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Veröffentlicht am 31.08.2025

Mit Kräutern top, mit dem Mond hab ich’s nicht so

Die Mond-Apotheke
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Ganz ehrlich, die Idee hat was: den Mond als Apothekermeister, der mit jedem Viertel neue Rezepte raushaut. Klingt erstmal nach einem geheimen Club, zu dem man unbedingt dazugehören möchte. Zwischen Badeölen, ...

Ganz ehrlich, die Idee hat was: den Mond als Apothekermeister, der mit jedem Viertel neue Rezepte raushaut. Klingt erstmal nach einem geheimen Club, zu dem man unbedingt dazugehören möchte. Zwischen Badeölen, Teemischungen und selbstgemachten Lotionen fühlt man sich fast wie der Gandalf des Badezimmers. Die Rezepte sind wirklich gelungen, leicht verständlich erklärt und machen auch optisch einiges her. Kräuter wie Rosmarin, Sonnenhut oder Goldnessel werden hier nicht einfach nur aufgezählt, sondern richtig schön in Szene gesetzt – fast so, als würden sie gleich vom Papier springen.

Und jetzt das große Aber: Der ganze spirituelle Überbau hat mich eher ratlos zurückgelassen. Es fühlt sich zu überladen an, Neumondritual hier, Tierkreiszeichen dort, Supermond-Beschwörungen und Energieharmonien – puh. Klar, wer auf Astrologie, Tarotkarten und esoterischen Zauber steht, der wird sich fühlen wie im siebten Mondhimmel. Ich hingegen hab mich dabei ertappt, wie ich nach zwei Seiten überfordert war. Da hilft auch die schön mystische Aufmachung nicht viel.

Unterm Strich: Als Rezeptbuch ist „Die Mond-Apotheke“ echt stark, gerade für Leute, die gerne mit Kräutern experimentieren und natürliche Mittelchen ausprobieren wollen. Der Rest fühlt sich für mich eher nach einer Mondlandung ins Reich der Feenstaub-Fraktion an. Nicht schlecht, aber eben nicht mein Ding. Drei Sterne, weil die Rezepte wirklich klasse sind – die spirituelle Aufmachung hingegen hat mir eher die Stirn runzeln lassen.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Zwischen Rosen, Rückschnitten und britischem Humor

Der wohltemperierte Garten
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Mitten rein ins Beet – Christopher Lloyd nimmt einen in Der wohltemperierte Garten mit auf eine wilde Fahrt durch Beete, Rabatten und kleine Gartenkatastrophen. Wer denkt, hier gäbe es sterile Ratgeber-Tipps ...

Mitten rein ins Beet – Christopher Lloyd nimmt einen in Der wohltemperierte Garten mit auf eine wilde Fahrt durch Beete, Rabatten und kleine Gartenkatastrophen. Wer denkt, hier gäbe es sterile Ratgeber-Tipps à la „A setzen Sie B in den Boden und freuen sich dann auf C“, liegt völlig daneben. Lloyd schreibt, wie er lebt: direkt, launig, manchmal fast wie der Kumpel am Gartenzaun, der dir zwischen Tür und Angel erzählt, dass deine Rosen wahrscheinlich sterben werden – aber hey, Kopf hoch, das Unkraut wächst zuverlässig!

Die Mischung aus handfestem Wissen und Anekdoten ist wirklich sympathisch. Man erfährt alles über Rückschnitt, Beetgestaltung, Obstgartenpflege und die große Kunst der „mixed borders“, die nicht nur in England Kultstatus haben. Dabei bleibt der Ton locker, gelegentlich schräg, und durchaus mit einem Schuss britischem Humor versehen. Perfekt für alle, die keine Lust auf bierernste Gartenliteratur haben, sondern lieber mal mit einem Schmunzeln über die Tücken des Spatenstichs nachdenken.

Aber – und das große Aber darf nicht fehlen – manchmal verliert sich Lloyd in seinen Geschichten. Da schweift er ab, man wartet auf den eigentlichen Tipp, und plötzlich landet man in einer Anekdote über einen Besuch im Nachbargarten, die zwar nett ist, aber den Lesefluss stoppt. Wer schnelle, klare Schritt-für-Schritt-Anleitungen sucht, wird hier wohl eher die Stirn runzeln. Auch merkt man dem Buch an, dass es aus den 70ern stammt – ein bisschen Patina liegt auf manchen Ratschlägen.

Unterm Strich ist das Buch wie ein alter, liebenswerter Gartenschuppen: man findet Schätze, man stößt sich manchmal den Kopf, und es riecht nach Erde, Holz und ein bisschen Nostalgie. Drei Sterne für Charme, Witz und Inspiration – mit Abzügen für Länge und gelegentliche Umwege ins Gartendickicht.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Zwischen Familiendrama und Zukunftsvision – ein Roman wie ein Experiment

Gesellschaftsspiel
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Gesellschaftsspiel von Dora Zwickau ist so eine Art literarisches Überraschungsei – man weiß nie, ob man gleich schmunzeln, den Kopf schütteln oder tief nachdenken soll. Die Grundidee hat mich sofort gepackt: ...

Gesellschaftsspiel von Dora Zwickau ist so eine Art literarisches Überraschungsei – man weiß nie, ob man gleich schmunzeln, den Kopf schütteln oder tief nachdenken soll. Die Grundidee hat mich sofort gepackt: eine zerrüttete Familie, die sich am Sterbebett der Mutter wieder zusammenraufen muss, und mittendrin eine futuristische App, die angeblich die Demokratie aufpolieren will. Klingt verrückt? Ist es auch. Besonders spannend fand ich die Mischung aus Familiendrama und politischem Gedankenspiel – das bekommt man nicht alle Tage serviert. Manche Dialoge zwischen den Schwestern knistern vor unausgesprochener Wut, andere sind so trocken, dass man sich einen Schluck Wasser wünscht. Die Tante Dagmar ist mein heimlicher Lieblingscharakter, weil sie wie ein Katalysator für die schrägsten Momente wirkt. Der Tech-Milliardär schwebt über allem wie eine Mischung aus Visionär und Größenwahnsinniger, und genau das macht die Geschichte so zwiespältig.

Allerdings hat mich der Mittelteil stellenweise ausgebremst – da verliert der Roman etwas an Tempo und man fragt sich, ob die App nun gleich die Welt rettet oder ob wir alle erst noch in einer Beta-Version festhängen. Die gesellschaftskritischen Ansätze sind klug, keine Frage, nur hätte ich mir stellenweise weniger Theorie und mehr Emotionen gewünscht. Trotzdem gibt es immer wieder überraschende Szenen, die alles auf den Kopf stellen. Weimar als Schauplatz passt wie die Faust aufs Auge, auch wenn ich mir manchmal mehr Lokalkolorit erhofft hätte. Der Schreibstil ist flott, mit einem leichten Hang zu satirischen Seitenhieben, was die Sache angenehm würzt.

Am Ende bleibt ein Buch, das sich nicht so recht in eine Schublade stecken lässt – mal ernst, mal komisch, mal verstörend. Wer Lust auf ein literarisches Experiment mit gesellschaftspolitischem Unterton hat, wird hier sicher fündig. Für mich persönlich war es ein kurzweiliges Leseerlebnis mit kleinen Längen und einem Finale, das mehr Fragen als Antworten liefert. Genau das ist wohl auch Teil des Spiels. Drei Sterne – weil es interessant, eigenwillig und durchaus lesenswert ist, aber eben nicht ganz mein Volltreffer.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Wenn der Tod an Bord kommt – und der Plot manchmal im Stau steht

Vorsehung
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Flugmodus an, Realität aus – dachte ich zumindest, als ich „Vorsehung“ aufgeschlagen habe. Statt turbulenter Höhenflüge gab’s dann erstmal eine alte Dame, die im Flugzeug Todesurteile verteilt wie Erdnüsse. ...

Flugmodus an, Realität aus – dachte ich zumindest, als ich „Vorsehung“ aufgeschlagen habe. Statt turbulenter Höhenflüge gab’s dann erstmal eine alte Dame, die im Flugzeug Todesurteile verteilt wie Erdnüsse. Da bleibt einem das Lächeln im Duty-Free-Bereich stecken. Klingt nach einem absoluten Pageturner, oder? Tja, ist es irgendwie auch – nur nicht so, wie ich es erwartet habe.

Der Einstieg war grandios: skurril, spannend, richtig schön morbid. Doch dann dümpelt die Story ein wenig wie ein Langstreckenschwimmer ohne Zielflagge dahin. Man spürt, dass Liane Moriarty philosophisch werden will – Schicksal, freier Wille, der ganze Kram – aber manchmal wirkt das eher wie ein Therapiekreis auf Valium.

Die Figuren? Durchaus charmant, aber nicht alle schaffen es, sich aus ihrer Stereotypen-Wolke zu befreien. Besonders schade: Die alte Lady, die das Potenzial zur Kultfigur gehabt hätte, wird später etwas zu oft in den Hintergrund gedrängt. Dabei hätte ich mit der Dame locker noch ein paar Kapitel verbringen können.

Humor hat das Buch auf jeden Fall – teils herrlich schwarzhumorig, teils eher so „ach, nett gemeint“. Es gibt Szenen, da lacht man laut los, nur um drei Seiten später von einer überladenen Lebensweisheit erschlagen zu werden.

„Vorsehung“ ist wie eine Tüte gemischte Bonbons: Man zieht was raus, manchmal süß, manchmal sauer, ab und zu aber auch ein Stück Karamell, das einem zwischen den Zähnen hängen bleibt. Der Roman will viel – Spannung, Humor, Tiefgang – doch manchmal verzettelt er sich dabei ein bisschen.

Für Fans von ungewöhnlichen Geschichten mit einem Hauch Existenzialismus definitiv einen Blick wert. Für alle, die auf durchgehend packende Spannung hoffen, könnte es zwischendurch eine kleine Geduldsprobe werden.

Solide Unterhaltung mit kreativer Grundidee, aber eben auch mit Luft nach oben. Drei Sterne, weil der Mut zur Skurrilität definitiv belohnt werden muss.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Dschungel, Drama, Déjà-vu – Spannung mit kleinen Stolpersteinen

Her Last Summer – Eine verschwundene Frau. Eine Reise ohne Wiederkehr.
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Her Last Summer klang nach dem perfekten Mix aus Sonne, Dschungel und düsterem Geheimnis – quasi „Urlaub mit Gänsehaut“. Und ja, das Setting hat gestimmt: tropisch, schwitzig, mysteriös. Luke und Mari, ...

Her Last Summer klang nach dem perfekten Mix aus Sonne, Dschungel und düsterem Geheimnis – quasi „Urlaub mit Gänsehaut“. Und ja, das Setting hat gestimmt: tropisch, schwitzig, mysteriös. Luke und Mari, ein verliebtes Backpacker-Duo, nur dass Mari irgendwann einfach... puff! Weg. Und zwanzig Jahre später will Luke plötzlich reden? Klingt verdächtig, dachte ich mir. Cassidy, die Doku-Filmerin mit Spürnase, macht sich also auf die Suche nach der Wahrheit. Klingt erstmal spannend – und ist es auch. Aber irgendwie... auch nicht?

Ich hatte das Gefühl, dass die Geschichte sich manchmal im Kreis dreht wie ein geölter Kompass im Magnetsturm. Einige Wendungen waren stark – andere eher so: „Hm, das hab ich mir schon gedacht, Luke.“ Cassidy selbst bleibt für mich leider etwas blass. Ich hätte mir mehr Biss, mehr Ecken und Kanten gewünscht – stattdessen stolpert sie mit Kamera und Misstrauen durch Thailands Vergangenheit. Stilistisch ist das Buch solide, keine Frage. Emily Freud weiß, wie man Spannung aufbaut. Nur leider plätschert es zwischendurch auch wie eine lauwarme Kokosnuss.

Alles in allem: nette Lektüre, besonders für die Hängematte am Strand mit gelegentlichem Seitenblick auf Palmen und Verdächtige. Aber das große „Wow, DAS hat mich umgehauen!“ blieb aus. Solider Thriller, aber bei mir ist die Gänsehaut eher im Schatten geblieben.

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