Cover-Bild Wüste Welt
19,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Edition Atelier
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 160
  • Ersterscheinung: 12.01.2016
  • ISBN: 9783903005143
Wolfgang Popp

Wüste Welt

Eine rätselhafte SMS seines Bruders führt einen Wiener Musiker nach Marokko. Dort angekommen fehlt vom Bruder aber jede Spur. Eine abenteuerliche Reise quer durch das ganze Land beginnt. Mysteriöse Hinweise und ein altes Hippie-Paar führen ihn schließlich in die Wüste zu einem Stamm von Geisterbeschwörern. Und dort geht’s erst richtig los.
Eine Roadnovel vom Ende der Straße, eine Geistergeschichte ohne Geister, ein Wüstentagebuch.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.01.2017

„wer zehntausend Stunden einem seltenen Vogel nachjagt, kann aber vor einem leeren Ast enden“

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„Wer zehntausend Stunden Japanisch lernt, spricht anschließend fließend die Sprache, wer zehntausend Stunden Klavier übt, spielt anschließend Schuberts Requiem, dass den Zuhörern die Tränen kommen, wer ...

„Wer zehntausend Stunden Japanisch lernt, spricht anschließend fließend die Sprache, wer zehntausend Stunden Klavier übt, spielt anschließend Schuberts Requiem, dass den Zuhörern die Tränen kommen, wer zehntausend Stunden einem seltenen Vogel nachjagt, kann aber vor einem leeren Ast enden. Hat aber etwas. Dass du trotz aller Anstrengung erfolglos bleibst und dir dennoch keiner einen Vorwurf machen kann. Ein Scheitern ohne versagt zu haben.“ S. 153

„Wüste Welt“ von Wolfgang Popp enthält mehrere solcher sprachlichen Perlen auf nur 160 Seiten. Der Leser begleitet einen namenlosen Musiker auf der Suche nach seinem nur gut eineinhalb Jahre jüngeren Bruder, zu dem er lange den Kontakt mied. „Alle Blicke auf ihm, und mein Leben läuft in seinem Schatten ab.“ S. 84 Die Suche gestaltet sich als Schnitzeljagd, bei der das immer nächste Ziel durch den Vorausgegangenen vorgegeben wird oder sich aus dem Ablauf der Reise ergibt: eine SMS mit der Flugnummer, das Buch von Agatha Christie, das im Auto liegen gelassen wurde mit dem Hotel (passenderweise „Der Schritt ins Leere“ von der Queen of Crime), die Brille, zufällig erspäht beim Blick zur Seite, ja, sogar die Begegnungen, wenn der Ältere von der Strecke abweicht.

Zufälle? Die Zufälle häufen sich – wären das nur einzelne, würde ich die Handlung als unglaubwürdig beschimpfen. In dieser Masse, mit dem unbekannten Ziel und Sinn wirkt das charmant, geheimnisvoll, macht neugierig, lädt ein. Die Brüder wirken miteinander verwoben, wie sonst nur in Erzählungen über eineiige Zwillinge durchgehalten. Wer läuft da bis nachts um 4 Uhr durch den Regen? Und dann gibt es die Suche nach den Geistern... Hier entfaltet sich das, was zum Ende Fragen offen lässt, nachdem zuvor (vielleicht?) nur die andere Seite der Medaille gezeigt werden sollte.

Ich gebe auf jeden Fall eine Leseempfehlung für diese so völlig andere Geschichte, die mir das erste und eher unerwartete Lesehighlight des Jahres bescherte – auf die man sich allerdings auch einzulassen bereit sein muss in ihrer Mehrdeutigkeit. Laut Klappentext handelt es sich um den dritten Teil der „Trilogie des Verschwindens“ von Autor Popp, dessen erste beide Teile ich (noch) nicht kenne. Die Klappentexte der anderen Teile deuten keine fortgesetzte Geschichte an, also geht es wohl eher um eine thematische Verwandtschaft.

Ich denke, Mr Gwyn von Alessandro Baricco und dieses Buch könnten den gleichen Lesern gefallen.

Titel im Buch
Bonnie ‚Prince‘ Billy & The Cairo Gang: „Teach me to bear you“ https://www.youtube.com/watch" target="_blank">https://www.youtube.com/watch" target="_blank">https://www.youtube.com/watch" target="_blank">https://www.youtube.com/watch?v=UwI4y0_DGGA
Marlene Dietrich „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ https://www.youtube.com/watch" target="_blank">https://www.youtube.com/watch" target="_blank">https://www.youtube.com/watch" target="_blank">https://www.youtube.com/watch?v=CsrzeV95maQ
Jacques Brel
Ferdinand (! der ältere Bruder von Franz!!) Schubert Requiem https://www.youtube.com/watch" target="_blank">https://www.youtube.com/watch" target="_blank">https://www.youtube.com/watch" target="_blank">https://www.youtube.com/watch?v=8zBkeSKZsDU
Bach Schöpfung

Veröffentlicht am 31.05.2025

Sprachlich auf einer ganz besonderen Ebene, inhaltlich schwach.

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Wolfgang Popps Stil ist sicher gewöhnungsbedürftig. Zumindest ging es mir so, als ich begann, "Wüste Welt" zu lesen. Sein Sprachstil ist ein besonderer und auch das Fehlen von wörtlicher Rede bzw. der ...

Wolfgang Popps Stil ist sicher gewöhnungsbedürftig. Zumindest ging es mir so, als ich begann, "Wüste Welt" zu lesen. Sein Sprachstil ist ein besonderer und auch das Fehlen von wörtlicher Rede bzw. der Kennzeichnung eben jener hat mich am Anfang gestört. Wenn man sich jedoch in das Buch eingefunden hat, weiß die Sprache und der Stil zu begeistern. Dann beschreibt Popp die Umgebung sehr simpel, aber doch immer authentisch und auf den Punkt. Er verzichtet meist auf ausschweifende Beschreibungen, trotzdem schafft er es, Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen.

Auch die Dialoge und Figuren sind greifbar, wirken realistisch, wie aus dem Leben gegriffen. Manches Mal fragte ich mich, ob der Autor diese Geschichte wohl selbst erlebt hat, weil er so prägnant schreibt.

Trotzdem konnte mich "Wüste Welt" nicht ganz überzeugen, was vor allem am Inhalt liegt. Wir begleiten einen Mann in dieser Novelle auf der Suche nach seinem Bruder. Doch schon bei der Frage, warum er seinen Bruder sucht, konnte mir das Buch keine zufriedenstellende Antwort geben. Eine kryptische Nachricht und dann die fortwährende, unterschwellige Abneigung gegen den Bruder? Wer würde da einfach mal eben nach Marokko fliegen, um ihn zu suchen, wegen einer unverständlichen SMS? Die Reise entwickelt sich zu einem aberwitzigen Roadtrip, der, meinem Geschmack nach, zu oft auf Zufälle, Eingebungen und Gefühl beruhte. Mir fehlte in der Geschichte, so schön ihre Botschaft auch sein mag, einfach die innere Logik. Erst ganz zum Schluss, auf den letzten 30 Seiten kam bei mir so etwas wie Spannung auf, das war mir zu wenig für eine bessere Bewertung.

Da das Buch mit seinen rund 160 Seiten aber wirklich nicht dick ist, ist es für diejenigen, die etwas für besonderen Stil und Sprache übrig haben, einen Blick wert.

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