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Veröffentlicht am 30.11.2025

Wenn Rennen und Gefühle kollidieren

Off to the Races
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Vaughn Harding übernimmt die Ranch seines Großvaters und steht nun vor der Herausforderung, deren Ruf und Finanzen zu retten. Als er eine neue Pferdetrainerin einstellen will, begegnet ihm zu seiner Überraschung ...

Vaughn Harding übernimmt die Ranch seines Großvaters und steht nun vor der Herausforderung, deren Ruf und Finanzen zu retten. Als er eine neue Pferdetrainerin einstellen will, begegnet ihm zu seiner Überraschung Billie Black. Billie ist allerdings nicht auf den Mund gefallen, und die beiden liefern sich einen Schlagabtausch nach dem anderen während die gegenseitige Anziehung kaum zu leugnen ist..

Der Einstieg in Off to the Races war für mich unkompliziert, weil man sofort im Geschehen ist.
Die Dynamik zwischen Billie und Vaughn ist von Beginn an sehr intensiv, geprägt von Reibung und einer klar spürbaren Anziehung. Sie sagt, was sie denkt, nimmt kein Blatt vor den Mund und hat mich mit ihrer Art immer wieder zum Schmunzeln gebracht.

Vaughn dagegen war anfangs für mich etwas schwerer zu greifen und verhält sich in manchen Situationen nicht sofort nachvollziehbar. Ohne seine Kapitel wäre es für mich deutlich schwieriger gewesen, Sympathien für ihn zu entwickeln. Durch seine Sicht erhält man jedoch genügend Einblicke in seine Unsicherheiten und seine Gedankenwelt, um sein Verhalten besser einordnen zu können.

Die Entwicklung zwischen Billie und Vaughn wirkte auf mich durchweg realistisch. Die beiden liefern sich regelmäßig Wortgefechte, die unterhaltsam sind, aber nie ins Lächerliche abrutschen. Gleichzeitig spürt man in diesen Momenten die Anziehung und die Unsicherheiten auf beiden Seiten, die ihre Dynamik für mich nachvollziehbar gemacht haben. Auch der Spice war für mich genau richtig dosiert und hat sich an keiner Stelle unpassend angefühlt.

Auch die Nebenfiguren bringen Wärme und Humor in die Geschichte und eröffnen Potenzial für die nächsten Bände, da einige Figuren in den kommenden Teilen eine Rolle spielen werden.

Off to the Races ist insgesamt eine unterhaltsame, gefühlvolle Romance mit charmanten Momenten. Für mich ein gelungener Reihenauftakt, der Lust auf die weiteren Teile macht und auch Leser*innen abholt, die mit Pferden sonst nicht viel anfangen können.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 05.10.2025

Detailreiche Urban Fantasy mit mythologischer Tiefe

Musenrausch (Nektar und Ambrosia, Band 1)
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Wanda ist eine junge Künstlerin, die sich in einer Schaffenskrise befindet, bis plötzlich Neo in ihrem Leben auftaucht. Neo ist Wandas Muse, und eigentlich sollte sie weder in der Lage sein, ihn zu sehen, ...

Wanda ist eine junge Künstlerin, die sich in einer Schaffenskrise befindet, bis plötzlich Neo in ihrem Leben auftaucht. Neo ist Wandas Muse, und eigentlich sollte sie weder in der Lage sein, ihn zu sehen, noch ihn zu berühren. Gemeinsam müssen sie einen Weg finden, ihre Verbindung zu lösen, und Wanda begleitet Neo in seine Welt voller Kunst und Mythologie. Dabei gilt es herauszufinden, ob die aufkeimenden Gefühle zu Neo echt sind oder nur ein Trugbild. Musenrausch verbindet Urban Fantasy mit Elementen der griechischen Mythologie.

Der Schreibstil von Malou Bichon wirkte auf mich sehr bildhaft und voller kleiner Details, was die Welt für mich lebendig gemacht hat. Man spürt, wie viel Liebe in die Gestaltung einzelner Szenen geflossen ist. Gleichzeitig habe ich etwas Zeit gebraucht, um wirklich in die Geschichte hineinzufinden. Mit fortschreitender Handlung wird jedoch klar, dass sich hier Zeit genommen wurde, um eine detailreiche Grundlage für die Reihe zu legen.

Wanda ist als Protagonistin von Beginn an greifbar und überzeugend. Besonders ihre erste Reaktion auf die Begegnung mit Neo wirkte realistisch, da Figuren in vergleichbaren Szenarien oft zu gelassen dargestellt werden, was für mich schwer nachvollziehbar ist.
Auch das Setting in Hamburg empfand ich als erfrischende Abwechslung.
Neo hat auf mich von Anfang an ein vertrautes Gefühl vermittelt: Er ist freundlich und charmant, hält jedoch bewusst Distanz, weil beide unsicher sind, was hinter ihrer Verbindung steckt. Die Anziehung zwischen ihnen ist sofort spürbar und bildet die Grundlage ihrer Beziehung. Die eigentliche Spannung entsteht daraus, gemeinsam herauszufinden, ob diese Gefühle echt sind oder nur aus ihrer rätselhaften Verbindung entstehen, welche natürlich mit fortschreiten der Story genauer aufgeklärt wird.

Allerdings erfordert das Buch etwas Geduld. Zu Beginn tauchen viele Namen und Bezüge aus der griechischen Mythologie auf, die für mich nicht sofort leicht einzuordnen waren. Hinzu kommen mehrere Perspektiven, die anfangs verwirren können, sich im Laufe der Geschichte aber sinnvoll fügen. Wer sich für Mythologie begeistert, wird diese Tiefe schätzen, da die Autorin nicht nur oberflächlich auf bekannte Figuren und Legenden zurückgreift, sondern sie intensiv in die Handlung einarbeitet.

Insgesamt ist Musenrausch ein atmosphärischer Auftakt, der vor allem Leser:innen anspricht, die Lust auf viel Mythologie haben, die stark in die Handlung eingebunden ist und nicht nur als Nebenprodukt dient. Wer bereit ist, Geduld mitzubringen, wird mit einer fantasievollen, detailreichen Welt belohnt, die viel Potenzial für die Fortsetzungen bereithält.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.09.2025

"There is no Love without Fear"

The Witch Collector
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Raina Bloodgood wird in einen uralten Konflikt hineingezogen, der ihr Schicksal für immer verändert.
Getrieben von Rache stellt sie sich dem Witch Collector, Alexus Thibault, der ihre Schwester im Auftrag ...

Raina Bloodgood wird in einen uralten Konflikt hineingezogen, der ihr Schicksal für immer verändert.
Getrieben von Rache stellt sie sich dem Witch Collector, Alexus Thibault, der ihre Schwester im Auftrag des Frost King entführt hat. Doch schon bald findet sich Raina in einem Kampf zwischen alten Mächten wieder und muss entscheiden, ob sie dem Mann, den sie eigentlich töten wollte, nun vertrauen soll, um ihre Schwester zu retten. Während sie immer mehr Geheimnisse über ihre Welt enthüllt, beginnt sie sich zudem zu fragen, ob sie für Alexus nicht mehr empfindet, als sie je für möglich gehalten hätte.

Das Buch hat mich gleich zu Beginn überzeugt, da ich ohne große Einstiegshürden direkt in die Geschichte gefunden habe. Die Welt ist interessant, und das Magiesystem wirkt einzigartig und komplex, ohne überladen oder zu kompliziert zu sein. Raina ist eine starke Heldin, die man zu Beginn vielleicht noch etwas unterschätzt, die man jedoch von Anfang an ernst nimmt. Sie trifft nachvollziehbare Entscheidungen, reflektiert ihre Handlungen und bleibt dadurch glaubwürdig. Besonders gefallen hat mir, dass sie nicht in das typische Muster der naiven Protagonistin verfällt, sondern eine eigenständige Figur bleibt, die man gerne begleitet.
Sie lernt dazu, kennt aber zugleich in den meisten Fällen ihre eigenen Grenzen. Alexus wirkt anfangs geheimnisvoll und unnahbar, entfaltet jedoch nach und nach mehr Tiefe, sobald seine Beweggründe und die Zusammenhänge der Geschichte aufgedeckt werden.

Was mir besonders gefallen hat ist außerdem die Dynamik zwischen Raina und Alexus. Die Romantik ist hier definitiv eher als ein Slow-Burn aufgebaut, aber die Spannung ist jederzeit spürbar. Durch den Verzicht auf klischeehafte Tropes wirken die Interaktionen zwischen den beiden ehrlich und intensiv, so dass man als Leser*in gerne mitfiebert.

Der Spannungsbogen bleibt durchgehend hoch. Es gibt keine wirklichen Längen, stattdessen sorgen regelmäßige Höhepunkte dafür, dass die Handlung kontinuierlich vorangetrieben wird. Sympathische Nebenfiguren ergänzen das Geschehen, auch wenn der Fokus klar auf Raina und Alexus liegt. Inhaltlich bietet das Buch eine gute Mischung aus Fantasy und Romantik, ohne dass es zu komplex oder überfordernd wirkt. Da es sich um den Auftakt einer mehrteiligen Reihe handelt, merkt man deutlich, dass hier bereits Grundlagen für die Fortsetzungen gelegt werden.

Insgesamt ist The Witch Collector ein solider und unterhaltsamer Reihenauftakt mit einer Slow-Brun Romance, der durch seine spannende Protagonistin, eine angenehm zugängliche Welt und die Dynamik zwischen den Hauptfiguren überzeugt. Für mich kein absolutes Highlight, aber definitiv ein Buch, das Lust auf die Fortsetzung macht und Fans von romantischer Fantasy, die gerne neue Magiesysteme und Welten erkunden, gut unterhalten wird.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.09.2025

Zwischen Leben und Tod

The Deathless One
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Jessamine ist Prinzessin eines von einer rätselhaften Seuche bedrohten Reiches. Um ihr Volk zu retten, geht sie eine Vernunftehe ein, doch ihr frisch angetrauter Ehemann verrät und ermordet sie. Statt ...

Jessamine ist Prinzessin eines von einer rätselhaften Seuche bedrohten Reiches. Um ihr Volk zu retten, geht sie eine Vernunftehe ein, doch ihr frisch angetrauter Ehemann verrät und ermordet sie. Statt endgültig zu sterben, erwacht sie in einer Zwischenwelt, wo sie auf den Todlosen trifft, einen Gott, der seit Jahrhunderten auf sie wartet. Zwischen Intrigen, Verrat und einem aufkeimenden Band zwischen Leben und Tod muss Jessamine lernen, wer sie wirklich ist und welche Rolle sie in einer Welt voller Magie spielt.

Zugegeben, der Einstieg in das Buch fiel mir zunächst nicht so leicht. Zu Beginn begegnet man viel Exposition, die sich für mich als Leserin leider etwas holprig und nicht richtig flüssig angefühlt hat.
Gleichzeitig lässt das Buch viel Raum für ein detailreiches Worldbuilding und ein Magiesystem, das zu Beginn nicht ganz so einfach zu durchschauen ist.

Mit fortschreitender Handlung nahm die Geschichte für mich spürbar an Fahrt auf. Ab dem zweiten Drittel war ich deutlich besser im Lesefluss, und die Figuren sind mir Stück für Stück ans Herz gewachsen.

Den Protagonisten, und vor allem Jessamine, wird hier Zeit für eine authentische Charakterentwicklung gegeben, was mich besonders überzeugt hat. Ihr Weg und ihre Entscheidungen wirken dadurch für mich natürlicher und auch die Beziehung zwischen ihr und dem Todlosen wirkt nicht gehetzt.
Sie darf zweifeln, Fehler machen und in ihre neue Rolle hineinwachsen. Für mich macht genau das ihre Figur authentisch.
Der Todlose bleibt lange geheimnisvoll, wird aber mit jeder Enthüllung greifbarer. Auch ihre Verbindung entwickelt sich langsam, was mir besser gefallen hat, als wäre sie zu schnell forciert worden.

Natürlich hatte das Buch Schwächen, weil der Einstieg für mich persönlich etwas holprig war und Zeit gebraucht hat. Dennoch überwiegen die positiven Aspekte: das dichte Worldbuilding, der feministische Unterton und eine durchdachte Figurenentwicklung.
The Deathless One ist zwar kein perfekter Reihenauftakt, aber ein atmosphärischer Einstieg in eine düstere Romantasy Geschichte. Wer Geduld für einen langsamen Aufbau mitbringt, wird mit einer vielschichtigen Welt, ersten politischen Intrigen und einer Protagonistin belohnt, die auf glaubwürdige Weise ihre Stärke findet. Für mich definitiv ein Buch, das Lust auf den zweiten Band macht.

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Veröffentlicht am 06.09.2025

Düstere Anziehung, unerwartete Tiefe

My Haunted Heart – Ich sehe dich
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Ein unbekannter Mann taucht immer wieder in Floras Leben auf, zuerst in ihrem Blumenladen, dann plötzlich vor ihrem Haus. Wer ist er, und warum sucht er ausgerechnet ihre Nähe? Trotz der Furcht, die er ...

Ein unbekannter Mann taucht immer wieder in Floras Leben auf, zuerst in ihrem Blumenladen, dann plötzlich vor ihrem Haus. Wer ist er, und warum sucht er ausgerechnet ihre Nähe? Trotz der Furcht, die er in ihr auslöst, wächst eine Anziehung, der Flora kaum widerstehen kann. Doch Sawyer, der ehemalige Soldat, ist nicht nach Bishop’s Hope gekommen, um sie zu erobern, sondern um Abschied zu nehmen.

Die Geschichte hat mich schon bei Einstieg in das Buch schnell gefesselt. Mimi Kylling schreibt in einer flüssigen, angenehm ausbalancierten Sprache, die den Lesefluss trägt, ohne ins Schlichte oder ins Überladene abzurutschen. Flora wirkt von Beginn an nahbar und sympathisch, sie lebt zwar ein eher unspektakuläres Leben, doch wirkt dabei gleichzeitig nie blass oder langweilig.
Während Flora durch ihr Leben in dem beschaulichen Ort Bishop’s Hope schon fast ein offenes Buch ist, so steht Sawyer in einem großen Kontrast zu ihr. Er ist mysteriös und seine Vergangenheit und Beweggründe lernt man erst bruckstücksweise kennen.

Die Dynamik zwischen den beiden ist zunächst düster, ohne dabei in klassische Dark-Romance-Muster zu verfallen. Statt toxischer Machtspiele stehen Themen wie Akzeptanz, Heilung und Verzeihen im Vordergrund. Besonders das letzte Drittel hat mich emotional überrascht und intensiver berührt, als ich erwartet hätte, die Geschichte entfaltet dort eine Tiefe, die man dem Klappentext auf den ersten Blick nicht zutraut.

Insgesamt ist My Haunted Heart eine Liebesgeschichte voller unerwarteter Wendungen, die atmosphärisch düster beginnt und sich zu einer bewegenden, emotional vielschichtigen Erzählung entwickelt. Wer romantische Geschichten mit dunklen Untertönen sucht, die nicht auf Oberflächendrama setzen, sondern auf echte innere Auseinandersetzung, wird hier auf seine Kosten kommen.

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