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Veröffentlicht am 20.12.2025

Harte Kost, grandios umgesetzt

Da, wo ich dich sehen kann
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Beim ersten Blick auf das Cover von „Da, wo ich dich sehen kann“ könnte man meinen, dass es sich um einen Liebesroman handelt, doch weit gefehlt. Jasmin Schreibers neues Buch ist schwere Kost, bei der ...

Beim ersten Blick auf das Cover von „Da, wo ich dich sehen kann“ könnte man meinen, dass es sich um einen Liebesroman handelt, doch weit gefehlt. Jasmin Schreibers neues Buch ist schwere Kost, bei der ich mehrmals einen dicken Kloß im Hals hatte.
Die Geschichte befasst sich mit dem Thema Femizid. Emma wurde von ihrem Ehemann erdrosselt. Sie hinterlässt ihre Eltern, ihre Tochter Maja und ihre beste Freundin Liv. Vier Menschen, die weiterleben müssen und deren tägliche Gedanken um Emma kreisen. Allgegenwärtig sind Schuldgefühle und die Frage, ob das Unglück hätte verhindert werden können.

Der Schreibstil und die Herangehensweise an dieses Thema hat mich sehr beeindruckt. Jasmin Schreiber ist sehr wortgewandt und weiß, wie man Emotionen nachvollziehbar beschreiben kann. Ich konnte mich in die Charaktere sehr gut hineinversetzen und ihren Schmerz ebenfalls fühlen. Sie bedient sich einer äußerst bildgewaltigen Sprache. Am liebsten hätte ich mit Textmarker gelesen, um mir besonders gelungene Zeilen zu markieren.

Allgemein fand ich die Erzählweise und die graphische Ausarbeitung sehr originell. Es gibt zum Beispiel Kinderzeichnungen von Maja, offizielle Schriftstücke wie den Bericht der Gerichtsmedizin oder Briefe vom Anwalt. Die Charaktere befassen sich mit „Was wäre wenn“ Fragen, die zur besseren Verdeutlichung auf schwarzem Untergrund gedruckt wurden, was ich ebenfalls eine gute Idee der Umsetzung fand.
Obwohl es sich hier um Fiktion handelt, fühlte sich alles sehr realitätsgetreu an. Als wenn man eine wahre Geschichte lesen würde.

„Da wo ich dich sehen kann“ ist ein Roman, der nachhallt, zum Nachdenken anregt und der im Gedächtnis bleiben wird. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass ich manche Stellen zu pauschalisiert finde. Wenn zum Beispiel Sätze fallen, dass „Alle Männer“ Frauen hassen. Definitiv erfahren zu viele Frauen Gewalt. Dennoch kann man nicht jeden Mann unter Generalverdacht stellen.

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Veröffentlicht am 29.11.2025

Hervorragende Erzählkunst

Der Kuckucksjunge
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Als ich im Jahr 2021 „Der Kastanienmann“ gelesen habe, äußerte ich bereits den Wunsch, nach einem zweiten Fall für das Ermittlerteam. Nach so vielen Jahren hatte ich nicht mehr damit gerechnet, dass noch ...

Als ich im Jahr 2021 „Der Kastanienmann“ gelesen habe, äußerte ich bereits den Wunsch, nach einem zweiten Fall für das Ermittlerteam. Nach so vielen Jahren hatte ich nicht mehr damit gerechnet, dass noch etwas nachkommen wird. Umso überraschter war ich, als ich „Der Kuckucksjunge“ in der Verlagsvorschau entdeckt habe. Meine Neugierde war sofort geweckt und ich wollte den Thriller auf jeden Fall lesen.

Soren Sveistrup ist ein wirklich toller zweiter Band gelungen, der mir nochmal besser gefallen hat, als „Der Kastanienmann“.
„Der Kuckucksjunge“ ist mit 660 eng beschriebenen Seiten ein ordentlicher Wälzer. Nicht jeder Autor kann bei diesem Umfang für kontinuierliche Spannung sorgen. Soren Sveistrup gelingt dies gefühlt mit links. Keine einzige Seite habe ich als überflüssig empfunden. Bereits im Prolog hatte mich das Buch durch den Fund einer grausam zugerichteten Leiche und einer gruseligen Atmosphäre gepackt und lies mich auch später nie los
Im weiteren Verlauf geht bis auf kurze Ausnahmen die Geschichte zum Glück nicht ganz so unappetitlich weiter, wie sie begonnen hat. Der Autor benötigt auch keine übertriebene Gewaltdarstellung um die Leser bei der Stange zu halten. Er schafft ein komplexes Rätsel, welches man gerne auflösen möchte.
Mehrere Personen werden von einem Stalker verfolgt, der immer genau zu wissen scheint, wo sich seine Opfer aufhalten. Er treibt die Empfänger seiner Nachrichten an den Rand der psychischen Verzweiflung, bevor er gnadenlos zuschlägt.
Während man manche Opfer nur kurz kennenlernt, bekamen andere mehr Raum, wodurch man intensiv mitfiebert. Besonders das Schicksal einer Person hat mich wirklich getroffen, da wir den Charakter über mehrere Kapitel verfolgt haben.
Die Auflösung kam als schockierender Aha-Moment daher. Ich wäre tatsächlich nicht darauf gekommen und finde es toll, wie man 600 Seiten die Identität geheim halten konnte.
Mir hat zudem sehr gefallen, wie vielschichtig der Thriller aufgebaut ist, da es innerhalb des Kriminalfalls weitere Kriminalfälle gibt.
Da ich das Buch wie erwähnt die ganze Zeit über sehr spannend fand, war ich am Ende überrascht, wie viel spannender es noch werden konnte. Die letzten Kapitel sind ein Wettlauf mit der Zeit und man ist sich nicht sicher, ob alles gut ausgehen wird.
„Der Kuckucksjunge“ war für mich ein ausgesprochen lesenswerter Thriller, der in Sachen Spannung, Aufbau und Ausarbeitung der Charaktere meine volle Punktzahl bekommt.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Wo ist Julie?

Himmelerdenblau
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Geschichten über Entführungen üben eine große Faszination auf mich aus. So war es schnell klar, dass ich Romy Hausmanns neuen Thriller „Himmelerdenblau“ unbedingt lesen muss, insbesondere, da mir „Liebes ...

Geschichten über Entführungen üben eine große Faszination auf mich aus. So war es schnell klar, dass ich Romy Hausmanns neuen Thriller „Himmelerdenblau“ unbedingt lesen muss, insbesondere, da mir „Liebes Kind“ seiner Zeit so gut gefallen hat.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der an Demenz erkrankte Theo, der seine letzten lichten Momente nutzen möchte, um endlich herauszufinden, was mit seiner Tochter Julie passiert ist, die mit 16 Jahren verschwand. Hilfe bekommt er von der Podcasterin Liv, die für eine mehrteilige Doku recherchiert.

„Himmelerdenblau“ ist aus vielen verschiedenen Perspektiven geschrieben. Besonders hervorheben möchte ich hier Theos Perspektive. Die Autorin hat mit viel Fingerspitzengefühl und sehr authentisch das Chaos im Kopf bei beginnender Demenz beschrieben. Theo leidet unter Wortfindungsstörungen und kreiert häufig ganz eigene Ausdrücke (z. B. Parkgiraffe statt Parkgarage) oder verwechselt Namen. Ich fand dies wirklich sehr gelungen und es hat dazu geführt, dass man eine besondere Bindung zu Theo aufbauen konnte, auch wenn man sich beim Lesen natürlich konzentrieren muss, um zu verstehen, was er eigentlich meint.

Ich fand den Thriller von Anfang an fesselnd auch wenn ich zunächst verwundert war, dass Täter und Lösung so offensichtlich wirken. Im ersten Drittel schien es manchmal so, als wenn sich die Handlung im Kreis dreht, doch plötzlich wartete Romy Hausmann mit einem Plottwist nach dem anderen auf und und ich kam aus dem Staunen nicht raus. Niemals hätte ich vorhersehen können, wie sich dieses Buch entwickeln wird. Ich fand „Himmelerdenblau“ wirklich mega spannend und sehr gut gelungen. Ich musste bis spät in die Nacht weiter lesen um die Auflösung zu erfahren.

Ein Lesehighlight mit 5 Sternen!

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Tödlicher Skiurlaub

Lügennebel
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Nachdem Band 3 der Hanna Ahlander Reihe ein wenig geschwächelt hat, landet Viveca Sten mit Band 4 wieder einen Volltreffer.

In „Lügennebel“ reist eine Gruppe Studenten nach Are in den Skiurlaub. Die ...

Nachdem Band 3 der Hanna Ahlander Reihe ein wenig geschwächelt hat, landet Viveca Sten mit Band 4 wieder einen Volltreffer.

In „Lügennebel“ reist eine Gruppe Studenten nach Are in den Skiurlaub. Die Stimmung ist von Anfang an aufgeheizt. Rivalitäten, verschmähte Gefühle, Alkohol und Drogen verstärken die Situation zusätzlich. Als die Studentin Fanny nackt und tot im Schnee gefunden wird, ist von Urlaubsstimmung endgültig nichts mehr zu merken.
Hanna Ahlander ist froh, sich in eine neue Ermittlung stürzen zu können, da die mediale Aufmerksamkeit um ihre neue Liebesbeziehung sehr überfordernd ist.

Viveca Sten baut ihren Krimi mit kurzen Kapiteln und Perspektivenwechseln kurzweilig auf. Es gibt „nur eine“ Tote und trotzdem bietet diese eine Leiche Spannung für 500 Seiten. Fast das komplette Buch über bleibt der Fall undurchsichtig. Auf die Lösung wäre ich niemals gekommen obwohl sie stimmig und einleuchtend ist.
„Lügennebel“ ist weder besonders blutig noch brutal, trotzdem geht der Fall unter die Haut. Die meisten Charaktere sind keine Sympathieträger, aber man hat Mitleid, wenn man sieht, welch weitreichenden Folgen Entscheidungen, die im Affekt gefällt wurden, haben können.

Neben dem Kriminalfall legt Viveca Sten auch einen starken Fokus auf die Weiterentwicklung der Protagonisten. Insbesondere Antons Geschichte fand ich diesmal sehr interessant zu verfolgen. Das nie enden wollende Hanna und Daniel Thema geht mir dagegen von Band zu Band mehr auf die Nerven.

Mir hat „Lügennebel“ sehr gut gefallen und ich mag diese Reihe wirklich gerne.

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Veröffentlicht am 27.09.2025

Intensives Familiendrama

Die Verlorene
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Die Handlung von „Die Verlorene“ hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Ich dachte, dass es thematisch mehr um die Vertreibung aus Schlesien gehen würde. Tatsächlich war dies nur ein Randdetail und ich ...

Die Handlung von „Die Verlorene“ hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Ich dachte, dass es thematisch mehr um die Vertreibung aus Schlesien gehen würde. Tatsächlich war dies nur ein Randdetail und ich wurde überrascht mit einem komplexen Familiendrama, welches mich durch seine Tragik sehr berührt hat.

Luise und Änne sind Zwillinge und haben eine sehr enge Bindung zueinander. Die Familie lebt auf einem Gutshof und der Alltag läuft auch während des Krieges mehr oder weniger weiter. Die beiden Schwestern leben in einer Art Symbiose zusammen, bis bei Änne Epilepsie diagnostiziert wird. Aus Angst vor den Behörden muss die junge Frau von nun an ein Leben im Verborgenen führen. Während ihre Schwester erwachsen wird, ist sie zur Beobachterin verdammt.

„Die Verlorene“ ist eine intensive Geschichte über Liebe, Verrat, Verlust und Schuld. Der Roman zeigt, wie weit manche Taten die Zukunft beeinflussen können.
Änne war mir als Charakter nicht sympathisch, trotzdem konnte ich ihre Beweggründe in Teilen nachvollziehen und habe mit ihr mitgelitten. Bei Luise ist es mir deutlich leichter gefallen, sie zu mögen.
Der größte Plottwist lag zwar für mich lange im Voraus auf der Hand, dennoch hat die endgültige Auflösung dadurch nicht an Wucht verloren.
Parallel dazu gibt es auch noch einen Handlungsstrang, der in der Gegenwart spielt, mit Ännes Tochter und Enkelin im Zentrum. Dieser Teil der Geschichte war allerdings eher Mittel zum Zweck und trägt nicht wirklich zur Entwicklung der Handlung bei.
„Die Verlorene“ war anders als gedacht und trotzdem so gut, wie erhofft. Das war ein richtig tolles Buch und ich vergebe 5 Sterne.

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