Autobiografisch. (Leider) aus dem Leben gegriffen.
Mama & SamDie Ich-Erzählerin, die auf eine physisch sowie psychisch gewaltvolle Kindheit zurückblickt, erfährt vom Tod ihrer Mutter. Dieser kommt zu früh, unerwartet. Und hinterlässt viele Fragezeichen. Zurück bleibt ...
Die Ich-Erzählerin, die auf eine physisch sowie psychisch gewaltvolle Kindheit zurückblickt, erfährt vom Tod ihrer Mutter. Dieser kommt zu früh, unerwartet. Und hinterlässt viele Fragezeichen. Zurück bleibt eine Tochter, die sich u. a. anhand von Chatverläufen Stück für Stück durch die letzten Lebensmonate ihrer Mutter arbeitet. Eine Mutter, die von einem Love-Scammer namens Sam schamlos ausgenutzt wurde. Eine Frau, die sich für vermeintliche Liebe und Nähe komplett hingegeben hat. Ihr Geld, ihre Zeit, ihr Vertrauen an einen Fremden, ein Phantom verschenkt, ja vergeudet hat. Weil sie selbst so zerbrechlich und bedürftig war? In gewisser Weise lernt die Tochter ihre Mutter bei ihrer wochenlangen Recherche neu kennen. Verzeiht ihr nicht ihre Taten, aber versöhnt sich auf gewisse Weise dennoch mit ihr.
Und ich frage mich: Wie konnte das einer intelligenten Frau passieren? Wie konnte sie sich so offensichtlich hinters Licht führen lassen? Warum hat sie das mit jeder Faser gespürt und dennoch zugelassen? Und, wie kann es sein, dass all dies auf diese oder ähnliche Weise tagtäglich geschieht? Wie fragil ist unsere Welt, unser Miteinander? Wie einsam sind ältere Menschen? Wo treibt uns die KI noch hin?
Es ist kein Roman im klassischen Sinne. Eher eine autobiografische Abhandlung. Eine Spurensuche. Auch nach dem "Warum?". Eine Verarbeitung. Sarah Kuttner überzeugt auch in diesem Buch wieder mit ihrer direkten, unverstellten Art, ohne Schnörkel.
Ich habe ebenfalls den Buchpreis-Gewinner 2024 "Hey guten Morgen, wie geht es dir?" von Martina Hefter gelesen. Auch hier geht es um Love-Scam. Diese Geschichte war mir allerdings schwer zugänglich. Sarah Kuttner's Roman möchte ich an dieser Stelle thematisch daher sehr empfehlen.