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Veröffentlicht am 11.11.2025

Autobiografisch. (Leider) aus dem Leben gegriffen.

Mama & Sam
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Die Ich-Erzählerin, die auf eine physisch sowie psychisch gewaltvolle Kindheit zurückblickt, erfährt vom Tod ihrer Mutter. Dieser kommt zu früh, unerwartet. Und hinterlässt viele Fragezeichen. Zurück bleibt ...

Die Ich-Erzählerin, die auf eine physisch sowie psychisch gewaltvolle Kindheit zurückblickt, erfährt vom Tod ihrer Mutter. Dieser kommt zu früh, unerwartet. Und hinterlässt viele Fragezeichen. Zurück bleibt eine Tochter, die sich u. a. anhand von Chatverläufen Stück für Stück durch die letzten Lebensmonate ihrer Mutter arbeitet. Eine Mutter, die von einem Love-Scammer namens Sam schamlos ausgenutzt wurde. Eine Frau, die sich für vermeintliche Liebe und Nähe komplett hingegeben hat. Ihr Geld, ihre Zeit, ihr Vertrauen an einen Fremden, ein Phantom verschenkt, ja vergeudet hat. Weil sie selbst so zerbrechlich und bedürftig war? In gewisser Weise lernt die Tochter ihre Mutter bei ihrer wochenlangen Recherche neu kennen. Verzeiht ihr nicht ihre Taten, aber versöhnt sich auf gewisse Weise dennoch mit ihr.

Und ich frage mich: Wie konnte das einer intelligenten Frau passieren? Wie konnte sie sich so offensichtlich hinters Licht führen lassen? Warum hat sie das mit jeder Faser gespürt und dennoch zugelassen? Und, wie kann es sein, dass all dies auf diese oder ähnliche Weise tagtäglich geschieht? Wie fragil ist unsere Welt, unser Miteinander? Wie einsam sind ältere Menschen? Wo treibt uns die KI noch hin?

Es ist kein Roman im klassischen Sinne. Eher eine autobiografische Abhandlung. Eine Spurensuche. Auch nach dem "Warum?". Eine Verarbeitung. Sarah Kuttner überzeugt auch in diesem Buch wieder mit ihrer direkten, unverstellten Art, ohne Schnörkel.

Ich habe ebenfalls den Buchpreis-Gewinner 2024 "Hey guten Morgen, wie geht es dir?" von Martina Hefter gelesen. Auch hier geht es um Love-Scam. Diese Geschichte war mir allerdings schwer zugänglich. Sarah Kuttner's Roman möchte ich an dieser Stelle thematisch daher sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Sehr spannendes Gedankenexperiment

Im Leben nebenan
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"Im Leben nebenan" war thematisch Neuland für mich. Ein Gedankenexperiment: Wie könnte unser Leben aussehen, wenn wir an manchen Kreuzungen anders abgebogen wären? Zentraler Schwerpunkt: ein Leben mit ...

"Im Leben nebenan" war thematisch Neuland für mich. Ein Gedankenexperiment: Wie könnte unser Leben aussehen, wenn wir an manchen Kreuzungen anders abgebogen wären? Zentraler Schwerpunkt: ein Leben mit bzw. ohne Kind. Die Thematik ist dabei jedoch um ein Vielfaches vielschichtiger, als es hier zunächst den Eindruck macht. Welche Erwartungen führen zu unseren Entscheidungen? Und, sind es unsere eigenen Wünsche oder eher die der anderen, die wir erfüllen wollen? Wie tief sind Rollenbilder verankert? Welcher Lebensentwurf ist für uns der Richtige? Dürfen wir zweifeln? Und, an welchem Punkt sind wir ehrlich genug zu uns selbst und treffen die für uns richtige Wahl?

Protagonistin Toni passiert genau das. Sie wacht in einem anderen Leben auf. Als Mutter eines Kindes, verheiratet mit ihrer Jugendliebe. Ein spannendes Szenario, da wir zwei unterschiedliche Versionen kennenlernen. Zwei Leben. Die selbe Frau. Ich finde es bemerkenswert, dass die Geschichte, auch wenn sie Toni gehört, genug Platz zum Nachdenken bietet. Raum bleibt, um all das, was zwischen den Zeilen liegt, auf sich wirken zu lassen.

"Im Leben nebenan" - ein Buch, das ich gern weiterempfehle und welches definitiv ein dauerhaftes Plätzchen in meinem Bücherregal gefunden hat.

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Veröffentlicht am 20.03.2026

Eine schöne magische Geschichte mit Potenzial

Emilia Blumenherz, Band 1 - Das geheime Pflanzeninternat
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Ich mag die Idee der Geschichte, ich selbst bin eine große Pflanzenfreundin. Auch die Magie, die in den Pflanzen und Tieren steckt, mag ich sehr. Wer würde sich all diese Fähigkeiten und tierischen Freunde, ...

Ich mag die Idee der Geschichte, ich selbst bin eine große Pflanzenfreundin. Auch die Magie, die in den Pflanzen und Tieren steckt, mag ich sehr. Wer würde sich all diese Fähigkeiten und tierischen Freunde, das Leben am Meer, in der Natur, tiefenentspannt auf einer Insel nicht auch wünschen? Schöne Bilder, die da im Kopf entstehen. Nur die letzten Kapitel rasten nur so, das ging mir alles zu schnell. Ich hätte mir einen tieferen Einstieg und einen längeren Spannungsbogen in der Sommerschule und rund um den Diebstahl gewünscht. Wie entwickeln sich die Charaktere und Beziehungen? Vielleicht wird in Band 2 genau der Wunsch erfüllt, ich bin gespannt.

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Veröffentlicht am 11.11.2025

Politische Radikalisierung - ein wichtiges Buch

Unter Grund
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Gerade in aktuellen Zeiten, in denen eine starke Hinwendung zum Rechtsextremismus spürbar und in den Wahlergebnissen sichtbar ist, sind Bücher wie "Unter Grund" besonders wichtig. Insbesondere um zu verstehen, ...

Gerade in aktuellen Zeiten, in denen eine starke Hinwendung zum Rechtsextremismus spürbar und in den Wahlergebnissen sichtbar ist, sind Bücher wie "Unter Grund" besonders wichtig. Insbesondere um zu verstehen, was in (jungen) Menschen vorgeht, was sie dazu bewegt oder bewegen kann, sich politisch rechten Gruppierungen anzuschließen.

In dem Roman von Annegret Liepold werden wir mit Frankas Gegenwart, aber insbesondere auch ihrer Vergangenheit konfrontiert. Eingebettet in den laufenden NSU-Prozess, den sie als Lehrerin mit ihrer Schulklasse besucht, lässt sie ihre eigene Jugend und auch Familiengeschichte Revue passieren. Aufgrund von Orientierungslosigkeit und Frust ist Franka, anfangs eher unfreiwillig, in die rechte, gewalttätige Szene gerutscht, wurde dort aufgefangen und mitgezogen.

Ich fand "Unter Grund" gut, habe aber ein wenig gebraucht, um in die Geschichte reinzufinden. Erst ab dem zweiten Drittel ging die eigentliche Thematik erst richtig los. Besonders die Aktualität dieses Buches ist bedeutend und zeigt auf, wie leicht es ist, Menschen zu beeinflussen. Menschen, die nach Zugehörigkeit suchen, einsam, unsicher oder orientierungslos sind.

Meiner Meinung nach bietet der Roman eine wunderbare Grundlage für einen Austausch über politische Radikalisierung. Lektüre-Empfehlung für Schulen? Wäre doch eine gute Idee.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Wichtig, aber zu wenig Tiefgang

Heimat
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Hannah Lühmann skizziert das Leben von Jana, aktuell mit dem dritten Kind schwanger. Sie lebt seit kurzem mit ihrer Familie auf dem Land, vorrangig aufgrund der finanziellen Lage. Sie lernt Karolin kennen ...

Hannah Lühmann skizziert das Leben von Jana, aktuell mit dem dritten Kind schwanger. Sie lebt seit kurzem mit ihrer Familie auf dem Land, vorrangig aufgrund der finanziellen Lage. Sie lernt Karolin kennen und taucht in ihr Leben als Hausfrau mit konservativem Familienmodell ein. Immer mehr ist sie von ihr fasziniert, ja sogar beinahe besessen. Karo lebt nicht nur konservativ, sondern ist auch stark empfänglich für Verschwörungstheorien und rechtspopulistische Meinungen. Sie inszeniert sich und ihre Ideologie gern in den Sozialen Medien, schließt sich mit Frauen im Ort zusammen.

Der Roman steckt den Finger in unsere aktuelle, politische Wunde, zeigt gesellschaftliche (Rück-)Entwicklungen und die Macht der Identitätssuche auf. Es regt zum Nachdenken an - blieb mir im Nachgang dennoch nicht wirklich im Gedächtnis. Warum? Bevor die Geschichte eigentlich so richtig durchstartet, Entwicklungen, Lösungen, komplexe Auseinandersetzungen liefert, ist sie eigentlich auch schon wieder zu Ende. Inhaltliches Potenzial ist definitiv gegeben, leider geht mir der Roman zu wenig in die Tiefe. Ich vermute, dass Hannah Lühmann dies bewusst so gewählt hat, damit die Leser ihre eigenen Schlüsse ziehen, das Gelesene ausgiebig auf sich wirken lassen. Für mich persönlich war die Protagonistin jedoch zu blass, ich hätte mir einfach mehr kritische Auseinandersetzung mit den Themen gewünscht.

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