Cover-Bild Königin Esther
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27,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 19.11.2025
  • ISBN: 9783257615944
John Irving

Königin Esther

Peter Torberg (Übersetzer), Eva Regul (Übersetzer)

Jimmy Winslow hat zwei Mütter. Honor, die ihn aufgezogen hat, schickt ihn als Studenten von New Hampshire nach Wien, wo er Vater werden soll. Das Wien der Sechzigerjahre ist ein Ort voller Geheimnisse und Versuchungen, und Jimmy springt kopfüber hinein und ist dabei immer auch auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter Esther Nacht. Was er erlebt, ist eine spektakuläre Achterbahnfahrt, wie sie nur das Leben in John Irvings Büchern schreiben kann – voller großer Gefühle, unglaublicher Wendungen und Figuren, die uns nicht mehr loslassen.

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2025

Besser zwei Mütter als keine

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John Irving, mein Lieblingsschriftsteller über mehr als 40 Jahre, hat nach „Der letzte Sessellift“ (ein Buch, das mir leider nicht gefallen hatte) wieder einen neuen Roman geschrieben. Ich hatte schon ...

John Irving, mein Lieblingsschriftsteller über mehr als 40 Jahre, hat nach „Der letzte Sessellift“ (ein Buch, das mir leider nicht gefallen hatte) wieder einen neuen Roman geschrieben. Ich hatte schon große Befürchtungen, dass Irving keine Romane mehr schreiben würde, immerhin ist er unterdessen 83 Jahre alt, aber mit diesen weit über 500 Seiten bewies er das Gegenteil. Und so hat man mit „Königin Esther“ noch einmal mit allen Lieblingsthemen dieses erzählfreudigen Autors zu kämpfen, denn leicht liest sich dieses Buch nicht.
In die Familiengeschichte von Thomas und Constance Winslow hinein gerät Esther, „die Jüdin“, die in einem Waisenhaus groß wird, groß auch im wahrsten Sinne des Wortes, das von einem Arzt namens Dr. Wilbur Larch geführt wird. Spätestens hier klingeln bei jedem Irving-Fan die Ohren, denn dieser Dr. Wilbur Larch war schon vor vielen Jahren in „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ eine Hauptfigur. Womit ich wieder bei den Lieblingsthemen von Irving bin, die da sind: Familien, möglich groß und weitläufig, verrückt und innig, aber auch Waisenhäuser bzw. Waisen per se, hinzu kommen feministische Kampfgeister, Abtreibungsgegner und -befürworter, lesbische oder homosexuelle Personen, gern auch bisexuell veranlagt, und nicht zu vergessen die Ringer, ihre Blumenkohlohren und ihre eigenartigsten Herkünfte und Charaktereigenschaften. Seine Lieblingsorte sind New Hampshire und Maine bis rauf nach Kanada, aber auch Wien und Amsterdam, dortige Unterkünfte, Prostituierte, Kinder mit Gewaltfantasien, immer wieder auch Hunde oder andere Tiere, Kneipen und Nachtlokale, diverse Studenten und unsympathische Vermieterinnen. All dem wird man nun noch einmal nachspüren können, Irving breitet sein ganzes Repertoire an Figuren und Szenen noch einmal wollüstig aus.
Jene oben erwähnte Esther, die auch die Titelfigur und als Kind auf dem Cover verewigt ist, nimmt aber nur einen Teil des Buches für sich in Anspruch. Die andere Hälfte belegt James Winslow, gezeugt von Esther mit einem jüdischen kleinen Ringer nur zum Zwecke der Mutterschaft von Honor Winslow, der Tochter der oben genannten Eheleute. Denn Honor möchte zwar ein Kind, aber möglichst ohne alles Unangenehme drum herum. Und Esther, die jahrelang Honors Kindermädchen war, aber trotzdem gut ausgebildet wurde und die höhere Schule besuchte, Krankenschwester aus Passion wird, gibt sich gern als Gebärmaschine her, möchte aber keine Mutterpflichten aufgenötigt bekommen. Und so kriegt erst einmal jeder, was er möchte. Der kleine James wächst heran in den amerikanischen 1940er- und 1950er-Jahren, wird natürlich auch Ringer und geht dann ins weltläufige Wien zum Studium, weil dort auch seine Zweitmutter Esther sein soll und er zudem nun richtig Deutsch lernen soll und will. Was Jimmy – Alter Ego seines Erfinders – aber über alles will, ist Schriftsteller zu werden. Und so kämpft er sich durchs Studium, schreibt und ringt, was das Zeug hält, verliebt sich auch noch in seine Deutschlehrerin und wird irgendwann (nicht von ihr) entjungfert. Hier will ich stoppen, die kuriosen Erlebnisse, die sich durchs ganze Buch ziehen, kann man auf die Schnelle nicht erzählen und die Überraschungsmomente nehme ich nicht vorweg. Davon gibt es aber wirklich ausreichend. Sie werden sich wundern…
Wie es die Art von John Irving ist, wird all das nicht in knapper Form und kurzen Sätzen erzählt, sondern manchmal recht ausufernd und weitschweifig. Auch wenn ich seine Formulierungskünste mag – besonders im englischen Original sind seine Bücher eine Freude – empfand ich vieles als überflüssig. Aber die Neugierde hielt mich bei der Stange, die Geschichte von Esther wollte ich zu Ende erzählt haben. Und auf jeder Seite blitzen die vielen Romane von Irving auf, aus denen er das eine oder andere Stückchen entleiht. Wie immer frage ich mich am Schluss, ob das das letzte Werk des großen amerikanischen Schriftstellers ist. Ich hoffe nicht!

Fazit: John Irvings neues Alterswerk, ein wenig lang, aber doch sehr unterhaltsam, wer seine früheren Bücher kennt, wird es lieben.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Solides Buch für Irving-Fans

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Der amerikanische Schriftsteller John Irving schreibt seit bald sechs Jahrzehnten Bücher. Sein Debüt "Lasst die Bären los" ist 1968 erschienen, weitere bekannte Werke sind z.B. "Gottes Werk und Teufels ...

Der amerikanische Schriftsteller John Irving schreibt seit bald sechs Jahrzehnten Bücher. Sein Debüt "Lasst die Bären los" ist 1968 erschienen, weitere bekannte Werke sind z.B. "Gottes Werk und Teufels Beitrag" oder "Witwe für ein Jahr". Auch ich kenne den Autor und einige seiner Bücher schon seit mehreren Jahrzehnten. Vor diesem Hintergrund schreibe ich auch diese Buchrezension: als eine, die schon mehrere Werke von ihm gelesen hat, dadurch die Möglichkeit hatte, auch in dem neuesten Buch "Königin Esther" wiederkehrende Muster und Themen zu bemerken und die grundsätzlich dem Autor und seinem Werk wohlwollend gegenüber steht.

Wer den Autor kennt, weiß, wie er schreibt: sehr ausufernd, mit vielen Details und unkonventionellen Charakteren, die gesellschaftliche Normen durchaus in Frage stellen und sich ungewöhnlich verhalten. Themen wie das Recht auf Abtreibung, Waisenkinder, queere Liebe, sehr liberale Vorstellungen von Partnerschaft, Liebe und Sexualität, Ringen, Männer abseits der verbreiteten Schönheitsideale, die Stadt Wien und Charaktere, die selbst schriftstellerische Ambitionen haben, kommen in Werken von John Irving immer wieder vor. Wenn man sich mit der Biografie und Familiengeschichte des Autors beschäftigt, zeigen sich auch hier viele Verbindungen zu seinem persönlichen Leben auf: so hat der Autor selbst Geschwister, die homosexuell sind, Ringen war für ihn als junger Mann ebenfalls von großer Bedeutung und er scheint prägende Jahre in Wien verbracht zu haben.

"Königin Esther" führt nun viele diese Themen und offenen Fäden weiter und zusammen. Wir begegnen einer sehr unkonventionellen amerikanischen Familie Anfang des 20. Jahrhunderts, die "Au-Pair-Mädchen" für die Kinderbetreuung ihrer zahlreichen Töchter sucht. Die "Au-Pair-Mädchen" werden gut behandelt und Teil der Familie. Sie alle stammen aus Waisenhäusern, eines davon, das letzte Au-Pair-Mädchen für die jüngste Tochter Honor, wird Esther sein, die im Waisenhaus von Dr. Larch (diese sind aus "Gottes Werk und Teufels Beitrag bekannt") aufgewachsen ist, deren Mutter ermordet wurde, als sie ein Kleinkind war, und die weiß, dass sie jüdischer Abstammung ist.

Auch Esther wird ein Teil der Familie und sie wird sogar ein sehr unkonventionelles Arrangement mit Honor eingehen: da Esther eine Schwangerschaft und Geburt erleben, aber keine Mutter sein will, während Honor gerne ein Kind, aber keinerlei sexuelle Beziehung, hätte, vereinbaren die beiden Frauen, dass Esther für Honor ein Kind bekommt, das sie dieser überlässt: es wird der Junge Jimmy. Dieser wird, wie besprochen, von Honor und im Kreise der Verwandtschaft aufgezogen, während Esther sich nach einem kurzen Aufenthalt in Wien bald nach Israel begibt, um sich dort um "ihre jüdischen Angelegenheiten" in Zusammenhang mit dem Kampf für den neu entstehenden Staat Israel zu kümmern, jahrzehntelang.

Jimmy wird als junger Mann einige Zeit in Wien verbringen und währenddessen auf Anraten der Familie (um sich einer Einberufung in den Vietnamkrieg zu entziehen) ebenfalls in einer sehr unkonventionellen Konstellation, gemeinsam mit einem lesbischen Paar aus den Niederlanden, Vater einer Tochter werden.

Welche Themen verhandelt dieses sehr umfangreiche Buch neben den oben erwähnten? Jedenfalls spielen die Anfangsjahre des modernen Israels und die Frage, ob und wodurch man jüdisch wird und welche Rolle biologische Abstammung vs. soziale Elternschaft spielen, eine große Rolle. Diese Themen waren für mich beim Lesen auch sehr interessant.

Zwischendurch hatte das Buch aber einige große Längen aufzuweisen, die für mich das Lesen insbesondere im Mittelteil etwas zäh gestaltet haben. Gefühlt eine Ewigkeit lang hält sich der junge Jimmy in Wien in einer WG auf und es geht die ganze Zeit gedanklich um Sex und um den von der Familie empfohlenen Plan, schnellstmöglich eine Frau zu schwängern - und das als in dieser Hinsicht völlig unerfahrener junger Mann. Überraschenderweise gelingt dieses Vorhaben dann aber dennoch auf Anhieb, so wie auch bei Esther Ende 30. Man darf hier und auch an so manchen anderen Stellen keinen zu hohen Anspruch an den Realismus des Beschriebenen anlegen.

Was hingegen Esther genau in Israel in Verbindung mit Hagana und Mossad macht, wird immer nur kurz angedeutet. Hierüber hätte ich gerne mehr erfahren, das wäre interessant für mich gewesen. Wären manche Stellen im Buch also ausführlicher erzählt, während einiges andere gekürzt worden wäre, hätte es mir insgesamt noch deutlich besser gefallen.

Dennoch ist es in Summe ein lesenswertes, unterhaltsames Buch mit liebenswerten Charakteren, das ich insbesondere den Fans von John Irving, die seine Schreib- und Erzählweise kennen und schätzen, empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 19.11.2025

Etwas konstruiert

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John Irving hat mit dem Roman Königin Esther wieder ein interessantes Werk geschaffen.
Als ich die Zeiten gesehen habe von denen er schreibt, dachte ich bei seinem James Winslow gleich an die Ähnlichkeiten ...



John Irving hat mit dem Roman Königin Esther wieder ein interessantes Werk geschaffen.
Als ich die Zeiten gesehen habe von denen er schreibt, dachte ich bei seinem James Winslow gleich an die Ähnlichkeiten mit dem Autor selber.
Die Familie Winslow ist schon etwas eigenartig, da kamen mir doch so einige komische abartige Gedanken.
Teilweise war ich in dem Roman gefangen, aber am Schluss war ich mir nicht mehr sicher. Es wurde alles etwas langatmig und unplausibel.
Die Figur Esther mochte ich nicht besonders. Ich weiß nicht warum sie nach Israel gegangen ist.
Irgendwie hat der Roman mich ratlos zurück gelassen.



Veröffentlicht am 19.11.2025

Trauriger Tagträumer

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James Winslow wächst unter ungewöhnlichen Umständen auf, denn er hat zwei Mütter, eine leibliche, Esther, und eine Ziehmutter, Honor. Mit zweiundzwanzig Jahren reist er von New Hampshire nach Wien, ein ...

James Winslow wächst unter ungewöhnlichen Umständen auf, denn er hat zwei Mütter, eine leibliche, Esther, und eine Ziehmutter, Honor. Mit zweiundzwanzig Jahren reist er von New Hampshire nach Wien, ein spektakulärer Auftrag soll ihn vor einer Einberufung in den Vietnamkrieg schützen. Außerdem möchte er hier endlich seiner Königin Esther begegnen.

Es wäre wohl nicht John Irving, würde die Geschichte tatsächlich mit James, genannt Jimmy, beginnen. Nein, die Handlung setzt ein mit den Großeltern, Jimmy betritt erst etwa nach einem Viertel des Geschehens die Bühne. Von einem Thema ins nächste stürzend, erfahren wir von einem Krankenhaus und einem Waisenhaus, welche bereits in einem anderen Roman Irvings eine Rolle spielen, wird erörtert, ob beschnittene oder unbeschnittene Penisse empfehlenswerter sind und wie man wohl am besten zu einer Bescheinigung „nicht wehrdienstfähig“ kommt. James als „Honors Kind – ein trauriger Tagträumer“ [kindle Pos. 8476] steht dann doch im Mittelpunkt, denn schon vor seiner Geburt entspinnt sich ein abenteuerliches Schauspiel über seine geplante Entstehung, welche wohl nicht nur mir eine erstaunte Miene entlockt. Die Kindheit wird kurz gestreift, ausführlicher geht es dann wieder in Wien zu, wo unter anderem bekannte Lokale wie der Augustinerkeller oder das legendäre Café Hawelka erwähnt werden und das Experiment „Wehrdienstunfähig“ starten kann.

Ein detailverliebter Schreibstil, ausgesprochen ungewöhnliche Szenen und eine bisweilen derbe Ausdrucksweise kennzeichnen diesen Roman, Motive wie Verlust – einer Mutter, eines Kniegelenkes oder eines Armes –, ungewöhnliche Sexualbeziehungen und der Einfluss Charles Dickens‘ fallen ins Auge, die Charakteristik der Figuren ist bemerkenswert. Es ist durchaus interessant, einmal „einen Irving“ zu lesen, dennoch werde ich wohl kein erklärter Freund dieser Art von Literatur werden.

Veröffentlicht am 24.11.2025

Geht so

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Zum Inhalt:
Das Buch beginnt mit der Geschichte der jungen Esther, die ihre Eltern verloren hat, dadurch im Waisenhaus landet und schließlich im Alter von 14 Jahren von den Winslows aufgenommen wird. und ...

Zum Inhalt:
Das Buch beginnt mit der Geschichte der jungen Esther, die ihre Eltern verloren hat, dadurch im Waisenhaus landet und schließlich im Alter von 14 Jahren von den Winslows aufgenommen wird. und dort aufwächst. Im Verlauf des Buches gerät die Person Esther als solche mehr und mehr in den Hintergrund und es geht mehr um ihren Sohn Jimmy, der aber auch seine Mutter sucht.
Meine Meinung:
Ich habe mich schwer getan mit dem Buch. Ich hatte ungeheure Schwierigkeiten in die Geschichte rein zukommen und auch im Verlauf konnte mich das Buch nicht so richtig einfangen. Der Schreibstil ist gewohnt gut, das erwartet man von dem Autoren aber auch einfach. Berührt hat mich die Geschichte nicht und für mein Gefühl war das Buch viel zu lang und dadurch teilweise auch langweilig.
Fazit:
Geht so