Der Mann, der die Welt nicht einfach hinnahm
Manchmal liegt da so ein Buch vor einem und man denkt: Puh, Einstein. Relativitätstheorie, zerzauste Haare, Zunge raus, Weltgenie. Wird bestimmt spannend, aber auch ein bisschen wie Matheunterricht mit ...
Manchmal liegt da so ein Buch vor einem und man denkt: Puh, Einstein. Relativitätstheorie, zerzauste Haare, Zunge raus, Weltgenie. Wird bestimmt spannend, aber auch ein bisschen wie Matheunterricht mit Krawatte. Und dann kommt Walter Isaacson um die Ecke und macht daraus tatsächlich eine Biografie, die nicht nur den Kopf füttert, sondern auch das Herz ein bisschen anstupst.
Diese Biografie zeigt Einstein nicht als unantastbare Denkmalfigur, sondern als Menschen. Als störrischen, neugierigen, manchmal schwierigen, oft faszinierenden Kerl, der lieber Fragen stellte, als brav mitzunicken. Genau das macht das Buch so stark. Man spürt, wie sehr seine Freiheit im Denken mit seiner Persönlichkeit verbunden war. Dieser Mann sah Dinge nicht einfach an. Er zerlegte sie im Kopf, drehte sie um, stellte sie auf den Tisch und fragte: Muss das wirklich so sein?
Besonders schön ist, dass Isaacson Wissenschaft greifbar macht, ohne einen dabei komplett im Formeldschungel auszusetzen. Klar, man merkt schon: Hier geht es nicht um seichte Lektüre für nebenbei. Aber gerade diese Mischung aus Lebensgeschichte, Zeitgeschichte, Forschung und persönlichem Drama macht das Buch so wuchtig. Einstein war eben nicht nur Genie mit Kreide in der Hand, sondern Vater, Ehemann, Rebell, Außenseiter und manchmal auch ein ziemlicher Sturkopf.
Für mich ist das eine dieser Biografien, nach denen man das Buch zuklappt und denkt: Okay, ich habe nicht alles verstanden, aber ich habe verdammt viel gefühlt, gestaunt und mitgenommen. Groß, klug, menschlich und überraschend nah.