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Veröffentlicht am 15.09.2025

Cover-Kauf diesmal nicht geklappt

Don't Let The Forest In
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Ich wollte dieses Buch so sehr mögen. Allein das Cover - düster, schön, ein bisschen morbide - hat mich sofort angesprochen. Auch das Setting mit einem Internat, makabren Märchen und einem Hauch von psychologischem ...

Ich wollte dieses Buch so sehr mögen. Allein das Cover - düster, schön, ein bisschen morbide - hat mich sofort angesprochen. Auch das Setting mit einem Internat, makabren Märchen und einem Hauch von psychologischem Horror klang nach genau meinem Ding. Aber am Ende war ich leider eher ernüchtert.

Was gut funktioniert hat: Die Atmosphäre. Die düsteren Bilder, die blutgetränkten Illustrationen, das surreale Gefühl, dass etwas nicht stimmt – das alles war teilweise wirklich gelungen. Die Prosa ist extrem poetisch, manchmal wunderschön formuliert, manchmal allerdings auch einfach zu viel. Der Schreibstil will oft mehr sein, als er ist, und hat mich mehr als einmal aus dem Lesefluss gerissen. Wortwiederholungen (vor allem rund um „Verfall“ und „Fäulnis“) und absichtlich zerstückelte Sätze wirken eher bemüht dramatisch als wirklich bedeutungsvoll.

Die Figuren (vor allem Andrew) waren für mich ein Problem. Ich verstehe, dass er ein komplexer Charakter mit psychischen Problemen sein soll, aber statt Tiefe kam bei mir oft nur Selbstmitleid an. Seine Essstörung und Angstzustände werden erwähnt, aber nie wirklich konsequent erzählt oder ernsthaft behandelt. Vieles wirkte wie reingeschoben, um den Charakter „traumatischer“ zu machen, aber nicht wie etwas, das die Geschichte oder ihn selbst wirklich formt.
Die Beziehung zwischen Andrew und Thomas, die eigentlich das emotionale Herz der Geschichte sein soll, hat mich ebenfalls nicht gepackt. Es gibt eine intensive Abhängigkeit zwischen ihnen, teilweise sogar toxisch - und das wäre interessant gewesen, wenn es glaubhafter entwickelt worden wäre. Stattdessen blieb es für mich oft eher oberflächlich und voller leerer, dramatischer Phrasen, ohne echtes emotionales Gewicht oder Tiefe.
Inhaltlich schwankt das Buch zwischen psychologischem Horror, Coming-of-Age, queerer Selbstfindung und Märchenmetapher – alles spannende Themen, aber nichts davon wird wirklich konsequent erzählt. Der Horror bleibt meist angedeutet, der Plot teilweise verworren, und das große „Twist“-Finale hat bei mir nur ein Schulterzucken ausgelöst. Auch hier: gute Ansätze, aber das Gesamtbild bleibt vage und löst zu wenig ein.

Was ich dem Buch aber zugutehalten muss: Es ist mutig, wenn auch nicht immer erfolgreich. Die queere Repräsentation, insbesondere im Bereich Asexualität, ist wichtig und schön umgesetzt. Und ich sehe definitiv, dass dieses Buch für viele (gerade jüngere) Leser:innen sehr viel bedeuten kann – es trifft nur einfach nicht meinen Nerv.

Fazit:
Ein atmosphärisches, ambitioniertes Debüt mit toller Bildsprache, aber erzählerischen Schwächen. Wer auf poetisch-düstere Coming-of-Age-Geschichten mit queerer Repräsentation steht, könnte hier fündig werden - solange man nicht zu viel Substanz im Horror oder in der Figurenzeichnung erwartet.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

zu wenig Welt, zu viel Drama

The Surviving Sky (Die Rages-Trilogie 1): Eine epische Science-Fantasy
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2,75 Sterne. / Vielleicht war das eins dieser "es ist nicht das Buch, es bin ich"-Situationen. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um in der Geschichte Fuß zu fassen. An sich klingt die Geschichte ziemlich ...

2,75 Sterne. / Vielleicht war das eins dieser "es ist nicht das Buch, es bin ich"-Situationen. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um in der Geschichte Fuß zu fassen. An sich klingt die Geschichte ziemlich interessant: Post-Post-Apokalypse, eine Welt mit schwebenden Städten, schlimmen Erdstürmen und ganz spannender Magie bestehend aus Pflanzen und "Architekten", die diese befehligen und damit die Menschheit sichern.

Die beiden Protagonisten stehen am Rande ihrer Ehe und versuchen, mit den Belastungen der unterschiedlichen Rollen klar zu kommen. Leider stand dieser Ehekrieg wahnsinnig im Vordergrund, dass es großenteils nur um deren Beef geht. Für mich ist das Word building, was erst so vielversprechend klang, dadurch enorm in den Hintergrund gerückt worden. zwischen 30 und 50/60% hat mir das Buch wirklich gefallen und mich hat interessiert, wie es weitergeht und das alles so gewuppt wird. Danach sind so viele unterschiedliche Twists, Meinungsänderungen und unverständliche Richtungswechsel passiert, dass mir das Buch leider keinen Spaß mehr gemacht hat. Vor allem die Vorwürfe, die sich die beiden machen und die Gespräche, die sie versuchen zu führen, sind wirklich anstrengend. Dazu kommt dann die Fähnchen-Im-Wind-Mentalität.

Ich glaube, dass mir das Buch mit einem höheren Fokus auf der Welt und den Geheimnissen super gut gefallen hätte. Mir dem Beziehungs-Fokus ist es leider gar nichts für mich. Ich kann mir vorstellen, dass das im nächsten Teil besser werden kann, bin mir aber nicht sicher, ob ich weiter lesen möchte.

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Veröffentlicht am 20.03.2024

Schöpfungsgeschiche aus weiblicher Sicht

Mein Name ist Lilith
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Das Konzept des Buchs hat mir total gefallen: Wir haben ein Retelling der Schöpfungsgeschichte als feministischer Sicht von Lilith, der eigentlichen ersten Frau. Ich lese sehr gerne Retellings und sage ...

Das Konzept des Buchs hat mir total gefallen: Wir haben ein Retelling der Schöpfungsgeschichte als feministischer Sicht von Lilith, der eigentlichen ersten Frau. Ich lese sehr gerne Retellings und sage nie "Nein" zu feministischen Gedanken in Geschlechter-ungleichgewichtigen Problematiken. So weit, so gut.
Die ersten 40-50% sind wirklich gut. Wir folgen ein bisschen dem Aufbau der Bibel und gehen mit Lilith durch die Zeit. Die vielen Anlehnungen, Zitate und dann die eher lockere und ehrliche Art von Lilith haben mir sehr gefallen.
Danach wurde die Geschichte leider echt langsam. Mir ist das bei Circe (Madeline Miller) schonmal passiert, dass die Geschichte viel versprach und dann unglaublich Langweilig wurde. Ganz so schlimm wie dort ist es bei "Mein Name ist Lilith" nicht, aber durch so manche Seiten musste ich mich quälen.
Die weibliche Note der ganzen Geschichte ist jedoch wirklich gut. Wie der Feminismus und die Gleichheit erklärt wird - bzw. eher, wie es dazu kommen konnte, dass dies nicht der Fall ist, hat mir sehr gefallen. Es wird nichts an den Haaren herbei gezogen oder überspitzt dargestellt.
Insgesamt kann ich dem Buch leider nicht mehr als 2,5-3 Sterne geben. Ich habe vielleicht für die Art von Erzählung zu viel erwartet. Für Menschen, die Circe toll fanden, also Erzählungen ohne wirklichen Spannungsbogen dafür mit umso mehr Tagebuch-vibe, nicht so ganz Bibel-treu sind und sich mehr Gleichheit und Kraft für das weibliche Geschlecht wünschen, ist dieses Buch jedoch großartig.

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Veröffentlicht am 05.05.2023

Kein Plot, komisches Ende. Sonst wohlig.

Dark Ivy – Wenn ich falle
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Ich weiß nicht.

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, so schlecht ist es also definitiv nicht. Es lässt sich einfach Lesen und die Geschwindigkeit ist auch sehr wohlig. Ich habe im Laufe des Buches ...

Ich weiß nicht.

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, so schlecht ist es also definitiv nicht. Es lässt sich einfach Lesen und die Geschwindigkeit ist auch sehr wohlig. Ich habe im Laufe des Buches aber nicht wirklich verstanden, worum es eigentlich geht und was der Plot ist. Die Romantik und entsprechenden Szenen fand ich toll - Consent hier wieder sehr groß geschrieben. Die Poetry- Seiten und auch das Notizbuch von William war wundervoll. Der ganze Vibe war auf eine altgebackene, urige Art wirklich schön. Die Wohnheime, das Flurtelefon und all das.

Das Tempo der Romanze war auch in Ordnung - eben so, wie es die Protagonistin zulassen konnte.

Das Ende hat mir gar nicht gefallen. Warum mussten sie unbedingt mit Plan B wieder zurück zur Insel? Ich wette, dass das nicht das erste mal ist, dass diese Fähre ausfällt. einen Tag länger dort bleiben wäre doch viel sinnvoller gewesen. Dass der Cheffeur nichts zu ihrem Plan gesagt hat, war auch komisch. Gut, wir müssen Drama reinbringen, es sind Studierende, okay. Hätte ich verkraften können.

Aber dann die Reaktion von William am Ende? Nee, kann ich gar nicht nachvollziehen. Das passt - zumindest nicht in meinen Augen - zu seinem bisher vorgestellten Charakter. Auf so vielen Ebenen nicht. Das hat mich leider echt enttäuscht, dass ich nicht weiß, ob ich den Folgeband lesen werde. Der wird wahrscheinlich um einiges schmerzlicher und dramatischer als dieser hier, was nicht unbedingt etwas negatives ist, aber ich weiß nicht, ob ich mir diesen Shift des männlichen Protagonisten geben möchte. Vorher mochte ich ihn echt.

Also: Unschlüssig. Bis zum zweiten Band dauert es ja aber noch eine Weile, wegen der Verschiebung, darum habe ich noch Zeit, darüber nachzudenken.

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