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Veröffentlicht am 22.10.2025

Mama! Jetzt reicht es aber!

Vielleicht ist die Liebe so
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Katja Früh war bisher als Schweizer Schauspielerin, Regisseurin und Dramaturgin bekannt, jetzt ist sie auch Schriftstellerin geworden. Sie ist nur ein Jahr älter als ich und hat mit „Vielleicht ist die ...

Katja Früh war bisher als Schweizer Schauspielerin, Regisseurin und Dramaturgin bekannt, jetzt ist sie auch Schriftstellerin geworden. Sie ist nur ein Jahr älter als ich und hat mit „Vielleicht ist die Liebe so“ doch recht spät ihr Erstlingswerk vorgelegt. Sie erzählt die tragikomische Geschichte von Anja und ihrer Mutter in der Ich-Form, so dass sich beim Lesen schnell eine geradezu persönliche Nähe aufbaut. Anja ist Mitte 40, war einmal Schauspielerin und arbeitet nun in einer Bar. Das Verhältnis zu ihrer dominanten Mutter ist „mittelprächtig“, am besten immer dann, wenn sie ihrer Mutter zustimmt. Mutter-Tochter-Verhältnisse sind nicht selten sehr emotional und nervenaufreibend, was aber Anja widerfährt, das ist schon recht ungewöhnlich. Die von mir gewählte Überschrift ist ein Zitat aus dem Kapitel 44.
Ihre Mutter teilt Anja bei einem gemeinsamen Essen lakonisch mit, dass sie gedenkt, am 18. Februar um 16 Uhr Suizid zu begehen, begleitet natürlich von Ärztin und Anwalt. Alles sei entschieden, da gibt es nichts mehr zu diskutieren. Sagt die Mutter. Anja ist dermaßen schockiert, dass ihr eigenes Gleichgewicht von dieser Minute an noch gestörter ist, als es das schon vorher war. Sie ist in psychiatrischer Behandlung, nimmt Medikamente gegen Schlaflosigkeit, Depressionen und Angstzustände. Nun kämpft sie nicht nur gegen all diese Beschwerden, sie versucht auch die Panik zu beherrschen vor jenem ominösen Datum. Als sie erkennt, dass sie die Mutter nicht umstimmen kann, beruhigt sie sich etwas und ist auch zu kleinen Hilfsdiensten bereits. Nur der von der Mutter geforderte Tod des Hündchens Anton geht ihr nicht so leicht von der Hand. Sie sucht sich Hilfe an der unsichersten Stelle ihres Lebens, bei ihrem Ex-Lover und Immer-noch-Freund Carlos. Freiwillige moralische Unterstützung erfährt sie eher in der Bar, von Stammgästen wie vom Personal. Aber erst Nelly, die engste und langjährigste Freundin der Mutter, kann ihr etwas Trost und Ruhe spenden.
Anja ist geplagt von Schuldgefühlen, nicht nur in Hinsicht auf ihre Mutter, sondern auch auf ihren Vater, der viel zu früh und als Alkoholiker verstarb. Die Mutter übergeht jegliches Bemühen von Anja, sich über alles, was sie bedrückt, auszusprechen. Später wird sie in Benjamin, dem Sohn von Nelly, endlich jemanden finden, der länger als zehn Minuten zuhört. Mehr zum Inhalt will ich nicht preisgeben. Es geht noch recht abwechslungsreich zu, das kann ich verraten.
In Anja kann ich mich an mancher Stelle sehr gut hineinversetzen, gerade die Auseinandersetzung mit dem (geplanten) Suizid eines geliebten Menschen ist höchst emotional. Es ist eine Tatsache, dass man so manchem, der es versucht hat und gegen seinen Willen gerettet wurde, sehr gegönnt hätte, friedlich zu sterben. Bei Anja ist das Gegenteil der Fall, ihre Mutter ist nicht sterbenskrank oder dement, sie will es nur nicht erleben. Dieser exzessive Hang zur Selbstbestimmung ist ungewöhnlich, aber ich kann ihn nachvollziehen. Da Anjas Mutter offensichtlich zu Exzentrik neigt, war der Satz „Ich liege im Sarg und will dabei nicht aussehen wie eine Hausfrau aus Buxtehude.“ tatsächlich so etwas von befreiend, ich konnte mir diese Frau vorstellen wie eine Filmdiva, schick, mit Zigarettenspitze und langem Kleid, immer auf Aufmerksamkeit bedacht. Und musste doch lachen. Da wollte sie wohl am Ende nichts dem Zufall überlassen. Wie ihr das gelingt, ist köstlich zu lesen und traurig zugleich.
Anja wird ein ganzes Buch lang als eine nicht mehr ganz junge Frau mit fürchterlichen Minderwertigkeitskomplexen gezeichnet. Aber die Formulierung „… und ich fühlte mich gemeint …“, die hätte sich die Autorin gern sparen können. Diese Talk-Show-Attitüde ist doch sehr abgedroschen. Viele Mal kommt in der einen oder anderen Form zum Ausdruck, dass, wenn sie, Anja, anders wäre, wäre alles gut. Aber so einfach ist es nicht. Auch das ständige Wiederholen, dass sie sich bei Nelly immer viel wohler und willkommener als bei ihrer Mutter gefühlt hat, ging mir etwas auf die Nerven. Hier hätte das Lektorat ab und an noch kürzen können, um den notwendigen Spannungsbogen nicht so zu überdehnen.
Ich habe das E-Book gelesen, kann deshalb zur Typografie nichts schreiben. Das Cover ist ansprechend, der Orange-Ton des kleinen Schmuckkissens hat eine beruhigende Wirkung, man muss nicht gleich aufs Schlimmste gefasst sein, wenn man zu diesem Buch greift. Und doch ist da eine Leerstelle, es fehlt eine Perle zur Symmetrie. Vielleicht ist die Liebe so.
Fazit: Ein Roman, der eine Geschichte erzählt, die so oder ähnlich überall passieren könnte. Dem Thema betreuter Suizid wird ein wenig der Mantel des Schreckens genommen. Lesenswert, aber ein bisschen langgezogen.

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Veröffentlicht am 20.10.2025

Englischer Humor trifft auf Ganoven

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code (Die Mordclub-Serie 5)
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Seit "Ein Teufel stirbt immer zuletzt" hat Richard Osman seine Fans fast zwei Jahre warten lassen, nun kann man sich mit Vergnügen dem 5. Band und den Donnerstagsmordclubermittlungen zuwenden. Der Stil ...

Seit "Ein Teufel stirbt immer zuletzt" hat Richard Osman seine Fans fast zwei Jahre warten lassen, nun kann man sich mit Vergnügen dem 5. Band und den Donnerstagsmordclubermittlungen zuwenden. Der Stil von Osborn ist unverändert, entweder man mag ihn oder nicht. Ich habe mich unterdessen sehr an die beiden Sprecher, Johannes Steck und Beate Himmelstoß, gewöhnt. Eigentlich könnte ich schon fast mitsprechen, denn was als nächstes kommt, das weiß man schon, "er sagt" oder "sie sagt" oder ähnliches, das wird so lakonisch vorgetragen, dass man über diese sinnbefreiten Blödeleien tatsächlich noch lachen kann.
Die Story um den unlösbaren Code ist reichlich verworren, ob am Ende eine Lösung naht oder der 6. Band schon am Horizont erscheint, wer weiß. Ich verrate es nicht.
Fazit: unterhaltsamer Zeitvertreib, englischer Humor, drei Sterne für die Geschichte, ein Extrastern für die Interpreten.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Das Buch macht Lust auf Kunst und Kultur

Die schönsten Museen in Brandenburg
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Gerhard Drexel hat in allen Winkeln Brandenburgs Museen, Galerien, Schlösser, auch Kirchen und andere Sehenswürdigkeiten für Touristen von ganz weit her, wie auch für Berliner und Brandenburger zusammengestellt. ...

Gerhard Drexel hat in allen Winkeln Brandenburgs Museen, Galerien, Schlösser, auch Kirchen und andere Sehenswürdigkeiten für Touristen von ganz weit her, wie auch für Berliner und Brandenburger zusammengestellt. Das Buch macht schon beim ersten Durchblättern sofort Lust auf eine neue Reise. Als gebürtige Berlinerin sind mir viele dieser Kulturstätten vom Namen her natürlich bekannt, aber ich habe gestaunt, dass ich keine zehn Prozent bisher selbst besucht habe. Mich zieht es Jahr für Jahr aus Schleswig-Holstein nach Potsdam, seit es das Barberini-Museum gibt, ist ein Besuch dort ein Muss. Aber es gibt augenscheinlich so viel mehr zu entdecken. Das Buch hilft dabei, für jeden das Richtige zu finden, aufgeteilt sind die Sehenswürdigkeiten in unterschiedliche Regionen. Am Ende gibt es aber ein Verzeichnis der Museen (nicht aber von Schlössern, Kirchen, Gedenkstätten) nach Themen sortiert.

Die einzelnen Beiträge sind kurz, gut formuliert und aussagekräftig. Zusätzliche Tipps wurden gut platziert. Im Gegensatz zu manch anderem Reiseführer wurde hier eine Schriftgröße verwendet, die man auch gut ohne Lupe lesen kann. Ein Pluspunkt! Einen Punkt Abzug muss ich aber für die buchbinderische Verarbeitung geben. Es ist nicht möglich, das Buch aufzuklappen, ohne den Rücken zu brechen. Da lässt sich kein Abschnitt in Ruhe lesen, das Buch klappt leider wieder zu. Eine Ringheftung sieht zwar nicht so edel aus, wäre aber bei einem etwas breiteren Format eine gute Lösung, um Reiseführer auch praktikabel zu machen. So etwas gibt es auf dem Buchmarkt schon.

Fazit: Hier finden Touristen und Brandenburger jede Menge Anregungen für Ausflüge und Besichtigungen.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Auf dieses Buch habe ich gewartet!

Das 5x5-Prinzip
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Mein Rheumatologe gibt mir bei jedem Termin den Tipp, bei Ingo Froböse nach Übungen für den Muskelaufbau zu suchen. Ich bin 70 und er meint, es wäre nötig. Nun bestätigt dieses Buch genau die Hinweise ...

Mein Rheumatologe gibt mir bei jedem Termin den Tipp, bei Ingo Froböse nach Übungen für den Muskelaufbau zu suchen. Ich bin 70 und er meint, es wäre nötig. Nun bestätigt dieses Buch genau die Hinweise meines Arztes und ich habe einen guten Einstieg für das Training gefunden. Das einzige, was mir fehlt, wäre eine passende DVD bzw. Downloadlinks mit den einzelnen Übungen. Ich habe mir einige Seiten ausgedruckt und werde den Ablauf versuchen zu verinnerlichen. Ganz so einfach, wie es beschrieben ist, ist es für mich als recht unbewegliche Anfängerin nicht. Aber mein Dank geht ganz eindeutig an den Autor, der sich wirklich Gedanken gemacht hat, wie das Problem zu lösen ist. Ein Update zur Rezension werde ich noch schreiben, wenn ich das Training eine Weile gemacht habe.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Nichts Menschliches ist ihnen fremd

Bodenfrost
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Die Wallner- und Kreuthnerkrimis von Andreas Föhr sind für mich seit Jahren ein Muss! Auch "Bodenfrost" hat mir wieder gut gefallen, Michael Schwarzmeier macht es auch einem Preußen leicht, die mundartlichen ...

Die Wallner- und Kreuthnerkrimis von Andreas Föhr sind für mich seit Jahren ein Muss! Auch "Bodenfrost" hat mir wieder gut gefallen, Michael Schwarzmeier macht es auch einem Preußen leicht, die mundartlichen Feinheiten gut zu verstehen. Seine Stimme passt so wunderbar zu den skurrilen Figuren und ihren abgedrehten Aktionen. Der Kriminalfall ist wieder recht verworren, zum Ende hin wird es ganz verrückt. Ob die Geschichte glaubhaft ist oder nicht, das ist eigentlich vollkommen egal. Ich habe mich jedenfalls bestens unterhalten gefühlt. Spoiler werde ich hier nicht einsetzen, das verdirbt den Spaß. Einzig eine kritische Bemerkung: in Krimis brauche ich kein Gendern. Weder "Mitarbeitende" noch "Diabetiker oder Diabetikerinnen" passen zu diesem ansonsten sehr bodenständigen Krimi.

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