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Veröffentlicht am 17.07.2025

Fragile Psyche in fragiler Natur

Das Nest
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Diese Neuerscheinung transportiert eine ganz eigenen Atmosphäre: Mit wenigen Stilmitteln schafft es die Autorin beim Leser ein Gefühl der Bedrohung zu erzeugen. Durch die kalten Wetterlagen der Geschichte ...

Diese Neuerscheinung transportiert eine ganz eigenen Atmosphäre: Mit wenigen Stilmitteln schafft es die Autorin beim Leser ein Gefühl der Bedrohung zu erzeugen. Durch die kalten Wetterlagen der Geschichte und die eher düstere Stimmung meiner Ansicht nach ein perfektes Buch für zum Beispiel einen kalten Januar.

"Das Nest" spielt an der englischen Küste, genauer gesagt in und um eine Wohnwagensiedlung für Touristen. Fran hat in dieses Unternehmen investiert und lebt seitdem mit ihrem Mann und ihrem Sohn als Besitzerin und Verwalterin an der eher einsamen Küste. Frans Leidenschaft jedoch ist die Ornithologie. Sie ist nahezu immer auf der Suche nach Gelegenheiten, um die Vogelwelt zu beobachten. So ist das titelgebende Nest auch ein Vogelnest, welches kurzzeitig auch eine konkrete Rolle in diesem Roman erhält.

Aspekte eines Familienromans werden hier mit Aspekten eines Kriminalromans gemischt. Einmal sind es die Beziehungen der Menschen untereinander, einmal sind es konkrete strafrechtliche Vergehen, die diese düstere Stimmung erzeugen. Als Leser hatte ich rasch das Gefühl, niemand aus der ganzen Reihe von Protagonisten ist dort glücklich und nahezu niemand ist dort ehrlich. Aus den unterschiedlichsten Hintergründen ist dort nahezu jede Person direkt oder indirekt bedroht.

Einige Handlungen erschienen mir nicht wirklich logisch. Viele Verhaltensweisen der Personen konnte ich ebenfalls nicht recht nachvollziehen. Vielleicht greifen hier Emotionen und Logik so ineinander, wie es für mich persönlich einfach nicht typisch wäre. Vielleicht schwingt hier aber auch eine kulturelle Komponente mit ein, was den Typ Mensch im rauen, ländlichen England ausmacht?

Ein stimmungsstarkes Buch. Die Beklemmungen beim Lesen waren für mich spürbar. In diesem Aspekt ein wirklich starker Schreibstil.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Kommt und betretet das magische Archipel

Impossible Creatures – Das Geheimnis der unglaublichen Wesen
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Wirf einige Elemente von Jumanji, Ohnezahn, Narnia und Harry Potter in einen Topf und rühre ordentlich. Heraus kommt eine fantasievolle und spannende Abenteuergeschichte, die den Lesern neben Drachen gleich ...

Wirf einige Elemente von Jumanji, Ohnezahn, Narnia und Harry Potter in einen Topf und rühre ordentlich. Heraus kommt eine fantasievolle und spannende Abenteuergeschichte, die den Lesern neben Drachen gleich eine ganze Reihe „unmöglicher Kreaturen“ näherbringt.

Seit jeher durch Magie geschützt und somit den Menschen unbekannt, gibt es inmitten des Meeres ein einzigartiges Archipel. Auf dieser Ansammlung von Inseln haben die unterschiedlichsten Fabelwesen ihre Heimat gefunden. Da hinein stolpert plötzlich Christopher, ein Junge, der bisher eher kein sonderliches Interesse an Einhörnern gezeigt hat. Angeleitet von der etwa gleichalten Mal, stehen die beiden Kinder vor der Herausforderung die bedrohten Lebewesen des ganzen Archipels zu retten.

Spannend, rasant, abwechslungsreich und oft nicht vorhersehbar wird der Leser in die Höhen und Tiefen dieser Abenteuergeschichte gerissen. Hier zeigt sich durchaus, warum das Buch vor der deutschen Übersetzung international schon hoch gelobt wurde: Die Autorin hat hier mitreißende Fantasy erschaffen.

Die Menge an Herausforderungen für Mal und Christopher schon innerhalb dieses ersten Bandes haben jedoch zur Folge, dass die Charaktere in erster Linie durch ihr Tun wirken. Konkrete Eigenschaften und individuelle Eigenheiten der beiden Kinder hingegen sind eher schwer erkennbar. Emotional wird ihnen auf ihrer Mission zwar Vieles zugemutet, sie reagieren aber nicht entsprechend emotional darauf. Sie selbst und anderen Beteiligte werden zeitweise sogar ihres Leben bedroht, auch ein Mord passiert – emotional wurde das von der Autorin jedoch nicht angemessen aufgefangen.


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Veröffentlicht am 13.02.2025

Ein Kuss ihn zu lieben. Ein Kuss ihn zu töten.

Legends of Askja 1. A Kiss of Ice and Blood
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Die Neuerscheinung „Legends of Askja 1 - A Kiss of Ice and Blood.” entführt den Leser auf die eisige Insel Askja, deren Hauptstadt Ask zwischen einer Meeresbucht und vereisten Höhenzügen liegt. Ein Roman, ...

Die Neuerscheinung „Legends of Askja 1 - A Kiss of Ice and Blood.” entführt den Leser auf die eisige Insel Askja, deren Hauptstadt Ask zwischen einer Meeresbucht und vereisten Höhenzügen liegt. Ein Roman, der vor der Kulisse der weltbekannten Eiskönigin („Frozen“) spielen könnte: Hoch im Nordmeer, geprägt von Schnee und Eis.

Im Zentrum des Geschehens stehen die Eisdämonin Frin und der Königssohn Leif. Jeweils wechselnde Perspektiven geben die doch sehr unterschiedlichen Sichtweisen und Emotionen einer Eisdämonin und eines Menschen wieder und lassen uns die Protagonisten näherkommen. Es gibt außerhalb dieses Hauptstranges der Erzählung so gut wie keine Nebenschauplätze, lediglich einige Sprünge in die Vergangenheit runden entscheidende Details ab.

Frin wirkt ihrem Naturell entsprechend emotional kühl bis eiskalt berechnend. Leif hingegen verkörpert die gesamte Palette menschlicher Gefühle von Resignation, Traurigkeit, Gehorsamkeit bis hin zu Selbstzweifeln. Es kristallisiert sich rasch heraus, dass sich in diesen Gegensätzen nicht nur Ablehnung, sondern durchaus auch Anziehung verbergen kann.

Dem titelgebenden Kuss kommt in dieser Romantasy tatsächlich eine zentrale Rolle zu - können Küsse von Eisdämoninnen doch sehr unterschiedliche Auswirkungen zeigen…

Die Stärken des Romans liegen ohne Zweifel in einigen überraschenden Wendungen, die ich als Leserin nicht mal geahnt habe. Der Drang unbedingt weiterlesen zu müssen wird so über die gesamte Zeit auf einem hohen Niveau gehalten. Die Schwächen des Romans betreffen den Bereich der Kommunikation der Protagonisten untereinander. Den Dialogen fehlte es mir an einigen Stellen an Tiefe und Feinheit.

Für die Gestaltung des Buches – Coverbild, Farbschnitt, innenliegende Details – sollten Autorin und Verlag schlichtweg eine Auszeichnung erhalten! Während ich das Buch gelesen habe, habe ich in meinem Umfeld alleine der Optik wegen schon großes Interesse für dieses Buch geweckt. Sehr, sehr gelungen!

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Veröffentlicht am 09.09.2024

Kann man Afrika beschreiben?

Danke, Afrika! Was ich zwischen Dschibuti und Marokko fürs Leben lernte.
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Über diese Frage habe ich während der kompletten Lektüren von „Danke, Afrika“ von Lena Wendt nachgedacht. Kann ein ganzer Kontinent mit über 50 Ländern, Hunderten von Sprachen, kulturellen Klüften, völlig ...

Über diese Frage habe ich während der kompletten Lektüren von „Danke, Afrika“ von Lena Wendt nachgedacht. Kann ein ganzer Kontinent mit über 50 Ländern, Hunderten von Sprachen, kulturellen Klüften, völlig gegensätzlicher Natur und einer tiefen Spiritualität an einen Leser überhaupt vermittelt werden?

Ohne es zu ahnen, stellte ich bei der Lektüre fest, dass ich selbst in diversen der südafrikanischen, westafrikanischen, ostafrikanischen und auch nordafrikanischen Länder war (beruflich oder privat), die die Autorin hier in den Fokus rückt. Mit meinen eigenen Erfahrungen und Erinnerungen im Gepäck konnte ich viele ihrer Entscheidungen und Gespräche sehr gut nachvollziehen. Ob ein Leser das auch kann, der nie den „Spirit Afrikas“ gefühlt hat? Ich bin mir tatsächlich nicht sicher…

Unabhängig davon, wohin genau uns Lena in ihren Kapiteln führt (es hätte in dem Punkt auch Lateinamerika oder Asien sein können): Sie hat eine lebensbejahende Ausstrahlung, die über ihre eigenen Worte und ihre Bilder zu Anfang jedes Kapitels zum Leser transportiert werden. Mitreißend wäre wohl die treffendste Beschreibung.

Diese Neuerscheinung enthält ihre ganz persönlichen Reise- und Lebenserfahrungen aus mehreren Jahren. Auch während ihrer Reisen quer durch Afrika gibt es ein VOR und ein IN der Corona-Krise. Mehrere Kapitel fungieren als eine Art Update, wie es ihr im Lockdown in Marokko ergangen ist, als internationales Reisen von einem Tag auf den anderen quasi unmöglich wurde.

Einzig nicht ganz in meinem Sinne in diesem phantastischen Buch ist die Vielzahl der beschriebenen Partnerschaften. Zwischenzeitlich waren mir die Beschreibungen etwas zu Männer-lastig. Es liegt jedoch auf der Hand, wer als selbstbewusste, junge Frau alleine durch afrikanische Länder reist, wird großes Interesse auf sich ziehen. Glücklicherweise in ihrem Fall immer geprägt von Flirt und Liebe, keiner Gewalt.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Starker Einstieg mit deutlichem Gefälle

ZIMMER 706
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Eine Frau, die alles im Griff hat. Die ihren beruflichen und familiären Alltag bis ins kleinste Detail plant. Die in ihrem Leben keinen Platz lässt für Unvorhergesehenes. Bis zu dem Tag, als sie sich von ...

Eine Frau, die alles im Griff hat. Die ihren beruflichen und familiären Alltag bis ins kleinste Detail plant. Die in ihrem Leben keinen Platz lässt für Unvorhergesehenes. Bis zu dem Tag, als sie sich von einer Sekunde auf die andere in einer lebensbedrohlichen Extremsituation wiederfindet.

Besagte Frau - Kate - ist Mutter, Ehefrau und Geliebte. Während sie für ihre Kinder und ihren Mann eine recht klassische familiäre Rolle einnimmt, zeigt sie sich für ihren Lover James von einer gänzlich anderen Seite. Ihre Affäre, die bereits über sechs Jahre läuft, führt beide in regelmäßigen Treffen in irgendwelche Londoner Hotelzimmer.

Die Neuerscheinung führt die Leser in ein Hotelzimmer mit der namensgebenden Nummer 706. Exakt dieses Zimmer können die beiden verheirateten Erwachsenen mit einem verheimlichten Doppelleben nach ihrem Stelldichein jedoch nicht mehr verlassen, weil das gesamte Hotel von Terroristen eingenommen wurde. Polizei und Presse ist vor Ort. Alle Menschen im Hotel - Gäste wie Bedienstete – gelten nun als Geiseln.

Der Leser erlebt die sehr unterschiedlichen Reaktionen zweier Erwachsener unter maximalem Stress. Wer holt die Kinder ab, wenn ich hier nicht rauskomme? Werden mich meine konstruierten Ausreden entlarven? Wie wird mein Partner reagieren, wenn er durch die Polizei oder die Presse erfahren wird, dass ich mit einem Mann / einer Frau in einem Hotelzimmer feststecke, in dem ich garnicht sein sollte?

Der Roman ist wahnsinnig spannend konstruiert. Die ersten Kapitel sind zweifelsohne packend. Im Laufe des Buches rücken die Vergangenheit und die Charaktere der beiden Lover stärker in den Vordergrund. Die Spannung nimmt deutlich ab, dafür sind es die Dialoge und die Empfindungen, die alle folgenden Kapitel bestimmen.

Das Buch wird direkt auf Cover und Klappentext als mitreißend und thrillerartig beschrieben. Etwas, was dem Buch eher nicht guttut. Meine Erwartungen waren dadurch hoch angesetzt. Nach den ersten Kapiteln verblassten die thrillerartigen Elemente jedoch und ich war kaum noch mitgerissen. Aus der Story hätte die Autorin meiner Ansicht nach viel mehr rausholen können, denn der Plot ist absolut grandios.

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