Cover-Bild Treppe aus Papier
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23,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Blessing
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: allgemein und literarisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 224
  • Ersterscheinung: 20.08.2025
  • ISBN: 9783896677785
Henrik Szántó

Treppe aus Papier

»Eine echte Entdeckung.« NDR Kultur
Die Geschichte eines Hauses und der Menschen, die es bewohnen: von der NS-Zeit bis heute, von Leben, Verantwortung und Erinnerung

Das alte Haus erzählt. Denn seine Mauern, Dielen und Ritzen bewahren die Erinnerungen an alle Menschen, die es jemals bewohnt haben. Schon als Kind hat Irma Thon mit ihren nazitreuen Eltern im ersten Stock gelebt. Während die 90-Jährige zurückblickt und immer wieder an die kleine Ruth Sternheim von damals denken muss, erfreuen sie die Gespräche mit Nele Bittner aus dem Vierten. Die Schülerin lernt für eine Geschichtsklausur und beginnt zu verstehen, dass die Vergangenheit nicht vergangen ist, sondern nur wenige Stufen entfernt.

»Szántós Sprache fließt durch dieses Haus und durch die Zeiten, klug und voller Details. Unbedingt lesen!« Markus Thielemann

»Dass die Echos der Geschichte überall sind, wenn man nur hinhört, zeigt dieser originelle Roman.» Raphaela Edelbauer

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.07.2025

Erinnerungen eines Hauses

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Nele bereitet einen Aufsatz vor, es geht um die Entstehung der BRD und die Zeit davor. Hilfe bekommt sie von Irma, einer 90jährigen Nachbarin, die bereits als Kind in dem Haus gelebt hat, zusammen mit ...

Nele bereitet einen Aufsatz vor, es geht um die Entstehung der BRD und die Zeit davor. Hilfe bekommt sie von Irma, einer 90jährigen Nachbarin, die bereits als Kind in dem Haus gelebt hat, zusammen mit ihren nazitreuen Eltern. Nele möchte mehr darüber erfahren, aber ihre Eltern sind nicht bereit, mit ihr über vergangene Zeiten zu sprechen, geschweige denn, sich mit Schuld oder Unschuld der eigenen Familie an den damaligen Ereignissen auseinanderzusetzen.

»Wenn die Bomben kommen, verlassen alle das Haus, wie sie es taten, als sie fielen. Sie überließen das Vergangene sich selbst und bauten ohne Altlasten neu. So funktioniert Erinnerung. Wenn du frei entscheiden kannst, was du bewahrst und was nicht.« (Seite 218)

Ein Haus erzählt, seine Mauern, Wände, Flure atmen für mich, sprechen mich an und erzählen von der Gegenwart, aber auch von früher, von der grausamen Vergangenheit, die anfangs gar nicht so schlecht schien. Hier gibt es Fragen, die Antworten geben Geister, die durch die Räume gehen und den Staub vergangener Tage atmen, ohne dass ein Luftzug weht. Ein Haus erzählt und ich höre zu.

»Wir sehen dich schreiben, und deine Fragen verschwimmen mit den unseren. Im Chor der Jahrzehnte hallen sie aus den verschiedenen Ecken in uns. Es wird verstummt, es wird erzählt, beschwichtigt, erklärt. Gerechtfertigt und verdreht, gebeichtet und geplaudert.« (Seite 74)

Ein Haus, das seine Geschichte erzählt, über die Menschen, die in ihm wohnten, die ausgezogen sind, freiwillig oder mit Gewalt, die neu hinzukamen und blieben oder gingen. Diese Idee fand ich so spannend, dass ich es nicht erwarten konnte, das Buch zu lesen. Die Bewohner des Hauses damals im Vergleich mit denen heute, parallel erzählt, überlappend und manchmal sogar gleichzeitig; was sich kompliziert anhört, war es überhaupt nicht. Völlig in den Bann gezogen folgte ich der Geschichte, hörte zu, lächelte, spürte Angst, Trauer und Wut. Ich hätte gerne mehr Zeit verbracht im Haus, mit dem Haus zusammen den Geister nachgespürt. So aber schlage ich tief bewegt das Buch zu, sehe wie das Licht erlischt und bin einfach nur glücklich, dass ich dabei gewesen bin. Buchhighlight!

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Veröffentlicht am 12.07.2025

Leiser, aber eindrücklicher Roman

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„...Wir sind eine Summe aus Rohren, sind gestapelter Stein, verputzte Mauer, ein Labyrinth aus Wand und Decke, das in unserem Inneren jede Bedeutung verliert, wir sind Treppen und Toiletten, Fensterglas ...

„...Wir sind eine Summe aus Rohren, sind gestapelter Stein, verputzte Mauer, ein Labyrinth aus Wand und Decke, das in unserem Inneren jede Bedeutung verliert, wir sind Treppen und Toiletten, Fensterglas und Müllversorgung...“

Mit diesen Zeilen beginnt ein ungewöhnliches Buch. Hier erzählt ein Haus seine Geschichte, auf sehr leise und eindringliche Art. Übrigens: Das Zitat ist der Anfang eines Satzes, der sich über vier Seiten zieht. Das Haus ist also viel mehr.
Der Schriftstil hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Mal beschreibt er die Gegenwart, mal die Vergangenheit. An anderen Stellen verschwimmen Gegenwart und Vergangenheit oder wechseln alle zwei Sätze die Position.

„...Auf unserer Treppe ist immer Umzug, da wird stets eine neue Tür hoffnungsvoll aufgeschwungen oder die vertraute endgültig geschlossen...“

In der Gegenwart leben neben vielen anderen im Haus die 90jährige Irma und Nele, die kurz vor ihrem Abitur steht. Nele wird in wenigen Tagen eine Geschichtsklausur schreiben. Beide kommen ins Gespräch. Normalerweise gilt die folgende Regel, sarkastisch formuliert.

„...Nach der Klausur ist vor der Klausur, und mühsam gepaukte Fakten stehen direkt nach Abgabe im kognitiven Räumungsverkauf...“

Das aber gilt in diesem Fall nicht für Nele. Sie hinterfragt bei ihren Eltern die Vergangenheit der Großeltern. Doch sie erntet Schweigen. Als sie keine Ruhe gibt, drücken ihr die Eltern ein Fotoalbum in die Hand. Sie ahnen nicht, wie genau sich die junge Frau die Bilder anschuat.
Das Haus erinnert sich an die dunkle Zeit der Geschichte. Damals wuchs Irma hier auf. Ein Buch bestimmte, wie Kinder zu erziehen waren.

„...Lasst sie schreien, hieß es, das stärkt die Lunge. Trösten verdirbt den Charakter, sagt eine zur anderen. Bloß keinen Körperkontakt zum Kind, das verweichlicht...“

Die Handlung wirkt wie ein Sog, der einen nicht mehr loslässt. Nichts ist vergessen, jedoch vieles verdrängt. Manche Frage bleibt offen, aber das ist normal. Wer das Haus verlassen hat, ist nicht mehr greifbar. Nur wenige kehren nach Jahren zurück so wie Irma.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Hier wird Geschichte auf völlig neue Art erzählt. Das Buch bekommt von mir eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 12.07.2025

Erinnerung hat einen Ort, der hier erzählt

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Es gibt Bücher, die einen still begleiten. Leise, unaufgeregt, aber tief. „Treppe aus Papier“ von Henrik Szántó gehört für mich genau in diese Kategorie. Der Roman hat mich auf eine ganz eigene Weise berührt, ...

Es gibt Bücher, die einen still begleiten. Leise, unaufgeregt, aber tief. „Treppe aus Papier“ von Henrik Szántó gehört für mich genau in diese Kategorie. Der Roman hat mich auf eine ganz eigene Weise berührt, vielleicht gerade, weil er nicht laut ist, sondern nachhallt. Und weil er eine Frage stellt, die mich nicht mehr loslässt: Was würde ein Gebäude erzählen, wenn es könnte?
Die Entscheidung, das Haus selbst als Erzähler auftreten zu lassen, fand ich zunächst ungewohnt. Der Einstieg war für mich eher vorsichtig. Ich musste mich an diese raumbezogene, fast zeitlose Perspektive erst gewöhnen. Aber je weiter ich las, desto mehr ergab alles Sinn. Die Geschichte ist nicht linear. Vergangenheit und Gegenwart überlagern sich, verschränken sich an bestimmten Orten, wie in einem Echo, das durch die Wände klingt.
Besonders beeindruckt hat mich die Figur der Irma, als Kind im Nationalsozialismus groß geworden, mit all den Zwängen, den Schuldgefühlen, dem Schweigen. Und dann die Begegnung mit der 15-jährigen Nele, die heute mit ihren Eltern in der Wohnung lebt, die einst Ruth Sternheim gehörte, Irmas jüdischer Freundin. Diese generationsübergreifende Verbindung, dieses vorsichtige Annähern der beiden, das ist so feinfühlig erzählt, dass ich mehr als einmal schlucken musste.
Nele ist eine Figur, die ich sofort mochte. Klug, aufmerksam, unbequem, im besten Sinne. Ihre Fragen sind nicht naiv, sondern mutig. Und sie stellt sie dort, wo viele lieber schweigen würden, nämlich in der eigenen Familie. Die Ablehnung, die ihr da entgegenschlägt, hat mich wütend gemacht und gleichzeitig daran erinnert, wie schwer es manchmal noch heute ist, über die eigene Geschichte zu sprechen. Oder über das, was verschwiegen wurde.
Sprachlich ist das Buch etwas Besonderes. Kein übertriebener Pathos, kein pädagogischer Zeigefinger, stattdessen eine poetische, fast träumerische Sprache, die dennoch klar bleibt. Ich habe viele Stellen zweimal gelesen, weil sie in wenigen Sätzen so viel sagen. Es sind oft die kleinen Beobachtungen, die einen treffen. Eine Bewegung, ein Blick, ein Satz zwischen den Zeilen.
„Treppe aus Papier“ ist ein Buch über Erinnerung, über Verantwortung und über die Macht der Orte. Es zeigt, dass Geschichte nicht abgeschlossen ist, sondern weiterlebt, sich einschreibt in Wände, Böden, Menschen. Für mich war es nicht nur eine Lektüre, sondern eine Erfahrung. Und eine Einladung, eigene Fragen zu stellen an das, was war. Und an das, was daraus geworden ist.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Geschichte wird lebendig

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Ein Haus als Zeitzeuge deutscher Geschichte. Die Wände erspüren das in ihm wohnende Leben, berichten von Familien, die enteignet und denunziert wurden. Von Kindern, die gemaßregelt und nach Johanna Haarers' ...

Ein Haus als Zeitzeuge deutscher Geschichte. Die Wände erspüren das in ihm wohnende Leben, berichten von Familien, die enteignet und denunziert wurden. Von Kindern, die gemaßregelt und nach Johanna Haarers' menschenunwürdigen Regeln erzogen wurden. Dieses Haus ist ein Beobachter; in ihm verschwimmen Zeit und Raum und verweben sich zu einem Teppich aus Begebenheiten und gelebtem Leben.

Hausbewohnerin Irma hat die Nazizeit noch miterlebt. Ihre Eltern hatten zu verantworten, dass die Familie Sternheim, ehemals Besitzer des Hauses, vertrieben wurden. Die Schuld sitzt tief, als Irma im Hausflur Nele begegnet. Die junge Frau wächst ganz anders auf als Irma, die die Nazidogmen von ihrer Regimetreuen Mutter eingeprügelt bekommen hat. Die beiden ungleichen Frauen kommen ins Gespräch, Geschichte wird lebendig und verliert seine abstrakte Sprödigkeit.

Ich kann den Stil von Henrik Szántó nur bewundern. Das Haus als unbeteiligter Dritter führt den Leser nicht nur durch die Geschichte, sondern lässt ihn hin und her durch die Historie schwimmen, was einen tatsächlichen Lesefluss und Lebendigkeit erzeugt.
Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Es hat lediglich 221 Seiten, aber ich habe jede einzelne genossen.

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Empfehlung

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„Treppe aus Papier“ fasziniert mich, weil es Geschichte auf eine ungewöhnliche und tiefgehende Weise erzählt. Das Haus selbst wird zum Erzähler, es trägt Erinnerungen aus verschiedenen Generationen in ...

„Treppe aus Papier“ fasziniert mich, weil es Geschichte auf eine ungewöhnliche und tiefgehende Weise erzählt. Das Haus selbst wird zum Erzähler, es trägt Erinnerungen aus verschiedenen Generationen in seinen Mauern – als stummer Zeuge der Vergangenheit, die nie wirklich vergeht. Besonders bewegend ist die Begegnung zwischen Nele und Irma, in der alte Schuld und verdrängte Geschichten ans Licht kommen. Die Verzahnung von persönlichen Schicksalen und historischen Ereignissen macht das Buch zu einer intensiven, fast schon beklemmenden Lektüre