (zu Recht? zu Unrecht?) nicht wahrhaben will, dass sie tot ist. Dann gibt es noch einen verschwundenen Lyriker und eine amerikanische Literaturwissenschaftlerin, die nach ihm sucht. All diese Handlungsstränge tauchen irgendwann wieder auf, weitergeführt werden sie allerdings kaum. Alles bleibt vage, ungeklärt. Dann, wenn man sich am Mikrokosmos der Randständigen sattgelesen hat, stört einen das doch ganz gewaltig.

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Veröffentlicht am 08.01.2021

Brüche im Leben

Wenn es dunkel wird
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Menschen, die in ihrem Leben etwas begegnet, das sie dann aus der Bahn wirft: das ist das wiederkehrende Thema in Peter Stamms neuem Erzählband „Wenn es dunkel wird„. Elf Erzählungen sind in dem kleinen ...

Menschen, die in ihrem Leben etwas begegnet, das sie dann aus der Bahn wirft: das ist das wiederkehrende Thema in Peter Stamms neuem Erzählband „Wenn es dunkel wird„. Elf Erzählungen sind in dem kleinen Bändchen versammelt.

Elf Erzählungen, die rund um unfreiwillige Brüche im Leben kreisen, hinter all denen sich aber letztlich doch der unausgesprochene Wunsch verbirgt, dass sich etwas im Leben ändern müsse. „Er selbst schien für dieses Leben verloren zu sein“, heißt es etwa in der ersten Erzählung, die von einem Lehrling handelt, der sich monatelang auf einen Banküberfall vorbereitet.

Viele der Erzählungen macht aus, dass ihr Ende offen bleibt. Wird der Lehrling die Bank überfallen? Kommt es tatsächlich zum Tête-à-tête zwischen Angestellter und Chef – oder ist es nur ein Wunschdenken, das zu dem äußerst schnulzigen Ende der Geschichte führt? Wer ist überhaupt real in der Geschichte „Wenn es dunkel wird“ ?

Für meinen Geschmack sind dabei manche der Geschichten etwas arg kitschig geraten oder schrammt gerade so mithilfe der Mehrdeutigkeit am Schnulzigen vorbei. So etwa die „Frau im grünen Mantel“, aber auch „Sabrina“, die sich immer mehr mit einem Kunstwerk identifiziert, das sie selbst darstellt, und – allen voran – „Der erste Schnee“, eine grausig schnulzige Geschichte um „das schönste Weihnachtsgeschenk, das Georg mir jemals gemacht hat“. Naja.

Mein Favorit ist die Geschichte „Supermond“, in der ein Angestellter, der kurz vor der Pensionierung steht, sich immer überflüssiger fühlt und nicht nur unsichtbar wird, sondern auch langsam verschwindet. Hier zieht Peter Stamm das Absurd-Groteske von Anfang an durch, wo es sonst nur Teil einer Geschichte ist.

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Veröffentlicht am 04.01.2021

Schön gestaltetes Kinderbuch

Gott, der phänomenale Kosmos und du
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Bereits mit seinem Band „Gott, das geniale Universum und du“ ist es Louie Giglio gelungen, spannende naturwissenschaftliche Fakten mit Themen des christlichen Glaubens zu verknüpfen. Nun ist der Nachfolgeband ...

Bereits mit seinem Band „Gott, das geniale Universum und du“ ist es Louie Giglio gelungen, spannende naturwissenschaftliche Fakten mit Themen des christlichen Glaubens zu verknüpfen. Nun ist der Nachfolgeband erschienen: „Gott, der phänomenale Kosmos und du„.

Der Aufbau des Buches ist gleich geblieben: Auf je einer Doppelseite wird zunächst ein naturwissenschaftliches Phänomen beschrieben, danach der Bezug zu einem religiösen Thema hergestellt. Das Kapitel endet jeweils mit einem kurzen Gebet, das aus einem oder zwei Sätzen besteht.

Das Verhältnis zwischen Naturwissenschaft und Glaube spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Vielmehr sind es allgemeine Glaubens-Themen, die Giglio aufgreift. Am Beispiel des pazifischen Müllstrudels erklärt Giglio das Prinzip der Sünde: wenn viele kleine Sünden zusammenkommen, kann man sich unversehens in einem Strudel befinden. Mithilfe der Ozonschicht erklärt er die Liebe Gottes: so wie die Erde von der Ozonschicht vor der Strahlung der Sonne geschützt wird, schützt Jesus uns vor den Folgen der Sünde.

Auch bei diesem Band stammen die Illustrationen von Nicola Anderson und sorgen für den besonderen Charme des Buches.

Geeignet dürfte das Buch vor allem für Grundschulkinder und etwas darüber hinaus sein, also für Kinder von ca. 8 bis 12 Jahren.

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Veröffentlicht am 03.01.2021

Naturwissenschaft und Glaube kindgerecht zusammengebracht

Gott, das geniale Universum und du
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Mit seinem Buch "Gott, das geniale Universum und du" gelingt es Louie Giglio, naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Glaube kindgerecht zusammenzuführen. 

Auf einer Doppelseite wird jeweils eine naturwissenschaftliche ...

Mit seinem Buch "Gott, das geniale Universum und du" gelingt es Louie Giglio, naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Glaube kindgerecht zusammenzuführen. 

Auf einer Doppelseite wird jeweils eine naturwissenschaftliche Erkenntnis dargestellt und dann mit einem biblischen Thema verknüpft. Beispiel: Die Entstehung der Polarlichter wird erklärt, dann erläutert er, was es heißt, dass Gottes Licht in die Welt leuchtet. Illustriert sind die Seiten mit ansprechenden Zeichnungen und Abbildungen.  

Die naturwissenschaftlichen Themen sind den Bereichen Weltraum, Erde, Tiere und Menschen entnommen. Da immer ein besonderer Fakt im Zentrum steht, bleibt beim Lesen die Neugier erhalten. Schließlich kommt man bei all den wissenswerten Informationen aus dem Staunen kaum noch heraus. 

Auch wenn etwas zu oft von Gottes genialer Schöpfung gesprochen wird, gelingt es Louie Giglio doch, ganz unterschiedliche religiöse Themen  aufzugreifen. 

Geeignet dürfte das Buch vor allem für Grundschulkinder und etwas darüber hinaus sein, also für Kinder von ca. 8 bis 12 Jahren.

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Veröffentlicht am 02.01.2021

Das Heilige im Alltäglichen

Gott wohnt in deinem Alltag
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In ihrem Buch „Gott wohnt in deinem Alltag“ verknüpft die Theologin Tish Harrison Warren Alltagstätigkeiten wie Zähneputzen oder Bettenmachen mit religiösen Überlegungen.

Die Frage, die Warren sich stellte, ...

In ihrem Buch „Gott wohnt in deinem Alltag“ verknüpft die Theologin Tish Harrison Warren Alltagstätigkeiten wie Zähneputzen oder Bettenmachen mit religiösen Überlegungen.

Die Frage, die Warren sich stellte, lautete: „Was würde es bedeuten, dem Evangelium nicht nur intellektuell zuzustimmen, sondern es auch mit meinem Körper zu glauben, mit Haut und Haaren sozusagen?“ Warren spricht sich nicht gegen Dogmatik, Wissenschaft usw. aus; sie will es vielmehr in den Alltag des Menschen überführen.

Warren zeigt überzeugend auf, wie gewinnbringend es sein kann, religiöse Momente in den Alltag zu integrieren. Allerdings liegt die Stärke des Buches nicht immer darin, wie diese Integration dargestellt ist, sondern vielmehr in der Problemanzeige zuvor. Beispiel: Warrens Ausführungen zum Stau. In diesem Kapitel findet sich ein schönes, lesenswertes Kapitel über Zeit, unseren Umgang mit ihr und christliches Zeitverständnis. Wie dies nun aber umgesetzt werden soll, wenn man im Stau steht, bleibt äußerst vage. Außer dass man nun weiß, dass Warten zum Leben dazugehört, erfährt man nicht viel.

Nichtsdestotrotz: Ich habe dieses Buch mit Gewinn gelesen. Es ist schön, wie hier alltägliche Themen wie das Aufstehen, Tee trinken, das Schlafen aber auch etwa der Wert der Arbeit ausgebreitet werden. Die Texte lassen sich flüssig lesen, sind lebenspraktisch und geben Raum zum Nachdenken.

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