Profilbild von Azalee09

Azalee09

Lesejury Profi
offline

Azalee09 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Azalee09 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2026

Ein spannender Krimi im modernen Hardboiled-Stil

Heaven's Gate
0

„Heaven‘s Gate“ von Daniel Faßbender ist ein spannender Krimi um den Privatdetektiv Caruso, der sich auf der philippinischen Insel Sarugo auf die Suche nach einem jungen vermissten Surfer macht.
Caruso ...

„Heaven‘s Gate“ von Daniel Faßbender ist ein spannender Krimi um den Privatdetektiv Caruso, der sich auf der philippinischen Insel Sarugo auf die Suche nach einem jungen vermissten Surfer macht.
Caruso erinnert stark an die abgerockten Privatdetektive aus den klassischen Hardboiled Krimis, wenn auch nicht mit all den kantigen Charaktereigenschaften. Er lebt von gelegentlichen Aufträgen, trinkt und surft wann immer es geht, gerät in Schlägereien und hängt melancholisch der Vergangenheit nach. Das ist auch der eine Punkt, der mich beim Lesen genervt hat: das Geheimnisgetue und Andeuten seiner Vergangenheit, ohne etwas genau zu erfahren. Mit mehr Hintergrundwissen wäre Caruso mir vielleicht früher sympathischer geworden.
Der Krimi ansich ist spannend geschrieben, so dass man einfach weiterlesen will um zu erfahren, ob der verschwundene Surfer wieder auftaucht. Manche Nebenfiguren wie Yahoo sind direkt sympathisch, andere aberwitzig und gleichzeitig nervig wie der deutsche Drogendealer Diego, der sich nach 20 Jahren Gefängnis wieder im Alltag zurechtfinden muss.
Fazit: ein solider Krimi mit Fortsetzungpotenzial, der neben der eigentlichen Story das Alltagsleben im vermeintlichen Urlaubsparadies Philippinen erzählt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.02.2026

Schöne Neuauflage eines Krimi-Klassikers

Campion. Im Schatten der Vergangenheit
0

Mit „Campion – Schatten der Vergangenheit“ von Margery Allingham liegt eine schöne Neuauflage eines klassischen Kriminalromans vor, der auch heute nichts von seiner Wirkung verloren hat. Bereits die hochwertige ...

Mit „Campion – Schatten der Vergangenheit“ von Margery Allingham liegt eine schöne Neuauflage eines klassischen Kriminalromans vor, der auch heute nichts von seiner Wirkung verloren hat. Bereits die hochwertige Gestaltung der Neuauflage lädt zum Lesen ein und macht das Buch auch optisch zu einem Genuss.
Inhaltlich begleitet die Geschichte den Gentleman-Detektiv Albert Campion, der in einen mysteriösen Fall verwickelt wird, bei dem längst vergangene Ereignisse eine entscheidende Rolle spielen. Alte Geheimnisse, familiäre Verstrickungen und dunkle Schatten der Vergangenheit kommen nach und nach ans Licht. Campion bewegt sich dabei mit gewohntem Scharfsinn und feinem Humor durch ein Netz aus Täuschung, Verdächtigungen und überraschenden Wendungen.
Die Autorin versteht es hervorragend, eine fesselnde Geschichte zu erzählen, die von der ersten Seite an Spannung aufbaut. Atmosphäre, Figurenzeichnung und Handlung greifen gelungen ineinander, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Besonders hervorzuheben ist die Mischung aus klassischem Krimi, psychologischer Tiefe und subtiler Tiefe.
Fazit: eine schöne Neuauflage eines lesenswerten Kriminalromans, der zeigt, warum Campion zu den großen Detektivfiguren der Literatur zählt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.12.2025

Spannender, historisch gut recherchierter Krimi

Im Auftrag der Fugger - Der Burgunderschatz
0

„Im Auftrag der Fugger“ von Peter Dempf ist ein historischer Roman, der gekonnt zwischen belegter Geschichte und erzählerischer Dichtung balanciert. Die Diebin Afra macht sich zusammen mit dem Boten Herwart ...

„Im Auftrag der Fugger“ von Peter Dempf ist ein historischer Roman, der gekonnt zwischen belegter Geschichte und erzählerischer Dichtung balanciert. Die Diebin Afra macht sich zusammen mit dem Boten Herwart im Auftrag von Jakob Fugger auf die Suche nach dem Burgunderschatz - ohne zu wissen, in welche Gefahr sie sich dadurch begibt.
Auf der Grundlage sichtbar gründlicher Recherche entfaltet sich ein lebendiges Bild der Frühneuzeit, in dem politische Macht, wirtschaftliche Interessen und persönliche Schicksale eng miteinander verwoben sind. Besonders die Einbindung der Fugger als historisch bedeutende Kaufmanns- und Bankiersfamilie verleiht der Handlung Authentizität und Tiefe, ohne dabei an erzählerischer Spannung einzubüßen.
Der Schreibstil ist flüssig und atmosphärisch und hat ein hohes Erzähltempo mit einigen Wendungen, das die Spannung aufrecht hält.
Fazit: Dempf versteht es, historische Fakten als solides Gerüst zu nutzen und sie mit einer spannenden, abenteuerlichen Handlung zu verbinden. Für alle, die gerne gut recherchierte historische Romane mit interessanten Figuren und Spannung lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.12.2025

Ein guter norddeutscher Krimi mit einem Trauerredner als Ermittler wider Willen

Über die Toten nur Gutes
0

„Über die Toten nur Gutes“ von Andreas Izquierdo ist ein norddeutscher Regionalkrimi, der mit dem Trauerredner Mads Madsen eine interessante neue Ermittlerfigur wider Willen hat. Diese Perspektive verleiht ...

„Über die Toten nur Gutes“ von Andreas Izquierdo ist ein norddeutscher Regionalkrimi, der mit dem Trauerredner Mads Madsen eine interessante neue Ermittlerfigur wider Willen hat. Diese Perspektive verleiht dem Roman einen eigenen Ton: melancholisch grundiert, aber immer durchzogen von trockenem, typisch norddeutschem Humor. Mads bekommt von seinem früheren Freund Patrick eine Nachricht nach dessen Tod, dass er seine Trauerrede schreiben soll. Und so begibt sich Mads mit seiner Malteserhündin auf eine Suche in die Vergangenheit, wobei er so manches Geheimnis entdeckt, was manche lieber weiterhin verborgen lassen würden.
Die Geschichte versammelt skurrilen Figuren, die man so in jeder Kleinstadt zwischen Deich, Kneipe und Friedhof vorstellen kann. Besonders die Dialoge leben von lakonischem Witz und einer angenehmen Bodenständigkeit, die gut zur norddeutschen Kulisse passt.
Die Krimihandlung entwickelt sich eher gemächlich, was zur Atmosphäre beiträgt, allerdings dem Roman auch so einige Längen beschert. Dadurch verliert sich die Geschichte in der Mitte ein wenig in Nebenhandlungen und man wartet darauf, dass es mit der eigentlichen Krimihandlung bald weitergeht.

Fazit: ein eigenwilliger, humorvoller Regionalkrimi mit Herz, schrägen Ideen und norddeutschem Charme. Wer originelle Ermittlerfiguren, skurrile Charaktere und eine Prise schwarzen Humors schätzt, wird an diesem Buch trotz kleiner Schwächen viel Freude haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.10.2025

Ein guter Roman über Demenz und Familienzusammenhalt

Die Bibliothek meines Großvaters
0

„Die Bibliothek meines Großvaters“ von Masateru Konishi wird aus der Perspektive von Kaede, einer jungen Lehrerin, erzählt. Sie kümmert sich um ihren Großvater, der an der Lewy-Körper-Demenz leidet. Einst ...

„Die Bibliothek meines Großvaters“ von Masateru Konishi wird aus der Perspektive von Kaede, einer jungen Lehrerin, erzählt. Sie kümmert sich um ihren Großvater, der an der Lewy-Körper-Demenz leidet. Einst war er ein leidenschaftlicher Leser klassischer Kriminalromane, nun verliert er sich immer öfter in den Nebeln seines Gedächtnisses. Als Kaede in seiner Bibliothek auf rätselhafte Notizen und alte Zeitungsausschnitte stößt, beginnt sie, den Spuren seiner Vergangenheit zu folgen – und entdeckt dabei Geheimnisse, die tief in die Geschichte ihrer Familie reichen.
Wer hier einen Krimi erwartet, wird enttäuscht werden, denn es geht viel mehr um Familie, Zusammenhalt und Erinnerungen als um das Lösen von Rätseln - erst zum Ende hin gewinnt die Geschichte an Spannung.
Konishi erzählt ruhig, feinfühlig und mit großem Respekt vor dem Thema Vergessen. Die Schilderung der Krankheit ist realistisch und empathisch zugleich und ich habe viel Neues gelernt. Auch das Familienverhältnis wird sehr liebevoll gezeichnet: Die Beziehung zwischen Enkelin und Großvater, wie sie sich in Fürsorge, Respekt und kleinen Ritualen ausdrückt, ist einer der bewegendsten Aspekte des Buchs.
Der Aufbau ist so, wie ich es schon als fast typisch japanisch empfinde: eine Aneinanderreihung von Geschichten, die nur lose über ein verbindendes Element verfügen und man erst zum Ende hin sieht, wie alles zusammengehört. Gleichzeitig zieht sich die Story dadurch, was das Lesen zwischendurch schon erschwert hat.

Fazit: Wer einen spannenden Krimi á la Agatha Christie erwartet, ist hier falsch. Aber für alle, die sich für die Themen Demenz und Familienzusammenhalt im japanischen Kulturkreis interessieren, ist es ein schönes Beispiel der leisen japanischen Literatur, die thematisch oftmals noch lange nachhallt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere