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Veröffentlicht am 02.12.2024

Grandiose Idee, leider nur mittelmäßige Umsetzung

The Hollow Places
2

Kara zieht nach ihrer Scheidung vorübergehend im „Wundermuseum“ ihres Onkels Earl ein. – Der Name ist hier Programm! Gesäumt von Kuriositäten dauert es nicht lange, da beginnen merkwürdige Begebenheiten ...

Kara zieht nach ihrer Scheidung vorübergehend im „Wundermuseum“ ihres Onkels Earl ein. – Der Name ist hier Programm! Gesäumt von Kuriositäten dauert es nicht lange, da beginnen merkwürdige Begebenheiten ihren Lauf zu nehmen und Kara startet gemeinsam mit dem sehr besonderen Barista Simon von nebenan eine abenteuerliche Reise in eine kaum vorstellbare Parallelwelt.

T. Kingfishers neustes Werk beginnt stark, sprachlich sehr direkt und toll zugänglich und wunderbar schwarzhumorig. Wer die Beschreibung der Exponate aus dem Wundermuseum nicht direkt einem Bild zuordnen kann, sei wärmstens empfohlen, eine Bildersuche im Internet zu nutzen. Vor meinem geistigen Auge sind in der Folge dieser kleinen Übung viel grausigere Szenen entstanden als ohne diesen zusätzlichen Impuls.

Leider entwickelt sich die Handlung dann nicht so temporeich und spannend weiter, wie auf Basis der ersten Seiten zu erwarten gewesen ist, es folgen einige Längen in einer Welt, die so anders ist, dass manche Beschreibungen auch mit sehr viel Phantasie kaum bildlich Gestalt annehmen können.

Im letzten Drittel gewinnt die Story dann an Fahrt, es wird richtig spannend, jedoch konnte mich das Ende und die Auflösung nicht überzeugen. Zu viele Mysterien werden recht platt und einfallslos zu Ende gebracht oder aufgelöst, jedenfalls in meiner subjektiven Wahrnehmung.

Unter dem Strich ein okayes Buch, das allerdings deutlich hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist. Sehr schade!

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Veröffentlicht am 05.07.2024

Verstörende Feminismus-/Endzeit-Dystopie

Das Verschwinden
0

Jane ist verzweifelt. Von einem Moment auf den nächsten sind ihr Mann und ihr kleiner Sohn verschwunden und sie hat erst etliche Stunden später Notiz davon genommen. Ein Martyrium beginnt, in dessen Verlauf ...

Jane ist verzweifelt. Von einem Moment auf den nächsten sind ihr Mann und ihr kleiner Sohn verschwunden und sie hat erst etliche Stunden später Notiz davon genommen. Ein Martyrium beginnt, in dessen Verlauf sich herausstellt, dass von einem Moment auf den nächsten, alle Menschen mit einem Y-Chromosom spurlos verschwunden sind. Die übriggebliebenen Frauen beginnen, sich nach einer Schockstarre neu zu formieren und wieder gesellschaftliche Strukturen und Infrastruktur aufzubauen - bis Verschwörungstheorien laut werden und verstörende Videos der Verschwundenen auftauchen.

Durch die Kurzbeschreibung neugierig geworden, habe ich mir dieses Buch bestellt. Bereits nach wenigen Seiten musste ich leider feststellen, dass ich kaum oder nur sehr schwierig zu Jane, einer der Hauptfiguren, finde. Vom Leben gebeutelt, oft falsch behandelt, aber eben oftmals auch falsche Entscheidungen treffend, versucht sie, zurechtzukommen - bis sich ihr Leben zum wiederholten Male komplett verändert.

Ähnlich komplexe Schicksale anderer Frauen werden beschrieben, jede davon hat ihr Päckchen zu tragen - und immer scheinen Männer und / oder Söhne eine zentrale Rolle am Leid dieser Frauen zu spielen - puh.

Als dann im Laufe der Handlung extrem verstörende, psychedelische Videos der Verschwundenen auftauchen, die mit teils extremer Gewalt, welche mitunter sehr bildlich beschrieben wird, einhergehen, war ich überzeugt, nicht den Inhalt zu lesen, den ich mir vorgestellt hatte.

Obwohl ich offen war und bin für neue Sichtweisen und auch eine feministisch geprägte Gesellschaft, empfinde ich die überdeutliche Spaltung und Stigmatisierung in diesem Buch von männlich = schlecht und weiblich = gut als unwahr. Die Autorin selbst spielt damit, haben doch alle ihre weiblichen Hauptfiguren mal mehr, mal weniger dunkle Geheimnisse.

Ein konkreter Satz in der Danksagung der Autorin hat mich komplett fassungslos zurückgelassen und meine Sicht auf dieses Buch sehr negativ beeinflusst: "[...] Frauen, die [...] mutig genug waren, unapologetisch auszusprechen, dass es keine Männer geben sollte.", S. 303. Hier war ich raus.

Wir brauchen mehr Augenhöhe, mehr Verständnis, mehr Dialog miteinander statt übereinander, aber bestimmt nicht mehr Spaltung, mehr Stigmatisierung und Radikalisierung.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Herbe Enttäuschung statt atemloser Spannung - "Die Ehefrau" hält nicht, was sie verspricht

Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?
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Sylvia steckt in der Klemme und braucht dringend einen Job. Da scheint der attraktive Adam wie ein Geschenk des Himmels: Er sucht eine Pflegekraft für seine Ehefrau Victoria, die seit einem Unfall schwer ...

Sylvia steckt in der Klemme und braucht dringend einen Job. Da scheint der attraktive Adam wie ein Geschenk des Himmels: Er sucht eine Pflegekraft für seine Ehefrau Victoria, die seit einem Unfall schwer beeinträchtigt ist. Doch was wie ein Glücksgriff beginnt, entwickelt sich schnell zu einem undurchsichtigen Geflecht aus Lügen und Intrigen.

Ein klassisches Muster ohne Überraschungen
Wer bereits „Wenn sie wüsste“ oder „Sie kann dich hören“ gelesen hat, wird hier ein sehr bekanntes Muster vorfinden: Eine junge Frau in Geldnot trifft auf einen gutaussehenden „Retter“. Leider krankt die Geschichte für mich an mehreren Stellen.

Die Kritikpunkte im Detail:
Wenig authentische Charaktere: Sylvia (oder Sylvie) wirkt als Protagonistin leider extrem einfältig und teilweise sogar dreist – etwa wenn sie ernsthaft beleidigt ist, dass ihr Chef sie nicht frisch bekocht, sondern ihr „nur“ ein Mikrowellengericht serviert. Insgesamt blieb nur ein einziger Charakter sympathisch, der lediglich eine Nebenrolle spielte; alle anderen wirkten plump, oberflächlich oder psychotisch gezeichnet.
Stereotype Rollenzeichnung: Erfolgreicher, wohlhabender Mann mit gutaussehender Frau als Anhängsel – so die Rollenaufteilung im Kern. Den Verlauf der stark stereotyp gezeichneten Story zu lesen und auch, wie wenig emanzipiert Victoria und Sylvia sind, ist schwer erträglich, wenn man sich als Leserin mit diesem Bild einer Frau nicht (mehr) identifizieren kann.
Unglaubwürdige Erzählweise: Insbesondere die Tagebucheinträge von Victoria wirkten auf mich völlig unglaubwürdig und nicht authentisch. Weder der ausufernde Schreibstil noch der Inhalt passten zu einer nicht im Überfluss mit Freizeit gesegneten Krankenschwester oder zu den Personen, für die diese Zeilen ursprünglich gedacht waren.
Gleich zu Beginn wird das Alter der Hauptfigur thematisiert, es fällt ein Satz in der Art „als ich noch jünger war“, welcher mich eine etwas reifere Frau vermuten ließ, nur um dann zu erfahren, dass sie erst Mitte 20 ist.
Sprachliche Redundanz: Die ständigen Wiederholungen darüber, wie unglaublich attraktiv und sexy Adam ist, waren kaum zu ertragen. Überhaupt zieht sich die Story auf über 400 Seiten unnötig in die Länge. Viele Szenen wiederholen sich inhaltlich, ohne die Handlung voranzutreiben.
Vorhersehbarkeit statt Thrill: Da die Autorin selbst Ärztin ist, überrascht die medizinisch für mich eher unglaubwürdige Darstellung von Victorias Zustand. Das Ende war zudem in weiten Teilen vorhersehbar. Der Versuch, durch eine Aneinanderreihung von hanebüchenen Zufällen noch einen Plot-Twist zu erzwingen, konnte das Ruder für mich nicht mehr herumreißen.

Fazit
Nach dem großen Hype um Freida McFadden war dieses Buch für mich eine herbe Enttäuschung. „Die Ehefrau“ ist ein Thriller, dem es an Originalität, sympathischen Figuren und einem glaubwürdigen Spannungsbogen fehlt. Wer McFadden-Neuling ist, findet hier vielleicht kurzweilige Unterhaltung, für Kenner ihrer Werke ist es jedoch nur ein müder Aufguss bekannter Motive.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Wenig überzeugende Mischung aus Liebesdrama und Lebensratgeber

Weil ich dich immer lieben werde
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Durch einen grausamen Schicksalsschlag wird Jess aus ihrem bekannten Leben gerissen. Plötzlich ist sie allein und muss sich um ihre kleine Tochter kümmern. Es häufen sich Ungereimtheiten, die Jess an dem ...

Durch einen grausamen Schicksalsschlag wird Jess aus ihrem bekannten Leben gerissen. Plötzlich ist sie allein und muss sich um ihre kleine Tochter kümmern. Es häufen sich Ungereimtheiten, die Jess an dem zweifeln lassen, das sie bislang für ihr Leben und ihre Ehe hielt...


Die Story von "Weil ich dich immer lieben werde" klingt packend, dramatisch und doch im Grundton nach vorne und positiv ausgerichtet. Kurz gesagt, ich war sehr neugierig auf das Buch und deshalb freute es mich sehr, als ich es im Zuge einer Verlosung gewann und darin abtauchen durfte.


Die gewählte Sprache ist eingängig und leicht, der Stil mitunter etwas holprig, für mich in Teilen gewöhnungsbedürftig. Hochemotionale Szenen, welche mir an der ein oder anderen Stelle Tränen in die Augen treten ließen, gehen in oft haarsträubendem Tempo unvermittelt in eine Form der gedanklichen Selbst-Therapie über. Eine krude Mischung aus Liebesdrama und Lebensratgeber, die mich mehr als einmal überlegen ließ, das Buch abzubrechen. Die Hauptperson "coacht" sich selbst, erhält von ihrem Umfeld Unterstützung, wird jedoch auch immer wieder von Menschen, die ihr nahestehen in das nächste emotionale Drama gestoßen.

Leser:innen sehen sich einer Vielzahl von Begebenheiten gegenüber, die allzu häufig oberflächlich bleiben, um der nächste Szene, dem nächsten vermeintlichen "Wow!" oder "Ohhh!" Platz zu machen. Für meinen Geschmack leider allzu vorhersehbar und teilweise handwerklich eher plump auf eine gigantische Lovestory abzielend, die sich - sehr absehbar - aus dem ganzen Drama erwächst.

Auch blieben die gezeichneten Charaktere für mich unglaubwürdig und wurden nicht greifbar. Es baute sich keinerlei Beziehung auf.

Die Story hat tolles Potenzial, das mich in der vorgelegten Form jedoch nicht erreichen und überzeugen konnte. Schade!

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Warum mich „Die Let-Them-Theorie“ nicht überzeugt hat

Die LET THEM Theorie
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Ich bin mit sehr hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen – vielleicht zu hoch. Denn leider blieb „Die Let-Them-Theorie“ für mich nicht nur weit hinter diesen Erwartungen zurück, sondern entwickelte ...

Ich bin mit sehr hohen Erwartungen an dieses Buch herangegangen – vielleicht zu hoch. Denn leider blieb „Die Let-Them-Theorie“ für mich nicht nur weit hinter diesen Erwartungen zurück, sondern entwickelte sich von Kapitel zu Kapitel mehr zu einer herben Enttäuschung.


Stil und Tonfall – sehr amerikanisch geprägt, zu laut

Bereits der Einstieg ließ mich skeptisch zurück: Der stark amerikanisch geprägte Stil – mit einer Mischung aus übertriebener Positivität, vereinfachten Lebensweisheiten und einem „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Tonfall – wirkte auf mich wenig authentisch. Die Autorin greift durchgehend auf Superlative und absolute Aussagen zurück („Mach X und dein Leben wird Y“), was bei mir mehr Augenrollen als Aha-Momente hervorrief. Besonders die vertrauliche Leseransprache („Als deine Freundin...“) empfand ich als unangemessen und aufgesetzt.


Inhaltlich: Wiederholungen, Vereinfachungen und fragwürdige Ratschläge

Mel Robbins setzt stark auf Wiederholungen und persönliche Anekdoten – viele davon wirken übergriffig und unnötig privat. Ihre Familie, insbesondere die Kinder, werden sehr offen thematisiert, was ich als Mutter kritisch und unangemessen finde. Zudem begegnet einem eine Vielzahl an Lebensratschlägen, die oft weder neu noch besonders hilfreich sind – und teilweise in eine Richtung gehen, die ich fast schon problematisch finde.

Ein Beispiel: Das Modell „5-4-3-2-1 – Zwing dich einfach“ mag für manche motivierend sein, bei mir löst es eher Unbehagen aus. Wer sich monatelang zu allem zwingen muss, braucht wahrscheinlich keine Selbsthilfeformel, sondern professionelle Unterstützung.


Zwischen Lichtblicken und Widersprüchen

Es gab durchaus einzelne Passagen, die ich als wertvoll empfand – etwa die Analogie mit dem Kartenspiel in Kapitel 9 oder den Impuls, Wut produktiv umzudeuten in Kapitel 10. Doch diese Lichtblicke konnten das Gesamtbild nicht retten. Viel zu oft wurden Konzepte wie „Let them“ als universelle Heilsbringer verkauft, ohne Raum für Differenzierung oder kritische Reflexion.

Besonders frustrierend waren die sich widersprechenden Aussagen. Mal soll man Menschen „einfach lassen“, dann wieder subtil beeinflussen. Kapitel 15 trieb diese Widersprüchlichkeit auf die Spitze: Von echter Akzeptanz konnte dort keine Rede mehr sein – das war für mich blanke Manipulation, getarnt als Lebenshilfe.


Fazit: Ein großer Marketing-Gag mit wenig Substanz

Wäre ich nicht Teil einer Leserunde gewesen, hätte ich das Buch nicht beendet. Die Essenz der Let-Them-Theorie hätte man in einem kurzen Artikel oder einem 50-seitigen Booklet kompakt zusammenfassen können – ohne Substanzverlust. Stattdessen zieht sich das Buch auf über 300 Seiten, verliert sich in Wiederholungen, persönlicher Selbstvermarktung und überzeichneten Beispielen.

Das Werk ist für mich leider nichts weiter als eine clever inszenierte Marketingkampagne um eine altbekannte Idee, verpackt in einem schicken neuen Gewand. Lebensverändernd? Kein bisschen. Eher ein Paradebeispiel für den Unterschied zwischen lauter Selbstdarstellung und echtem, hilfreichem Inhalt.

Meine Empfehlung: Wer sich wirklich mit persönlicher Entwicklung und dem Umgang mit zwischenmenschlichen Herausforderungen auseinandersetzen möchte, findet in wissenschaftlich fundierten Werken wie Immunity to Change von Kegan & Lahey wesentlich mehr Substanz – und weniger heiße Luft.

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