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Veröffentlicht am 05.01.2026

Wenig überzeugende Charaktere und überzeichnete Story - enttäuschend!

Der Nachbar
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Sarah war eine erfolgreiche Strafverteidigerin, ihr Leben mit ihrem ebenfalls erfolgreichen Ehemann Ralph und Tochter Ruby das, wovon viele träumen – doch dann begann der Alptraum…

Zu Beginn des Buches ...

Sarah war eine erfolgreiche Strafverteidigerin, ihr Leben mit ihrem ebenfalls erfolgreichen Ehemann Ralph und Tochter Ruby das, wovon viele träumen – doch dann begann der Alptraum…

Zu Beginn des Buches war ich noch mit Feuereifer bei der Story, der Prolog spannend geschrieben und mit genau der richtigen Menge an fehlenden Informationen gespickt, um unbedingt weiterlesen zu wollen und erste Theorien zu spinnen.

Bereits in den folgenden Kapiteln konnte ich jedoch etliche der erst später aufgelösten Zusammenhänge für mich als gegeben einordnen und fand zudem den Charakter der Sarah nur wenig überzeugend. Dass ein Mensch nach solchen Schicksalsschlägen ein ganz ordentliches Päckchen zu tragen hat, ist glaubhaft. Dass sich eine gestandene Strafverteidigerin jedoch dermaßen häufig so naiv, in manchen Situationen gar fahrlässig oder schlichtweg blöd verhält, hat für mich nicht gepasst.

Allgemein empfand ich die Story an etlichen Punkten massiv überzeichnet, bspw. die Einträge in einem gewissen Buch mit dunklem Einband. Dass die Person, die dann in der Auflösung wohl die Gesuchte war, etwas mit den Geschehnissen zu tun haben musste, war mir klar, als das erste Kapitel mit ihr zum Tragen kam. Um Spoiler zu vermeiden, gehe ich an dieser Stelle nicht näher darauf ein.

Grundsätzlich hat die Story ihren Reiz, Spannung und überraschende Momente, jedoch für mich bei Weitem nicht in der Qualität wie es andere Fitzeks hatten. Was ich uneingeschränkt toll finde, ist die Sonderausstattung der limitierten Erstauflage! Hier hat der Verlag einmal mehr ein hervorragendes Händchen für eine grandiose Buchgestaltung und Sonderausstattung bewiesen.

Von mir gibt es daher an dieser Stelle weder eine Leseempfehlung noch das Gegenteil. Entscheidet selbst, ob ihr reinlesen möchtet oder lieber zu einem anderen Buch greift.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Nichts für schwache Nerven und sicherlich keine leichte Unterhaltung - Polarisation par excellence

Zeitbrand: Genesis
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Dieses Buch polarisiert. Durch seine Schonungslosigkeit, durch seine Unbequemlichkeit, durch seine Konsequenz, hässliche Dinge beim Namen zu nennen – ungeschönt. Dabei ist es inhaltlich gespickt mit subtiler, ...

Dieses Buch polarisiert. Durch seine Schonungslosigkeit, durch seine Unbequemlichkeit, durch seine Konsequenz, hässliche Dinge beim Namen zu nennen – ungeschönt. Dabei ist es inhaltlich gespickt mit subtiler, brandaktueller Gesellschaftskritik und zahlreichen Anregungen, das eigene Verhalten, eigene Einstellungen kritisch zu hinterfragen und dabei auch bewusst das Augenmerk auf die Aspekte zu legen, die uns unangenehm sind. Ja, jede Entscheidung oder Überzeugung hat ihre Schattenseiten und negative Konsequenzen. Ob für uns oder andere, ist dabei unerheblich. Es gibt sie. Sie existieren. Darum und die Auseinandersetzung damit geht es.

Eryx Vail hält den Leser:innen mit stoischer Konsequenz diesen unerfreulichen Spiegel vor, was das Lesen des Buches, wie er selbst schreibt, zu einer Zumutung macht.

Um jedoch ein tieferes Verständnis dieses in weiten Teilen äußerst brutal geschriebenen Textes zu erlangen, ist es notwendig, sich intensiv damit auseinander zu setzen. Fahriges Drüberlesen oder Berieseln-Lassen wird nicht funktionieren. Und selbst wenn die Leserin oder der Leser sich darauf einlassen kann, wird es zahlreichen davon nicht gefallen. Aber das muss es auch nicht, wenn andersartige, zum Nachdenken anregende Literatur und nicht gefällige gewünscht ist.

Es ist sehr schwer, das Buch genauer zu beschreiben, ohne zu viel von der Story oder den Charakteren zu verraten. Allerdings so viel: Der Klappentext der ersten Auflage lässt nicht einmal erahnen, wie heftig und unbequem der Inhalt ist und wie tief die Abgründe der gezeichneten Charaktere. Empfindsamen, sensiblen oder gewaltaversen Leser:innen kann ich daher nur dringend abraten, dieses Buch zu lesen. Auch ist es in meiner Wahrnehmung ausschließlich für erwachsene Leser geeignet.

Neben den von mir positiv empfundenen Punkten, nämlich, dass dieses Fantasy-Buch so ganz anders daherkommt als erwartet, gibt es allerdings auch Kritikpunkte: Die Charaktere verlieren im Laufe der Geschichte teilweise an Zeichnung und waren für mich zum Ende hin nicht mehr stimmig. Grundsätzlich werden sehr viele Charakter in die Geschichte eingeführt, was verwirrend sein kann.

Insbesondere zum Ende hin hat die Story für mich an Dichte verloren. Zu viele Zufälle und „glückliche“ Fügungen, um mich zufrieden zu stellen und bei der Geschichte zu halten.

Bezugnehmen auf die erste Auflage besticht das Buch, leider, auch negativ durch nur mäßige Lektoratsarbeit. Es finden sich zahlreiche, vermeidbare Fehler, die ggfs. den inhaltlichen Lesefluss stören.

Ein womöglich ebenfalls wichtiger Hinweis: Es handelt sich um den ersten Band einer Serie. Das Buch ist damit nicht in sich abgeschlossen und es bleiben viele Fragen offen.

Und damit schließt sich der Kreis zum Beginn dieser Rezension: Dieses Buch polarisiert. Entscheidet selbst, ob es etwas für euch sein könnte.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Grandiose Idee, leider nur mittelmäßige Umsetzung

The Hollow Places
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Kara zieht nach ihrer Scheidung vorübergehend im „Wundermuseum“ ihres Onkels Earl ein. – Der Name ist hier Programm! Gesäumt von Kuriositäten dauert es nicht lange, da beginnen merkwürdige Begebenheiten ...

Kara zieht nach ihrer Scheidung vorübergehend im „Wundermuseum“ ihres Onkels Earl ein. – Der Name ist hier Programm! Gesäumt von Kuriositäten dauert es nicht lange, da beginnen merkwürdige Begebenheiten ihren Lauf zu nehmen und Kara startet gemeinsam mit dem sehr besonderen Barista Simon von nebenan eine abenteuerliche Reise in eine kaum vorstellbare Parallelwelt.

T. Kingfishers neustes Werk beginnt stark, sprachlich sehr direkt und toll zugänglich und wunderbar schwarzhumorig. Wer die Beschreibung der Exponate aus dem Wundermuseum nicht direkt einem Bild zuordnen kann, sei wärmstens empfohlen, eine Bildersuche im Internet zu nutzen. Vor meinem geistigen Auge sind in der Folge dieser kleinen Übung viel grausigere Szenen entstanden als ohne diesen zusätzlichen Impuls.

Leider entwickelt sich die Handlung dann nicht so temporeich und spannend weiter, wie auf Basis der ersten Seiten zu erwarten gewesen ist, es folgen einige Längen in einer Welt, die so anders ist, dass manche Beschreibungen auch mit sehr viel Phantasie kaum bildlich Gestalt annehmen können.

Im letzten Drittel gewinnt die Story dann an Fahrt, es wird richtig spannend, jedoch konnte mich das Ende und die Auflösung nicht überzeugen. Zu viele Mysterien werden recht platt und einfallslos zu Ende gebracht oder aufgelöst, jedenfalls in meiner subjektiven Wahrnehmung.

Unter dem Strich ein okayes Buch, das allerdings deutlich hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist. Sehr schade!

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Veröffentlicht am 05.07.2024

Verstörende Feminismus-/Endzeit-Dystopie

Das Verschwinden
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Jane ist verzweifelt. Von einem Moment auf den nächsten sind ihr Mann und ihr kleiner Sohn verschwunden und sie hat erst etliche Stunden später Notiz davon genommen. Ein Martyrium beginnt, in dessen Verlauf ...

Jane ist verzweifelt. Von einem Moment auf den nächsten sind ihr Mann und ihr kleiner Sohn verschwunden und sie hat erst etliche Stunden später Notiz davon genommen. Ein Martyrium beginnt, in dessen Verlauf sich herausstellt, dass von einem Moment auf den nächsten, alle Menschen mit einem Y-Chromosom spurlos verschwunden sind. Die übriggebliebenen Frauen beginnen, sich nach einer Schockstarre neu zu formieren und wieder gesellschaftliche Strukturen und Infrastruktur aufzubauen - bis Verschwörungstheorien laut werden und verstörende Videos der Verschwundenen auftauchen.

Durch die Kurzbeschreibung neugierig geworden, habe ich mir dieses Buch bestellt. Bereits nach wenigen Seiten musste ich leider feststellen, dass ich kaum oder nur sehr schwierig zu Jane, einer der Hauptfiguren, finde. Vom Leben gebeutelt, oft falsch behandelt, aber eben oftmals auch falsche Entscheidungen treffend, versucht sie, zurechtzukommen - bis sich ihr Leben zum wiederholten Male komplett verändert.

Ähnlich komplexe Schicksale anderer Frauen werden beschrieben, jede davon hat ihr Päckchen zu tragen - und immer scheinen Männer und / oder Söhne eine zentrale Rolle am Leid dieser Frauen zu spielen - puh.

Als dann im Laufe der Handlung extrem verstörende, psychedelische Videos der Verschwundenen auftauchen, die mit teils extremer Gewalt, welche mitunter sehr bildlich beschrieben wird, einhergehen, war ich überzeugt, nicht den Inhalt zu lesen, den ich mir vorgestellt hatte.

Obwohl ich offen war und bin für neue Sichtweisen und auch eine feministisch geprägte Gesellschaft, empfinde ich die überdeutliche Spaltung und Stigmatisierung in diesem Buch von männlich = schlecht und weiblich = gut als unwahr. Die Autorin selbst spielt damit, haben doch alle ihre weiblichen Hauptfiguren mal mehr, mal weniger dunkle Geheimnisse.

Ein konkreter Satz in der Danksagung der Autorin hat mich komplett fassungslos zurückgelassen und meine Sicht auf dieses Buch sehr negativ beeinflusst: "[...] Frauen, die [...] mutig genug waren, unapologetisch auszusprechen, dass es keine Männer geben sollte.", S. 303. Hier war ich raus.

Wir brauchen mehr Augenhöhe, mehr Verständnis, mehr Dialog miteinander statt übereinander, aber bestimmt nicht mehr Spaltung, mehr Stigmatisierung und Radikalisierung.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Herbe Enttäuschung statt atemloser Spannung - "Die Ehefrau" hält nicht, was sie verspricht

Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?
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Sylvia steckt in der Klemme und braucht dringend einen Job. Da scheint der attraktive Adam wie ein Geschenk des Himmels: Er sucht eine Pflegekraft für seine Ehefrau Victoria, die seit einem Unfall schwer ...

Sylvia steckt in der Klemme und braucht dringend einen Job. Da scheint der attraktive Adam wie ein Geschenk des Himmels: Er sucht eine Pflegekraft für seine Ehefrau Victoria, die seit einem Unfall schwer beeinträchtigt ist. Doch was wie ein Glücksgriff beginnt, entwickelt sich schnell zu einem undurchsichtigen Geflecht aus Lügen und Intrigen.

Ein klassisches Muster ohne Überraschungen
Wer bereits „Wenn sie wüsste“ oder „Sie kann dich hören“ gelesen hat, wird hier ein sehr bekanntes Muster vorfinden: Eine junge Frau in Geldnot trifft auf einen gutaussehenden „Retter“. Leider krankt die Geschichte für mich an mehreren Stellen.

Die Kritikpunkte im Detail:
Wenig authentische Charaktere: Sylvia (oder Sylvie) wirkt als Protagonistin leider extrem einfältig und teilweise sogar dreist – etwa wenn sie ernsthaft beleidigt ist, dass ihr Chef sie nicht frisch bekocht, sondern ihr „nur“ ein Mikrowellengericht serviert. Insgesamt blieb nur ein einziger Charakter sympathisch, der lediglich eine Nebenrolle spielte; alle anderen wirkten plump, oberflächlich oder psychotisch gezeichnet.
Stereotype Rollenzeichnung: Erfolgreicher, wohlhabender Mann mit gutaussehender Frau als Anhängsel – so die Rollenaufteilung im Kern. Den Verlauf der stark stereotyp gezeichneten Story zu lesen und auch, wie wenig emanzipiert Victoria und Sylvia sind, ist schwer erträglich, wenn man sich als Leserin mit diesem Bild einer Frau nicht (mehr) identifizieren kann.
Unglaubwürdige Erzählweise: Insbesondere die Tagebucheinträge von Victoria wirkten auf mich völlig unglaubwürdig und nicht authentisch. Weder der ausufernde Schreibstil noch der Inhalt passten zu einer nicht im Überfluss mit Freizeit gesegneten Krankenschwester oder zu den Personen, für die diese Zeilen ursprünglich gedacht waren.
Gleich zu Beginn wird das Alter der Hauptfigur thematisiert, es fällt ein Satz in der Art „als ich noch jünger war“, welcher mich eine etwas reifere Frau vermuten ließ, nur um dann zu erfahren, dass sie erst Mitte 20 ist.
Sprachliche Redundanz: Die ständigen Wiederholungen darüber, wie unglaublich attraktiv und sexy Adam ist, waren kaum zu ertragen. Überhaupt zieht sich die Story auf über 400 Seiten unnötig in die Länge. Viele Szenen wiederholen sich inhaltlich, ohne die Handlung voranzutreiben.
Vorhersehbarkeit statt Thrill: Da die Autorin selbst Ärztin ist, überrascht die medizinisch für mich eher unglaubwürdige Darstellung von Victorias Zustand. Das Ende war zudem in weiten Teilen vorhersehbar. Der Versuch, durch eine Aneinanderreihung von hanebüchenen Zufällen noch einen Plot-Twist zu erzwingen, konnte das Ruder für mich nicht mehr herumreißen.

Fazit
Nach dem großen Hype um Freida McFadden war dieses Buch für mich eine herbe Enttäuschung. „Die Ehefrau“ ist ein Thriller, dem es an Originalität, sympathischen Figuren und einem glaubwürdigen Spannungsbogen fehlt. Wer McFadden-Neuling ist, findet hier vielleicht kurzweilige Unterhaltung, für Kenner ihrer Werke ist es jedoch nur ein müder Aufguss bekannter Motive.

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