Verloren im Dickicht – und doch gefesselt bis zur letzten Seite
„Gott des Waldes“ von Liz Moore ist eines dieser Bücher, die sich hartnäckig einer klaren Genre-Zuordnung entziehen. Ist es ein Gesellschaftsroman, ein Spannungsroman, ein psychologisches Drama oder alles ...
„Gott des Waldes“ von Liz Moore ist eines dieser Bücher, die sich hartnäckig einer klaren Genre-Zuordnung entziehen. Ist es ein Gesellschaftsroman, ein Spannungsroman, ein psychologisches Drama oder alles zugleich? Genau diese Uneindeutigkeit hat mich zunächst skeptisch gemacht – eigentlich ist das nicht mein Fall. Viele Figuren, häufige Zeitsprünge und wechselnde Perspektiven sind normalerweise Elemente, die mir das Lesen eher erschweren. Überraschenderweise war das hier anders.
Trotz der Vielzahl an Charakteren und der komplexen Struktur bin ich erstaunlich gut zurechtgekommen. Moore versteht es, ihre Figuren klar voneinander abzugrenzen und ihnen Tiefe zu verleihen, sodass man sich schnell orientieren kann. Auch die Zeitsprünge, die in anderen Romanen leicht verwirrend wirken können, fügen sich hier sinnvoll in die Erzählung ein und tragen zur Spannung bei. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, den Überblick zu verlieren – im Gegenteil: Die fragmentierte Erzählweise hat meine Neugier eher noch verstärkt.
Spannung ist ohnehin eine der großen Stärken des Romans. Auch wenn die Auflösung am Ende für mich nicht vollkommen überzeugend war, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Seite um Seite zieht einen die Geschichte tiefer in ihren Bann, getragen von einer dichten Atmosphäre und unterschwelligen Bedrohung. Der Wald wird dabei fast selbst zu einer Figur – geheimnisvoll, unberechenbar und voller Symbolik.
Besonders gelungen fand ich die gesellschaftliche Dimension des Romans. „Gott des Waldes“ ist mehr als nur eine spannende Geschichte: Er beleuchtet Machtverhältnisse, soziale Unterschiede und familiäre Abgründe, ohne dabei belehrend zu wirken. Auch zeitlich bin ich gut in der Handlung geblieben, obwohl verschiedene Epochen eine Rolle spielen.
Am Ende bleibt für mich das Fazit: Eigentlich nicht mein typisches Buch – und gerade deshalb eine positive Überraschung. Ungewöhnlich, fordernd und dennoch extrem fesselnd. Der Hype um diesen Roman ist meiner Meinung nach berechtigt. Liz Moore hält, was sie verspricht, und liefert ein Buch, das noch lange nachwirkt.