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Veröffentlicht am 17.08.2025

Ein wilder Mix aus Romantik, Melancholie und Größenwahn

Die Liebe seines Lebens. Skizze eines Temperaments
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Thomas Hardy hat mich mit diesem Roman ziemlich auf dem falschen Fuß erwischt – und zwar im allerbesten Sinne. Ich habe mir eine melancholische Schwere erwartet, wie man sie sonst von ihm kennt, und ja, ...

Thomas Hardy hat mich mit diesem Roman ziemlich auf dem falschen Fuß erwischt – und zwar im allerbesten Sinne. Ich habe mir eine melancholische Schwere erwartet, wie man sie sonst von ihm kennt, und ja, die ist auch da. Aber gleichzeitig hat dieses Buch etwas so Skurriles, Verrücktes und Geniales, dass ich beim Lesen öfter dachte: „Hardy, du kleiner Schlingel, was hast du dir dabei nur gedacht?“ Jocelyn Pierston, dieser Bildhauer mit der fixen Idee von der „einen Liebe“, die sich durch drei Generationen zieht, ist für mich eine der schrägsten, tragischsten und gleichzeitig faszinierendsten Figuren, die mir seit Langem begegnet sind. Mal wollte ich ihn schütteln, mal hab ich ihn gefeiert, und manchmal dachte ich: Junge, du bist ein hoffnungsloser Romantiker mit einer Prise Größenwahn.

Was Hardy hier macht, ist aber nicht einfach nur eine Dreiecks- oder besser gesagt Drei-Generationen-Liebesgeschichte. Er hält uns damit einen riesigen Spiegel vor: Wie oft jagen wir eigentlich selbst nur unseren Idealen hinterher und merken dabei nicht, dass wir die Realität komplett aus den Augen verlieren? Hardy hat das Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben, aber es liest sich teilweise wie ein Kommentar zur heutigen Insta-Generation, die ständig auf der Suche nach der „perfekten“ Liebe oder dem „perfekten“ Bild ist.

Und dann diese Sprache! Dank der Übersetzung von Lutz-W. Wolff bleibt dieser Hardy-Sound bestehen, dieses leicht Bittere, aber auch Poetische, das einen sofort packt. Ich liebe es, wie die Landschaften in Wessex fast zu Figuren werden, die mitreden, mitleiden und manchmal auch ganz einfach stumm dastehen, während Jocelyn wieder mal eine grandiose Idee hat, die garantiert schiefgeht.

Kurz: Dieses Buch ist ein wilder Ritt zwischen Sehnsucht, Verzweiflung, Humor und tragischer Schönheit. Ein Abschluss, der Hardys Werk krönt – und mir gleichzeitig gezeigt hat, dass Liebe eben nicht nur Herzchen und Schmetterlinge ist, sondern manchmal auch ein ziemlich chaotisches Kunstwerk.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Traumchaos, Katzenmagie und jede Menge Buddyread-Action

Dream Keeper (Band 3) - Der geheimnisvolle Talisman
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Mitten in einem absolut gemütlichen Leseabend sind wir in dieses Buch reingestolpert – und schwupps, saßen wir beide wie festgeklebt zwischen Traumwelt und Schattenreich. Meine Tochter und ich haben uns ...

Mitten in einem absolut gemütlichen Leseabend sind wir in dieses Buch reingestolpert – und schwupps, saßen wir beide wie festgeklebt zwischen Traumwelt und Schattenreich. Meine Tochter und ich haben uns beim Vorlesen gegenseitig unterbrochen, weil einer von uns unbedingt wissen wollte, was als Nächstes passiert. Dieser geheimnisvolle Talisman hat uns von Anfang an nicht mehr losgelassen. Jedes Mal, wenn eine neue Wendung kam, rief einer von uns nur: „Nein! Das ist jetzt nicht dein Ernst!“

Kiki ist so eine Figur, bei der man einfach mitfiebert, selbst wenn sie mal Mist baut. Als dann ihre Fantasie blockiert wurde, haben wir ernsthaft eine kleine Lesepause eingelegt, um uns zu sammeln – so dramatisch war das für uns. Lilian und sie sind ein unschlagbares Duo, das in diesem Labyrinth der Albträume richtig was aushalten muss. Und dieser schwarze Kater? Ganz großes Kino – wir hätten ihn am liebsten sofort adoptiert.

Besonders cool fanden wir, wie das Buch zwischen Traum und Wirklichkeit hin- und herspringt, ohne dass man den Faden verliert. Manchmal mussten wir uns gegenseitig daran erinnern, tief durchzuatmen, weil die Spannung schon fast greifbar war. Die Illustrationen haben wir uns immer gemeinsam angeschaut, bevor wir weitergelesen haben – kleine Kunstwerke, die die Geschichte noch lebendiger machen.

Wir haben uns oft gefragt, wie wir selbst in so einem Schattenlabyrinth reagieren würden. Meistens laut gelacht, manchmal ungläubig den Kopf geschüttelt. Und natürlich gab es Diskussionen darüber, wer den geheimnisvollen Talisman besser einsetzen könnte – am Ende haben wir uns auf ein Unentschieden geeinigt.

Am Schluss saßen wir beide einfach da, das Buch in der Hand, und wollten sofort den nächsten Teil lesen. Ein Buddyread, der uns nicht nur in eine fantastische Welt entführt hat, sondern auch jede Menge gemeinsame Lacher und Herzklopfen beschert hat.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

CIA-Geheimnisse zwischen Wahnsinn und Wirklichkeit

Die Mission – Die CIA im 21. Jahrhundert
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Was für ein Ritt! Dieses Buch hat mich direkt am Kragen gepackt und nicht mehr losgelassen. Tim Weiner versteht es, trockene Geheimdienstgeschichte in ein hochspannendes Kopfkino zu verwandeln, das stellenweise ...

Was für ein Ritt! Dieses Buch hat mich direkt am Kragen gepackt und nicht mehr losgelassen. Tim Weiner versteht es, trockene Geheimdienstgeschichte in ein hochspannendes Kopfkino zu verwandeln, das stellenweise so absurd wirkt, dass man sich fragt, ob das nicht doch eine Satire ist – nur leider ist es Realität. Die Mischung aus knallharten Fakten, haarsträubenden Operationen und politischem Irrsinn sorgt dafür, dass man Seite um Seite verschlingt.

Weiners Erzählweise ist messerscharf, bissig und trotzdem leicht verständlich – perfekt für jemanden, der weder CIA-Insider noch Historiker ist, aber wissen will, wie dieser Laden im 21. Jahrhundert tickt. Vom veränderten Kurs nach 9/11 über Foltergefängnisse bis zu Drohnenangriffen wird nichts weichgespült. Manche Kapitel sind so schockierend, dass ich sie zweimal lesen musste, nur um sicherzugehen, dass ich mich nicht verlesen habe.

Besonders faszinierend ist, wie Weiner nicht nur die großen politischen Manöver beleuchtet, sondern auch zeigt, wie menschliches Versagen, Ego und Machtgier im Hintergrund die Fäden ziehen. Die Spannung ist fast wie in einem Thriller – nur eben mit der bitteren Note, dass das alles wirklich passiert ist. Zwischendurch erwischt man sich dabei, ungläubig den Kopf zu schütteln, und gleichzeitig fiebert man weiter, was als Nächstes kommt.

Die Übersetzung ist erstklassig, der Text fließt ohne Stolpersteine, und trotz des schweren Themas gibt es immer wieder Formulierungen, die fast schon filmreif wirken. Dieses Buch ist ein Pflichtprogramm für alle, die geopolitische Machtspiele verstehen wollen – oder einfach mal sehen möchten, wie tief das Kaninchenloch der internationalen Geheimdienstwelt reicht. Ein schonungsloser, spannender und teilweise unfassbarer Blick hinter die Kulissen einer Institution, die unsere Welt mehr beeinflusst, als uns lieb ist.

Kurz gesagt: Lesen, staunen, durchatmen – und dann am besten gleich noch mal lesen.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Wenn ein Roman mitten ins Herz trifft und noch tiefer geht

Eden
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Eden hat mich regelrecht umgehauen – und zwar nicht mit Actionfeuerwerk, sondern mit dieser stillen, tiefen Wucht, die einem erst im Nachhall bewusst wird. Plötzlich sitzt man da, klappt das Buch zu und ...

Eden hat mich regelrecht umgehauen – und zwar nicht mit Actionfeuerwerk, sondern mit dieser stillen, tiefen Wucht, die einem erst im Nachhall bewusst wird. Plötzlich sitzt man da, klappt das Buch zu und denkt: „Okay, das war jetzt mehr als nur ein Roman.“ Jan Costin Wagner schafft es, eine Familiengeschichte so intensiv zu erzählen, dass man beim Lesen fast vergisst zu atmen. Markus, Kerstin und Sofie wirken so echt, als würde man sie schon ewig kennen, und genau das macht die ganze Tragödie noch härter. Die Konzertszene hat mir eiskalt den Magen zusammengedrückt – und nein, das ist keine Übertreibung.

Trotz des schweren Themas gibt es hier keinen billigen Kitsch und keine überzogene Dramatik. Alles ist so präzise erzählt, dass man als Leser fast automatisch in diesen Strudel aus Trauer, Wut und diesem leisen Rest Hoffnung gezogen wird. Gleichzeitig hat der Roman eine gesellschaftliche Ebene, die richtig unter die Haut geht. Es ist faszinierend (und erschreckend), wie Wagner zeigt, wie schnell privates Leid in den politischen Mahlstrom gezogen werden kann.

Besonders stark fand ich, wie Markus irgendwann diese völlig verrückte, aber menschlich nachvollziehbare Entscheidung trifft, die Familie des Mörders zu besuchen. Das ist nicht Hollywood, das ist echtes Leben, roh und kompliziert. Man will die Figuren manchmal schütteln, manchmal umarmen – und oft beides gleichzeitig.

Wagners Sprache ist knapp, klar und dennoch poetisch, und das passt perfekt zu dieser Mischung aus innerem Chaos und äußerer Kälte. Trotz aller Schwere hat das Buch am Ende so einen Funken Licht, dass man nicht völlig niedergedrückt zurückbleibt. Für mich ist Eden ein mutiges, kluges und unglaublich berührendes Werk. Ganz klar fünf Sterne – und zwar nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil es einfach verdient ist.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Ein Roadtrip, der noch lange nachhallt

Paradise Garden
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Paradise Garden hat mich direkt vom ersten Satz an gekriegt – und zwar so richtig. Billie ist so ein Charakter, der einem nicht nur ins Herz kriecht, sondern da auch noch die Möbel umstellt. Ihre Welt ...

Paradise Garden hat mich direkt vom ersten Satz an gekriegt – und zwar so richtig. Billie ist so ein Charakter, der einem nicht nur ins Herz kriecht, sondern da auch noch die Möbel umstellt. Ihre Welt ist alles andere als glamourös, aber durch die Art, wie sie erzählt, fühlt sich sogar Nudeln-mit-Ketchup wie ein kulinarisches Abenteuer an. Marika, ihre Mutter, ist einfach großartig – chaotisch, herzlich, und mit einer Fantasie, die jeden grauen Hochhaushimmel bunt anmalt.

Dann platzt die Großmutter ins Leben, als hätte jemand versehentlich den falschen Film eingelegt – und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Was danach passiert, ist eine Mischung aus Coming-of-Age-Roadtrip, Herzschmerz und einer Prise „Was zur Hölle?“. Billies Reise in dem alten Nissan ist nicht nur eine Fahrt zu ihrem Vater, sondern auch eine Reise zu sich selbst – und manchmal musste ich laut lachen, manchmal hatte ich diesen Kloß im Hals, der sich hartnäckig weigert zu verschwinden.

Elena Fischer hat einen Schreibstil, der gleichzeitig leichtfüßig und tiefgründig ist, ohne dabei kitschig zu werden. Die Dialoge knistern vor Witz und Ehrlichkeit, und Billies Gedankenwelt ist so lebendig, dass man meint, selbst neben ihr auf dem Beifahrersitz zu sitzen. Besonders mochte ich, dass das Buch nie ins Überdramatische abrutscht, sondern auch in ernsten Momenten diesen leicht schrägen Humor behält.

Das Meer als wiederkehrendes Motiv hat mich total gepackt – es schwebt über der Geschichte wie ein Versprechen, das man unbedingt einlösen will. Jede Seite hat mich weiter reingezogen, und am Ende wollte ich Billie gar nicht gehen lassen. Paradise Garden ist für mich so eine Geschichte, die leise anfängt, dann aber tief ins Herz rauscht und noch lange nachhallt. Eine echte Entdeckung – und ja, volle fünf Sterne, weil weniger hier einfach nicht passen würde.

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