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Veröffentlicht am 06.11.2025

Erster Gerichtsauftritt von Eddie Flynn

Zu wenig Zeit zum Sterben
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Wenn man vor dem Job als Anwalt schon als erfolgreicher Trickbetrüger unterwegs war, kann das durchaus von Vorteil sein. Diese Erfahrung hat Eddie Flynn schon öfter gemacht, aber nie waren seine vielseitigen ...

Wenn man vor dem Job als Anwalt schon als erfolgreicher Trickbetrüger unterwegs war, kann das durchaus von Vorteil sein. Diese Erfahrung hat Eddie Flynn schon öfter gemacht, aber nie waren seine vielseitigen Fähigkeiten und Kontakte zu fragwürdigen Zeitgenossen so wichtig wie jetzt: Seine kleine Tochter wurde entführt und kommt nur frei, wenn Eddie die Verteidigung von Mafiaboss Olek Volchek übernimmt. Volchek muss einen Zeugen aus dem Weg räumen, um einer Verurteilung zu entgehen, diesen Auftrag soll Eddie erledigen - im Gericht.

Der Reihenauftakt hat mir gut gefallen. Ich kenne bereits den dritten Teil "Thirteen", der unheimlich spannend war. Auch der erste Fall von Anwalt Flynn punktet mit einer dramatischen Geschichte, die sich unter Zeitdruck abspielt. Durch die Ich-Perspektive ist man ganz dicht am Geschehen und fiebert mit Eddie mit, der immer wieder durch überraschende Einfälle punkten kann. Interessant sind Gerichtsthriller, weil es im us-amerikanischen Justizsystem so viel Unbekanntes gibt und man mit verblüffenden Tatsachen, Gesetzen und Ausnahmen konfrontiert wird. Der findige Anwalt gehört aber unbedingt dazu, denn er kippt eine scheinbar klare und eindeutige Aussage durch wenige geschickte Fragen und der Zeuge wird demontiert. Da der irische Autor Steve Cavanagh selbst Jura studiert hat, kann er auf eigene Erfahrungen zurückgreifen.

Die Serie um den trickreichen Eddie Flynn aus NYC kann ich allen Fans von Gerichtsthriller sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Wahnsinnige mit bürgerlicher Fassade

Echtzeitalter
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Till ist ein durchschnittlicher Schüler am Marianum in Wien. In seiner knappen Freizeit ist er außerdem erfolgreicher Gamer. Wie geht das zusammen? Eigentlich gar nicht und doch ganz gut. Während er und ...

Till ist ein durchschnittlicher Schüler am Marianum in Wien. In seiner knappen Freizeit ist er außerdem erfolgreicher Gamer. Wie geht das zusammen? Eigentlich gar nicht und doch ganz gut. Während er und seine Mitschüler:innen sich vom strengen Klassenvorstand Herrn Professor Dolinar drangsalieren lassen müssen, wartet zuhause sein Spiel auf ihn, das er in Echtzeit mit anderen Gamern auf der ganzen Welt spielt.

Ich habe einen Großteil des Buches gehört, das unglaublich charmant von Johannes Nussbaum gelesen wird, der es versteht, die Schüler und vor allem den schrecklichen Dolinar mit seiner Stimme lebendig werden zu lassen. Da viel österreichischer Slang vorkommt und andererseits auch die Wiener Elite spricht (und kritisiert wird), passt es einfach wahnsinnig gut, dass die Geschichte in österreichischem Deutsch bzw. österreichischer Hochsprache gesprochen wird. Die feinen Unterschiede würden beim Selbstlesen nicht so hervortreten. Gerade die nahezu absurden, oftmals hektischen Situationen in der Schule sind dadurch noch humorvoller.

Mir hat es riesigen Spaß gemacht, das nicht immer einfache Erwachsenwerden von Till in seiner wechselvollen Umgebung, zwischen Rauchereck und Informatikkammerl, für einige Jahre (bis zum Schulabschluss) zu begleiten. Die Szenen, in denen das Gaming und vor allem das von Till so geliebte Spiel "Age of Empires 2" erläutert werden, halten sich erfreulicherweise in Grenzen. Und wer es bisher versäumt hat, Stifters Brigitte - äh - Brigitta zu lesen, wird es nach Echtzeitalter nachholen wollen und sich anschaffen, aber natürlich nur als Reclamheft.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Die verschwundenen Kinder

Der Gott des Waldes
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Ja, auch mir hat der Roman sehr gut gefallen. Die Geschichte der Familie Van Laar, die hoch privilegiert u.a. ein Feriencamp für Kinder betreibt. Der geliebte Sohn Bear verschwand vor 14 Jahren spurlos ...

Ja, auch mir hat der Roman sehr gut gefallen. Die Geschichte der Familie Van Laar, die hoch privilegiert u.a. ein Feriencamp für Kinder betreibt. Der geliebte Sohn Bear verschwand vor 14 Jahren spurlos in dem in den Adirondack Mountains im Staat New York gelegenen Camp. Heute - im Roman das Jahr 1975 - verschwindet auch seine Schwester Barbara, die aufmüpfige 13-Jährige, die immer im Schatten des vermissten Bruders gelebt hat.

Immer wieder springt die Handlung in der Zeit hin und her und wechselt auch die Perspektive. Das macht die Geschichte spannend und meistens kurzweilig. Die Autorin schreibt so eindringlich, dass man einfach weiterlesen muss. Mehrere Fäden und Lebensläufe steuern auf einander und auf die Auflösung zu.

Mir hat vor allem auch die Camp-Atmosphäre sehr gut gefallen. Das Setting, das mich früher in Filmen schon fasziniert hat, ist so typisch amerikanisch, das gibt es nirgendwo sonst. Die Autorin hat nicht nur einen spannenden Roman geschrieben, sondern spart auch nicht mit gesellschaftskritischen Aspekten. Die eine oder andere Sache war nicht ganz logisch, hat aber der Dramaturgie geholfen. Es hätten auch ein paar Seiten weniger sein können, aber das ist mein persönliches Empfinden. Ich habe den Roman an zwei Tagen gelesen und konnte ihn kaum weglegen, das muss ein Buch erstmal schaffen.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Gretas Vergangenheit

Stay away from Gretchen
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Flucht und Vertreibung aus dem Osten, vermisster Vater, die Angst vor den russischen Soldaten, die Ankunft im Westen als unliebsame Flüchtlinge. Das alles hat die kleine Greta hinter sich gebracht, als ...

Flucht und Vertreibung aus dem Osten, vermisster Vater, die Angst vor den russischen Soldaten, die Ankunft im Westen als unliebsame Flüchtlinge. Das alles hat die kleine Greta hinter sich gebracht, als sie mit ihrer Familie in Heidelberg ankommt. Das ist auch in etwa das, was ihr Sohn Tom, berühmter und beliebter Nachrichtenmoderator im Fernsehen, von seiner mittlerweile hoch betagten Mutter weiß. Als Gretas Demenz immer stärker zu Tage tritt, kommt aber ein Teil ihrer Biografie ans Licht, von der Tom nicht die mindeste Ahnung hatte und dieser Teil hat mit Bob zu tun, einem Schwarzen Soldaten der US-Armee.

Sehr gut aufgebaute und spannende Unterhaltungsliteratur hat Susanne Abel hier geschrieben. Gegenwart und Vergangenheit werden im Wechsel erzählt. Einerseits von Tom, dem gestressten und teilweise unfreiwillig komischen Starmoderator, der nicht glauben kann, was die Recherchen seiner Kollegin über Gretas Vergangenheit an die Oberfläche fördern und andererseits von der Flucht- und Lebensgeschichte Gretas, einem sehr starken Charakter. In der Gegenwart immer noch mit viel Witz und Willenskraft gesegnet, geht der Protagonistin aber langsam die Erinnerung verloren.

Ich habe mich durch diesen Roman sehr gut unterhalten gefühlt, der alles mitbringt, um völlig in die Geschichte einzutauchen. Neben den gelungenen und glaubhaften Charakteren, dem angenehmen Schreibstil ist es natürlich auch das Thema, das zu fesseln vermag. Der Roman punktet mit guter Recherchearbeit und der Aufarbeitung eines bisher wenig bekannten Aspektes des jungen Nachkriegsdeutschlands, das Traumata auf beiden Seiten des Atlantik zurückließ.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Der Feuerwehrmann

Fahrenheit 451
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Auf der Basis seiner Novelle "The Fire Man" entstand dieser Klassiker der dystopischen Literatur. Guy Montag ist Feuerwehrmann, der mit seiner Einheit keine Feuer bekämpft, sondern Feuer legt. Alles Unliebsame ...

Auf der Basis seiner Novelle "The Fire Man" entstand dieser Klassiker der dystopischen Literatur. Guy Montag ist Feuerwehrmann, der mit seiner Einheit keine Feuer bekämpft, sondern Feuer legt. Alles Unliebsame wird verbrannt, vor allem Bücher. Bei einer Temperatur von 451 Fahrenheit fängt Bücherpapier Feuer und verbrennt. Bücher sind schon lange verboten - und viele andere Dinge auch. "... diese Art von Geselligkeit missfiel ihnen. Die Leute redeten zu viel, und sie hatten Zeit zum Nachdenken. So wurde die Veranda abgeschafft. Die Gärten übrigens auch. Es gibt nicht mehr viele Gärten, in denen man herumsitzen kann. Und dann die Möbel! Schaukelstühle gibt es nicht mehr. Die waren zu bequem." (S. 76)

Die Begegnung mit Clarisse und ihre Gedanken bringen Guy aus dem Tritt. Plötzlich beginn er seinen Job zu hinterfragen und noch vieles mehr. Bei einer Hausverbrennung schafft er ein Buch zur Seite, aber der Staat hat seine Augen überall.

In diesem Roman von 1953 nimmt Bradbury vieles vorweg, zum Beispiel die komplexe Berieselung und komplette Abhängigkeit durch das Fernsehen. Die Fernsehprogramme werden individuell auf den Zuschauer zugeschnitten, sprechen ihn mit Namen an und werden zur Ersatzfamilie. Auf nicht einmal 200 Seiten wird eine Zukunft aufgezeigt, die heute in Teilen Gegenwart ist. Bradbury zeigt aber auch, wie sich Risse in dieser Gesellschaft auftun, die durch Medienkonsum vom Denken abgehalten wird. Bücher sind die Staatsfeinde Nummer 1. Allerdings kommt die Betäubung der Massen von Innen; die Mediensucht, die Verdrängung alles Kritischen ist selbst gewählt.

Ein wirklich spannender und faszinierender Roman und eine bereichernde Lektüre.

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