Cover-Bild Gym
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23,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 192
  • Ersterscheinung: 19.08.2025
  • ISBN: 9783446281639
Verena Keßler

Gym

Clever, witzig und wild: mit ihrem neuen Roman erobert Verena Keßler das Fitnessstudio literarisch und »pusht ihre Hauptfigur bis ans Limit.« (Jessica Lind)

Glänzende Spiegel, definierte Körper, legere Flirts am Tresen. Die Protagonistin in Verena Keßlers knalligem Roman liebt ihren neuen Job im MEGA GYM. Es gibt keinen Leistungsdruck, keine Überstunden, dafür liebenswerte Kolleginnen und einen Chef, der stolzer Feminist ist. Alles perfekt, wäre da nicht die klitzekleine Lüge, zu der sie sich im Einstellungsgespräch hat hinreißen lassen. Sie habe kürzlich erst entbunden, hat sie behauptet, und jetzt wollen alle Babyfotos sehen und fragen ständig nach „dem Kleinen“. Doch erst, als Bodybuilderin Vick auftaucht, wird klar, dass ein erfundenes Kind nicht das einzige Geheimnis dieser verschwiegenen Erzählerin ist. Eine Geschichte über Obsession, Ehrgeiz und die selbstzerstörerische Kehrseite schöner Oberflächen.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.11.2025

Körperwahn und Selbstoptimierung

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Die namenlose Erzählerin erzählt im Vorstellungsgespräch des Fitnesscenters MEGA GYM die Lüge, erst vor kurzem entbunden zu haben und deshalb noch nicht wieder in Form zu sein. Ihr Chef, selbsternannter ...

Die namenlose Erzählerin erzählt im Vorstellungsgespräch des Fitnesscenters MEGA GYM die Lüge, erst vor kurzem entbunden zu haben und deshalb noch nicht wieder in Form zu sein. Ihr Chef, selbsternannter Feminist, stellt sie ein, weshalb die Protagonistin am Tresen arbeitet. Die wöchentlichen Trainings dienen zunächst nur des Scheins, bis sie eine ernsthafte Dimension einnehmen und von Stütze der Lüge zu selbstzerstörerischer Selbstoptimierung und Körperwahn werden.

Verena Keßler hat anhand der Figur sehr gut veranschaulicht, wie schnell die Umgebung innerhalb des Fitnesscenters Druck bis hin zu Wahn auslösen kann. Die anfängliche Lüge über das Kind gerät bald in den Hintergrund und die Trainingseinheiten, neue Ansätze, ihren Körper zu definieren und immer neue Ziele zu erreichen, nehmen bald allen Fokus ein.
Ich mochte den temporeichen Schreibstil, die schnellen Entwicklungen und hatte das Gefühl, durch die immer wieder auftauchenden Anspielungen auf den vorherigen Job und daraus resultierende Probleme und Konsequenzen auf etwas viel Größeres zuzurasen, das die Erzählerin versucht, wegzutrainieren.
Ein außergewöhnlicher Roman, den ich nur so verschlungen habe und bei dessen Lektüre mir sämtliche Gedanken gekommen sind. Mir wird "Gym" noch eine ganze Weile in Erinnerung bleiben.

Veröffentlicht am 29.09.2025

Witzig, Spritzig, leicht verstörend und absolut lesenswert

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Da ich „Die Gespenster von Demmin“ von Verena Keßler sehr mochte, war ich schon sehr gespannt auf diesen Roman. Auch wenn das Thema ein ganz anderes ist, hat mich dieses Buch wieder vollkommen vereinnahmt.
Wir ...

Da ich „Die Gespenster von Demmin“ von Verena Keßler sehr mochte, war ich schon sehr gespannt auf diesen Roman. Auch wenn das Thema ein ganz anderes ist, hat mich dieses Buch wieder vollkommen vereinnahmt.
Wir begleiten eine namenlose Erzählerin durch viele unglaublich starke Szenen. Sie bewirbt sich für einen Job im Fitnessstudio. Angesprochen auf ihre weniger sportliche Figur, behauptet sie einfach, sie habe kürzlich entbunden. Diese „Notlüge“ begleitet einen durch den ersten Teil, was manchmal ziemlich lustig ist. Aber man merkt schnell, dass unsere Hauptfigur kein schlechtes Gewissen wegen ihrer Lüge, und der zahlreichen anderen Lügen, die diese nach sich zieht, hat. Dann trifft sie auf Vick, eine Bodybuilderin, und von da an hat sie nur noch ein Ziel: besser zu sein als die Beste, koste es, was es wolle.
Ich habe dieses Buch sehr genossen. Diese präzisen Sätze von Verena Keßler treffen immer genau ins Schwarze. Die Sprache ist so herrlich direkt, und die weibliche Hauptperson, die sich immer mehr in den Optimierungswahn hineinsteigert, habe ich sehr gerne, oft mit einem Kopfschütteln, beobachtet. Im Laufe der Geschichte wird ihr Lebensweg immer weiter entblättert, und langsam fügt sich alles zusammen.
Besonders einfallsreich und genial fand ich den Schluss. Man kann erahnen, wie die Geschichte höchstwahrscheinlich weitergeht, ohne dass darüber noch ein weiteres Kapitel geschrieben werden müsste.
Einfach ein witziges, spritziges und auch leicht verstörendes Buch, was ich durchaus positiv meine. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Was für ein Rausch!

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„Auf diesen Bildern sah man die Arbeit, die in allem steckte, die Disziplin, die es brauchte, den Willen, der sie von den meisten unterschied. Hier ging es nicht um Schönheit, nicht um Sex, nicht darum, ...

„Auf diesen Bildern sah man die Arbeit, die in allem steckte, die Disziplin, die es brauchte, den Willen, der sie von den meisten unterschied. Hier ging es nicht um Schönheit, nicht um Sex, nicht darum, was irgendjemand von ihr dachte oder wollte. Auf einmal war es mir vollkommen klar. Was Vick da machte, war, sich selbst zu erschaffen. Ein Selbst, das sich so sehr abhob, so sehr für sich stand, so unumstößlich da war in der Welt, dass jede Meinung dazu, jede Wertung, jedes Begehren einfach daran abprallen musste“

Die namenlose Protagonistin arbeitet nach einem kompletten Zusammenbruch im „Mega Gym“ am Empfang und erschafft sich neu. Um den Job zu bekommen behauptet sie, Alleinerziehende Mutter zu sein und nur Wochen zuvor entbunden zu haben. Im Gym fängt sie schliesslich auch an zu trainieren und gelangt langsam in eine Spirale, aus der sie nicht mehr hinausgelangt…

Dieses Buch ist ein Rausch! Ich konnte und wollte nicht mehr aufhören und habe es innerhalb kürzester Zeit durchgelesen. Geschickt webt die Autorin Gegenwart und Vergangenheit ineinander, nur langsam wird klar, wieso die Protagonistin jetzt überhaupt in einem Gym jobbt. Und der Strudel, in den sie gelangt, wird kraftvoll und spannend beschrieben. Ein sehr starkes Buch!

Veröffentlicht am 19.09.2025

Lügen, Pump & Proteinshakes

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Wer glaubt, dass ein Fitnessstudio nur der Ort für Bizeps, Burpees und Beinpresse ist, der irrt gewaltig. Verena Keßler zeigt in Gym, dass hinter glänzenden Spiegeln und Eiweißshakes nicht nur Muckis, ...

Wer glaubt, dass ein Fitnessstudio nur der Ort für Bizeps, Burpees und Beinpresse ist, der irrt gewaltig. Verena Keßler zeigt in Gym, dass hinter glänzenden Spiegeln und Eiweißshakes nicht nur Muckis, sondern auch ganze Lebenslügen aufgebaut werden können – und das in einem Ton, der so frisch ist wie der Geruch von neu geöffnetem Magnesium-Pulver.
Die namenlose Protagonistin stolpert nicht einfach in das MEGA GYM, sie mogelt sich hinein – mit einer Notlüge, die so klein klingt wie ein Satz Sit-ups und sich dann doch zu einem Marathon aus Täuschungen auswächst: Angeblich hat sie gerade ein Kind bekommen. Applaus, Mitleid, Respekt – alles da. Nur: Babyfotos sind schwer zu liefern, wenn es „den Kleinen“ gar nicht gibt. Hier liegt die große Raffinesse des Romans: Keßler macht aus einer spontanen Ausrede einen dramaturgischen Deadlift, bei dem wir Leserinnen und Leser mit jeder Seite tiefer in die Gedankenwelt einer Erzählerin gezogen werden, die selbst nicht mehr weiß, wo die Wahrheit endet und die Pose beginnt.
Besonders stark gelingt es Keßler, den Fitnesskult als Bühne für Selbstoptimierung, Sehnsucht nach Anerkennung und die Gefahr der Obsession zu inszenieren. Zwischen legeren Flirts am Tresen, Proteinshake-Smalltalk und dem Stolz eines feministischen Chefs entfaltet sich eine Geschichte, die mal komisch, mal beklemmend wirkt – ein Wechselspiel wie zwischen Aufwärmübung und Maximalgewicht.
Und dann ist da Vick: die Bodybuilderin, die wie eine lebendige Hantel aus Stahl den Ton im Studio und in der Erzählung verschiebt. Mit ihrem Auftreten kippt das Buch vom lockeren Aufwärmen ins Hochintensive – kein leichtes Pumpen mehr, sondern eiserner Drill. Ab hier wird klar: Die Notlüge war nur der erste Satz im Trainingsplan einer Frau, die sich selbst neu erfinden will – koste es, was es wolle.
Keßlers Sprache ist dabei so pointiert, dass man beim Lesen fast glaubt, den Schweiß tropfen zu hören. Humor und Härte, Satire und Tragik – Gym jongliert das alles mit der Leichtigkeit eines Fitnessgurus, der noch beim Plank über Gleichstellung diskutiert.
Am Ende bleibt ein Fazit, das so simpel wie schwer ist: Ehrlichkeit wiegt mehr als jede Langhantel. Gym ist ein Roman, der unterhält, erschüttert, zum Schmunzeln bringt und gleichzeitig mitten ins Herz der Selbstoptimierungsgesellschaft zielt. Ein echtes Jahreshighlight – mit Muskelkater-Garantie fürs Hirn.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Wenn Fitnesskult zur Obsession wird

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Verena Kessler liefert uns ein realistisches Cover mit einer ausgepowerten Frau, das gut zu der Thematik passt. Ihre namenlose Erzählerin lügt, um den Job als Thekenkraft in einem hypermodernen Fitnessstudio ...

Verena Kessler liefert uns ein realistisches Cover mit einer ausgepowerten Frau, das gut zu der Thematik passt. Ihre namenlose Erzählerin lügt, um den Job als Thekenkraft in einem hypermodernen Fitnessstudio zu ergattern, denn ihr Chef, ein Feminist, hat Mitleid mit ihr, da sie vorgibt, vor kurzem entbunden zu haben. Allerdings passt sie nicht wirklich in diesen “Laden“, da sie zu dick, nicht stylisch, sondern eher verlottert rüberkommt. Als sie jedoch das Training für sich entdeckt, beginnt eine Obsession, denn sie will sich anpassen. Erst im Verlauf der Geschichte wird deutlich, dass sie vorher einen sehr gut bezahlten, aber äußerst arbeitsintensiven Job verloren hat. Sie ist es also gewohnt, alles für ihre Arbeit zu opfern. Die Protagonistin findet sich recht schnell in die neue Tätigkeit ein, jedoch ist es ein großes Problem für sie, dass sie behauptet hat, ein Baby zu haben, denn die Kolleginnen wollen Babybilder sehen. Bald wird aber deutlich, dass sie noch mehr zu verbergen hat.
Das Werk ist nur 192 Seiten stark, enthält aber keine Längen, sondern hat mich in all seiner Sogkraft fasziniert, obwohl es recht oberflächlich beginnt.
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Kessler schreibt humorvoll, legt die Finger in die Wunde, kritisiert und liefert uns eine recht absurde Story, die aber witzig und aktuell rüberkommt,. Dabei beobachtet sie sehr pointiert und scharf, schafft abwechslungsreiche Personen und regt zum Nachdenken an über Optimierungswahn und Obsession, sprich den Anforderungen der modernen Leistungsgesellschaft, für die man sich quälen und oft bis zum Exzess steigern muss. Letztendlich geht es aber allen Menschen nur um Anerkennung. Die Frage ist nur, ob man sie diese „erarbeiten“ und „erlügen“ kann.
Ein unterhaltsames, teils satirisches Werk über Selbstzerstörung mit viel Gesellschaftskritik.
5 Punkte