Ethik, Moral und Verwirrung...! Ein Roman voller Tiefe und menschlicher Abgründe.
Ruf der Leere"Ruf der Leere" von Daniel Alvarenga ist als Taschenbuch mit 384 Seiten bei HarperCollins erschienen.
Eine abgelegene Hütte. Eine Wiedersehensparty. Und eine unverhoffte Begegnung mit dem Tod in Person.
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"Ruf der Leere" von Daniel Alvarenga ist als Taschenbuch mit 384 Seiten bei HarperCollins erschienen.
Eine abgelegene Hütte. Eine Wiedersehensparty. Und eine unverhoffte Begegnung mit dem Tod in Person.
Der 24-jährige Felix Riedhoff ist ein Sohn aus gutem Hause. Der Vater ist ein renommierter Wissenschaftler, die Mutter verstarb bei der Geburt von Felix`5 Jahre jüngerer Schwester Elena. Seit den Kindergartentagen ist Felix eng mit Ben befreundet, der gerade 6 Monate in Australien verbracht hat und nun sind sie zusammen auf dem Weg zu der abgelegenen Waldhütte der Familie Riedhoff, um Bens Rückkehr zu feiern. Überraschend und zu Felix Überdruß ist Bill mit dabei, ein Australier, der Ben nach Deutschland begleitet hat, außerdem kommen noch Laura, eine ganz besondere Freundin, mit ihrem Freund Fabian und ihrer besten Freundin Lisa. Später stößt noch Elena, die von der Party nichts wusste und zum Alleinsein hergekommen ist, zu der Gruppe - aber nicht allein, denn vor der Hütte hat sie einen alten Mann getroffen, der dann plötzlich behauptet, der Tod zu sein. Er stellt ihnen ein Ultimatum: Bis Mitternacht soll die Gruppe entscheiden wer von ihnen es verdient, zu überleben. Eine Person. Der Rest wird sterben...!
Desweiteren bietet uns Alvarenga durch die Erzählung aus der Sicht unterschiedlicher Charaktere sowie zeitlicher Rückblenden tiefe Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt der Protagonisten sowie in die Struktur ihrer Beziehungen zueinander. Immer mehr wendet sich der Roman zu etwas Düsterem, Geheimnisvollem voll menschlicher Abgründe und wirft die Frage auf, wie weit Menschen gehen und ob in Ausnahmesituationen jeder sich selbst der Nächste ist oder ob doch Mitgefühl, Sympathie und soziale Bindungen die Oberhand behalten.
Anfangs fand ich die Story eher langweilig, zwar unterhaltsam geschrieben, aber eher so dahinplätschernd. Nach ca 100 Seiten hat es mich dann so richtig gepackt und mitgerissen und ich war fasziniert von der Vielschichtigkeit der Motive, der Handlungsantriebe und dem, was diverse Aktionen auslösen. Am Ende jedoch wurde ich dann absolut unzufrieden und verwirrt zurückgelassen, denn das Ende ist total offen, was leider gar nicht nach meinem Geschmack ist.
Felix ist ein verwöhnter, narzistischer und zutiefst unsympathischer junger Mann, dazu berechnend und ausgesprochen manipulativ. Laura mochte ich recht gern, sie ist sehr sympathisch und steht für sich und ihre Meinung ein, allerdings fand ich sie stellenweise etwas naiv. Die anderen Figuren hätten noch akzentuierter ausgearbeitet sein können, sie blieben ein wenig oberflächlich.
Ich hätte mir gewünscht, dass der Fokus mehr auf der NoEscape-Situation in der Hütte liegt, wie es der Klappentext suggeriert. Das kam mir insgesamt zu kurz und der Schwerpunkt war nicht das, was ich erwartet hatte...
Insgesamt durchaus lesenswert, aber der Klappentext weckt andere erwartungen und das Ende bleibt offen - wen das nicht stört, der wird sicherlich sehr angetan sein.