Berührende Familiengeschichte
Zwischen uns liegt AugustDieser Roman ist äußerst berührend, sollte aber vielleicht nicht in einer Phase gelesen werden, in der die Lesenden sich in Trauer befinden oder gegen schwere Erkrankungen ankämpfen. Der Autor widmet ihn ...
Dieser Roman ist äußerst berührend, sollte aber vielleicht nicht in einer Phase gelesen werden, in der die Lesenden sich in Trauer befinden oder gegen schwere Erkrankungen ankämpfen. Der Autor widmet ihn seiner Mutter. Und auch von ihr handelt er im Wesentlichen. Abgewechselt wird zwischen zwei Erzählsträngen – in der Gegenwart am Geburtstag der Mutter in Deutschland, der angesichts ihrer fortgeschrittenen Bauchspeicheldrüsenkrebserkrankung vermutlich ihr letzter sein wird und den die engste Familie gemeinsam begeht, und während einiger Monate des Jahres 1973 in Aydin/Türkei, als die Mutter junge Erwachsene ist, die politischen Umbrüche in ihrer Heimat erlebt und bald dem in Deutschland als Gastarbeiter tätigen Vater folgen wird.
Leider bleibt Vieles von der Familiengeschichte bruchstückhaft bzw. wird „unterschlagen“ (etwa die offenbar eigene Therapiebedürftigkeit des Sohnes/Autors, der Werdegang der Familie in den vergangenen 50 Jahren). Ich hätte gerne manche Einzelheit gewusst. Zudem erschwerte mir das Lesen ein wenig, dass sehr viele türkische Vokabeln und ganze Sätze verwendet wurden, deren Bedeutung ich mir nur selten selbst erschließen konnte. Ein letzter Kritikpunkt betrifft den Umstand, dass fundierte Kenntnisse von der politischen und gesellschaftlichen Lage in der Türkei Anfang der 1970er Jahre vonnöten sind. Ohne diese lassen sich in Bezug genommene Namen von Parteien, Politikern und ihren Programmen nicht so recht verstehen. Sehr gefallen haben mir die vielen türkischen Spezialitäten und Speisen, die erwähnt wurden.
Insgesamt ein interessantes Buch, das Lesende mit Interesse an Familiengeschichten vor anderem kulturellen Hintergrund ansprechen dürfte.