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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2025

Mord und Humor

Very Bad Widows
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Schwer zu beschreiben – auf der einen Seite hat mir der schwarze Humor gut gefallen, auf der anderen Seite kam mir die kriminelle Energie deutlich zu kurz.

Die Grundidee, die Rente aufzubessern, indem ...

Schwer zu beschreiben – auf der einen Seite hat mir der schwarze Humor gut gefallen, auf der anderen Seite kam mir die kriminelle Energie deutlich zu kurz.

Die Grundidee, die Rente aufzubessern, indem die Ehemänner mithilfe eines Auftragsmörders beseitigt werden, hat Potenzial. Allerdings verläuft der Plan der Damen nicht wie gewünscht. Leider hat es für meinen Geschmack zu lange gedauert, bis überhaupt ein Gefühl für Kriminalität oder Spannung aufkam. Auch die emotionalen Beweggründe der Frauen blieben mir zu vage. Man bringt doch nicht einfach seinen Ehemann um, nur weil er beispielsweise das Essen der Ehefrau gegessen hat – das wirkte auf mich naiv und unglaubwürdig. Hier hätte ich mir deutlich mehr Tiefe und emotionale Auseinandersetzung gewünscht.

Die einzige Figur, die mir wirklich sympathisch war, war die indische Casinochefin mit ihren drückenden Schuhen. Das war menschlich, nachvollziehbar und charmant. Für mich war sie von der ersten Seite an die Hauptfigur – ich finde, sie hätte ihr eigenes Buch verdient.

Die anderen Damen blieben für mich hingegen eher blass. Außerdem empfand ich das Buch insgesamt als zu lang. Eine gestraffte, kompaktere Erzählweise hätte der Geschichte gutgetan.

Trotz dieser Schwächen vergebe ich vier Sterne – hauptsächlich wegen des gelungenen schwarzen Humors und des schönen Covers, das mich optisch sehr angesprochen hat.

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Veröffentlicht am 24.05.2025

Ein Sommer auf Mallorca

Das Versprechen eines Sommertags
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In dem Roman steht eine Ehe kurz vor dem Aus – doch noch weiß es niemand außer dem Paar selbst. Um den äußeren Schein zu wahren, verbringen die Protagonistin und ihr Ehemann gemeinsam mit den Kindern einen ...

In dem Roman steht eine Ehe kurz vor dem Aus – doch noch weiß es niemand außer dem Paar selbst. Um den äußeren Schein zu wahren, verbringen die Protagonistin und ihr Ehemann gemeinsam mit den Kindern einen Sommerurlaub auf der Finca der Eltern auf Mallorca. Die angespannte Atmosphäre zwischen den Ehepartnern wird dabei von den Großeltern und Kindern kaum bemerkt, denn nach außen hin bemühen sich beide um Normalität.

Während der Mann zunehmend distanziert und teilnahmslos erscheint – sowohl gegenüber seiner Frau als auch den gemeinsamen Kindern –, trägt die Frau schwer an der inneren Zerrissenheit zwischen familiären Verpflichtungen und persönlichem Unglück. Inmitten dieser angespannten Konstellation tritt ein Mann aus der Vergangenheit in Erscheinung – eine alte Sommerliebe der Protagonistin, deren plötzliches Auftauchen auf der elterlichen Finca Fragen aufwirft und alte Gefühle neu entfacht.

Der Roman zeichnet ein vielschichtiges Bild einer Familie am Wendepunkt. Er thematisiert unterdrückte Konflikte, emotionale Entfremdung, die Suche nach Sinn und Nähe sowie die Rolle von Erinnerungen und verpassten Chancen. Vor dem sommerlichen Hintergrund Mallorcas entfaltet sich eine Geschichte, die alltägliche Beziehungsthemen mit leisen Tönen behandelt – und dabei die Frage stellt, wie lange sich ein brüchiges Familienkonstrukt aufrechterhalten lässt, ohne daran zu zerbrechen.

Mit einem Fokus auf zwischenmenschliche Dynamiken und innerfamiliäre Spannungen richtet sich das Buch an Leserinnen und Leser, die sich für realitätsnahe, psychologisch gezeichnete Figuren und Themen aus dem Beziehungsalltag interessieren.

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Veröffentlicht am 11.05.2025

Wien nach dem Krieg

Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung
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Stella ist Jüdin und flieht während des Zweiten Weltkriegs nach London. Durch diese Flucht kann sie den schlimmsten Konsequenzen des Krieges entkommen. Ihrer Familie jedoch bleibt dieses Schicksal verwehrt ...

Stella ist Jüdin und flieht während des Zweiten Weltkriegs nach London. Durch diese Flucht kann sie den schlimmsten Konsequenzen des Krieges entkommen. Ihrer Familie jedoch bleibt dieses Schicksal verwehrt – alle Angehörigen werden in Konzentrationslagern ermordet. Nach Kriegsende kehrt Stella nach Wien zurück, eine Stadt, die in Trümmern liegt.

Sie nimmt eine Stelle als Lehrerin für Deutsch und Englisch an. Doch die Rückkehr in den Berufsalltag ist alles andere als einfach. Stella liebt Literatur, insbesondere jene Bücher, die während des Krieges verboten waren. Ihre Leidenschaft für Bildung und Kultur steht im Kontrast zur Realität: Viele Lehrkräfte haben ihre nationalsozialistische Gesinnung nicht abgelegt, was die Situation zusätzlich erschwert.

Stella ist innerlich zerrissen – sie schwankt zwischen der schmerzhaften Vergangenheit und der Gegenwart. Obwohl ihr einige Menschen wohlgesonnen sind, begegnet sie vielen Widerständen und Unverständnis. Hier liegt für mich auch der größte Schwachpunkt des Buches: Die inneren Konflikte, Erinnerungen und emotionalen Belastungen werden meiner Meinung nach zu oberflächlich behandelt. Ich hatte mir eine tiefere, empathischere Auseinandersetzung mit Stellas Gefühlswelt gewünscht.

Dennoch bin ich nicht enttäuscht. Der Roman lässt sich flüssig lesen, die Hauptfiguren wirken sympathisch, und insbesondere Stellas Engagement für die Pädagogik finde ich sehr gelungen. Das zentrale Thema – die Verarbeitung der NS-Zeit – bleibt leider zu knapp, obwohl es von so großer Bedeutung ist.

Insgesamt schwanke ich zwischen drei und vier Sternen, entscheide mich aber für vier Sterne, da der Erzählstil überzeugend ist und das Buch trotz Schwächen eine wichtige Geschichte erzählt.

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Schwierig

Hier draußen
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Das Buch lebt von der Erzählung über das Landleben – und ja, ich mag das Landleben. Doch sind die Menschen dort wirklich so anders? Meiner Meinung nach nicht. Sie nutzen moderne Technik, steuern ihre landwirtschaftlichen ...

Das Buch lebt von der Erzählung über das Landleben – und ja, ich mag das Landleben. Doch sind die Menschen dort wirklich so anders? Meiner Meinung nach nicht. Sie nutzen moderne Technik, steuern ihre landwirtschaftlichen Betriebe mit Computerprogrammen und sind in vielerlei Hinsicht genauso fortschrittlich wie Stadtbewohner.

Findet man auf dem Land leichter gute Freunde? Wahrscheinlich nicht. Aber ist es in der Stadt besser? Ich denke nicht. Natürlich ist es auf dem Land oft ruhiger, und längere Anfahrtswege oder fehlende öffentliche Verkehrsmittel können eine Herausforderung sein. Doch letztendlich zählt, dass jeder selbst entscheidet, wo er leben möchte.

In diesem Buch geht es um das Landleben – und um eine weiße Hirschkuh, deren Tod laut Aberglauben Unheil bringt. Die Grundidee des Romans gefällt mir sehr, insbesondere weil die Geschichte unaufgeregt erzählt wird. Allerdings empfand ich den Erzählstil als zu langatmig. Die vielen Seiten, die es braucht, um sich von der ruhigen Handlung tragen zu lassen, waren für mich der Grund, warum ich das Buch nur mit drei Sternen bewerte. Eine kürzere, prägnantere Erzählweise hätte mir besser gefallen.

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Veröffentlicht am 23.01.2025

Thriller ??

Die Schanze
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Ob der Roman tatsächlich als Thriller einzuordnen ist, bleibt offen. Allerdings spielt ein Mord eine zentrale Rolle, was zunächst den Eindruck eines klassischen Krimis vermittelt. Erwartet hatte ich jedoch ...

Ob der Roman tatsächlich als Thriller einzuordnen ist, bleibt offen. Allerdings spielt ein Mord eine zentrale Rolle, was zunächst den Eindruck eines klassischen Krimis vermittelt. Erwartet hatte ich jedoch mehr Einblicke in die polizeiliche Ermittlungsarbeit, die hier kaum thematisiert wird. Stattdessen liegt der Fokus auf der Aufarbeitung von Vergangenheitskonflikten, die den Kern der Handlung ausmachen.

Die Hauptfigur Ellen trägt ein schwerwiegendes Trauma mit sich, das sie im Verlauf der Geschichte immer wieder dazu bringt, sich selbst durch Schnitte Schmerzen zuzufügen. Diese Thematik wird eindringlich behandelt und verleiht dem Roman eine tiefere psychologische Ebene.

Die Kapitelgestaltung fällt insgesamt recht knapp aus, was dazu führt, dass man sich als Leser gerade in ein Kapitel einfühlt, bevor es abrupt endet. Eine ausführlichere Darstellung hätte hier mehr Tiefe und Intensität schaffen können.

Die Darstellung der Dorfgemeinschaft ist facettenreich. Jede Figur wird mit einem eigenen, teils außergewöhnlichen Leben skizziert, was dem Roman einen besonderen Reiz verleiht. Dennoch bleibt die Frage, warum Ellen nicht in Hamburg geblieben ist, wo ihre persönliche Heilung möglicherweise besser vorangeschritten wäre. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Rückkehr in die Heimat ein wichtiger und mutiger Schritt ist, der die Grundlage für die Handlung bildet.

Insgesamt handelt es sich um einen lesenswerten Roman, der zur Reflexion über Themen wie Heimat, Traumabewältigung und persönliche Entwicklung anregt. Ich empfehle ihn gerne weiter.

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