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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2025

einfühlsam erzählt

Und mir bleibt der hässliche Hund
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Felix (16) verliert bei einem Verkehrsunfall von einem Moment auf den anderen seine Eltern und seine Schwester. Lediglich Bolt, der Familienhund, mit dem Felix bisher nie etwas anfangen konnte, überlebt. ...

Felix (16) verliert bei einem Verkehrsunfall von einem Moment auf den anderen seine Eltern und seine Schwester. Lediglich Bolt, der Familienhund, mit dem Felix bisher nie etwas anfangen konnte, überlebt. Um mit der Situation fertigzuwerden, beginnt Felix schließlich eine Therapie, wo er im Wartezimmer auf den gleichaltrigen Mo trifft. Die beiden freunden sich an und lernen durch Zufall Marie kennen, die in einer Drogerie jobbt. Gemeinsam verbringen sie den Sommer, und Mo und Felix beginnen, sich in Challenges ihren Ängsten zu stellen.

Franziska Hörner gelingt es, ein schwieriges Thema rund um Ängste, Trauer und Verlust hoffnungsvoll und leicht zu erzählen. Felix und Mo beschließen, auf eigene Faust eine Art Konfrontationstherapie zu machen, um ihre Ängste und Panikattacken zu überwinden – das ist nicht ohne Risiko. Zum Glück begleitet sie dabei Marie, die warmherzig und besonnen alles im Blick hat. Ganz nebenbei entwickelt sich noch eine einfühlsam erzählte, zarte Liebesgeschichte.

Das Buch ist nicht ganz frei von Klischees: So werden deutsche Familien eher emotional unterkühlt dargestellt, im Gegensatz zur überschwänglichen Herzlichkeit arabischer Familien. Während es die deutschen Figuren kaum schaffen, etwas halbwegs Genießbares auf den Tisch zu bringen, schmeckt es bei Mos Familie immer fantastisch. Diese Stereotype haben mich beim Lesen leider gestört.

Aufgrund des ernsten Hintergrunds und der nachdenklichen Grundstimmung halte ich die Altersempfehlung von 13 Jahren aufwärts für sehr passend, zumal auch erste sexuelle Erfahrungen thematisiert werden.

Ich würde dieses Buch vor allem jugendlichen Leser:innen empfehlen, die sich auf eine leise erzählte, ernsthafte Geschichte einlassen möchten.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Ein ordentliches Durcheinander!

Ete Petete & Tohu Wabohu - Gegensätze ziehen sich an
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Ete Petete wohnt mit ihrem Hund Pico Bello in einem äußerst aufgeräumten Zuhause: Jeden Tag wird gefegt und gewienert, der Garten ist akkurat gepflegt und der Tagesablauf folgt einem festen Plan. Dieser ...

Ete Petete wohnt mit ihrem Hund Pico Bello in einem äußerst aufgeräumten Zuhause: Jeden Tag wird gefegt und gewienert, der Garten ist akkurat gepflegt und der Tagesablauf folgt einem festen Plan. Dieser gerät gehörig durcheinander, als nebenan der chaotische Tohu Wabohu mit seiner Katze Ramba Zamba einzieht – und mit ihm Lärm und Chaos.

Ich habe das Buch gemeinsam mit meinem kleinen Neffen (3 Jahre) gelesen, und er war sofort begeistert. Vor allem die klangvollen Namen haben es ihm angetan. Auch die detailreichen, herrlich farbenfrohen und ausdrucksstarken Illustrationen haben wir immer wieder angesehen und er hat jedes Mal noch etwas Neues entdeckt. Die bunten Zeichnungen kommen in dem großformatigen Buch wirklich schön zur Geltung!

Die Geschichte wird in Reimform erzählt, was mir grundsätzlich sehr gut gefällt, da Reime eingängig sind und gerade bei kleinen Kindern besonders gut ankommen. Leider sind einige Reime etwas holprig geraten, so dass man beim Vorlesen manchmal über das unsaubere Versmaß stolpert.

Ich hatte erwartet, dass Ete Petete und Tohu Wabohu im Laufe der Geschichte voneinander lernen und Verständnis füreinander aufbringen. So könnte Tohu etwas rücksichtsvoller werden und eine gewisse Ordnung schätzen lernen, während Ete die Dinge etwas lockerer nehmen und spontaner werden könnte. Dies wird im Buch so nicht vermittelt. Nach anfänglichem Ärger versöhnen sich die beiden so schnell, dass ich zunächst dachte, im Buch würde eine Seite fehlen. Dies ist etwas schade, und ein paar Seiten mehr hätten der Geschichte sehr gutgetan.

Meinen Neffen hat das jedoch nicht gestört, und er hat viel Spaß mit dem Buch, vor allem, da die Figuren dazu einladen, sie mit verteilten Rollen zu sprechen.

Insgesamt ein wunderschön illustriertes Kinderbuch mit etwas Luft nach oben bei der inhaltlichen Ausarbeitung.

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Veröffentlicht am 10.10.2025

kulinarischer Roadtrip

Meine Tiroler Welt
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Viktoria Fahringer ist eine der vielversprechenden Spitzenköchinnen Österreichs, bereits mit Anfang Zwanzig erkochte sie sich die erste Haube von Gault&Millau. „Meine Tiroler Welt“ ist nun ihr erstes Kochbuch, ...

Viktoria Fahringer ist eine der vielversprechenden Spitzenköchinnen Österreichs, bereits mit Anfang Zwanzig erkochte sie sich die erste Haube von Gault&Millau. „Meine Tiroler Welt“ ist nun ihr erstes Kochbuch, zu dem auch gleichzeitig ein Dokumentarfilm produziert wurde. Ein bisschen merkt man diesen filmischen Aspekt dem Kochbuch an, die Besuche bei den Produzentenbetrieben für den Film finden sich auch im Buch und wirken ein bisschen wie eine Mischung aus Werbung und transkribierter Filmaufnahme. Diese Reportagen hätte ich jetzt nicht unbedingt gebraucht.

Die Rezepte sind nach Jahreszeiten geordnet, wobei die Zuordnung etwas verwirrend ist. So finden sich im Inhaltsverzeichnis unter „Frühling“ die Unterkapitel Getreide und Gemüse, „Sommer“ wartet mit Käse, Fisch, Lamm und Rind auf, der „Herbst“ bringt Knödel, Wild, Pilze und Kalb, und der „Winter“ bietet lediglich Nachspeisen. Das mutet nicht nur etwas seltsam an, sondern ist auch inhaltlich wenig aussagekräftig; etwas detaillierter hätte das Verzeichnis dann schon sein dürfen.

Die Rezepte selbst bieten Tiroler Klassiker, ansprechend bebildert und aussagekräftig sowie übersichtlich beschrieben. Der Schwierigkeitsgrad wird mit einer Punkteskala von 1 bis 3 angegeben, die Portionen sind gewöhnlich für 4 Personen gedacht, und Arbeits- und Koch- bzw. Backzeit sind sofort ersichtlich. Lediglich Piktogamme zur Kennzeichnung von veganen oder vegetarischen Speisen vermisse ich. Wie aus dem Inhaltsverzeichnis jedoch bereits ersichtlich wird, enthält ein sehr großer Teil der Gerichte tierische Produkte, so dass insbesondere Veganer:innen hier nur wenig finden dürften. Negativ aufgefallen ist mir, dass einige Rezepte ein sogenanntes „Zaubermehl“ benötigen, einen von Veronika Fahringer entwickelten glutenfreien „All-in-one-Mix“, der nur über ein Startup bezogen werden kann.

Fazit: Das Buch bietet einen kulinarischen Road-Trip durch Tirol und macht Lust aufs Nachkochen. Da mir an manchen Stellen der Marketing-Gedanke zu sehr im Vordergrund steht, ziehe ich einen Stern ab und vergebe 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 04.10.2025

Humorvoller und wendungsreicher Krimi

Der Tote im Kamin
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Inspector Frank Grasby aus York ist bei seinen Vorgesetzten in Ungnade gefallen, weil er einen Einsatz vermasselt und dabei versehentlich zwanzig der wertvollsten Pferde Englands in die Freiheit entlassen ...

Inspector Frank Grasby aus York ist bei seinen Vorgesetzten in Ungnade gefallen, weil er einen Einsatz vermasselt und dabei versehentlich zwanzig der wertvollsten Pferde Englands in die Freiheit entlassen hat. Daher wird er kurz vor Weihnachten 1952 in ein verschlafenes Nest namens Elderby versetzt, um eine Einbruchsserie bei einem Lord aufzuklären. Hierbei kann ja nicht allzu viel schief gehen – sollte man meinen. Doch kaum ist Grasby in Elderby eingetroffen, fällt ihm einem Leiche aus dem Kamin des Lords vor die Füße, und das ist erst der Anfang…

„Der Tote im Kamin“ ist der erste Band der dreiteiligen Reihe um Inspector Frank Grasby aus der Feder des leider 2025 verstorbenen Denzil Meyrick. Verfasst ist der Krimi in der Ich-Perspektive Franks, ergänzt durch Auszüge aus Polizeiberichten und Protokollen. Der Schreibstil ist flüssig und höchst unterhaltsam, gespickt mit viel britischem Humor. Frank liebt schöne Frauen, Bier und Sportwetten, was ihm schon die eine oder andere Schwierigkeit im Leben beschert hat. Er ist kein großer Held und schiebt auch beruflich gern eher eine ruhige Kugel. Trotz allem ist er von sich selbst recht überzeugt – im Gegensatz zu seinem Umfeld. Umso mehr bringen ihn die Ereignisse in Elderby in die Bredouille, zumal er auf seine etwas tollpatschige Art von einer Gefahr in die nächste gerät.

Der Fall bleibt bis zum Schluss spannend und hält vor allem in der zweiten Hälfte viele überraschende Wendungen bereit. Allerdings entwickelt er sich in eine Richtung, die ich anhand des Klappentextes so nicht erwartet hatte. Gegen Ende ist es zuweilen nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten, und manches wirkt auf mich etwas konstruiert.

Insgesamt ist „Der Tote im Kamin“ ein sehr kurzweiliger und abwechslungsreicher Krimi, der vor allem durch seine Erzählweise besticht. Ich würde auf jeden Fall gerne mehr von Frank Grasby lesen und hoffe, dass die beiden weiteren Bände zeitnah auf Deutsch erscheinen werden.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

einzigartiges Zeitzeugnis

Sieben Jahre in Tibet
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Vor vielen Jahren sah ich den gleichnamigen Film und wollte nun die bewegende Geschichte von Heinrich Harrers Leben in Tibet aus erster Hand lesen. Bildhaft und detailreich schildert Harrer seine Erlebnisse ...

Vor vielen Jahren sah ich den gleichnamigen Film und wollte nun die bewegende Geschichte von Heinrich Harrers Leben in Tibet aus erster Hand lesen. Bildhaft und detailreich schildert Harrer seine Erlebnisse und Eindrücke während seines Aufenthaltes in Tibet zwischen 1944 und 1951. Man spürt in seinen Worten die große Liebe zum Land, der Kultur und den Menschen, denen er mit Neugier und Respekt vor ihrer Lebensweise und ihrem Glauben begegnet. Harrer liefert damit ein einzigartiges Zeitzeugnis der tibetischen Kultur und ihres Gemeinwesens, die nach der chinesischen Invasion 1951 systematisch und unwiederbringlich zerstört wurden.

Auch wenn Heinrich Harrer kein Schriftsteller ist, wie er selbst anmerkt, und es dem Buch manchmal an Struktur mangelt, ist vor allem der Teil, der das Leben Harrers in Lhasa und seine Begegnungen mit dem 14. Dalai Lama schildert, äußerst spannend. Gelegentlich merkt man dem Text sein Alter etwas an (er entstand 1952), und Harrers Blickwinkel ist, trotz aller Offenheit und Wertschätzung gegenüber den tibetischen Traditionen, der eines weißen Mannes aus Europa.

Besonders spannend fand ich die Einblicke in die theokratische Gesellschaftsstruktur, das Feudalsystem und die religiösen Sitten und Gebräuche. Die Schwarzweißaufnahmen Harrers, die in das Buch integriert wurden, ergänzen den Text und lassen das Erzählte lebendig werden.

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