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StefanieFreigericht

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Veröffentlicht am 09.08.2021

Bille darf endlich reiten

Bille und Zottel Bd. 01 - Pferdeliebe auf den ersten Blick
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Beinahe wäre die fast dreizehnjährige Bille von ihrer Mutter erwischt worden: jeden Morgen, jeden Mittag, jede freie Stunde schleicht sie sich heimlich in die Pferdeställe des nahen Gutshofs Groß-Willmsdorf, ...

Beinahe wäre die fast dreizehnjährige Bille von ihrer Mutter erwischt worden: jeden Morgen, jeden Mittag, jede freie Stunde schleicht sie sich heimlich in die Pferdeställe des nahen Gutshofs Groß-Willmsdorf, um die von ihr geliebten Pferde wenigstens sehen und pflegen zu können. Ihre Mutter hält die Leidenschaft ihrer jüngsten Tochter leider für nutzlos und schlicht zu teuer, kann sie mit ihrem kleinen Laden kaum noch gegen die aufkommenden Supermärkte bestehen. Durch einen wortwörtlichen Zusammenstoß mit dem von Bille bewunderten Besitzer des Guts, dem erfolgreichen Springreiter Tiedjen, gewinnt das Mädchen einen Unterstützer für ihre Pläne: er erkennt sich selbst als Kind im Verhalten des Teenagers. Als der Dorftierarzt aus einer Tierrettung aus einem Wanderzirkus eine Pflegestelle für ein Halbpony benötigt, bietet Herr Tiedjen Bille einen Deal an: sie kümmert sich um das verwahrloste Pferd, dafür bekommt sie Reitunterricht.

Jetzt muss nur noch Billes Mutter überzeugt werden. Bille weiß jedoch noch nicht, auf was sie sich bei dem zotteligen Halbpony eingelassen hat…

Ich hatte die Bücher in meiner Pferdephase verschlungen, aber auch heute sind die Erlebnisse des verfressenen Ponys Zottel, der ein wahrer Ausbrecherkönig ist und sich gelegentlich spontan an seine Zirkustricks erinnert, herrlich zu lesen und immer noch lustig. Dazu sind die Charaktere sympathisch, nur mit Billes irgendwie verhärmt und verbittert wirkender Mutter wurde ich lange nicht warm – da umarmt Bille die Mutter nicht stürmisch, weil „…sie wußte, daß Mutsch allzu heftige Liebesbezeugungen nicht mochte“. Klar. Naja, und schon damals hoffte ich, dass nicht alle Kinder mit Hobby-Wünschen, die nicht von ihren Eltern geteilt wurden, jetzt wilde Stunts machen würden, um sich vor die Fahrzeuge derer zu werfen, die ihrem großen Traum bereits nachgingen – so, wie Bille auf ihrem Fahrrad mit geschlossenen Augen den Preis der Nationen reitet, direkt vor „Herrn Tiedjens“ Auto (nein, der Mann hat keinen Vornamen, scheint es). Was soll es, die Bücher sind toll. Und Mutsch bekommt später auch noch einen Zugang zu mehr Glück im Leben. 5 Sterne.


Ich „verorte“ das Buch in die Zeit in den frühen 70ern – wenn „Mutsch“ noch als Kind in Ostpreußen gelebt hat und von dort geflohen ist, dürfte sie ein ähnliches Geburtsjahr haben wie die Autorin selbst, 1939, oder etwas früher; kaum jünger, sonst würde sie sich nicht erinnern, eher älter, da sie von „Onkel Paul“ an ihre eigene Pferdeliebe mit „noch keine zwölf“ vor der Flucht erinnert wurde. Die 70er waren dann auch die Zeit, in der in der „alten“ Bundesrepublik selbst in den kleinen Städten die Supermärkte endgültig die kleinen Tante-Emma-Läden vertrieben, wie es hier mit „Mutschs“ Laden passiert.

Es fallen dann so Sätze wie „Meine Große, die Inge, … die hat nie solche Flausen im Kopf gehabt. Die hat von Anfang an gewusst, wo ihr Platz im Leben ist – und nicht so rumgesponnen wie unser Küken da. Wenn wenigstens ihr Vater noch lebte – der hätte ihr die Dummheiten schon längst ausgetrieben. Aber auf mich hört sie ja nicht.“ S. 10 Weil man ja wissen sollte, wo der einem zugewiesene Platz im Leben ist, und davon auch bitte nicht abzuweichen hat. Natürlich ein Satz der Mutter - und deren Glück kommt dann, auch "natürlich", nur durch einen Mann. Naja.


Personen:
Bille, Sybille Abromeit, fast 13. Wohnt mit ihrer Familie in Wedenbruck.
„Mutsch“, die verwitwete Olga Abromeit, Billes Mutter
Inge, Billes zwölf Jahre ältere Schwester

Onkel Paul. Kennt Mutsch seit der gemeinsamen Kindheit in Ostpreußen – nach der Flucht hatten sich ihre Familien in Wedenbruck eine neue Existenz aufgebaut. Er ist dabei, einen Spar-Markt aufzubauen in Leesten.
ein junger Kunstschmied namens Thorsten

Karlchen Brodersen, 14, rothaariger Sohn der Nachbarn, Billes bester Freund und „Zieh-Bruder“. Moped-Fan
Hubert Brodersen, Karlchens großer Bruder, Pferdepfleger auf Groß-Willmsdorf

der alte Petersen, Pferdepfleger
Herr Tiedjen, berühmter Springreiter und Besitzer von Groß-Willmsdorf
Dr. Dörfler, Tierarzt
Herr Müller. Geschäftsführer beim „Verein gegen den Mißbrauch der Tiere“ in Neukirchen
Herr Lohmeier, Verwalter von Groß-Wilmsdorf,
seine Frau
Frau Beck, die nette alte Sekretärin
die drei Söhne der Peershofer

Helga, neu in Billes Klasse im Schulzentrum in Niendorf. Karlchen schwärmt für sie
Heike, Klassenkamerdin
Elli Jansen, ebenso. Ihre Mutter steht im Dorfkrug an der Theke

Kalle Ungehauer, Zuchthäusler
Polizist Bode

Fuchshengst Patrick
Donau, Fuchsstute, fohlt im Laufe des Buches Donata
Iris, Rappstutte, sehr nervös, fohlt ebenfalls
Zottel – Rotschimmel, Halbpony, gerettet aus dem Zirkus Sandranelli
Troja, Stute
Lohengrin, Fuchswallach
Feodora, Apfelschimmelstute.
Nathan, 7jähriger Wallach
Sinfonie, Fuchsstute, unberechenbar


Tina Caspari ist der von Rosemarie Eitzert am häufigsten zum Schreiben genutzte Name; ich kenne von ihr die Bille und Zottel – Reihe sowie die Katja-Bücher . Die Autorin wurde geboren als Rosemarie Schach von Wittenau und schreibt auch als Claudia Jonas („Internat Wespennest“ habe ich von ihr) oder in Anlehnung an ihren Mädchennamen als Rosemarie von Schach. Einige der Bücher, die für den deutschen Sprachraum als von Enid Blyton geschrieben veröffentlich wurden, stammen in Wirklichkeit ebenfalls von ihr (Dolly ab inklusive Band 7 sowie Tina und Tina ab inklusive Band 4). https://www.goodreads.com/author/show... sowie die weiteren Links zu den anderen Namen. Die Autorin wurde am 25. Januar 1939 in Berlin oder in der Nähe von Berlin geboren (letzteres laut Wikipedia https://deutsch-wiki.ru/wiki/Rosemari...).
1. Pferdeliebe auf den ersten Blick, 1976
2. Zwei unzertrennliche Freunde, 1977 http://www.lesejury.de/rezensionen/deeplink/505713/Product
3. Mit einem Pferd durch dick und dünn, 1977
4. Applaus für Bille und Zottel, 1978
5. Die schönsten Ferien hoch zu Roß, 1978
6. Gefahr auf der Pferdekoppel, 1979
7. Ein Cowboy für Bille und Zottel, 1979
8. Ein Filmstar mit vier Beinen, 1980
9. Im Sattel durch den Sommer, 1980
10. Im Hauptfach Reiten, 1982
11. Sensation in der Manege, 1983
12. Frühling, Freunde, freche Fohlen, 1984
13. Das Fest der Pferde, 1985
14. Ein Pony auf großer Wanderung, 1987
15. Pferde im Schnee, 1989
16. Pusztaferien und Ponybriefe, 1990
17. Reitclub Wedenbruck, 1991
18. Die letzte Hürde, 1995
19. Ein Pony mit Herz, 1996
20. Rückkehr nach Wedenbruck, 2001
21. Ein ganz besonderer Sommer, 2003

An dieser Stelle habe ich ein Interview mit der Autorin gefunden https://web.archive.org/web/200803250...

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Veröffentlicht am 23.02.2021

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Deutsches Haus
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Die Handlung findet statt von Dezember 1963 bis Dezember 1964.
Die junge Eva Bruhns aus Frankfurt hat einen Freund, der sich am 3. Adventssonntag ihrer Familie vorstellen will. Es gibt die ältere dickliche ...

Die Handlung findet statt von Dezember 1963 bis Dezember 1964.
Die junge Eva Bruhns aus Frankfurt hat einen Freund, der sich am 3. Adventssonntag ihrer Familie vorstellen will. Es gibt die ältere dickliche und dauer-essende Schwester Annegret, Säuglingsschwester im Stadtkrankenhaus, 28, den kleinen Bruder Stefan, sowie die Eltern Ludwig und Edith. Sie betreiben das „Deutsche Haus“ in der Berger Straße, der Vater ist dort Koch. Mit ihrem Fast-Verlobten hat Eva das große Los gezogen, denn Jürgen Schoormann soll der Nachfolger seines Vaters für dessen erfolgreichen Versandhandel werden. Doch Jürgen ist zögerlich, häufig distanziert und hoffnungslos konservativ: Die Frau habe sich unterzuordnen, punktum. Doch bislang arbeitet die als Dolmetscherin für Polnisch ausgebildete Eva für eine Agentur und wurde gerade für einen wichtigen Gerichtsprozess angefordert. Dieser stößt auf wenig Gegenliebe bei Jürgen oder ihren Eltern und auch nicht in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung.

Der Roman bezieht sich auf die in Frankfurt durchgeführten ersten Auschwitzprozesse https://de.wikipedia.org/wiki/Auschwitzprozesse


Jetzt kommt mein Dilemma: das Thema ist wichtig. Meiner Erfahrung nach wissen die Menschen mehr über die Verbrechen zur Zeit des Nationalsozialismus als über den Umgang damit in der Zeit danach. Umso wichtiger finde ich bei beidem einen angemessenen Umgang. Ja, das Buch geht respektvoll mit dem Thema um und findet in der anfangs naiven jungen Frau eine Sympathieträgerin, die den Leser durch das Buch führt. Es gibt aber sonst sowohl positive als auch negative Aspekte:

Negativ fand ich einen großen Anteil an schlichtem Kitsch. „Eva spürte, wie ihr ein Tropfen Schweiß über die Mitte des Rückens bis in die Poritze lief.“ S. 86 fand ich noch fast komisch. Die Satzstruktur vermittelt teils gewollte Dramatik: „Am Fenster in der ersten Etage über dem Schriftzug , über den Buchstaben , stand eine hellbraune Gestalt und sah auf Eva hinab. Ihre Mutter. Sie schien unbewegt, aber Eva hatte den Eindruck, als nehme sie Abschied. Eva drehte ihr schnell den Rücken zu. Sie schluckte. Das fehlte noch. Jetzt weinen.“ S. 8 Hatte die Autorin Atemlosigkeit beim Schreiben?
Komplett unsinnig fand ich den Nebenplot mit dem Todesengel und nur in Ansätzen hilfreich weitere Nebenplots wie die wahre Geschichte von David oder die Erlebnisse von Schoormann Senior. Wer eine evangelische Familie begleitet in deren Sicht, sollte auch nicht von „Evangelen“ sprechen. Ansonsten waren die vorbereitenden Hinweise etwas dick aufgetragen; da wurde mit dem ganzen Zaun gewunken: Der Mutter wird vom Brandgeruch immer schlecht, sowohl Eva als auch ihr Vater gehen nicht gerne zum Friseur (warum überhaupt der Vater?) oder ganz zu Beginn wird bereits auf S. 22 gesagt, dass der Vater lügt, wenn er behaupt in einer Feldküche an der Westfront gewesen zu sein. Das ist das Niveau von Groschenromanen. Und wie Eva überhaupt dazu kommt, ausgerechnet Polnisch als Dolmetscherin zu lernen, ist auch aus der Sicht ihres fünfjährigen Ich nicht wirklich einleuchtend. Und warum bitte bitte bitte dieses an Trivialität nicht zu übertreffende Ende?

Dann aber kommen Stellen, die sind so richtig gut getroffen. Das Kleinbürgertum, die Spießigkeit gegenüber Ausländern und das Dilemma der Nachgeborenen kommen authentisch rüber. Die Anzeige, die von der Mutter gestellt wurde, hat mich überrascht. Die Reaktion von Jaschinsky darüber, was Eva von ihm will, stellvertretend für die Deutschen, trifft genau: „Trost. Sie wollen, dass wir sie trösten.“ Die Erkenntnis von Eva ist stark, dass es ihr nicht zusteht, dass sie kein Recht hat auf ihr Selbstmitleid. Wäre doch nur der Rest auf diesem starken Niveau geblieben.

Was mache ich jetzt damit? Thema und die wenigen, aber starken Glanzlichter: 5 Sterne plus. Der Groschenroman-Anteil – keine 3 Sterne.

3 Sterne insgesamt. Ich habe einfach schon gelungenere Romane, selbst gelungenere Krimis, zum Thema gelesen.

https://www.auschwitz-prozess.de/

https://www.spiegel.de/geschichte/stadtgeschichte-a-949057.html#fotostrecke-f1839d31-0001-0002-0000-000000108867

Bild 14 zeigt den Gerichtssaal mit dem oft erwähnten Bild

Veröffentlicht am 09.02.2021

Treffer

One Life
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Ich habe das Original gelesen

I am several things unusual for being German. I do not like football / soccer (football as the term that is opposed to “American Football” where I live…). I do know I did ...

Ich habe das Original gelesen

I am several things unusual for being German. I do not like football / soccer (football as the term that is opposed to “American Football” where I live…). I do know I did watch exactly one football match in my life, some thing when Cameroon got far when nobody expected them to. I do not care if Germany plays, wins, or anything. I never heard about Megan Rapinoe before – I started the book as a random pick, rather, because a book challenge suggested it (I might do anything if a book challenge suggests).

I loved the book. I was thrilled by descriptions of, yes, football matches – vivid and captivating as if it were a mystery. Furthermore, I was impressed.

Megan Rapinoe was born July 5, 1985 in the United States and grew up in a middle-class family in California, with quite a number of family, including siblings from her mother’s previous marriage, a twin sister, her older brother’s son who was grown up by his grandparents, or even her aunt, who in age felt more like her sister to her. Quite a mix. The parents worked hard to make ends meet and were supportive of their children, even if that soon meant driving young Megan to her various sports obligations. She showed talent even as a tiny tot, and would early on make her way to become a professional player. Dull? Nope. This is so wonderfully and entertainingly written, it got to me, and I could very much sympathize with the family background.

But Megan Rapinoe is so much more – she soon developed to become a political activist. LGBT, equal pay, black lives matter, politics – name it, and she did speak up. She started so for being gay herself, when she realized that though she never pretended to be otherwise, there was a difference: with some number of her various team mates being gay too, still nobody else wanted to have a public coming out. Yet when Rapinoe did, she experienced a lot of reaction from especially young persons, who for the first time felt like having a public figure taking the lead for them, felt not alone anymore. Unfortunately, there was also some hate – I was shocked when I validated via her Instagram account. https://www.instagram.com/mrapinoe/ Seriously, in our time and age, I just do not understand those reactions for something that is just being who you are, without imposing upon anybody else.

The US female national team has been very successful over the years, wining a lot, bringing in lots of money – only, not for themselves. Rapinoe not only says so – she gives proof. She contrasts the wins of the men (less) to those of the women (mostly), the money coming in from that, and still men get money for simply showing up, women only if they win. The book follows some of the combat of the women to try and change this.

The sportswoman soon realized that there was no chance for a change when there would not be any support for those discriminated by those who were on the side of those not offended –only if men will realize that women’s pay is not adequate and will protest along with women, some change will come. When she realized that here she needed the support of others, she began to feel the same as on other matters. Megan Rapinoe was one of the first white sportspersons to kneel during the US national anthem to protest the disregard of persons of color, to show her solidarity against white supremacy. I found her well informed, and convincing.

Recommendation.

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Veröffentlicht am 09.02.2021

Zombie

Herzgrab
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Elena Gerink, 32, Privatdetektivin in Wien, soll den verschwundenen Vater der 21jährigen italienischen Kunststudentin Monica suchen. Der berühmte Maler Salvatore Del Vecchio verschwand vor einem Jahr, ...

Elena Gerink, 32, Privatdetektivin in Wien, soll den verschwundenen Vater der 21jährigen italienischen Kunststudentin Monica suchen. Der berühmte Maler Salvatore Del Vecchio verschwand vor einem Jahr, kurz nach dem tödlichen Reitunfall von Monicas Mutter Isabella. In einem Abschiedsbrief kündigte er ein vermutlich letztes Gemälde an – das steht jetzt zugunsten von Monica in einem Wiener Auktionshaus zur Versteigerung.
Gleichzeitig bekommt Peter Gerink, 36, beim Bundeskriminalamt den Auftrag, die verschwundene österreichische Staatsbürgerin Teresa Del Vecchio, gebürtige Italienerin, zu suchen. Ja richtig – gleiche Namen: Elena und Peter sind Eheleute, Teresa ist Monicas Tante und Salvatores Schwester. Die Tante verschwand vom Familiensitz in der Toskana, als sie dort zu einer Trauerfeier für ihre beiden Brüder zu Besuch war. Etwas viele Todesfälle in einer Familie?

Was anfängt, als sei man in einer Folge von „Der Pate“ gelandet, entwickelt sich zwischen Österreich und der Toskana zu einer gefährlichen Jagd zwischen besessenen Künstlern und Kunstsammlern, Liebe, Eifersucht und Hass.

Ich liebe Andreas Grubers Maarten S. Sneijder/Sabine Nemez – Reihe und wurde auch hier nicht von seinem Schreibstil und seinen Personenzeichnungen enttäuscht. Der Einzelband ist jedoch etwas „zahmer“ – Gräueltaten finden abgeschwächter statt, dem „gewetzten Messer“ darf der Leser nur einmal live bei der Tat beiwohnen. Die Taten sind dennoch sehr grausam und reichlich gestört mit einem gewissen Ekel-Faktor und eher nichts für sensible Gemüter, gerade beim Kopfkino, sobald man den Umfang der Tat begreift.

Wie immer in letzter Zeit finde ich jedoch nicht alles ganz rund: ich versuche jetzt nicht zu spoilern:
- Teresa passt als Opfer für mich nicht wirklich zum Motiv für die Tat – sie war zum Tatzeitpunkt ein Außenseiter
- Überhaupt nicht nachvollziehbar fand ich, warum Isabella nicht gegangen war – das Buch ist von 2013, der mögliche Auslöser liegt 20 Jahr davor. Das ist kein Jahr, in dem eine Frau in Europa hätte gezögert haben müssen, gerade bei der finanziellen Sicherheit.
- Wo in aller Welt dürfen Privatpersonen (Elena) so in Ermittlungen einbezogen werden, geben Karrieristen (Lisa) so freigiebig in einem nachvollziehbaren Umfeld (ihre Schwester) Tipps?
- Die Helfershelfer bei der Tat finde ich nicht plausibel – da scheint ein Sadist ganz gerne sein eigenes Süppchen zu kochen mit seinem Skalpell und macht eher, was er gerade will
- Und dann gibt es die Situation, dass es beinahe zu einem echten Fehlgriff beim Opfer gekommen wäre (im Keller des Kellers), als eine Frau dort landete, deren Wohl für die Tat mit auslösend war – die hätte also dort nie gelandet sein dürfen, dann wäre nämlich die Auflösung des Falles eher sinnlos gewesen!

Und die sehr verknüpften einzelnen Handlungsstränge, da waren mir die Sprünge nach zu kurzer Zeit. Das ist aber Geschmackssache. Dass es immer noch eine Wendung gab, gefiel mir hingegen.

Uff. Leider nicht einmal mehr 4 Sterne, nur 3. Ich hasse es einfach, bis nach Mitternacht zu lesen und dann vom Showdown her sofort zu wissen „aber was wäre jetzt gewesen, wenn im Keller unter dem Keller“…

Hier steht noch der noch ungelesene „Rachewinter“.

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Veröffentlicht am 19.01.2021

Homo Homini Lupus

Eine Frau in Berlin
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Das autobiographische Buch entstand aus den Aufzeichungen zwischen dem 20.4. und 22.06.1945 und beschreibt das Leben der namentlich nicht genannten Autorin im Berlin der letzten Kriegs- und ersten Nachkriegstage. ...

Das autobiographische Buch entstand aus den Aufzeichungen zwischen dem 20.4. und 22.06.1945 und beschreibt das Leben der namentlich nicht genannten Autorin im Berlin der letzten Kriegs- und ersten Nachkriegstage. Es wurde 1954 in englischer Sprache und erst 1959 in Deutschland veröffentlicht, wo es heftige Ablehnung hervorrief. Daher hatte die Autorin jegliche weitere Publikation zu ihren Lebzeiten wie auch die Nennung ihres Namens untersagt. Somit wurde https://de.wikipedia.org/wiki/Marta_H... erst postum berühmt.

Berlin – die Front rückt näher. Angst macht sich breit vor dem, was kommt. Die Tagebuchschreiberin war vor dem Krieg weitgereist, ist belesen, arbeitete journalistisch und als Fotografin. Ausgebombt lebt sie in der Wohnung eines früheren Kollegen. Hunger plagt die Menschen und die Suche nach Verwertbarem. „Jetzt gehört alles allen. Man ist nur noch lose mit den Dingen verbunden, unterscheidet nicht mehr klar zwischen eigenem und fremdem Besitz.“ S. 7
In der Öffentlichkeit häufen sich Geschichten über Vergewaltigungen, eine Flucht gen Westen wird dennoch von der Autorin ausgeschlossen, um nicht beschossen zu werden oder unterwegs zu verhungern. Komisch sind die Beschreibungen der Situation im Schutzkeller "Mir gegenüber, in Decken eingewickelt, ein fiebrig schwitzender älterer Herr, Kaufmann von Beruf. Ihm zu Seite seine Gattin, die hamburgisch s-pitz s-pricht, und die achtzehnjährige Tochter, ausgerechnet S-tinchen gerufen.“ S. 12 Die Lage ist ernst: Der erste Deserteur erscheint im Keller. Ein als Verräter aufgeknüpfter Soldat. Eine Beerdigung im Besenschrank. Die Mutter eines 8 Wochen alten Säuglings hat keine Milch mehr. Anonyma ist präzise Beschreiberin der Situation. „Sonderbare Zeit. Man erlebt Geschichte aus erster Hand, Dinge, von denen später zu singen und zu sagen sein wird. Doch in der Nähe lösen sie sich in Bürden und Ängste auf. Geschichte ist sehr lästig.“ S. 20

Dann kommen die gefürchteten Russen. Es bleibt zuerst friedlich. Die Tagebuchschreiberin wirft ihre geringen Russischkenntnisse in die Wagschale, wird dadurch exponiert, oft bei Problemen herangezogen. Es schützt sie nicht vor Vergewaltigungen. Die Grenzen verschwimmen, bald schreibt sie von „Essen anschlafen“, sucht gezielt nach einem Offizier: „Hier muss ein Wolf her, der mir die Wölfe vom Leib hält“ S. 58. Lakonisch reichen sich die Frauen zwischendurch die Dose mit Vaseline weiter.

Und die wenigen Männer? Sie tun fast nie etwas für die Frauen. Sie profitieren vom erhaltenen Essen, ignorieren, unter welchen Bedingungen es von den Russen gebracht wurde. Sie schauen weg. Sie fordern Opfer zum Wohle aller. Für den „Schändungszynismus“ finden sie keinen Umgang. Und Anonyma verliert generell die Achtung.

Warum dieses Buch bei der Erstveröffentlichung so abgelehnt wurde als „Beschmutzung der Ehre der deutschen Frau“, kann ich mir nur erklären mit einer Entlarvung der Männer, die vorher hübsch weggesehen hatten. Das Buch macht die Nöte der Frauen klar, die nur selten die Wahl hatten – Gewalt oder Zwangsprostitution, oder seltener ein Versteck, wenn es denn jemanden gab, der für die Versorgung einstand. Allerdings muss ich selbst dazu sagen, dass die Opfer unter der Zivilbevölkerung, vornehmlich der Frauen, lange Zeit kein Thema waren. Noch aus den 80er Jahren kannte ich das Thema der systematischen Massenvergewaltigungen durch die Siegermächte nicht. Auch, dass es bei weitem nicht nur Täter aus der Sowjetunion, sondern auch bei den West-Alliierten gab, hat dann nochmals etwas länger gebraucht, um den Weg in die Öffentlichkeit zu finden. https://de.wikipedia.org/wiki/Sexuell... - zu der Zeit gab es dann durchaus oft auch die Meinung, dass diese Gewalt aufgrund der deutschen Taten gerechtfertigt gewesen sein. Marta Hillers ist hier differenzierter, erkennt die Unterschiede zwischen einfachen Soldaten und Gebildeten, zwischen überzeugten Kommunisten, halben Kindern, Verliebten, Ehrenmännern und Demütigern, in einer Tiefe, die mich zur Hochachtung zwingt. Russenhass kann ich nicht erkennen, dafür aber Einsicht in kulturelle Unterschiede.

Mich hat der nüchterne analysierende Stil beeindruckt, dem alles Reißerische fehlt. „Erstarrung. Nicht Ekel, bloß Kälte. Das Rückgrat gefriert, eisige Schwindel kreisen um den Hinterkopf. Ich fühle mich gleiten und fallen, tief, durch die Kissen und die Dielen hindurch. In den Boden versinken – so ist das also.“

Was mich einzig stört an fast allen diesen Berichten: sie handeln fast ausschließlich in den Großstädten oder auf der Flucht. Ich konnte früher die Berichte meiner Großmutter, Jahrgang 1918, nicht damit in Einklang bringen: Verdunklung ja, Bombenabwürfe nein, Knappheit ja, Hunger nein. Wie sie, wohnten viele Menschen ländlich, hatten Gärten zum Anbau, in Kleinstädten und Dörfern fernab von Industrie oder irgendetwas, das sich zu bombardieren angeboten hätte. Diese Realität fehlt in der Breite der Publikationen – das kann man aber natürlich nicht der Autorin anlasten.

Eindrucksvoll. 5 Sterne.

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