Cover-Bild Der Hamlet und die Schokolinse
10,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Schardt, M
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 146
  • Ersterscheinung: 09.2019
  • ISBN: 9783961522064
Bernd Mannhardt

Der Hamlet und die Schokolinse

Vom Kindsein und Schreiben
Als Dreikäsehoch wird Mannhardt oft bei den Großeltern geparkt, die im Neuköllner Kiez wohnen. Von ebendort schwärmt er nun gedanklich aus zu Stationen seines Lebens, die für die spätere Schriftstellerei prägend sind. Herausgekommen sind Geschichten, die vom »erzählenden Ursatz« des Kindes über die »Brachial-Lyrik« des Schülers bis hin zu den »launigen Kriminalromanen« des Erwachsenen reichen. Die Gedanken laufen dabei über einen Querfeldein-Parcours: Kein Weg der Erinnerung ist geradlinig im Niemandsland zwischen Wahrheit und Dichtung.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.09.2019

Neukölln, Mietskaserne, HInterhaus - Kindheit in den 1960er Jahren

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Bernd Mannhardt ist den meisten von uns als Schöpfer des KHK Hajo Freisal und dessen Assistentin Yasemin Gutzeit bekannt. Diesmal plaudert er aus dem Nähkästchen und in seinen Kindheitserinnerungen als ...

Bernd Mannhardt ist den meisten von uns als Schöpfer des KHK Hajo Freisal und dessen Assistentin Yasemin Gutzeit bekannt. Diesmal plaudert er aus dem Nähkästchen und in seinen Kindheitserinnerungen als Dreikäsehoch in den 1960er Jahren.

Seine ersten Eindrücke sind eine Eintopf kochende Großmutter und ein eher unkonventioneller Opa, der manchmal die Spüle für andere Zwecke missbraucht. Das alles spielt sich in einer Mietskaserne „Altbau, Hinterhaus, erste Etage links“ in Berlin-Neukölln ab.

Gemeinsam lernen wir „Hamlet“ kennen, jenen schwarz/weiß Fernseher mit Nussholzfurnier, der wohl zu jener Zeit in beinahe jedem Haushalt gestanden ist.

Wir teilen so manche Erinnerung an eine unbeschwerte Kindheit und Freiheit, die es heutzutage für die Kids nicht mehr gibt. Querfeldein alleine durch die Straßen eilen? Ohne das andauernde Tracking durch ein Mobiltelefon? Heute völlig unmöglich, damals ganz normal mangels Überwachungs- und Ortungsgerät. Man war froh, einen Festnetzanschluss zu haben.

Die Episode mit dem Pfeilschuss, der beinahe ins Auge ging, hat mich kurz die Luft anhalten lassen.

Ein wenig später erleben wir die ersten frühen schriftstellerischen Ergüsse. Froh bin ich, dass es mit der Sangeskarriere nichts geworden ist. Als Autor finde ich Bernd Mannhardt echt klasse.

Mit viel Humor und Selbstironie nimmt mich Bernd Mannhardt in sechs Kapiteln auf die Reise in seine (und auch meine) Vergangenheit mit. In eine Zeit, als Musik aus dem Radio oder vom Plattenspieler kam. Sehr aufschlussreich ist auch die beinahe kriminelle Ader des werten Herrn Autors. DAS habe ich mich nie getraut. Nun kann er ja als Krimi-Autor seinen Neigungen ungestraft, ja sogar bezahlt, nachgehen.

Den „Hamlet“ gibt es nicht mehr, Schokolinsen schon und hoffentlich bald einen neuen Krimi aus der Feder unseres verehrten Autors.

Fazit:

Ich habe mich herrlich amüsiert und ein wenig wehmütig an die eigene Kindheit und Jugend zurückgedacht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.09.2019

die gute alte Zeit

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Der Autor nimmt seine Leser in sechs kurzweiligen Erzählungen mit auf eine Reise durch seine Kindheit. Da war die Zeit, die er als Dreikäsehoch bei seinen Großeltern in Neukölln verbrachte. Damit verbunden ...

Der Autor nimmt seine Leser in sechs kurzweiligen Erzählungen mit auf eine Reise durch seine Kindheit. Da war die Zeit, die er als Dreikäsehoch bei seinen Großeltern in Neukölln verbrachte. Damit verbunden die Erinnerung, dass der Eintopf mit jedem Aufwärmen besser schmeckt. Dann gab es die Gespräche mit dem Großvater über Gott und die Welt.
Weitere Episoden schließen sich an. Es war die Zeit wo Musik noch aus dem Radi und von der LP kam, wie auch die Zeit als Handy noch ein Fremdwort war. Leser gleichen oder ähnlichen Alters werden hier viele Anknüpfungspunkte finden.

Bernd Mannhard beschreibt die Zeit mit viel hintergründigem Humor. Eingebettet in die Geschichte ist einer der Texte des Autors.
Darin finden sich viele manchmal unerwartete Pointen.

Ich kann hier von einem Buch sprechen, dass mir gut gefallen hat, und viele Erinnerungen weckte.

Veröffentlicht am 17.09.2019

Humorvoll erzählt

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„...Ich könnte, ein Sprichwort zitierend, auch sagen: Unterm Strich hat die Großmutter aus der Not eine Tugend gemacht. Denn je öfter sie das Mittagessen erwärmte, desto besser schmeckte es ...“

In sechs ...

„...Ich könnte, ein Sprichwort zitierend, auch sagen: Unterm Strich hat die Großmutter aus der Not eine Tugend gemacht. Denn je öfter sie das Mittagessen erwärmte, desto besser schmeckte es ...“

In sechs Erzählungen nimmt mich der Autor mit in seine Kindheit. Dadurch erlaubt er mir auch einen Blick in die Befindlichkeiten der 60er Jahre. Es war eine Zeit, in der man aus dem wenigen Vorhandenen das Beste machte.
Das Buch ist keine logische Abfolge von Erinnerungen. An manchen Stellen ähnelt es der Suche nach der Vergangenheit. Selbst offene Fragen werden angesprochen.
Natürlich stehen Dinge im Mittelpunkt, die die Kindheit geprägt haben. Das waren unter anderen die Besuche bei den Großeltern übers Wochenende. Großmutters Küche blieb ebenso in Erinnerung wie die Spaziergänge und die Gespräche mit dem Großvater.
Der Schriftstil ist von einem feinen Humor geprägt. Das klingt dann so:

„...Hätte mir mal einer vorher erklärt, wie man die Kugel zu werfen hat, dann wäre das Malheur auch nicht passiert...“

Sein Bruder hatte beim Boccia-Spiel die Kugel an den Kopf bekommen.
Amüsant sind auch die Teile, in denen der Autor sein Tun mit den Krebs, seinem Sternbild begründet.

„...Er ist eines der gütigsten Tierkreiszeichen, freundlich, gefühlvoll und weich. Weniger blumig formuliert könnte man sagen: Der Junge hat nahe am Wasser gebaut...“

Im Ablauf des Geschehens werden die positiven und negativen Erfahrung mit Schule und Lernen gestreift, Kinderstreiche erwähnt und jugendlicher Übermut dargestellt.
Erste Schreibversuche finden Eingang in die Geschichte. Niederlagen werden nicht verschwiegen.
Das Besondere sind die Feinheiten, die gekonnt zwischen den Zeilen zu lesen sind. Dazu gehören politische Anspielungen:

„...Kennen Sie das, wenn Menschen versuchen, eine Autorität oder Fachkompetenz an den Tag zu legen, die ihnen, warum auch immer, nicht eigen ist, und dies dann in unfreiwillige Komik mündet? Aktuell beobachte ich das bei jenen Berufspolitkern, die gleich nach der Schule eine Funktionärskarriere hinlegen...“

Während beim Großvater trotz aller Zuneigung zum Enkel eine gewisse konsequente Erziehung zu beobachten ist, geschieht das beim Vater eher mit leichter Hand. Auf einen blauen Brief lautet seine Reaktion:

„...Geh den Lehrer mal nicht so auf die Nerven, sonst sieht er sich noch genötigt, weitere alberne Briefe zu schreiben...“

Eingebettet in die Erinnerungen ist einer der Texte des Autors. Der kursiv geschriebene Text fällt durch seine unerwartete Pointe auf.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Der Autor versteht es, mit Augenzwinkern und Leichtigkeit seine Geschichten zu erzählen.

Veröffentlicht am 11.09.2019

Hamlet in Neukölln

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Das war ein sehr amüsanter und unterhaltsamer Rückblick auf die Kindheit und Jugend des Berliner Autors in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Vieles erinnert den Leser derselben ...

Das war ein sehr amüsanter und unterhaltsamer Rückblick auf die Kindheit und Jugend des Berliner Autors in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Vieles erinnert den Leser derselben Altersgruppe an die eigenen, längst und viel zu schnell vergangenen Kinderjahre.
Mit einem verschmitzten Lächeln und oft einem Augenzwinkern berichtet Bernd Mannhardt schonungslos ehrlich über seine jungen Jahre.
Eine behütete Kindheit war es, gefolgt von einer recht abenteuerlichen Jugend. Zuerst von Oma und Opa unter die Fittiche genommen, folgt später mancher Streich mit den Jungen aus der Nachbarschaft.
Man erfährt nebenbei noch einiges aus der damaligen Zeit über das Leben der Bevölkerung in ihrem Berliner Kiez. So etwas ist immer wieder lesenswert und weckt alte Erinnerungen.
Vieles ist seitdem aus dem Alltag verschwunden- leider oder zum Glück. Längst gibt es nur noch Farbfernseher, und ein eigenes Badezimmer in jeder Wohnung ist selbstverständlich. Aber die Schokolinse, die hat bis heute überlebt. Ich bin froh darüber.

Veröffentlicht am 12.09.2019

„Vom Kindsein und Schreiben“ …

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… erzählt Bernd Mannhardt in seinem erst vor kurzem erschienenen autobiografischen Buch. Kindsein im Berliner Kiez Neukölln der 60er und 70er Jahre, das bedeutet für den Autor eine harmonische, behütete ...

… erzählt Bernd Mannhardt in seinem erst vor kurzem erschienenen autobiografischen Buch. Kindsein im Berliner Kiez Neukölln der 60er und 70er Jahre, das bedeutet für den Autor eine harmonische, behütete Kindheit, an den Wochenenden überwacht von der Eintopf kochenden Oma und dem unkonventionellen Opa. In ihrer kleinen Wohnung einer Mietskaserne „Altbau, Hinterhaus, erste Etage links“ hat er Geborgenheit empfunden und eine Menge Erfahrungen gesammelt: sowohl existentielle fürs Leben als auch nicht unbedingt wichtige, wie etwa den „Charlottenburger“.
Liebevoll und mit viel Humor lässt Mannhardt seine Erinnerungen an schöne und weniger gute Tage aufleben. In mehreren kurzen Kapiteln laufen seine „…Gedanken … über einen Querfeldein-Parcours, und kein Weg der Erinnerung ist geradlinig im Niemandsland zwischen Wahrheit und Dichtung.“ So erfährt der Leser, der auch immer wieder direkt angesprochen wird, in launiger Weise von der Entstehung des ersten eigenständig geschriebenen Satzes, inspiriert von Großvaters Fernseher namens „Hamlet“. Weitere Verbindungen werden hergestellt zwischen biografischem Erleben und dem späteren schriftstellerischen Werdegang; sie reichen vom ersten Liebesbrief über Weltschmerzreime der Pubertät bis hin zu ersten Versuchen als Romanautor. Dabei fügt Mannhardt auch unangenehme Erinnerungen ein, die ansonsten ja gerne ausgeblendet werden, und spart dabei nicht an (Selbst-)Ironie.
„Der Hamlet und die Schokolinse“ - eine fröhlich-nachdenkliche Lektüre mit Nostalgiefaktor.