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Veröffentlicht am 07.05.2020

Durchfahrt auf eigene Gefahr

Kopfjagd
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Wie genial ist das denn? Ich musste unbedingt das Ende wissen, habe viel über Ethnologie gelernt, es gibt wenige so originelle Ansätze für einen Krimi und sowohl im späten (oder eher frühen) Einschlafen ...

Wie genial ist das denn? Ich musste unbedingt das Ende wissen, habe viel über Ethnologie gelernt, es gibt wenige so originelle Ansätze für einen Krimi und sowohl im späten (oder eher frühen) Einschlafen als auch beim Aufwachen habe ich aufgrund des Buches über Schuld, Schuldfähigkeit, Reue und Moral nachgedacht. Da hat wohl jemand etwas richtig gemacht – auf jeden Fall der Leser, der zu dem Start einer Reihe greift.

Berlin, Sonderdezernat Fremdkultur, Heiko Brandt ist hier der Chef. Oberkommissar Jens Volkert könnte dazu etwas sagen. Tut er auch. Brandt gilt nicht als Teamplayer. „Er gehörte nicht einmal hierher. Ein Zustand, der ihn, gleich wo er war, zu begleiten schien.“ Das Gefühl hat von sich auch Oberkommissarin Zehra Erbay. Die Einser-Absolventin wurde gerade versetzt ins SD Fremdkultur – ja klaaaaar, hatte sich da jemand gedacht, Türkin, was soll die auch sonst anderes können außer Fremdkultur. Brandt hat eigentlich als Ethnologe gearbeitet und als Späteinsteiger zur Polizei gekommen. Als eine Leiche auf einem Golfplatz gefunden wird, hält man ihn für den Richtigen – weil der Tote Araber ist, oder weil man ihn geköpft hat – oder nur, weil der Oberstaatsanwalt Gunnar Siegrist, der schon mit Brandts Vater befreundet war, über ihn da den richtigen Zugriff zu haben meint?

Erbay bringt System in erste Ermittlungsergebnisse und zeigt Brandt, wie man zügig Auto fährt, Brandt widment sich einigen Nebenkriegsschauplätzen wie Saskia, dem rituellen Konsum von Schamanen-Drogen, einer unbekannten Frauenleiche und einem jungen Flüchtling, dann braucht man doch noch seine Erfahrungen als Ethnologe, und wie. Politik und eine weitere Leiche ohne Kopf führen dazu, dass sich die Ereignisse überschlagen. Und zum Schluss? Zum Ende darf ich darüber nachsinnen, wer Strafe verdient und wer ihr entrinnen darf, wie Gerechtigkeit „richtig“ wird. Zehra klärt das mit einer Serviette. Brandt kennt Rituale und einen Tattowierer.

Und ich? Ich mochte das. Ich kenne auch die Reihe um den Polizeipfarrer Martin Bauer, die Idee als Ermittler finde ich weiterhin gut, aber diese Reihe besser (von der Reihe kommt auch mein einziger Nörgelpunkt an der Lektüre: Dem Leser wird mitgeteilt, Brandt hatte in Duisburg seine erste Todesnachricht zusammen mit Polizeiseelsorger Martin Bauer überbracht „ein beeindruckend kompromissloser Mann". Kam bei mir rüber wie dem Spiegelbild zu sagen, wie toll man ist). Mir gefiel, wie die Charaktere sich aneinander reiben, wie alles Schicht um Schicht aufgebaut wird, welche Typen hier vorgestellt werden. Solche Showveranstalter als Chefs wie Tietze kenne ich, wenn auch außerhalb der Polizei. Alte Leute, die etwas gesehen haben, fand ich schon immer witzig (vielleicht nicht immer gegenüber). Und die Sprüche: Gelernt habe ich „Scheiße mit Goldrand“ und Renés Trick mit dem aufgestellten Schild: „Gülleverwertungszentrum Ost/Durchfahrt auf eigene Gefahr“ Einfacher konnte man sich unerwünschte Besucher nicht vom Hals halten.“ 5 Sterne.

Und jetzt will ich wissen, was auf den Philippinen passiert war. Und was mit Brandts Vater, und dem kleinen Bruder von Zehra und – wie heißt der nächste Band???
Voodoo Berlin. Okay, liegt hier. Autoren-"Hälfte" Reiter ist übrigens studierter Ethnologe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.05.2020

Was in Brisbane geschah, bleibt leider nicht in Brisbane

Eisenberg
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2015, München. Rachel Eisenberg, 40, ist erfolgreiche Strafverteidigerin in gemeinsamer Kanzlei mit ihrem noch-nicht-Ex-Mann Sascha, 42, der sich leider etwas zu intensiv um die junge Rechtsreferendarin ...

2015, München. Rachel Eisenberg, 40, ist erfolgreiche Strafverteidigerin in gemeinsamer Kanzlei mit ihrem noch-nicht-Ex-Mann Sascha, 42, der sich leider etwas zu intensiv um die junge Rechtsreferendarin Paula Hollberg gekümmert hat. Bevor Rachel mit der gemeinsamen 15jährigen Tochter Sara zur Arbeit losfahren will, versucht die junge Obdachlose Nicole Böhm sie abzufangen und um Unterstützung zu bitten. Rachel weist sie recht kurz ab. Doch sie werden sich wieder begegnen: Eine Frau war am Flaucher ermordet worden, ein Verdächter wird von Oberstaatsanwalt Henrik Schwind höchstpersönlich angeklagt werden. Der Obdachlose heißt Heiko Gerlach und es stellt sich bald heraus, dass Rachel ihn unter dem Namen Heiko Uppitz kennt; vor über 18 Jahren war er ihre erste große Liebe gewesen, Physikprofessor, zwei Jahre waren sie ein Paar. Nach einer kaputten Ehe war er über den Alkohol auf der Straße gelandet. Dort kümmerte er sich um Nicole als väterlicher Freund.

Rachel stellt Untersuchungen an zu der ermordeten Johanna Mend. Ihr wurden die Hände abgehackt und seitenverkehrt an den Schädel genagelt. An ihr wurde Gerlachs DNA gefunden. Doch Todeszeitpunkt sowie letzte Aktivitäten von Opfer und mutmasslichem Täter passen irgendwie nicht, dazu kommt ein kurz zuvor stattgefundener Angriff auf die junge Frau. Plötzlich mach Heiko Gerlach eine Aussage.

Ich habe diese sehr spannende und vielschichtige Erzählung gehört, genial vorgetragen von Michael Schwarzmeier, der auch die vielen Dialekte hervorragend meistert. In der Handlung wechselt sich das „Jetzt“ im Jahre 2015 ab mit einem früheren Handlungsstrang um eine Frau, die mit ihrer Tochter unterwegs ist und in eine Überprüfung gerät. Ja, Spannungsliteratur, muss zusammengehören, nur wie? Selten habe ich schon da so im Dunkeln getappt. Weit über dreißig Kapitel brauchte es, bis mir etwas schwante. Inzwischen hat es einen Angriff gegeben, Nicole verschwindet zwischendurch, Sarah hat Probleme in der Schule und … einiges entwickelt sich deutlich anders als gedacht.

Mir gefällt der Humor, sehr trocken: „Der BMW war nicht so geeignet für Mandantenbesuche. Wer nach seinem Anwaltsgespräch durch ein vergittertes Fenster blickte und seine Verteidigerin vor dem Untersuchungsgefängnis in ein rotes BMW Cabrio steigen sah, würde unwillkürlich an die fünftausend Euro Vorschuss denken, der er von Freunden und Verwandten zusammengekratzt hatte. So was konnte zu Missstimmigkeiten führen.“ ja, bestimmt (ich habe mir extra die Leseprobe gezogen für so ein schönes Zitat). Auch die Typen teilweise – am besten gefallen mir die etwas halbseidenen Mandanten, Ken Färberböck, Hacker Miroslav Oxmichel und Kredithai Kevin Freiherr von Mettgenich-Heuersbach, ja, wirklich Kevin. Insgesamt kam also Begeisterung auf, einzig das Vorwort: warum nur?

Wurscht, trotzdem 5 Sterne.

Personal:

Rachel Eisenberg, 40
Sascha Eisenberg, 42
Tochter Sarah

in der Kanzlei Eisenberg:
Carsten Dillbröck, 35, Anwalt.
Janina Ebert, Mitte 30, Anwältin
Laura Stock, Empfang
Assistentin Gitti Halbert

Heiko Gerlach 50 – früher Heiko Opitz, Physikprofessor. Er hat den Namen seiner Frau
Helen angenommen.
Nicole Böhm, 17, junge Obdachlose
ihr Hund, Rover
Max. Kümmert sich um Nicole
Penny-Joe, Obdachloser
Edna, Obdachlose

Casper Haim, Mitschüler von Sarah
sein Vater, Reza Haim

Oberstaatsanwalt Henrik Schwind
Staatsanwältin Sabine Wittmann
ihre Tochter Eva, 4
Dr. Eisler, Haftrichter

Emanuel Stang. Chefpathologe

Dr. Matthias Geruda, ebenso wie Rachel Strafverteidiger der ersten Liga

Johanna Mend. Germanistikstudentin
Schreiner Georg Mend, ihr Vater

Leonora Shkodra
ihre Tochter Valentina

Die Männer in Bad Reichenhall
Arnold
Patrick
Werner

  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.05.2020

Schrödingers Katze

Mein Name ist Judith
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Der Ich-Erzähler trauert; doch nicht nur hierzu erschliessen sich Details erst langsam. Neben seinem Verlust nimmt das Haus, indem er eine Wohnung besitzt, einen großen Anteil an seiner Lebensrealität ...

Der Ich-Erzähler trauert; doch nicht nur hierzu erschliessen sich Details erst langsam. Neben seinem Verlust nimmt das Haus, indem er eine Wohnung besitzt, einen großen Anteil an seiner Lebensrealität ein, seinen Interessen. In besagtem Mehrfamilienhaus wurden zur Zeit des Nationalsozialismus mehrere Wohnungen „arisiert“, er hatte einst hierzu Nachforschungen betrieben und sich dabei verliebt in eine Nachfahrin der ursprünglichen Besitzer seiner Wohnung. Doch jetzt vermischen sich für ihn, León, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, kommt es zu Überschneidungen damaliger, heutiger und hypothetischer Ereignisse.

Lest nicht den Klappentext! Dieser Roman spielt mit Zeitebenen und Realtitäten, der Leser wird konfroniert mit so etwas wie Zeitsprüngen von Personen aus der Vergangenheit – oder der Option, dass diese Zeitsprünge in der Phantasie der Hauptperson León stattfinden, vermutlich als eine Art Trauerarbeit oder PTSB, Posttraumatische Belastungsstörung. Ab jetzt wird es schwierig, über das Buch zu schreiben, ohne zu spoilern: Es geht um die NS-Zeit in Wien, um Fluchterfahrung, um Grausamkeit, darüber, bei der Flucht nicht willkommen zu sein, um das schwere Erbe der Nachkommen. Es geht aber auch um eine imaginierte nahe Zukunft, in der in der Wüste eine Grenzmauer gebaut wird, um Flüchtlinge nach beziehungsweise von Europa abzuhalten, um heutigen Terrorismus; um Verlust, Vergessen, Vermissen.

Ich habe das Buch gerne gelesen, bei dem sich die gesamten Hintergründe erst sehr langsam aus den Andeutungen ergeben. Die Verknüpfung des Gestern und Heute fand ich geschickt gemacht, auch wenn mir phantastische Anteile sonst wenig liegen. Bezüglich der Verknüpfung mit aktuellen (oder weitergedachten zukünftigen) Themen zu Flucht und Flüchtlingen hingegen bin ich unsicher: der Part geht mir ein wenig unter. Menschlich nahe kommt das nur mit dem Neffen der Nachbarn, der aber eher als absolute Randfigur auftaucht, mir dadurch fernbleibt; viel zu schwach gegenüber dem Schicksal der kleinen Judith, von Max oder Lena.

Stärke bei Vergleichen entwickelt der Text für mich vielmehr beim Umgang mit dem Lösen von Problemen damals und heute: „Ja, es wird weitere Anschläge geben. Und trotzdem – ich fürchte mich mehr vor dem Verlust der Freiheit als vor dem Gewinn vermeintlicher Sicherheit. …Mehr vor dem starken Mann mit den einfachen Lösungen als vor den Problemen, die es zu lösen gilt.“ S. 103 Und, ja, ich werde weiterhin ein großes Problem haben an jeglichen Vergleichen mit dem Holocaust. Und ich halte es auch für nicht statthaft einen Vergleich zu ziehen zwischen der Flucht der Juden vor der Auslöschung durch den Nationalsozialismus mit den heutigen Gründen für Flucht und Auswanderung; ja, politische Gegner von beispielsweise Assad sind verfolgt, aber nicht aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Religion oder Ethnie. Da wären eher die Jesiden vergleichbar – aber: nein, Menschenleben vergleicht man nicht. Punkt.

Insgesamt literarisch toll, bei leichten inhaltlichen Schwächen. 4 Sterne

  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.05.2020

Wo bleibt die Dienstaufsichtsbehörde? ;-)

Das Blut der Hirsche
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Für Zack Herry, 28, Mitglied einer Sondereinheit der Polizei, läuft es gut. Freundin Mera schenkt ihm einen Verlobungsring, er ist seit fast einem halben Jahr clean. Doch der Tatort, zu dem er und seine ...

Für Zack Herry, 28, Mitglied einer Sondereinheit der Polizei, läuft es gut. Freundin Mera schenkt ihm einen Verlobungsring, er ist seit fast einem halben Jahr clean. Doch der Tatort, zu dem er und seine Kollegen auf einer Insel gerufen werden, hat es in sich: fünf tote Teenager. Es stellt sich heraus, dass sie einander und sich verstümmelt haben, anscheinend ohne Gegenwehr. In ihrem Blut: eine unbekannte Substanz. Ein Mädchen aus der Gruppe fehlt.

Dieser Fall bringt das Team an seine Grenzen, als klar wird, dass eine neue Designerdroge auf dem Markt ist, die mit dem Symbol von Bambi gekennzeichnet ist. Als Zack erste Ermittlungserfolge hat, passiert etwas Furchtbares. Jetzt ist der Fall für ihn persönlich.

Nun – ich hatte vor längerer Zeit Band 2 der Reihe gelesen, nur so lala gefunden, dann Band 1 vor kurzem gemocht. Daraufhin habe ich Band 2 wieder hervorgeholt: mit dem Verständnis von Band 1 liest der sich gut. Und Band 3 nimmt noch stärker Bezug auf die Vor-Bände. Fazit: nicht einzeln lesen, Reihenfolge beachten. Den eigentlichen Fall fand ich spannend, das Autorenduo Mons Kallentoft und Markus Lutteman bescherte mir eine kurze Nacht. Dieses Mal finde ich die Tat nicht so abstoßend wie in den Vorbänden die Taten an Kindern, mein Mitleid mit Drogenexperimenten von Wohlstandsidioten, die schiefgehen, hält sich aber auch in Grenzen (wir reden hier nicht von kranken Junkies, sondern von Halbwüchsigen, die auf Gedeih und Verderb einmal cool sein wollen). Mir gefiel die Charakterentwicklung von Zack, aber auch die Entwicklung bei vielen anderen, besonders Deniz, Sirpa, Koltberg.

Was mich etwas befremdet: Olympia taucht wieder auf, ebenso ihre Tochter Hebe. Was mit Hebe und Zack ist, ahnte ich eigentlich schon im Vorband (inklusive des immer noch nicht aufgelösten Teils), das geht noch. Aber Olympia als so eine Art persönlicher Blofield wie bei James Bond oder Darth Vader in Star Wars? Sie streichelt halt keine weiße Katze, sondern schaut Fotos und Filme an. Die Frau hat gehörig einen an der Waffel. Dass sie langsam mutiert von einem roten Faden wie in der Vorgeschichte zu einem wesentlichen Handlungsbestandteil inklusive Haupttreiber des Cliffhangers, ist mir etwas zu viel.

4 Sterne, wegen des Rests.

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Veröffentlicht am 01.05.2020

Wenn der Ermittler selbst dem Verbrechen nahe steht

Die Fährte des Wolfes
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Stockholm 2014. "Die Körper liegen in unnatürlichen Stellungen, die Hosen heruntergezogen, das Geschlecht zerschossen, und die Luft ist schwer von Kot, Blut und Urin." Vier asiatische Frauen wurden ermordet, ...

Stockholm 2014. "Die Körper liegen in unnatürlichen Stellungen, die Hosen heruntergezogen, das Geschlecht zerschossen, und die Luft ist schwer von Kot, Blut und Urin." Vier asiatische Frauen wurden ermordet, gemeldet von einem einem anonymen Anrufer. Die Sondereinheit der Polizei um den 27jährigen Kriminalinspektor Zack Herry ermittelt, landet im Milieu thailändischer Massagestudios, die als Tarnung für mehr dienen, dann weiter im Bereich von Biker- und Bandkriminalität, Menschenhandel, Erpressung, Zwangsprostitution, Rassismus. Doch welche der Spuren führt zum Täter? Da scheinen Biker und eine türkische Gang zu konkurrieren, dort werden menschenverachtende Parolen in einem nationalistischen Forum geäußert. Als eine Frau mit zerfetzten Beinen vor einem Krankenhaus buchstäblich abgeworfen wird, ist klar, dass hier jemand zu bestialischen Taten in der Lage ist, im wahrsten Sinne des Wortes. Und zusätzlich droht sein Drogenkonsum, den er bisher strikt in die Freizeit schieben konnte, Zack zu entgleiten.

Warnung: harter Tobak. Gewalt, auch sexueller Art, auch Gewalt gegenüber Minderjährigen - und das trifft es nur im Ansatz.

Zacks Mutter, selbst Polizistin, wurde als nur 30jährige in einem Tunnel erstochen, während sie an ihrem ersten Fall als Mordermittlerin arbeitete - ein Chirurg war umgekommen, weil sich angeblich ein Schlauch an einem Gasherd gelöst hatte. Beide Fälle wurden nie aufgeklärt und zerstörten Zacks Kindheit, als seinem chronisch kranken Vater nach dem Tod der Ehefrau der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Durch den Umzug in eine schlechtere Gegend lernte Zack seinen bis heute besten Freund kennen, Abdula Kahn, aufgrund eines Fehlers der Behörden bis heute als Abdulah Khan geführt. Vom Tod seiner Mutter kamen die Albträume, von Abdula die Drogen dagegen.

Ich bin zwar sehr übersättigt mit "gebrochenen Ermittlern", aber dieser rote Faden eines Falles hinter und neben den Fällen durch wohl mehrere Bände gefällt mir; dieses ist Band 1 der Reihe, ich werde das also noch weiter probieren, der nächste Band ist schon vorgemerkt (Edit: ach ja. Ich dachte doch, Teile zu kennen: Band zwei hatte ich schon vor einiger Zeit gelesen). Zack lebt in einer sehr seltsamen Zwischenwelt, der Job ist ihm wichtig, er scheint ein loyaler Kollege zu sein und kümmert sich rührend um die 11jährige Tochter seiner depressiven Nachbarin - Ester erinnert ihn spürbar an sich selbst. Gleichzeitig tanzt er die Nächte auch unter der Woche in illegalen Clubs durch, kokst, nimmt Amphetamine, lebt in einer Beziehung mit einem reichen Töchterchen, das in seltsamer Weise damit zu spielen scheint, es auf die besonders harte Tour zu mögen. Generell würde die Hälfte des Teams um Zack für Dienstaufsichtsbehörden interessant sein - aber ich mochte diesen Trupp irgendwie.

Dazwischen gibt es immer wieder einen Kniff, den ich nur aus TV-Serien kannte: Da wird zu einer bestimmten Zeit reihum in die Leben der Personen „gezoomt“, also zum Beispiel zu dem, was die gerade abends tun. Irgendwie cooles Konzept.

Gefiel mir. 4 ½ Sterne.

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