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Veröffentlicht am 30.11.2025

Endlich eine Fortsetzung

Die Katze, die unsere Bücher rettete
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Die 13-jährige Nanami verbringt ihre Zeit am liebsten in der Bibliothek. Ihr alleinerziehender Vater vergräbt sich nur in der Arbeit und ist selten zuhause. Zudem ist Nanami Asthmatikerin und wird daher ...

Die 13-jährige Nanami verbringt ihre Zeit am liebsten in der Bibliothek. Ihr alleinerziehender Vater vergräbt sich nur in der Arbeit und ist selten zuhause. Zudem ist Nanami Asthmatikerin und wird daher von beinahe allen um sie herum in Watte gepackt. Nur ihre beste Freundin Itsuka nimmt sie für voll und traut ihr Dinge zu. Als Nanami dann eines Tages feststellt, dass aus der Bibliothek Bücher verschwinden, muss sie einfach etwas unternehmen, auch wenn ihr niemand glauben will. Gemeinsam mit einem seltsamen Kater macht sie sich auf den Weg, die Bücher zu retten.

Mit „Die Katze, die unsere Bücher rettete“ setzt Sosuke Natsukawa seine Reihe um den magischen Kater endlich fort. Die deutsche Übersetzung verfassten Sabine Mangold und Yukiko Luginbühl. Die Handlung spielt dabei ziemlich genau 10 Jahre nach den Ereignissen des ersten Bandes und wir treffen somit auch Rintaro, den damaligen Protagonisten, wieder und erfahren, was aus ihm und Klassenkameradin Sayo geworden ist.

Auch in diesem Band braucht der mysteriöse Kater wieder die Hilfe eines jungen Menschen, um die Bücher vor dem Verschwinden zu retten. Mehrmals muss Nanako dabei durch die Bibliothek in eine andere Welt reisen, um einen bösen Herrscher davon zu überzeugen, die Literatur nicht auszulöschen. Diese empfindet er nämlich als gefährlich, weil sie die Menschen dazu anregt, eigene Gedanken und Vorstellungen zu entwickeln. Nanako hält stets an ihrer Liebe zu Büchern fest und beweist, dass sie stärker ist, als alle um sie herum annehmen.

„Die Katze, die unsere Bücher rettete“ hat etwas Märchenhaftes an sich: eine Heldin, die über sich hinauswächst, eine geheime Welt und einen tierischen Begleiter. Allerdings werden Konflikte hier eher durch Worte und eine bestimmte Haltung gelöst, als durch Tat oder gar Kampf, was mir gut gefallen hat. Im Prinzip kann dieser Band unabhängig vom ersten gelesen werden, wer aber den Vorgänger kennt, freut sich über ein Wiedersehen mit dem erwachsenen Rintaro, der nun zum Mentor für jemand anderen werden kann. Mit seiner Unterstützung beginnt auch für Nanako ein anderes Leben, in dem sie sich mehr zutraut.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Loyalitätskonflikt

Schwanentage
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Schon seit Jahren arbeitet Yu Ling als Kindermädchen für eine reiche Familie und kümmert sich liebevoll um den kleinen Kuan Kuan. Eines Tages beschließt sie jedoch, den Kleinen zu entführen, um endlich ...

Schon seit Jahren arbeitet Yu Ling als Kindermädchen für eine reiche Familie und kümmert sich liebevoll um den kleinen Kuan Kuan. Eines Tages beschließt sie jedoch, den Kleinen zu entführen, um endlich ein unabhängiges Leben führen zu können. Alles kommt jedoch ganz anders: aus dem Radio erfährt sie, dass Großvater des Jungen wegen Korruption verhaftet wurde und den restlichen Familienmitgliedern dasselbe Schicksal droht. Yu Ling muss sich entscheiden, wo ihre Loyalität liegt und was sie bereit ist, für ihren Job und ihren Schützling aufzugeben.

Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und gehört zu den wichtigsten Stimmen junger Literatur. „Schwanentage“ ist ihre erste Übersetzung ins Deutsche, verfasst wurde sie von Karin Betz. Der Titel bezieht sich auf die gemeinsame Zeit von Yu Ling, Kuan Kuan und einer Gans, die der Kleine unbedingt freikaufen wollte. So wie er diese Gans als einen Schwan wahrnimmt und von seinem Kindermädchen dabei nicht korrigiert wird, so bewegt er sich auch völlig ahnungslos durch diese schwierige Zeit. Für ihn ist, dank Yu Ling, alles ein einziges Spiel und Abenteuer.

Der Roman macht die Diskrepanz zwischen den beinahe mittellosen, wenig geschätzten Hausangestellten und dem Reichtum, von dem sie umgeben sind, deutlich. So ist es an sich nicht verwunderlich, dass Yu Ling für ihre Treue gerne ein Stück des großen Kuchens abhaben möchte, vor allem ihr neuer Freund Chen Donghu bestärkt sie immer wieder in diesen Gedanken. Während Yu Ling jedoch Gewissensbisse hat, handelt eine weitere Angestellte sofort, als die Vorwürfe gegen die Familie lautwerden und verschwindet mit Schmuck und einem Teil der Einrichtung.

Auch wenn das Thema ein wichtiges ist, plätschert der Roman die meiste Zeit leider nur vor sich hin und beschreibt ausführlich, was Yu Ling kocht und was Kuan Kuan so anstellt. Das Ende jedoch hat es in sich und zeigt noch einmal umso deutlicher, welchem Konflikt Yu Ling ausgesetzt ist und welche folgenschweren Entscheidungen sie treffen muss. Hier ist „Schwanentage“ wirklich stark – die Hinleitung hätte aber kürzer sein dürfen!

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Nicht ihr bester Fall

Mrs Potts' Mordclub und der Tote in der Themse
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Seit ihrem letzten Fall sollen sich Judith Potts und ihre Freundinnen Suzie und Becks eigentlich von jeglichen Mordfällen fernhalten, um Detective Inspector Tanika Malik nicht in Schwierigkeiten zu bringen. ...

Seit ihrem letzten Fall sollen sich Judith Potts und ihre Freundinnen Suzie und Becks eigentlich von jeglichen Mordfällen fernhalten, um Detective Inspector Tanika Malik nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Doch dann steht eines Tages Verity Beresford vor Judiths Tür und bittet sie, bei der Suche nach ihrem Ehemann Oliver zu helfen, der am Vorabend bei einer Schifffahrt mit einigen Gästen spurlos verschwunden ist. Kurz darauf wird dessen Leiche entdeckt und Judith muss einfach ermitteln – immerhin stecken sie und ihre Freundinnen schon mitten in all dem Chaos.

„Mrs Potts’ Mordclub und der Tote in der Themse“ ist bereits der vierte Band der Reihe um die drei ermittelnden Freundinnen. Autor Robert Thorogood ist vor allem bekannt für „Death in Paradise“, eine Buch- und inzwischen auch Fernsehserie, die in der Karibik spielt. Die deutsche Übersetzung verfasste Katharina Herzberger. Die Handlung folgt hauptsächlich Judith als Protagonistin, springt aber auch hin und wieder zu anderen Figuren, wenn etwas geschildert werden soll, bei dem sie nicht anwesend war.

Auch dieser Band lebt wieder von dem starken Band der drei Freundinnen und ihrer Begabung dafür, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Weil der Tote ein Mitglied der lokalen Theatergruppe war, ergattert Judith dort eine kleine Rolle, um zu spionieren. Suzie sieht sich bei der Ermittlung auf einmal ihrem Exfreund gegenüber und Becks misstraut dem neuen Partner ihrer Tochter. Doch gemeinsam können die drei alles überwinden!

Der eigentliche Mordfall ist ein klassisches Rätsel, bei dem der Mord in einem abgeschlossenen Raum – hier auf einem Schiff – stattfindet. Im Laufe der Handlung decken Judith, Suzie und Becks dabei die Vergangenheit des Opfers und der Fahrgäste an Bord auf und irgendwie hat am Ende jeder ein Motiv. Die Auflösung empfand ich dann doch als etwas konstruiert und unrealistisch, was leider gar nicht zum Selbst-Mitraten einlädt. Auf den letzten Seiten erwartet Judith dann noch ein großer Cliffhanger, der wohl frühestens in Band 5 aufgelöst wird. Ein solider Fall, aber nicht der Beste der drei Freundinnen.

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Veröffentlicht am 08.09.2025

Eine magische Confiserie

Der Laden in der Mondlichtgasse
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In der Mondlichtgasse, am Rande der Stadt der Geister, zwischen Diesseits und Jenseits, erscheint immer zwischen Vollmond und Neumond die magische Confiserie Kohaku. Sie taucht genau dann auf, wenn sie ...

In der Mondlichtgasse, am Rande der Stadt der Geister, zwischen Diesseits und Jenseits, erscheint immer zwischen Vollmond und Neumond die magische Confiserie Kohaku. Sie taucht genau dann auf, wenn sie von einem Menschen, dessen Daseins ins Wanken geraten ist, gebraucht wird. Hinter dem Tresen wartet der Inhaber Kogetsu, halb Mensch, halb Fuchsdämon, auf seine Kunden und die Chance, von ihnen etwas über menschliche Emotionen zu lernen.

„Der Laden in der Mondlichtgasse“ ist das preisgekrönte Debüt der Autorin Hiyoko Kurisu, das in Japan bereits eine Fortsetzung erhalten hat. Die deutsche Übersetzung verfasste Charlotte Scheurer. Die Handlung umfasst die Geschichten von insgesamt 5 Kundinnen und Kunden, welche jeweils von ihnen selbst in der Ich- und Vergangenheitsform erzählt werden. Die sechste und letzte Episode handelt schließlich von Kogetsu.

Jedes Konfekt, das in der Confiserie Kohaku verkauft wird, hat eine bestimmte Wirkung. So sucht sich beispielsweise die Schülerin Kana, die an ihrer Beziehung zweifelt, ein Konpeito aus. Wenn man es verzehrt, geschieht jeden Tag eine kleine gute Sache. Die junge Mutter Chika wählt hingegen einen Liebesapfel, der ihr erlaubt zu sehen, wie stark sie von den Menschen um sie herum geliebt wird. In jeder der Geschichten hat das ausgesuchte Konfekt eine Auswirkung auf das Leben der Kund*innen. Kana kann die Beziehung zu ihrem Freund vertiefen, während Chikas Mann erkennt, das er für die Liebe seiner Frau auch etwas tun muss. Über allem thront stets Kogetsu, der aus einem Versteck beobachtet, wie die Süßigkeit das Leben der Menschen verändert.

Besonders berührt hat mich Kogetsus eigene Geschichte über seine Freundschaft mit Akifumi Kohaku, der ihm das Confiserie-Handwerk beigebracht hat und nach dem das Ladengeschäft benannt ist. Von ihm lernte Kogetsu viel über Menschen, ihre Eigenheiten und Gefühle und für ihn brachte er das größte Opfer, das man sich in einer Freundschaft vorstellen kann. Die Grundhandlung hat mich inhaltlich sehr stark an die seit über 10 Jahren erscheinende Manga-Reihe „Die Schokohexe“ erinnert – möglicherweise war sie die Inspiration?

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Über koreanisches Gebäck und Trauer

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Nach dem Tod ihrer Großmutter erbt Yeonhwa deren kleine Konditorei am Rande Seouls. Im Testament sind jedoch einige Bedingungen genannt, die sie unbedingt befolgen muss: mindestens einen Monat muss sie ...

Nach dem Tod ihrer Großmutter erbt Yeonhwa deren kleine Konditorei am Rande Seouls. Im Testament sind jedoch einige Bedingungen genannt, die sie unbedingt befolgen muss: mindestens einen Monat muss sie das „Hwawoldang“ weiterführen und sie darf nur zwischen 22 Uhr und Mitternacht öffnen. Noch dazu warten Schulden von 100 Millionen Won auf sie. Wie soll Yeonhwa die jemals abbezahlen? Was hat es mit den nächtlichen Öffnungszeiten auf sich? Und was hat es mit Sawol auf sich, der schon ihre Großmutter unterstützt hat und sich Yeonhwa gegenüber manchmal so seltsam verhält?

„Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei“ stammt aus der Feder einer – laut Verlagsmarketing – preisgekrönten Bestsellerautorin, die Lee Onhwa als ihr neues Pseudonym ausgewählt hat; die deutsche Übersetzung verfasste Alexandra Dickmann. Erzählt wird aus der Perspektive der Protagonistin Yeonhwa in der Ich- und Vergangenheitsform, wobei aber auch die Lebensgeschichten der unterschiedlichsten Kunden und Kundinnen der Konditorei in die Handlung einfließen.

Schon nach kurzer Zeit wird deutlich, dass es bei „Hwawoldang“ nicht um ein normales Ladengeschäft handelt, sondern einen Ort, an dem Verstorbene in ihr nächsten Leben hinübergehen. Demzufolge ist der Roman keine reine Wohlfühlgeschichte, sondern thematisiert auch Tod und Trauer. Gut hat mir dabei gefallen, dass wir ganz unterschiedliche Besucher*innen und ihre Angehörigen kennenlernen. So geht es beispielsweise um eine Mutter und ihre Tochter, um einen Mann und seine große Liebe, um Freundinnen oder Stiefgeschwister.

Diese sehr menschlichen Geschichten über die Schwere des Abschiednehmens haben mir gut gefallen, die Handlung um Yeonhwa selbst, ihre Großmutter und den mysteriösen Sawol, der im Laden aushilft, habe ich als deutlich schwächer empfunden. Die Autorin arbeitet im Prinzip das ganze Buch hindurch auf mehrere Szenen hin, die dann viel zu kurz ausfallen, zu konstruiert oder zu unspektakulär wirken. Somit bleibt die eigentliche Kernhandlung hinter den Schicksalen der Verstorbenen deutlich zurück – schade!

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