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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.10.2025

ein täglicher Kampf

Kinderspiel
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Der Roman wird aus Sicht von Soldier als Ich-Erzählerin geschildert, indem sie ihre schmerzhaften und schönen Eindrücke über die Geburt ihres Sohnes und ihre Mutterschaft preisgibt. Die Tage sind geprägt ...

Der Roman wird aus Sicht von Soldier als Ich-Erzählerin geschildert, indem sie ihre schmerzhaften und schönen Eindrücke über die Geburt ihres Sohnes und ihre Mutterschaft preisgibt. Die Tage sind geprägt von Einsamkeit, Wut, Trauer über die verlorenen Momente, Unverständnis, aber auch von Liebe und glücklichen Momenten, wobei hier der Fokus auf der Ernüchterung gelegt wurde. Die Stimmung ist fast durchwegs gedrückt, traurig, depressiv, nur kurz unterbrochen von Glücksmomenten oder positiven Situationen, sodass ich den Roman Jungmüttern oder auch Vätern nicht empfehlen würde, sondern erst als Lektüre im Nachhinein, wenn die eigenen Kinder schon aus dem Alter heraus sind. Im Nachhinein kann man gewisse Situationen, die beschrieben werden, anders sehen, darüber schmunzeln, oder erkennen, dass dies doch nicht so dramatisch oder aussichtslos war, aber wenn man selbst in der Situation feststeckt, bewertet man emotionaler, dramatischer, intensiver.
Soldier kommt auch nicht gut mit ihrer neuen Situation als Mutter und wie sie nun von anderen wahrgenommen wird klar, sodass es wirkt, als ob sie sich im Vorhinein nicht so viele Gedanken darüber gemacht hätte oder sich von den positiven Bildern, die andere Mütter aus gelungenen Situationen posten, beeindrucken hat lassen. Dass ihr Mann sein Leben wir vorher weiterführen kann, stresst und stört sie zudem, sodass auch ihre Beziehung stark darunter leidet. Hilfe annehmen oder Arbeitsaufträge abgeben kann sie nicht gut und somit hat sie das Gefühl, alles alleine stemmen zu müssen und fühlt sich zunehmend überfordert, wobei ihre Gedankengänge und Handlungen teilweise schon in eine depressive Phase rutschen, sodass sie sich von einem Tag zum nächsten durchkämpft.
Den Titel und das Cover finde ich schön ausgewählt!

Veröffentlicht am 04.10.2025

Stalking

Hinter mir
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Der Thriller beginnt spannend mit Gemmas Leidensgeschichte und man kann ihn flüssig lesen, die Handlungsstränge sind gut verständlich, ohne Verschnörkelung, aber es bleibt trotzdem abwechslungsreich. Es ...

Der Thriller beginnt spannend mit Gemmas Leidensgeschichte und man kann ihn flüssig lesen, die Handlungsstränge sind gut verständlich, ohne Verschnörkelung, aber es bleibt trotzdem abwechslungsreich. Es ist nicht ganz einfach eine emotionale Bindung zu Gemma aufzubauen beim Lesen, sie bleibt in vielen Situationen unnahbar, obwohl ich ihre Leidensgeschichte gut nachvollziehen kann. Die Hintergrundgeschichte gefällt mir und das Thema Stalking finde ich wichtig und notwendig darüber zu schreiben, auch wenn ich schon einige ähnlich geartete Bücher darüber gelesen habe. Inhaltlich war es nicht komplett überraschend oder neu, aber dennoch gute Unterhaltung.

Veröffentlicht am 26.09.2025

Lilys persönlichsten Fälle

Wer mit den Wölfen heult
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Der Roman ist für mich eine Steigerung zum vorigen Teil der Reihe, obwohl mir auch der erste Teil schon gut gefallen hat. Die Themenbereiche sind spannend ausgewählt und in Kombination eine echte Herausforderung ...

Der Roman ist für mich eine Steigerung zum vorigen Teil der Reihe, obwohl mir auch der erste Teil schon gut gefallen hat. Die Themenbereiche sind spannend ausgewählt und in Kombination eine echte Herausforderung für Lily als Therapeutin. Auf der einen Seite versucht sie die Mobbing-Fälle in Polizeikreisen aufzudecken, auf der anderen Seite unterstützt sie eine junge schwangere Frau, deren Baby an plötzlichem Kindstod verstorben ist. Ich finde Lily, wenn es um Ermittlungen und Zusammenhänge geht, schlau, sie kombiniert gut und schnell. Als Therapeutin passt sie für mich aber gar nicht, da sie die Fälle zu stark persönlich an sich heranlässt und persönlich beleidigt ist, wenn eine Klientin ihre Ratschläge nicht befolgt. Außerdem hat sie bis jetzt kaum Therapieerfolge vorzuweisen, ihre Therapien enden allesamt in einem Chaos und Lily hat es nicht vorhergesehen, nicht vermutet und die Lügen, die man ihr erzählt, nicht gecheckt. Zudem verschiebt sie andauern aufgrund von privaten Terminen und Belangen ihre Termine mit den Klient*innen oder lässt häufig Arbeitstage ausfallen, das wirkt für mich unprofessionell und geht so gar nicht. Im Privatleben hat es Lily nicht einfach in ihrer Beziehung zu Dan, der ein Kind mit seiner Noch-Ehefrau erwartet. Hier bin ich gespannt, wie sie dies nach der Geburt des Babys hinbekommen werden, noch dazu, aufgrund ihres eigenen starken Kinderwunschs. Ich bin gespannt, was mich im hoffentlich bald erscheinenden nächsten Teil erwartet.

Veröffentlicht am 24.09.2025

Glaube ist größer als Wissen?

Monstergott
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Das Cover finde ich ausdrucksstark und auffällig, ebenso den kurzen, prägnanten Titel, der Interesse weckt. Inhaltlich lässt sich der Roman flüssig und einfach lesen, mit einer Einführung in die Aktivitäten ...

Das Cover finde ich ausdrucksstark und auffällig, ebenso den kurzen, prägnanten Titel, der Interesse weckt. Inhaltlich lässt sich der Roman flüssig und einfach lesen, mit einer Einführung in die Aktivitäten und in das Gedankengut der Glaubensgemeinde zu Beginn. Erst mit der Zeit bekommt man als Leserin ein Gespür dafür, wo es hinter den Fassaden brodelt und in welchen Bereich eher Scheinheiligkeit herrscht statt überzeugenden Glaubens. Esther und Ben erzählen ihre Probleme sehr anschaulich und man spürt vor allem bei Ben die innere Zerrissenheit, wie er leben möchte und wie er es schafft. Welche zerstörerische Kraft dahinter steckt, kann man nur erahnen und am Ende dann rückblickend kritisch beurteilen. Auch Esther fühlt sich als Frau in der Gemeinde nicht richtig wahrgenommen und unterstützt, da sie immer nur in der zweiten Reihe, hinter den Männern agieren darf, obwohl sie das Charisma und das Talent zur Führungskraft hätte, aber die Regeln gestalten andere. Sehr gelungen finde ich, dass Esther und Ben durch ihre klaren Bilder und durch ausdrucksstarke Gedanken und Beschreibungen die Leserinnen mit auf diese Reise nehmen und wenn man sich darauf einlassen kann, kann dadurch eine ungeahnte Leseerfahrung entstehen, mit der ich so nicht gerechnet hätte.

Veröffentlicht am 23.09.2025

Agateophobie

Botanik des Wahnsinns
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Ich hatte zu Beginn Startschwierigkeiten mit dem Roman, da die Kapitel in sehr kurzer Abfolge wechseln und zahlreiche literarische Zitate eingeflochten wurden, die gerade am Anfang etwas verwirrend und ...

Ich hatte zu Beginn Startschwierigkeiten mit dem Roman, da die Kapitel in sehr kurzer Abfolge wechseln und zahlreiche literarische Zitate eingeflochten wurden, die gerade am Anfang etwas verwirrend und zu häufig vorkamen. Erst mit der Zeit entwickelte sich ein guter Leseflow und auch ein bekannter Rhythmus in der Abfolge der Erzählungen, die ineinander verwoben sind. Der Ich-Erzähler berichtet von seiner Familie, dem Vater, der Mutter, den Großeltern und kurz auch von sich selbst, aber hiervon eher weniger aus einer beobachtenden, beschreibenden Rolle. Man hat als Leser*in nicht das Gefühl, dass er tatsächlich über seine Familie spricht, sondern dass er seine Familienmitglieder und Vorahnen aus beruflicher Distanziertheit heraus beurteilt und diagnostiziert. Seine familiäre Vorgeschichte ist geprägt durch zahlreiche psychische Erkrankungen und somit ist es für mich nicht verwunderlich, dass er sich schon sehr früh für die Psychologie interessiert und beruflich auch dafür entscheidet. Am Ende der Erzählung hat man ein rundes Bild über seine Kindheit und die Lebensphasen seiner Eltern erhalten, wenn auch eher aus oberflächlicher, beobachtender Sichtweise. Ich hätte mich über eine persönliche Note auch sehr gefreut. Die Zitate, die zu Beginn den Lesefluss unterbrechen und fast künstlich hinzugefügt wirken, fügen sich im Verlaufe der Erzählung besser in den Fließtext und das sprachliche Umfeld ein.