Ein modernes Märchen
Tee für die GeisterIch mag Tee und ich mag Geister. Und wo passen diese beiden Dinge noch gut hin? In den Herbst! In meiner Bücherei gewünscht, bekommen und natürlich gleich ausgeliehen.
In dieser sonderbaren Geschichte ...
Ich mag Tee und ich mag Geister. Und wo passen diese beiden Dinge noch gut hin? In den Herbst! In meiner Bücherei gewünscht, bekommen und natürlich gleich ausgeliehen.
In dieser sonderbaren Geschichte folgen wir zwei ungleichen Zwillingsschwestern, die nach dem Tod der Mutter gemeinsam nach Antworten suchen. Warum wurde Félicité geliebt, während Agonie nur Ablehnung erfahren hat? Warum ist die eine mit der Gabe gesegnet, Geistern ins Jenseits zu helfen, während die andere mit jedem Wort Verderben bringt? Die Reise führt sie zu verloren geglaubten und neuen Verwandten, durch verlassene Dörfer und immergrüne Oasen bis schließlich zum Geist der Mutter und allen Antworten.
Wäre das Buch ein Film, er würde wohl auf Arte laufen.
Es ist ein etwas anspruchsvoller und tiefgreifender Roman, der sich sehr viel künstlerische Freiheit nimmt. Am Anfang bin ich gar nicht klargekommen mit dem Schreibstil, aber ich habe schnell aufgehört zu versuchen, die Geschichte zu entwirren und habe mich einfach treiben lassen. Ich denke das ist die beste Art das Buch zu genießen.
Ich war überrascht wie viel Fantasy in der Geschichte steckt, aber auf eine gute Art. Jemand der Geister sehen kann, ist nicht so ungewöhnlich. Aber jemand dem Schmetterlinge aus dem Mund kommen, die alles altern lassen und dessen Spucke fleischfressende Pflanzen hervorbringt, das ist schon eher etwas aus einem Märchenbuch.
Und das ist der Roman auch. Eine Geschichte über familiäres Trauma, verpackt als modernes Märchen mit klassischen Merkmalen wie Hexen, versunkenen Dörfern, Teekannen mit Eigenleben und wundersamen Pflanzen.
Ich finde dabei ist ein ganz besonderer Roman herausgekommen. Ein Familienroman, wenn man so will. Endlich mal ohne Romantik. Echt, obwohl so viel Fantasy dabei ist. Ein Roman der sich von anderen unterscheidet und im Gedächtnis bleibt.
Durch die gedichtsähnlichen Passagen wirkte der Roman zwar unausgeglichen und das Ende hinterließ so manche Fragen bei mir, aber insgesamt war es für mich ein besonderes Leseerlebnis.