Kein Entkommen: Der Mörder ohne Adresse lässt den Puls steigen
Jill Kaltenborn gelingt es in ihrem Krimi Der Mörder ohne Adresse, die Leserinnen und Leser von der ersten Seite an in den Bann zu ziehen. Gleich zu Beginn findet sich eine Leiche – ein klassischer, aber ...
Jill Kaltenborn gelingt es in ihrem Krimi Der Mörder ohne Adresse, die Leserinnen und Leser von der ersten Seite an in den Bann zu ziehen. Gleich zu Beginn findet sich eine Leiche – ein klassischer, aber wirkungsvoller Einstieg, der sofort Spannung aufbaut.
Im Mittelpunkt steht Sully, eine interessante, leicht kantige Figur, deren Geheimnisse Stück für Stück aufgedeckt werden. Besonders gelungen ist die Verknüpfung von Sullys Alltag als Briefträger mit seiner Rolle im Kriminalfall. Die Schilderungen seines Arbeitsalltags – von der unsortierten Post über die verwinkelten Gassen Luxemburgs bis hin zu seinen Fahrten auf dem Rad mit vollen Satteltaschen – wirken lebendig und authentisch. Sie verleihen der Geschichte Bodenständigkeit und Nähe zum Leser.
Die Autorin beweist großes Geschick darin, humorvolle Szenen einzuflechten, ohne die Spannung zu mindern. Unvergesslich bleibt etwa die Begegnung mit der alten Frau Krier, deren Reaktion auf neumodische Werbung zum Schmunzeln bringt. Gleichzeitig entwickeln sich zwischen den Figuren Sully, Claire und Rose feine Spannungen, die neugierig machen, wohin ihre Beziehungen führen werden.
Der „Sensenmann“ als Täter wirkt an manchen Stellen fast unbeholfen – was der Geschichte einen besonderen Reiz verleiht. Im letzten Drittel nimmt der Roman nochmals an Tempo zu. Auch wenn die Lösung für geübte Krimileser nicht völlig überraschend ist, überzeugt die Aufklärung durch Spannung und Nachvollziehbarkeit. Am Ende bleibt sogar ein Hauch von Verständnis für den Täter zurück.
Fazit:
Ein kurzweiliger, realistischer und unterhaltsamer Krimi, der mit lebendigen Figuren, authentischem Setting und feinem Humor punktet. Wer Lust auf einen spannenden Ausflug nach Luxemburg hat, wird mit diesem Roman bestens unterhalten.